Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. Juli 2021

| Lesedauer: 7 Minuten

Raubbau an der Natur

19. Juli: „Leserbriefe zur Flutkatastrophe

Den Klimawandel für die Folgen von Dauer- und Starkregen verantwortlich zu machen, ist zu kurz gedacht. Nach meiner Meinung liegen die Ursachen der Überschwemmungen im baulichen Versagen der Kommunen, der Kreise, der Länder und des Bundes. In meiner Kindheit gab es häufig Stark- und Dauerregen. Da gab es aber noch ausreichende Überschwemmungsgebiete an den Bächen und Flüssen. Parallel zu den Landstraßen waren Gräben angebracht, die das Wasser aufnehmen konnten und ggf. angrenzende Felder überfluteten. Es wurde nicht überall das Regenwasser in Rohre kanalisiert und am Ende in die Bäche und Seen geleitet. Heute werden viel zu viele Bodenflächen versiegelt, natürliche Überschwemmungsgebiete trocken gelegt und bebaut. Die Flüsse werden kanalisiert und eingedeicht. In der Landwirtschaft entsteht eine Agrarindustrie, die kleine Betriebe zerstört und für eine großflächige, industrielle Bearbeitung Knicks abholzt. Durch immer größere, schwerere Maschinen wird der Boden verdichtet, Starkregen kann nicht ausreichend versickern. Die Forstwirtschaft pflanzte vorwiegend schnell wachsende, flachwurzelige Kulturen, es zählte überall nur eine ertragreiche Wirtschaft. Die Überschwemmungskatastrophe ist nur zu einem Bruchteil auf die Klimaerwärmung zurückzuführen, die Hauptursache liegt in unserem Größenwahn und Verhalten zur Natur. Für den Menschen gab und gibt es nur die Devise: größer, schneller, höher, breiter, heller, lauter.

Otto Kröger, Hamburg

Auf Notwendigkeiten besinnen

Die Fragen nach Anlass und Ursache der Unwetterkatastrophe werden nunmehr mit Gewalt dem Wahlkampf untergeordnet und für diesen missbraucht. Wichtiger wäre es aber, eine alte Binsenweisheit zu beachten, die jeder Wasserbauer im ersten Semester beigebracht bekommt, nämlich nie gegen die Natur arbeiten zu wollen. Statt sich über die Verfehlungen der jeweils Anderen zu entrüsten, wäre es richtiger sich der Notwendigkeiten zu besinnen. Diese sind den ewigen Klimawandel in seinem Kern zu akzeptieren und Klimafolgeanstrengungen zu unternehmen, anstatt die parteipolitisch motivierte Angstkeule kreisen zu lassen. Dazu gehört es, die knapper werdenden Haushaltsmittel zu konzentrieren auf z.B. die Physik, um neue Materialien zu kreieren, auf die Biologie, um neue Pflanzen zu züchten, auf die Chemie, um bessere Pflanzenschutzmittel zu mischen und auch auf die Ingenieurwissenschaften, um schützende Wasserrückhalte- und Wasserversorgungssysteme oder sonstige belastbare Infrastruktureinrichtungen neu zu planen und umzusetzen. Zu glauben, dass politisch motivierte, so genannte Klimaschutzmaßnahmen helfen können, ist Augenwischerei und wird die Erde mitnichten in ihre Schranken weisen. Sie lenken nur ab, kosten Zeit und verschwenden Mittel.

Rolf Gläßner

Parkhaus ist nicht sicher

19. Juli: „Fahrradparkhaus in Eppendorf steht fast leer. Bau kostete drei Millionen Euro. CDU und Steuerzahlerbund üben Kritik an Fehlplanung“

Für mich ist völlig klar, warum das Fahrradparkhaus nicht genutzt wird. Die Fahrräder stehen außerhalb des Fahrradparkhauses. Im Artikel wird das nicht erwähnt. Ich bin Radfahrer und mehrfaches Opfer von Fahrraddiebstählen. Ohne Videoüberwachung mit lückenloser Aufzeichnung würde ich dort kein Fahrrad abstellen. Eine sichere Box für einen Euro pro Tag kostet etwa 240 Euro im Jahr, also alle drei Jahre soviel wie mein Fahrrad. Vor dem Bahnhof gibt es einen Bereich, in dem HVV-Busse auf die Weiterfahrt warten. Dort stehen viele Fahrräder und werden dort auch stehen bleiben, weil Diebe sich ungern von aufmerksamen Busfahrern beobachten lassen. Auch an anderen Bahnhöfen kann man sein Fahrrad gegenüber eines Kiosks ziemlich sicher abstellen – aber in einem von außen nicht einsehbaren Parkhaus bestimmt nicht.

