Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 28. Juli 2021

Lesedauer: 7 Minuten

Straferwartung lässt nach

27. Juli: „Stones-Affäre: Termin für zweiten Prozess steht. Am 6. August muss sich Yvonne Nische vor Gericht verantworten. Wann gegen ihren Ex-Chef Harald Rösler verhandelt wird, ist noch immer offen

Erstaunlich, dass nach der Verurteilung der Staatsrätin nun innerhalb so kurzer Zeit doch schon ein zweiter Gerichtstermin gegen das nächste Bauernopfer feststeht. Richtigerweise wird auf die sorgfältige Prüfung der Unterlagen wegen der besonderen Bedeutung dieses Falls hingewiesen, und Corona geht ja immer. Die besondere Bedeutung hätte aber auch (noch vor Corona) zu einer Beschleunigung führen können. Doch dann hätte der Termin gegen Rösler schon vor der Hamburger und nun auch vor der Bundestagswahl stattgefunden – unschön für viele Beteiligte, die heute noch führend im Amt sind. Aber nicht nur, dass beim Hauptbeschuldigten die Straferwartung nachlässt, seine Gedächtnislücken dürften auch nicht kleiner werden – wie praktisch!

Holger Schütz

Bürgerkontrolle durch App?

27. Juli: „Bus, Bahn und Carsharing in einer App. Hochbahn-Chef Henrik Falk im großen Abendblatt-Interview über die Maskenpflicht, Lehren aus Corona, den Baustart der U5 und wie der ÖPNV zum Teil des Hamburger Lifestyle werden soll“

Was machen denn die Bürger ohne Handy und damit ohne App? Was machen Sehbehinderte und/oder ältere Menschen? Alles nur noch mit App, ob Katastrophenwarnungen, Moia-Bestellung oder Fahrkarte. Oder dient der Nutzungszwang eines Mobiltelefons zur Einführung einer totalen Kontrolle des Bürgers, wann, wer, wo ist?

Ulrich Flamme

Neue Verkehrsmittel zulassen

Vom Vorstandsvorsitzenden eines der größten Nahverkehrsunternehmen in Deutschland sollte man mehr erwarten. Sein Faible für die Digitalisierung ist ja nett, aber der Ausbau der „Hardware“, also alles, was Fahrgäste real befördert, ist noch wichtiger. Außer einer fragwürdigen U5-Vision, die Politiker, aber nicht Verkehrsfachleute, wollen und immer mehr Bussen kommt da nichts mehr. Wie der ÖPNV-Anteil in Hamburg von derzeit kümmerlichen 20 Prozent auf 30 Prozent erhöht werden soll, ein Wert übrigens, der im Europa-Vergleich (Durchschnitt 38 Prozent) immer noch bescheiden ist, bleibt offen. Andere deutsche Großstädte wie Berlin, München, Frankfurt usw. sind da viel weiter. Wer moderne Straßenbahnen, O-Busse, Wasserbusse (Alster!) oder sogar Seilbahnen kategorisch ignoriert, wird den ÖPNV in Hamburg nicht wesentlich voranbringen.

Jens Ode, Hamburg

Diskutieren allein reicht nicht

27. Juli: „Seehofer, Baerbock und die Lehren aus der Flut. Der Innenminister will die Kommunen beim Katastrophenschutz stärken“

Ich bin erschüttert über die Unfähigkeit unserer Politiker. In der Schweiz und Österreich werden nach jeder Katastrophe Maßnahmen ergriffen, um eine Wiederholung zu verhindern. In Galtür wurden ganze Berge gegen Lawinen verbaut, in Kaprun ist die ausgebrannte Bahn nie wieder gefahren und man hat eine Seilbahn errichtet. In der Schweiz, in Brig, hat man riesige Flächen geschaffen, um dem kleinen Bach vor dem Ort Ausbreitungsflächen zu bieten und hat sogar vor dem Ort Brig eine Brücke gebaut, die im Hochwasserfall angehoben wird, um das gefährliche Aufstauen zu verhindern. Seitdem ist es zu keiner weiteren Katastrophe gekommen. Und was machen unsere Politiker? Sie diskutieren, wie die Bevölkerung besser vor Katastrophen gewarnt werden kann und wie nach der Katastrophe die Einsatzkräfte besser organisiert werden können. Ich kenne die Ahr schon immer als besonders hochwassergefährdeten Fluss. Bei jedem stärkeren Regenfall war das Ahrtal wegen seiner Geografie schon immer das erste von Hochwasser betroffene Flüsschen. Wir sollten die Politik fragen, was sie bis 2021 gegen eine Gefährdung der Menschen getan hat und was sie in Zukunft tun wird. Nach 1962 wissen die Hamburger, dass nur Maßnahmen an der Elbe eine Wiederholung verhindern konnte und nicht ein besseres Warnsystem. Es ist unverantwortlich, das Feigenblatt Klimawandel in den Focus der Diskussion zu stellen, um von den Versäumnissen der Vergangenheit an der Ahr abzulenken. Wenn das schon Auswirkungen vom Klimawandel waren, dann hätten schon lange Maßnahmen umso dringlicher ergriffen werden müssen. Gerade an der Ahr ist das notwendig, denn sonst passiert beim nächsten Starkregen wieder eine Katastrophe.

