Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 31. Juli 2021

Lesedauer: 7 Minuten

Stadtgrün weicht Beton

30. Juli: „Diekmoor: Der Widerstand wächst. Eine von 7100 Hamburgern unterstützte Online-Petition wehrt sich gegen ein Wohnquartier im Naturschutzgebiet“

Man kann nur den Kopf schütteln über das Vorhaben, ein kostbares Stück Natur unserer Stadt unwiederbringlich dem Wohnungsbau zu opfern. Der Verweis auf einen Ausgleich an anderer Stelle ist so, als würde man den Regenwald roden mit dem Argument, in einem fernen Land ein paar Apfelbäume aufstellen zu wollen. Die unterstützenswerte Initiative „Rettet das Diekmoor“ macht abermals den schwelenden Dauerkonflikt zwischen Wohnungsbau und Naturschutz in Hamburg deutlich. Niemandem kann verborgen geblieben sein, wie Stück für Stück an Stadtgrün dem Beton weicht und zu viele Bäume geopfert werden. Wenn der grüne Umweltsenator die bemerkenswerte Hartnäckigkeit des Abgeordneten Sandro Kappe in Sachen Baumstatistik arrogant weglächelt, zeigt das nur, wie weit sich auch die grüne Politik vom gesunden Menschenverstand unserer Bürger entfernt hat, die um den Naturbestand ihrer ehemals grünen Stadt bangen und für ihn streiten.

Dr. Olaf Krämer

Die Grünen sind gescheitert

Worin besteht eigentlich „grüne Politik“ in Hamburg? Es entsteht der Eindruck, dass der Bau von Fahrradwegen absolute Priorität hat, wobei auch alter Baumbestand geopfert wird. Die Grünen müssen sich an ihrem Programm messen lassen und da sind sie absolut gescheitert. Die Begrünung von Dächern ist ein lächerlicher Versuch, die Vernichtung ökologisch wertvoller Flächen kompensieren zu wollen.

Dietlind Thiessen

Raubbau an unserer Natur

30. Juli: „Jährlich 10.000 neue Wohnungen – jetzt wackelt Hamburgs großes Ziel. Verbandschef Andreas Breitner schlägt Alarm: Preisexplosion bei Baustoffen wirft Kalkulation über den Haufen“

Vielleicht bremst die Preisexplosion bei Baustoffen die Bauwut unseres rot-grünen Senats aus. 10.000 Wohnungen jährlich bis 2025! Da ist es diesem Senat ganz wurscht, wie viele Bäume gerodet werden müssen, Erholungsgebiete zerstört werden und Landschaftsschutzgebiete in die Planung gelangen. Durch das „Bündnis für das Wohnen“ ist das alles möglich. Es wird über die Köpfe der Steuerzahler hinweg gehandelt. Laut „Hamburg Journal“ und der kleinen Anfrage der CDU an den Senat wurden seit Amtsantritt unseres grünen Umweltsenators Jens Kerstan tatsächlich 18.394 Bäume gefällt! Es wurden weitaus mehr Bäume gerodet als nachgepflanzt. Und es geht weiter. Es kümmert auch nicht, wenn der Schwerlastverkehr zu den Baustellen Straßen beschädigt und anliegende Häuser Risse im Mauerwerk bekommen. Vielleicht gönnt diese Preisexplosion bei den Baustoffen dem rot-grünen Senat eine kleine Pause, um einmal nachzudenken, dass dieser Raubbau unserer Natur nicht weiter gehen darf.

Gudrun Schuch-Nehrke

Frei von Sachverstand

30. Juli: „,Staus kosten Wirtschaft viele Millionen Euro‘. Hafenverbands-Präsident Gunther Bonz über fehlende Baustellenkoordinierung, langwierige Güterknappheit und chinesische Terminalbeteiligung“

