Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 12. Juli 2021

| Lesedauer: 5 Minuten

Auf einem Auge blind

9. Juli: Kommentar: „Alles ist Klimapolitik“

Bei den in den USA gemessenen Temperaturen wird eine Höchsttemperatur aus dem Jahr 1937 übertroffen, zu der Zeit gab es noch keine so große Industrialisierung und Bevölkerung. Da hat es wohl andere Gründe für die hohen Temperaturen gegeben. Das heißt natürlich nicht, dass nichts gegen den Klimawandel und die Umweltschädigung getan werden muss. Ganz wichtig ist die Erkenntnis, dass es ein globales Problem ist. Ich vermisse bei unseren Politikern den europäischen/ globalen Ansatz. Nicht nur der Individualverkehr ist das Problem. Massentierhaltung, Landwirtschaft, Flächenversiegelung, Wohnungsbau sind Probleme, die wir in unserem Land angehen können. Aber größer ist der Einfluss auf das Klima doch durch die Abholzung von Regenwald in Ländern wie Brasilien. Während wir aus Kohlestrom aussteigen, werden in China noch Tausende neue Kohlekraftwerke gebaut. So können wir mit unseren Bemühungen leider nichts bewirken. Außerdem ist unsere Politik überwiegend auf einem Auge blind und was die erneuerbaren Energien angeht, wird viel zu wenig und viel zu spät auch auf Wasserstoff gesetzt. Damit könnte man tausend Fahrzeuge aus dem Bestand Klima freundlich machen und würde sich auch noch die Produktion von batteriegetriebenen Fahrzeugen sparen.

Thomas Schendel

Ausbau der Schienennetze

9. Juli: „So teuer wird der Klimaschutz“

Ja, der Klimaschutz wird teuer. Die Frage ist aber, wie teuer die Gesellschaft die Kosten des Klimawandels und einer abnehmenden Artenvielfalt kommen, wenn vor allem die Bereiche nicht stärker reguliert werden, die am allermeisten zur negativen Entwicklung beitragen? Dazu gehört vor allem der Verkehrssektor (Auto, Flugzeug), der für fast ein Drittel der bundesdeutschen CO2-Emissionen verantwortlich ist. Das Geschäftsmodell vieler Unternehmen bestand ja bisher vor allem darin, die Gewinne im Sinne der Shareholder zu kapitalisieren und die Folgen, die für die Menschen selbst in einer gemäßigten klimatischen Zone wie Deutschland durch Extremwetterereignisse immer sichtbarer werden, zu sozialisieren. Seien wir doch ehrlich, teuer kommt es so oder so. Entweder steigen die Kosten individueller Mobilität. Das bittet die zur Kasse, die Auto und Flugzeug tatsächlich nutzen. Oder es steigen die Kosten für die gesamtgesellschaftlichen Kosten einer umfassenden Klimafolgenanpassung zuzüglich der Gesundheitskosten. Mehreinnahmen des Staates aus einer höheren CO2-Bepreisung müssen sinnvoll umverteilt werden. Unter anderem im Sinne eines schnellen Ausbaus der Schienennetze und des ÖPNV. Und es muss denen geholfen werden, die wenig verdienen und, wie zum Beispiel im ländlichen Raum, trotzdem mittelfristig auf das Auto angewiesen bleiben. Aber: nicht alle Autofahrenden – wie die mit schweren, schnellen, spritfressenden Fahrzeugen – haben prekäre Rahmenbedingungen. Deswegen können vor allem sie ihren Beitrag leisten. Und das Fliegen in ferne Länder ist schön, aber kein Grundrecht.

Malte A. Siegert, Vorsitzender NABU-Landesverband Hamburg

Lieber „Wedel“ schließen

8. Juli: „Das Kohlekraftwerk Moorburg ist Geschichte. Nach langem politischen Streit und nur gut sechs Jahren Laufzeit gehen in der Anlage die Lichter aus. Die Zukunft des Areals soll grün sein“

In Ihrem Bericht anlässlich der Stilllegung des Kraftwerks Moorburg fehlt die Erwähnung eines in diesem Zusammenhang sehr wichtigen Sachverhalts. Die relativ große Dimensionierung des Kraftwerks beruht auch auf der Planung, die Fernwärmeversorgung, die noch immer durch das alte Kraftwerk Wedel geleistet wird, zu übernehmen und Wedel dann zu schließen. Da der Senat dies durch seine Politik absichtlich verhindert hat, wird nun eines der modernsten Kraftwerke in Europa geschlossen, während eines der umweltschädlichsten seit Jahren wohl auch noch weit in die Zukunft hinein weiterbetrieben wird. Dies bedeutet u. a. jährlich einen zusätzlichen Ausstoß von ca. einer Million Tonnen CO2.

Dr. Werner Heidorn

Fanal für Reform?

9. Juli: Nachspiel: „So ergibt der VAR keinen Sinn“

Der VAR ist grundsätzlich eine zu begrüßende Einrichtung, bedarf aber dringend der Reform. Dass bei Abseitsentscheidungen bis auf den letzten Zentimeter vermessen wird, ob nicht doch noch eine Fußspitze in der verbotenen Zone war, mag man noch hinnehmen, wobei man sich fragt, wo eigentlich der Gedanke „im Zweifel kein Abseits“ geblieben ist. Zudem darf die (vermeintliche) Abseitssituation nur zeitlich begrenzt relevant sein: Wenn nicht innerhalb von fünf Sekunden ein Tor fällt, ist sie unbeachtlich, weil sich das Spielgeschehen in dieser Zeit verändert hat (nebenbei: Was entscheiden die Assistenten eigentlich noch?). Darüber hinaus ist zu fordern: Aufgabe der völlig unverständlichen Differenzierungen anhand des Kriteriums, ob eine krasse Fehlentscheidung vorliegt, stattdessen konsequente Überprüfung, und zwar nur als Challenge der Teams, wie dies auch in anderen Sportarten gehandhabt wird. Vielleicht wird die „englische Fallsucht“ ja zum Fanal für eine Reform.

Dr. Tim Schurig, Hamburg

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