Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 5. August 2021

Lesedauer: 7 Minuten

Kinder haben genug gelitten

4. August: „Die Angst der Lehrer vor dem Schulstart. Pädagogen erwarten massive Auseinandersetzungen mit Eltern wegen Corona-Kinderimpfungen

Es macht fassungslos: Warum sollten bei einem Corona-Fall in der Klasse ungeimpfte Kinder in Quarantäne und geimpfte nicht? Nach heutigem Wissensstand schützt Impfung vor einem schweren Verlauf, der bei gesunden Kindern sowieso eine Rarität ist, aber nicht davor, genauso wie Ungeimpfte zu erkranken, das Virus weiterzugeben und damit die Infektionszahlen steigen zu lassen. Was tut man den Kindern und Jugendlichen an, die ja nun wahrlich genug unter den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gelitten haben und leiden, wenn es dadurch zu einer „Zwei-Klassen-Gemeinschaft“ bzw. dann wohl eher „Nicht-Gemeinschaft“ kommt? Wenn es aber Politiker gibt, die die aus Wissenschaftlern und Ärzten bestehende Stiko als „Gruppe Ehrenamtlicher“ bezeichnet, während in der Arzneimittelbehörde die Profis säßen, darf einen wohl nichts mehr verwundern. Man kann nur hoffen, dass der gesunde Menschenverstand irgendwann wieder die Oberhand gewinnt.

Corinna Pods

Die Sorgen der kleinen Helden

Unsere kleinen Helden verzichten seit Monaten auf ihre Kindheit, verzichten auf Umarmungen mit Opa und Oma, verzichten auf Freunde, auf Schule, lernen allein und arrangieren sich so gut es geht mit der Technik! Sie lassen sich testen – in der Schule, vor dem Sport, im Urlaub! Nun sitzen diese kleinen Helden ganz tapfer in den Arztpraxen und wollen sich unbedingt impfen lassen – damit die Kindheit endlich wieder normal wird! Sie lassen sich nicht impfen, weil Mama und Papa es wollen und auch nicht, weil es dann im Urlaub entspannter wird. Und diese Eltern lassen ihre Kinder nicht impfen, weil sie leichtsinnig sind oder fahrlässig, es macht auch keinen Unterschied ob die Stiko nein und die Politik ja sagt. Sie informieren sich selbst und machen sich viele Gedanken und Sorgen. Sorgen vor erneuten Schulschließungen, Sorgen vor erneuten Quarantänen – wieder isoliert zu sein! Für jedes Kind, das ich impfe, wünsche ich mir mindestens zwei Menschen zwischen 18-50 Jahren, die sich auch impfen lassen, denn das ist die entscheidende Gruppe von Menschen, die wir nun unbedingt brauchen, damit das Leben wieder lebenswert wird! Es macht mich sprachlos, wenn mir junge Menschen mit einer gleichgültigen Einstellung gegenüberstehen.

Dr. Delia Dittrich

Polemischer Vorwurf

4. August: „Online-Anzeigen gegen Falschparker – Denunzianten?“

Rücksichtslosigkeit braucht keinen Respekt. Rücksichtslosigkeit bedarf Einsicht. Und da diese Einsicht bei vielen Falschparkern nicht gegeben ist, die insbesondere Kinder, Senioren und Menschen mit Handicap gefährden, sind Sanktionen erforderlich. Und dafür ist die Hilfe eines Onlinetools nützlich, solange das Ordnungsamt kapazitiv nicht mehr hinterherkommt. Der Vorwurf von Denunziation ist Polemik und hat mit diesem Thema gar nichts zu tun.

Stefan Friedrich

Hilfssheriffs mit Anzeige-App

Wollen wir das? Eine Gesellschaft, in der die einen die anderen denunzieren? Eine Gesellschaft voller Hilfssheriffs mit Anzeige-Apps? Erst werden Falschparker angezeigt und dann? Will die Politik die Verkehrsprobleme lösen, indem sie Menschen aufeinanderhetzt? Riskieren, dass der Zusammenhalt immer weiter bröselt? Und am Ende nur noch Rechthaber und Besserkönner bestimmen? Ich will in solch einer Gesellschaft nicht leben. Ich möchte, dass alle Menschen gerne auf einander Rücksicht nehmen. Und freundlich bleiben zueinander und maßvoll. Im Straßenverkehr wie im Park, im Supermarkt und im Stadion. Einander anzeigen und auf die Fehler der anderen lauern, erlebe ich als schäbig.

