Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 10. Juli 2021

| Lesedauer: 8 Minuten

Aufklärungsarbeit notwendig

9. Juli: „Impfpass-Apps im Sicherheitscheck. Geimpfte können auch ein digitales Zertifikat auf dem Handy vorzeigen. Wie sorgsam gehen die drei Anbieter mit den Daten um?“

Danke für den Bericht über die Impfpass-Apps. Leider beleuchten Sie dabei aber nur die eine Seite der Medaille, nämlich den Impfnachweis selbst. Mindestens ebenso wichtig ist die Kontrolle des Impfnachweises durch Gaststätten, Behörden, Veranstalter: Ich habe meinen digitalen Impfausweis jetzt schon seit einigen Wochen auf dem Smartphone und bislang hat noch niemand diesen digital kontrolliert. Zuerst immer ein kurzer Blick auf den QR-Code (wofür eigentlich, kann das jemand ohne Computer lesen?). Danach schauen, ob da „2 von 2 Impfungen“ steht und danach noch (irgendein) Name in Klarschrift. So ist das sicherlich nicht gedacht. Niemand hat die extra dafür bereitgestellte CovPass-Check-App genutzt, niemand nach meinem Ausweis gefragt. Da ist bei den Veranstaltern noch ganz viel Aufklärungsarbeit notwendig – vielleicht fängt die Stadt mal selbst in der Elbphilharmonie damit an, auch da war es nicht besser als anderswo. Digitalisierung ist nicht schwer, funktioniert aber nur, wenn man sie konsequent umsetzt. Die Apps und Geräte dafür sind vorhanden, aber die Menschen müssen sie eben auch nutzen. Sonst haben wir noch unnötig lange mit der Pandemie zu kämpfen.

Stefan Möller, Hamburg

Lebensfroh und wohltuend

9. Juli: „,Die Menschen lieben den Park‘“

Das Abendblatt verdient Dank und viel Anerkennung für den Bericht über Planten un Blomen. Die lebensfrohen Sätze der Leiterin Stadtgrün setzen sich so wohltuend ab von dem allgemein publizierten Bild unseres Stadtstaats, das durch ein Landesparlament mit deutlich über 80 Prozent linken, grünen und SPD-Abgeordneten geprägt wird.

Christian Krienke, Hamburg

Es braucht ganz einfach Zeit

8. Juli: „Deutsche Einheit: Der Osten hinkt weiter hinterher. Seit der Wiedervereinigung nähern sich Ost und West an, doch die Schritte sind klein. Sorgen machen die Differenzen in der politischen Haltung“

Und wieder einmal eine Headline, die nichts Gutes verheißt. Selbst nach über 30 Jahren der Wiedervereinigung können die 40 Jahre DDR-Wirtschaft nicht einfach zur Seite geschoben werden. Die DDR war 1989 in einem katastrophalen Zustand – Wirtschaft, Straßen und Häuser waren einfach nur sanierungsbedürftig. Da musste doch Jedem klar sein, dass der Osten in allen Bereichen dem Westen hinterherhinken durfte. Mit der Wiedervereinigung konnte doch kein Schalter umgelegt werden, um jahrzehntelange sozialistische Markt- oder Misswirtschaft auf Westniveau zu heben. Wer heute durch Schwerin oder Leipzig bummelt, der erlebt Städte in unglaublicher Schönheit – keine Straßen mit Schlaglöchern wie in vielen westdeutschen Gemeinden. Der Aufbau Ost ist eine Erfolgsgeschichte, das sollte man doch nicht immer wieder kaputtreden, auch mit allen gemachten Fehlern. Dieses überflüssige Jammern über benachteiligte Ostdeutsche und Bürger „zweiter Klasse“ ist total ungerecht und falsch. Es braucht ganz einfach Zeit, bis zusammenwächst, was zusammengehört. Ungeduld ist ein schlechter Ratgeber. Der Osten hinkt nicht hinterher, sondern holt mit jedem Tag, Monat und Jahr auf. Das sollte die positive Message sein.