Detlev Kruse

Mehr Raum für Visionäre

17./18. Juli: „Das Auto der Zukunft ist längst da ... aber keiner will es bauen. Verkehrsministerium hat Wagen, der selbst Strom und Wasserstoff erzeugt, angeblich ,vergessen‘“

Den panischen Blick auf die Restreichweite der Batterie, wie ihn Herr Schumacher schildert, kann ich nur bestätigen. Von dem Raubbau in den Rohstoffländern für die Batterieherstellung ganz zu schweigen. Ich habe Herrn Gumperts Wasserstoffzellen-Konzept seit längerem im Fokus und bin fest davon überzeugt, dass nur sein Konzept die endgültige Lösung sein kann. Solchen Visionären muss man einen größeren Raum in den Medien geben.

Udo Schmidt

Und die Vorschläge der CDU?

17./18. Juli: „Braucht Hamburg eine ,feministische Verkehrspolitik‘? Grünen-Veranstaltung sorgt für CDU-Kritik. Daten belegen, dass Frauen anderes Mobilitätsverhalten zeigen und weniger Auto fahren als Männer“

Die Grüne Partei zeigt mit ihrer Veranstaltung, dass Verkehrspolitik viele gesellschaftliche Bereiche betrifft. Verkehrspolitik heißt nicht nur, Menschen von A nach B zu bringen, sie hat nicht nur Auswirkungen auf das Klima und den Ressourcenverbrauch, sondern sie nimmt auch Einfluss auf die Lebensqualität in der Stadt und den sozialen Zusammenhalt. Aber wo bleiben die Vorschläge der CDU zu einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Verkehrspolitik? Anscheinend gibt es da nicht viel Konkretes. Denn wie soll man sich sonst erklären, dass der CDU nur einfällt, die Grünen zu diskreditieren und ihnen zu unterstellen, dass diese autofeindlich sind? Oder liegt es daran, dass die CDU weiß, dass es in der Verkehrspolitik so nicht mehr weiter gehen kann, wenn man den Klimaschutz ernst nimmt. Dies kann sie aber nicht sagen, denn dann müsste sie den Klimaschützern recht geben und eingestehen, dass sie auf Bundesebene in den letzten Jahrzehnten Millionen im Straßenbau verschwendet hat.

Jörg Behrschmidt

Großer Bedarf an Therapie

16. Juli: „Familien im Lockdown – mehr Sachlichkeit, bitte. Prof. Michael Schulte-Markwort meint: Junge Leute kommen gut durch die Krise“

Ja, man muss die Folgen der Pandemie differenziert sehen, viele Familien sind gut durch die Krise gekommen, bei Weitem nicht alle! Wir Kinder- und Jugendärzte sehen in unseren Praxen eine deutliche Zunahme an Belastungen und einen großen Bedarf an Therapie, gerade auch bei den Familien, deren Ressourcen begrenzt sind. Sie stellen nach unserer Erfahrung keine Minderheit dar. Insofern ist hier die Einschätzung des Leiters einer Privatklinik dargestellt, die sich nicht auf alle Bevölkerungsschichten 1:1 übertragen lässt. Die Nachfrage nach Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen ist von weniger als 100 Anfragen pro Jahr bei der Termin Service Stelle der KV Hamburg auf fast 600 von April 2020 bis Juni 2021 angestiegen. Wir sehen in den Praxen eine dramatische Zunahme von Zwangsstörungen, Ängsten, Depressionen und Essstörungen. Wir Kinder- und Jugendärzte warnen ausdrücklich davor, die Folgen der Corona-Maßnahmen auf die leichte Schulter zu nehmen. Es ist dringlich geboten, dass wir niederschwellige tragfähige Konzepte entwickeln.

Dr. med. Stefan Renz

Traurige Fernsehwelt!

14. Juli: „Damenwahl mit Fremdschäm-Faktor“

Wie man aus einer solchen, sagen wir mal etwas „flachen“ Sendung einen solch erquicklichen Artikel zaubern kann, ist sehr erfreulich. Ich würde fast vorschlagen wollen, die Serie auf Arte auszustrahlen: als Comedy-Sendung für Kulturinteressierte? Mehr feinsinniger Humor ginge selbst dann nicht, wenn man es wollte. Traurige Fernsehwelt.

Sebastian Ropohl

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