Dass ein ehemaliger Staatsrat einer christdemokratisch geführten Regierung kein begeisterter Freund sozialdemokratischen Regierungshandeln ist, liegt auf der Hand. Sein Hinweis auf das falsche Ampelsystem trifft allerdings genau den wunden Punkt. Schon zu Beginn der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, als ich nach Hamburg kam, wunderte ich mich über die starren Ampelsysteme, die ich aus vielen Großstädten in Nordrhein-Westfalen nicht gewohnt war. Das war vor immerhin 30 Jahren. Angesichts der Tatsache, dass die Stadt Milliarden in eine einzige U-Bahn-Linie verbauen will, die zudem einen Bogen um wichtige Umsteigestationen macht, in einem dynamischen Umfeld Millionen für ein statisches Busbeschleunigungsprogramm investiert und eine deutlich billigere und vor allem deutlich effektivere Stadtbahn aus sachfremden, dogmatischen Gründen abgelehnt hat , ist klar, dass für so etwas wie eine Umstellung der Ampelsysteme auf eine zeitgemäße Basis keine finanziellen Mittel mehr zur Verfügung stehen. Zudem kann mit so einer nicht sichtbaren Investition niemand Wahlkampfpunkte sammeln. Und das ist offensichtlich die einzige Antriebskraft, die das Thema Verkehrspolitik in Hamburg seit Jahren beherrscht. Frei von Sachverstand, aber aufgeladen mit Emotionen. Wenn Herr Bonz allerdings die Beißhemmung der Sozialdemokraten gegenüber den Grünen beklagt, dann sollte er sich vergegenwärtigen, dass gerade beim Thema Stadtbahn seine CDU ohne Not auch vor der damals winzigen FDP eingeknickt ist.

Andreas Kaluzny

Auf der Feindesliste der USA

29. Juli: „Cyberattacken: Biden warnt vor echtem Krieg. Nach Angriffen auf amerikanische Unternehmen und Regierungsstellen droht der US-Präsident mit Vergeltung – Adressaten sind Russland und China“

Bisher dachte ich, die USA wären die weltweit führende Nation in Sachen Computertechnologie, weil dort Firmen wie Microsoft, Google und Facebook gegründet wurden. Außerdem werden die deutschen Bürger oft davor gewarnt, Verschwörungstheorien Glauben zu schenken. Jetzt muss ich feststellen, dass sich die USA fast panisch vor Cyberattacken fürchten und dafür ausgerechnet ihre Erzfeinde Russland und China verantwortlich machen. Bewiesen ist die Anschuldigung nicht, also soll wohl nur die Angst der Weltbevölkerung geschürt und damit eine Ausgrenzung dieser beiden Länder gefördert werden. Es scheint die USA sehr zu beunruhigen, dass sie Russland an Fläche und China an Bevölkerungszahl unterlegen sind. Aus diesen Gründen wird wohl bald auch Indien auf der Feindesliste der USA stehen. Leider beweist die Aussage von Präsident Biden mal wieder, dass die USA den Krieg dem Weltfrieden vorziehen.

Christiane Mielck-Retzdorff

Mehr Wert auf Qualität legen

27. Juli: „WDR verspricht schnelleres Reagieren bei Katastrophen“

Das wäre ja auch zu viel verlangt, wenn man von einem öffentlich rechtlichen Sender eine zeitnahe Berichterstattung zu tagesaktuellen Themen erwarten würde. Diese Sender machen sich ja lieber mit überheblicher Arroganz über die privaten Sender lustig. Und wie schön, der dumme Bürger darf sie auch noch mit Zwangsgeldern finanzieren, da freuen sich die überbezahlten Intendanten. Hoffentlich werden die GEZ-Gebühren in nicht allzu ferner Zukunft abgeschafft oder zumindest auf ein vernünftiges Maßreduziert. Und auch die Zusammensetzung des Rundfunkrates sollte schleunigst geändert werden. Mehr Wert auf Qualität zu legen, wäre angebracht, bei einem Medium, welches von der Öffentlichkeit bezahlt wird.

Claudia Polefka

Das hatten wir doch schon mal

29. Juli: „Schulleiter des Gymnasiums Blankenese wirft hin. Joachim Hagner tritt zum 1. August zurück“

Ältere Absolventen des Gymnasium Blankenese werden sich erinnern: Das hatten wir doch schon mal. Im Frühjahr 1970, in bewegten Zeiten, stolperte der damalige Schulleiter, Oberstudienrat Heinrich Wernicke (50), über eine aufmüpfige Schülerschaft. Kritisiert wurde u. a. sein autoritärer Stil, der nicht mehr in die Zeit passte. Auch teilte er unsere Vorstellungen von einer Schülerselbstverwaltung (SSV) im Gegensatz zu einer Schülermitverwaltung (SMV) nicht. Nach mehreren Flugblättern, z. B. überschrieben mit „Tausche Schulleiter gegen Sandsack“ nahm er seinen Hut oder musste ihn nehmen. Ihm folgte ein zweiköpfiges, von der Schulbehörde eingesetztes Schulleiterkollektiv – auch dies in der Hamburger Schulgeschichte ein vermutlich nicht einmaliger Vorgang.

Dr. Bernd Michael Granzow, Hamburg

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