Dietrich Ksoll

Merkel hatte es leichter

26. Juli: „Hat Baerbock auch von Habeck abgeschrieben?“

Da hat Annalena Baerbock doch tatsächlich das N-Wort gesagt! Nicht, um zu diskriminieren, sondern um einen Fall von Diskriminierung kritisch zu beschreiben. Dafür hat sie sich nun auch noch entschuldigt. Wieso? Weil sie ein Wort aus unserer Sprache ausgesprochen hat, das auch im Duden steht. Wer entschuldigt sich für die Duden-Redaktion? Niemand, weil es doch gar keinen Sinn macht. Die andauernden Angriffe mit kleinkarierten Vorwürfen aus der Mottenkiste haben ihr leider bei den Wählern sehr geschadet. Warum eigentlich? Sie hat sich keinen Titel erschlichen mit einer von A bis Z abgeschriebenen Doktorarbeit und sie hat sich nicht bereichert wie andere Politiker. Auch die restlichen Vorwürfe sind doch gar nichts im Vergleich zu dem, was sich die politischen Gegner an Unappetitlichkeiten zurechnen lassen müssen (Maskenaffäre, Lobbyvorwürfe großen Ausmaßes, Verwicklung in den Cum-Ex-Skandal). Da wird eine weitgehend integere Persönlichkeit mit Schmutz beworfen, um von den eigenen Sünden abzulenken. Leider funktioniert es! Angela Merkel hatte es deutlich leichter, weil sie einfach nur die Nachfolge von Helmut Kohl antrat.

Tom Schoeps

Pandemiealptraum S-Bahn

24./25. Juli: „,Verkehrlich ein Ritt auf der Rasierklinge‘. Für den zuständigen Senator Anjes Tjarks (Grüne) sind die Baustellen, die jetzt zu Dauerstaus führen, unvermeidlich. Andere unterstellen ,Vorsatz‘“

Nachdem Herr Tjarks in Hamburg den Verkehr nahezu vollständig zum Erliegen gebracht hat, könnte man in Süd-Nord-Richtung ja eigentlich den ÖPNV nutzen. Aber ausgerechnet zeitgleich zum Verkehrschaos hat die Bahn sich dann auch etwas besonderes ausgedacht: Der Metronom fährt plötzlich nicht mehr bis zum Hauptbahnhof, sondern endet schon in Harburg. Dort schieben sich dann die Menschenmassen aus dem Metronom auf den ohnehin schon vollen Bahnsteig der S 3. Die soll eigentlich als Langzug verkehren, wenn sie man auch fahren würde. Da kam schon mal nach längerem Warten die Durchsage, dass die S 3 am Rathaus ausgesetzt werden würde. Es folgte der Alptraum einer Pandemie: Die Menschen drückten und pressten sich in die überfüllte S-Bahn. Wer den Wahnsinn entkommen wollte, hatte aber auch keine Chance mehr den Waggon zu verlassen. Offenbar spielt das aber alles keine Rolle. Hauptsache die Theater und Kinos haben zahlreiche Corona-Auflagen und werden so weiter unwirtschaftlich bleiben.

Roland Möck, Seevetal

Alarm durch Handsirenen

23. Juli: „Flutwarnung aus dem Rauchmelder. Die Unwetterkatastrophe hat viele Menschen ohne Vorwarnung überrascht. So könnten Bürger künftig alarmiert werden“

Leider können auch mal Sirenen versagen, denn sie sind mit den Stromleitungen verbunden. Da helfen aber immer die Handsirenen. Sie sind sehr laut und unkompliziert an vielen Standorten in kritischen Orten anzuwenden. Wie oft sind wir nachts mit diesen in den Fluren der Kaserne geweckt worden für einen Alarm! Da steht man senkrecht im Bett.

Gerhard Asmussen, Hamburg

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