Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. Juli 2021

Lesedauer: 7 Minuten

Rücksichtslose Maßnahmen

22. Juli: „Hamburg steht im Stau: Dramatischer Appell der Hafenbetriebe an die Stadt. Unternehmer erheben in Brandbrief schwere Vorwürfe gegen Verkehrsbehörde: ,Der Wirtschaftsstandort ist bedroht‘

Hamburg hat ein großes Problem, nicht nur mit der in diesem Brandbrief dargestellten Situation, sondern mit den gesamten Verkehrsmaßnahmen, die total unkoordiniert in Angriff genommen werden. Wer täglich mit dem Auto in die Innenstadt fahren muss, kann sich über die herrschende Plan- und Rücksichtslosigkeit gegenüber den Verkehrsteilnehmern nur wundern. Was Hamburg jetzt sofort braucht, ist ein neuer und kompetenter Verkehrssenator und nicht mehr einen total überforderten Senator, der nur die Situation aus der Perspektive des Fahrradfahrers betrachtet.

Federico Gärtner

Verkehrschaos: Alles Absicht?

Als ob wir noch nicht genug Baustellen in Hamburg hätten. Jetzt wird auch noch eine weitere Großbaustelle an der Max-Brauer-Allee eingerichtet. Unser Verkehrssenator Tjarks sollte sich besser darum kümmern, dass die seit Monaten eingerichteten Baustellen wie Esplanade, Dammtor, Stephansplatz, Rödingsmarkt, Schwanenwijk, Kennedybrücke, etc. zügig fertig gestellt werden. Vom Süden Hamburgs, inklusive Hafenzugang, ganz zu schweigen. Unsere Mitarbeiter, die sonst 20 bis 30 Minuten Fahrzeit zur Arbeit brauchen, sind jetzt bis zu zwei Stunden unterwegs. Vier Stunden täglich. Chaos in den Familien, die ihre Kinder von den Kitas abholen müssen, Chaos bei Lieferterminen, die nicht einzuhalten sind, Chaos bei der gesamten Wirtschaft, die durch Corona eh schon gebeutelt ist. Vielleicht sollte Herr Tjarks sich weniger Gedanken um Fahrradparkhäuser machen, die keiner braucht und die leer stehen und sich mehr darum bemühen, Baufirmen geballt dort einzusetzen, wo Verkehrsengpässe bestehen. An vielen Baustellen passiert tagelang gar nichts, Hauptsache es wird erst einmal alles abgesperrt und der Verkehr kommt zum Erliegen. Es drängt sich die Vermutung auf, dass das alles Absicht ist, um dem Bürger das Autofahren zu verleiden.

Karl Georg Imke

Lastenfahrräder statt Lkw

Da ist der Appell der Hafenbetriebe „dramatisch“, die Verkehrssituation aber seit Jahren irrsinnig, und die Baustellenkoordination ist wohl der Industrie, die Absperrungsmaterial herstellt, übertragen worden. Jetzt klagen Großbetriebe über die Lage im Hamburger Süden, obwohl schon seit Jahren die Hinweise von Handwerkern, Pflegediensten und Lieferfirmen von der Behörde übergangen werden. Kaum ist eine Engstelle überwunden – man atmet auf – taucht 200 Meter weiter schon die nächste auf. Und alle Umfahrungen sind ebenfalls blockiert. Nicht kleckern, sondern klotzen, wenn man genügend Absperrgitter im Depot hat! In seltenen Fällen sieht man dann auch ein paar Straßenarbeiter (und Straßenarbeiterinnen) bei einer Besprechung. Die Verkehrsbehörde könnte den Hafenbetrieben doch einmal Lastenfahrräder statt Lkw vorschlagen.

Alfons Raith

Der Mensch ist schuld

20. Juli: „Die Lehren aus der Flut. Was beim Katastrophenschutz besser werden muss“ und 20. Juli: Leserbrief: „Raubbau an der Natur“