Dietmar Johnen-Kluge

Autofreundliche Metropole

5. Juli: „Zahl der Autos wächst stärker als Bevölkerung. Zunahme in Hamburg um 7,3 Prozent seit 2015. Fast 30 Prozent mehr Lkw. Es gibt auch Stadtteile, in denen weniger Pkw angemeldet werden“

Der Artikel ist für mich ein Beweis dafür, dass der Hamburger Senat eine Verkehrspolitik am Bedürfnis der Hamburger Bürger vorbei betreibt. Nur auf die Verkehrswende zu setzen, ist offensichtlich falsch. In den hippen Stadtteilen ist der Trend zum Fahrrad klar, aber insgesamt kommt man am Auto nicht vorbei. In den Außenbezirken ist der ÖPNV so schlecht ausgebaut, dass man auf sein Auto nicht verzichten kann, um einigermaßen zügig in die Stadt zu kommen. Querverbindungen in andere Stadtteile oder angrenzende Zentren wie z. B. Norderstedt sind ohne großen Zeitaufwand mit den Öffentlichen nicht zu realisieren. Außerdem bringt es Spaß, im Sommer mit dem Cabrio zu fahren, was in der Regel ein Zweitwagen ist. Ich verstehe nicht, dass der Senat stur darauf setzt, Autos aus der Stadt zu verbannen, wo es doch offensichtlich ist, dass eine Mehrheit der Bürger mit dem Auto fährt bzw. sogar darauf angewiesen ist (z. B. Pendler), weil es einfach keine realistische Alternative gibt, zur Arbeit zu kommen. Der Senat hat immer auf das Auto gesetzt und die Stadt entsprechend geplant und ausgebaut. Damit ist das Konzept einer autofreundlichen Metropole umgesetzt worden. Das ist so. Jetzt mit Gewalt die Autos aus der Stadt zu verbannen, obwohl es einen ungebrochenen Trend zum Auto gibt, ist fahrlässig und schwächt den Wirtschaftsstandort Hamburg. Das Konzept einer fahrradfreundlichen Stadt mit einem gut ausgebauten ÖPNV hätte man vor 50 Jahren planerisch gestalten müssen (s. Kopenhagen), aber das hatten noch nicht einmal die Grünen zur Zeit ihrer Regierungsbeteiligung im Programm.

Hellmut Dürr, Duvenstedt

Demut der Natur gegenüber

7. Juli: „So wird sich das Klima in Deutschland ändern“

Schon in den 70er-Jahren sahen wir die Notwendigkeit, Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schützen. Wir haben unseren Verbrauch an Wasser, Strom, Gas und Öl reduziert. Seitdem wächst die Weltbevölkerung jährlich um 90 Millionen Menschen. 1804 gab es auf der Erde eine Milliarde Menschen. 1927 zwei Milliarden: eine Verdoppelung in 123 Jahren. Für 2023 werden acht Milliarden Menschen erwartet. Die meisten Menschen leben in China, dann kommt Indien, die USA und an 19. Stelle Deutschland. Deutschland ist für zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Daran sieht man: Ohne weltweite Einhaltung der Klimaschutzziele wird es nicht gehen. Es wird auch nicht gehen ohne Eindämmung des Weltbevölkerungswachstums und – ganz unbeliebt – ohne Einschränkung des Komforts. Endloses Duschen mit heißem Wasser, Raumtemperaturen im Winter von 22 bis 23 Grad, Verschwendung von Lebensmitteln, tägliches Essen von Fleisch, Fliegen von Mallorca nach Hamburg für drei Personen hin und zurück für insgesamt 125 Euro, Kühlschränke so groß wie Kleiderschränke, Einkaufstouren als Freizeitbeschäftigung, Vereinnahmung von Wald, Wasser und anderen Landschaften für das Freizeitvergnügen, Kaufen und Wegschmeißen, allgemein Konsum – damit hält man die Erderwärmung nicht auf. Mehr Bescheidenheit, mehr Demut der Natur gegenüber stünde uns allen gut an. Da reichen ein paar neue Fahrradwege nicht.

Petra Gebhardt

Emmi wartet im Hundehimmel

8. Juli: Kolumne: „Danke, Emmi, dass du da warst“

Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie sehr sie die kleine Hündin, die Sie so lange begleitete, vermissen. Von vier Hunden musste ich mich schon verabschieden. Alle wurden alt, und ich konnte spüren, wann ihre Lebenszeit langsam ablief. Doch schon in der letzten Phase des Beisammenseins tröstete ich mich mit dem Gedanken, dass bereits irgendwo ein anderer Hund sehnsüchtig darauf wartet, bei uns ein neues Zuhause zu finden, denn ein Leben ohne Hund ist für mich unvorstellbar. Diese Lebensgefährten trösten uns, fungieren als Personaltrainer und zeigen uns, wie einfach das alltägliche Glück zu finden ist. Einen Welpen wollte ich nie. Also kamen alle meine Hunde aus dem Tierheim oder Tierschutz. Unser Bennett, ein rumänischer Straßenhund, hat sich als wahrer Glücksfall entpuppt. Und Emmi wartet bestimmt im Hundehimmel, wer ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin wird.

Christiane Mielck-Retzdorff

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