Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 2. Juli 2021

| Lesedauer: 8 Minuten

Alles andere als unerwartet

30. Juni: „Endstation Wembley. Deutsche Nationalmannschaft verliert EM-Achtelfinale in London gegen England mit 0:2. Letztes Spiel für Bundestrainer Joachim Löw“

Das EM-Aus kam alles andere als unerwartet. Schon in der Vorrunde musste das Glück arg strapaziert werden, um überhaupt ins Viertelfinale einzuziehen. Die taktischen und spielerischen Defizite des DFB-Teams waren bereits bei der letzten WM erkennbar, geändert wurde jedoch nichts. Nun bleibt dem neuen Bundestrainer Hansi Flick nicht mehr viel Zeit, der Mannschaft ein neues Gesicht zu geben. Die kommende WM sollte deshalb zum experimentieren genutzt werden. Damit Deutschland irgendwann wieder zur Weltspitze im Fußball gehört. Es wird „höchste Zeit“!!!

Martin Wucherpfennig

Es gibt Wichtigeres, oder?

Die Schlagzeilen über die EM sind überall zu lesen, auch in Ihrem Blatt. Ich habe zum Scheitern der Deutschen Nationalmannschaft folgende Meinung: Der Stellenwert des Fußballs ist sehr hoch. Trotzdem gibt es Wichtigeres, oder? In Pandemiezeiten vor Tausenden Zuschauern zu spielen, ist mehr als grenzwertig. Und jetzt sind die Deutschen auch noch rausgeflogen. Mmmh, gute Zeiten, schlechte Zeiten – das gibt es halt auch im Fußball. Jogi hängt seinen Posten an den Nagel. Seine Fußstapfen sind nun nicht mehr ganz so groß. Viele registrieren endlich, dass auch andere Mannschaften – sogenannte Underdogs - erfrischenden und erfolgreichen Fußball spielen! Freuen wir uns also auf ein Endspiel der Schweiz gegen die Ukraine. Wichtiger ist für mich allerdings die Hoffnung, dass dieser ganze Trubel nicht zu einem Superspreader-Ereignis wird.

Achim Bothmann, Hannover

Bild eines Gescheiterten

Bundestrainer Löw hätte nach dem Gewinn der WM 2014 auf dem Höhepunkt seines Schaffens zurücktreten sollen, um seinen Nimbus zu wahren, aber spätestens nach dem Desaster bei der WM 2018. So bleibt das Bild eines grandios Gescheiterten in Erinnerung.

Dr. Helmut Klingenfeld, Ahrensburg

Preisdifferenz

30. Juni: „Kraftstoff immer teurer – was dahintersteckt. Zum Ferienstart haben die Preise für Benzin und Diesel noch mal angezogen. Experten geben Tipps, wie man mit der richtigen Taktik sparen kann“

Der Artikel zu den Kraftstoffpreisen lässt mich etwas ratlos zurück. Danach soll Hamburg hinter Berlin die niedrigsten Preise für Super E10-Benzin im Juni 2021 gehabt haben. Allein mir fehlt der Glaube. Ich habe am 3. Juni 2021 in Hamburg-Niendorf Super E10 getankt für stolze 1,629 Euro. Am gleichen Tag musste ich in Traben-Trarbach, Rheinland-Pfalz, wieder tanken für dann nur noch 1,439 Euro. Der Preis dort blieb für eine Woche unverändert. Als ich den Tankwart auf diese Preisdifferenz ansprach, sagte er mir, dass er noch relativ teuer sei im Vergleich zum nahen Luxemburg, denn dort koste das Benzin nur rund 1,20 Euro. Welch idyllischen Zustände. Ich tanke recht häufig in den USA, dort kostet der Liter umgerechnet nur 60 Cent. Es geht also auch anders und ich glaube künftig statistischen Durchschnittswerten immer weniger. Wenn ich mit einem Bein auf einer Herdplatte stehe und mit dem anderen Bein in einem Kühlschrank ist mir im Durchschnitt auch nicht lauwarm.