Bernd Lohse

Autofahrer sind die Bösen

Einmal abgesehen davon , dass ich dieses Denunziantentum ganz generell katastrophal finde, könnte ich als Stadtbewohner jeden Tag unendlich viele Anzeigen gegen Radfahrer loslassen, die bei Rot über Ampeln und regelmäßig auf Gehwegen fahren, obwohl ein gut ausgebauter Radweg existiert, die auf der falschen Straßenseite fahren, die in Einbahnstraßen fahren, wo es nicht ausdrücklich erlaubt ist und die in der Dunkelheit ohne Licht fahren. Leider gibt es keine Kennzeichnungspflicht für Fahrräder, die es mir ermöglichen würde, mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Wir leben in einer Stadt, in der die Rechte der Fahrradfahrer vor den Rechten der Schwächsten, der Fußgänger, absolute Priorität genießen und in der die Autofahrer generell die Bösen sind.

Rainer Matthies

Treffen ohne Masken

4. August: „Hamburg feiert den strahlenden Tennis-Olympiasieger. Alexander Zverev trägt sich im Rathaus ins Goldene Buch seiner Geburtsstadt ein“

Ganz Deutschland diskutiert über den Schulbeginn unter „Corona-Bedingungen“, regt sich über das Verhalten von Zuschauern bei der Fußball-EM auf, und dann dieses Foto auf der ersten Lokalseite, auf dem zu sehen ist, wie sich hauptsächlich Jugendliche über alle Regeln hinwegsetzen. In den Schulen wird mit Markierungen auf den Abstand hingewiesen, werden Masken getragen und sind Treffen nur in der Kohorte möglich, teilweise sind sogar die Pausenzeiten versetzt. Das gilt wohl alles nicht mehr, wenn ein Tennis-Star kommt.

Helmut Schmidt, Henstedt-Ulzburg

Sorgen um die Zukunft

3. August: „Falsche Prioritäten. Die Frage der Kinderimpfung hätte nie zu einer Kraftprobe werden dürfen“

Ich stimme dem Autoren in seiner Argumentation zu. Unsere Politiker missbrauchen die Frage der Kinder- und Jugendimpfung zu Wahlkampfzwecken und damit aus reinem Machtkalkül. Was, wenn die neu entwickelte Impfung ohne Langzeitstudien in den heranwachsenden Körpern Spätfolgen hervorruft? Die Coronapolitik offenbart Skrupellosigkeit in neuem Stil und ein echtes Verantwortungsbewusstsein gegenüber nachfolgenden Generationen scheint so weit weg wie nie. Ich mache mir ernsthafte Sorgen um Deutschlands Zukunft.

Christina Fischer

Handynutzung ist untersagt

3. August: „Autobahn-App des Bundes warnt vor Staus und lotst zu Raststätten“

Dass die moderne Technik zum Nutzen der Allgemeinheit eingesetzt wird, ist gut und richtig. Aber häufig wird das auch übertrieben. Oder was soll die geplante Autobahn-App des Bundes, die vor Staus auf Autobahnen warnt. Dahinter steckt die Autobahn GmbH, ein Kind des Verkehrsministeriums. Ist dort nicht bekannt, dass die Nutzung eines Handys während der Fahrt dem Fahrzeugführer untersagt ist? Und wie sollen die vielen allein fahrenden Fahrzeugführer, nicht nur in den Lkw, dann von dieser App die aktuelle Verkehrslage auf ihrer Strecke erfahren, wenn sie nicht während der Fahrt verbotswidrig das Handy benutzen? Stattdessen kann man während der Fahrt Radio hören, ohne seine Hände vom Lenkrad und den ständigen Blick auf die Fahrbahn zu nehmen. Daher ist es viel wichtiger, dass alle deutschen Rundfunkanstalten auf einem bestimmten Sender ständig aktuelle Verkehrsmeldungen bringen und nicht nur alle halbe Stunde, meistens vor oder nach den Nachrichten. Dabei ist auch wichtig, dass diese Meldungen ständig auf den neuesten Stand gebracht werden und nicht noch Meldungen über z.B. Verkehrsstaus verbreitet werden, die schon längst überholt sind. Und nach Bekanntwerden einer Verkehrsstörung müsste sofort die laufende Sendung unterbrochen und darauf hingewiesen werden. Das wäre eine nützliche Unterstützung der Autofahrer.

Gerhard Schultz

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