Deutschland ist von einer verheerenden Flutkatastrophe erschüttert worden, in der Menschen ihre Existenz und viele auch ihr Leben verloren haben. Ein „weiter so“ kann es spätestens jetzt nicht mehr geben und das wird, zum Glück, auch von vielen Seiten kommuniziert. Allerdings beschränken sich, zumindest im Moment, Kommentare, Kritik und „Lehren aus der Flut“ weitestgehend auf die Frühwarnsysteme, das Katastrophen-Management und die Bekämpfung der noch zu befürchtenden Klimafolgen. Die Artikel im Abendblatt und der Leserbrief machen aber deutlich, dass die Zusammenhänge zwischen den Ursachen und Folgen im Regelkreis des Klimawandels noch immer nicht ganzheitlich betrachtet werden. Der Leserbriefschreiber sieht die Ursache für die fatalen Folgen des Starkregens in der fehlgeleiteten Baupolitik, der Begradigung und Einbetonierung von Gewässern und der Versiegelung von Flächen. All die genannten Eingriffe sind aber gleichzeitig wichtige Mit-Verursacher für die extremen Wetterereignisse, die der Klimawandel mit sich bringt! Flächenversiegelung verhindert nicht nur das Versickern von Regenwasser, sondern erzeugt enorme Strahlungswärme. Landwirtschaftliche Nutzung von Mooren zerstört nicht nur ökologisch wertvolle Lebensräume und Wasserspeicher, sondern setzt in gigantischem Umfang CO2 frei, das in den Mooren gebunden war. Bäume, die gefällt werden, können nicht mehr dem Erosionsschutz dienen, gleichzeitig kein CO2 mehr binden und keine kühlende Wirkung durch Transpiration und Schattenwurf mehr ausüben. Die Liste solcher Beispiele ist endlos. Erst wenn wir diesen Zusammenhang erkennen und berücksichtigen, werden wir die Chance auf positive Veränderungen haben. Städte müssen dringend in einer Weise umgebaut werden, dass sie keine Hitzeinseln mehr bilden. Flächen müssen, wo immer möglich, entsiegelt, Moore müssen renaturiert werden und wir Verbraucher müssen endlich erkennen, dass wir höchstpersönlich, durch unseren Lebensstil, Mitverursacher für all diese Probleme sind! Am wichtigsten erscheint mir aber die Erkenntnis, dass kein einziger Bereich unseres Daseins losgelöst von anderen betrachtet werden darf. Katastrophenschutz ohne Klimaschutz ist sinnlos und Klimaschutz darf sich nicht nur auf die Vermeidung CO2-Emissionen beziehen – unsere Umwelt wird nicht von Starkregen oder CO2 zerstört – unsere Umwelt wird von uns Menschen zerstört!

Michaela Lorscheider,

Mitglied im Klimabeirat Buchholz i.d.N.

Amerika hat es besser!

22. Juli: „Seehofer: Warn-SMS könnte schnell eingeführt werden“

Amerika, du hast es besser! Dort nutzt man Cell Broadcasting und es funktioniert. Ich war im Mai 2019 in Dallas und bekam eine Taifun-Warnung, natürlich in Englisch, auf mein dort eingebuchtes deutsches Mobiltelefon. Zweimal kurz hintereinander, mit konkreten Verhaltensmaßregeln und nach Durchzug des Sturms gab es auch eine Entwarnung. Ich war überrascht, für die amerikanischen Kollegen war das Alltag. Immerhin fängt man nach dem so gründlich schiefgegangenen Sirenenprobetag aus 2020 jetzt doch auch bei uns immerhin damit an, diese technische Möglichkeit zu diskutieren, aber natürlich muss vor allen Dingen erst einmal der Datenschutz geklärt werden und alle noch so weit hergeholten Bedenken und seien sie noch so konstruiert und abstrus. Den Betroffenen in den Hochwassergebieten wäre der Datenschutz sicherlich völlig egal gewesen, wären sie durch ein solches System gewarnt worden, von den vielen Toten ganz zu schweigen.

Dr. Thomas Koch

Starke Konkurrenz Dresden

20. Juli: „,Diese Zweite Liga ist der blanke Wahnsinn‘. Sky-Experte Torsten Mattuschka spricht über die neue Saison, Toni Leistner, Simon Terodde und er sagt, warum St. Pauli vor dem HSV landet“

Ich kann dem Sky-Experten Torsten Mattuschka nur zustimmen. Mit Schalke 04 und Werder Bremen hat die Zweite Liga noch einmal an Attraktivität gewonnen. Und für den Hamburger Sportverein wird dadurch die Aufgabe nicht leichter, den Wiederaufstieg im vierten Anlauf endlich zu schaffen. Zu den von Herrn Mattuschka genannten Favoriten zählen für mich auch neben Holstein Kiel einige Teams, die auch in den letzten Jahren in der Spitze mitgespielt haben. Und auch die Aufsteiger Rostock und Dresden sind nicht zu unterschätzen. Diese zahlreiche und starke Konkurrenz könnte für den HSV auch ein Vorteil sein. Die Mannschaft kann endlich ohne die schwere Last des Favoriten aufspielen, weil ihr keiner in dieser Saison den Aufstieg zutraut.

Martin Wucherpfennig