Bernd Glodek, Hamburg-Schnelsen

Stiko wird ihre Gründe haben

29. Juni: Leitartikel: „Auch Kinder impfen! Sonst droht im Herbst wieder Fernunterricht. Im Juli gibt es genügend Vakzine für alle“

Wie schade, dass auch Sie mit einstimmen in die Aussagen all der Politiker, dass Kinder nur dann eine Chance auf ein normales Leben haben wenn sie sich impfen lassen. Die Stiko wird ihre Gründe haben, wieso es keine Empfehlung für Kinder gibt, warum wollen dann diejenigen was sagen, die weniger Expertise haben? Das ist kein guter Kurs, der da seit Beginn der Pandemie eingeschlagen wurde: Politik vor Wissenschaft. Wie oft muss noch deutlich gesagt werden, dass Kinder keine Pandemietreiber sind? Statt dafür zu plädieren dass Kinder geimpft werden müssen, wäre es höchste Zeit, darauf zu schauen und darauf hinzuwirken, was für die langfristige Gesundheit und das Immunsystem von Kindern wichtig ist – nämlich all das, worauf sie lange verzichten mussten während des Lockdowns. Ob Impfen langfristig hilft, ist nicht bewiesen. Die Langzeitfolgen kennt keiner. Die Formel Impfung gleich Ende von Viren stimmt so nicht.

Marlies Feder

Immer diese Radfahrer

29. Juni: Leserbrief zum Artikel: „Radfahrerin nach Unfall in Winterhude in Lebensgefahr“

Es ist schon unglaublich, wie ignorant und menschenverachtend einige Leser/-innen zu diesem Thema ihre Meinung absondern. Da wird nicht primär der Gesundheitszustand der schwer gestürzten Radfahrerin in den Vordergrund gestellt, sondern es wird gefragt, ob die Frau denn überhaupt einen Helm getragen hat und ob sie auch genügend Abstand zu den parkenden Autos hielt, damit die Fahrerin / der Fahrer seine Autotür auch bequem öffnen kann, ohne sich der Strapaze des Zurückschauens zu unterziehen. Mir fällt auf, dass immer dann, wenn das Verhalten der Autofahrer/-innen in der Presse auch nur ansatzweise kritisiert wird, dieses einige autofahrende Zeitgenossen/-innen reflexartig zum Anlass nehmen, generell gegen das Verhalten der Radfahrer/-innen zu polemisieren. Dazu mein Tipp: Wer solche Reflexe hat, sollte zum Arzt gehen.

Horst Zimmer, Norderstedt

Meint er das ernst?

30. Juni: „Was Briefwähler verpassen. Immer mehr stimmen per Post ab - ohne etwa zu wissen, wer beim TV-Duell patzt. Wie wär’s mit einem freien Tag plus Feuerwerk?“

Angesichts der schwindenden Demokratiefähigkeit vieler Menschen, auch und gerade in unserem Land, war ich über den Inhalt der Kolumne von Hajo Schumacher sehr erschrocken. War das jetzt so feine Ironie, dass ich das nicht verstanden habe? Meint er das ernst, dass die Briefwahl kein geeignetes Instrument zur Ausübung seines Wahlrechts ist? Glaubt er allen Ernstes, dass sich Briefwähler nicht so informieren, wie es Wähler an der Urne tun? Ich finde die Briefwahl ist eine geeignete Alternative zum Urnengang. Viele können gar nicht anders. Und die sind oft besser informiert, als ein Wähler im Wahllokal, der sich außer mit dem Lesen einiger Wahlplakaten nicht weiter mit den Inhalten von Wahlprogrammen oder „der Politik“ beschäftigt. Wenn man auch nicht die letzte Talkshow vor der Wahl gesehen hat, die Informationen, auf der eine Entscheidung für oder gegen eine Partei basiert, sollte man bereits im Vorfeld gesammelt haben. Ich hoffe, ich habe das einfach falsch verstanden oder interpretiert, was er da geschrieben hat. Er hätte lieber darüber schreiben sollen, dass es viele Nichtwähler gibt, die sich schlecht informiert fühlen oder Wähler, die nur aufgrund von FakeNews ihre Entscheidung treffen. Ansonsten trifft er ja fast immer auch meinen Nerv.

Jens Sendel, Hamburg

Deutsche Wertarbeit

30. Juni: „Cremonbrücke wird zum Jahresende abgerissen. Fußgängerüberweg ersetzt die auffällige Stahlkonstruktion. Bereich um Hopfenmarkt soll attraktiver werden“

Seit 1883 überspannt die Brooklyn-Brücke den East River in New York. Bis heute, teilweise noch mit den Originalkabeln. Gebaut für Pferdefuhrwerke und Fußgänger trägt sie den heutigen Autoverkehr. Doch die Cremonbrücke ist marode. Deutsche Wertarbeit? Oder ist sie nur politisch im Weg? Man sollte sie erhalten.

Dr. Gunter Alfke, Hamburg

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