Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 8. Juni 2021

| Lesedauer: 7 Minuten

Deutscher Datenschutz-Wahn

7. Juni: „Hamburg – bei Google veraltet. Viele Aufnahmen im Dienst „Street View“ sind inaktuell – und haben mit der Realität nichts mehr zu tun

Schön, dass Sie dieses Thema aufgreifen, schade, dass die wahre Ursache dieses Dilemmas nicht deutlich wird. Sie können mit Google „Street View“ die ganze Welt bereisen, jede Stadt, jedes Dorf. Nur in Deutschland ist das nicht möglich. Das liegt aber nicht an Google, sondern an einem völlig übertriebenen Datenschutz-Wahn, der damals, als der Dienst eingeführt wurde, zu einer Massenhysterie führte. Privatsphäre würde verletzt, Einbrechern Tür und Tor geöffnet hieß es. Dankbar für dieses „heiße Thema“ sprangen alle Medien auf diesen Zug auf und zerstörten schon von Anfang an diese Idee. Resultat: Völlig verpixelte und damit unattraktive Stadtansichten, Rechtsstreitigkeiten, hoher Aufwand für den Anbieter dieses kostenloses Services. Kein Wunder, dass Google irgendwann keine Lust mehr auf Aktualisierungen hatte. Deutschland ist leider in vielen Bereichen noch IT-Mittelalter. Aber Schuld daran ist sicher nicht Google.

Michael Piplack

Auflagen bei Seniorentreffs

7. Juni: „Feiern und feiern lassen. Sinkende Inzidenzen und das Wetter erlauben Lockerungen“

Sie haben Recht, wenn Sie etwas mehr Augenmaß anmahnen beim Durchgreifen seitens der Polizei und der Behörden bei der Verfolgung von Corona-Verstößen. Aber ich muss angesichts der feiernden Menschenmassen schwer schlucken… Die Seniorentreffs der Stadt bekommen Auflagen wie: Nicht essen und nicht trinken, auch nicht mit Abstand, wenn es in Räumen ist, egal, ob gelüftet wird oder nicht. In den Sommermonaten sind deshalb Gruppenstunden, die der Geselligkeit dienen und der Einsamkeit dieser Menschen entgegenwirken sollen, schlicht kaum möglich. Entsprechend erlebe ich Frust, Resignation und – trotz Verständnisses für die Jugend – auch Wut. Warum diese Restriktionen für einen Bevölkerungsteil, der fast vollständig geimpft ist?

Marianne Schmidt

Heute ist eben alles anders!

5./6. Juni: „Warum Hamburg schöner wird. Über Jahrzehnte vernachlässigte die Stadt ihre Freiflächen. Jetzt bewegt sich etwas. Die Platzwunden werden geheilt“

Selbstredend war früher nicht alles besser als heute, sowas nennt man gemeinhin Fortschritt. Es war eben alles anders! Sich aus heutiger Sicht darüber auszulassen, greift zu kurz. Man muss erst einmal dahin kommen, wo man heute ist. Und so grau und trist war das Leben auch nicht. Die „schmuddeligen Ecken“ gehörten eben dazu. Heute weint man dem mancherorts, z.B. auf St. Pauli, in Hinblick auf die Gentrifizierung, nach! Übrigens, der Straßenverkehr war 1977 im Vergleich zu heute ein Segen. Früher war nicht alles besser, nein keinesfalls! Aber heute ist (leider) auch nicht alles besser als früher!

Peter Steffen

Mega-Trends verschlafen

Die Analyse von Matthias Iken führt noch nicht weit genug, auch wenn der skizzierte sommerliche Spaziergang mit einem Weizenbier zwischendurch von einem kreativen Platz in der City zum nächsten in jedem Fall seinen Reiz hätte, da man dabei auch gerade als Journalist anhand von spontanen Eindrücken spannende Live-Podcasts mit seinen Gästen aufnehmen und produzieren könnte. Schließlich besteht die entscheidende Frage bzw. Crux vor allem darin, warum Hamburg trotz eines der größten städtebaulichen Projekte in Europa wie der HafenCity die wichtigsten internationalen urbanen Mega-Trends wie insbesondere die Nachhaltigkeit und die Lebensqualität als Ausgleich zum Betongrau so lange komplett verschlafen hat. Deshalb sollte der rot-grüne Senat dringend über Strukturreformen in den Behörden nachdenken, zumal auch der neue Amerigo-Vespucci-Platz in der HafenCity zumindest in zwei Punkten nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist, da hier noch ein öffentliches Wlan und als Kunst gestaltete Sitzgelegenheiten, wie man sie von vielen anderen europäischen Metropolen her kennt, fehlen!

Rasmus Ph. Helt

„Steckdose“ teurer als Auto

5./6. Juni: „Baerbock will E-Autos für Geringverdiener stärker fördern“

Die E-Auto-Förderung für „Pendler ohne Dienstwagen und Geringverdiener“ hört sich zunächst gut an. Doch werden wahrscheinlich lediglich die Kauf- und nicht die Kaufnebenkosten für die Installation der notwendigen Ladestation sowie die erforderliche Verkabelung des jeweiligen Haushalts gemeint sein. Letztere schlagen doch erheblich zu Buche, wie wir selbst feststellen mussten. Wir haben uns für den Kauf eines E-Autos entschieden und waren hinsichtlich der Kosten für den Anschluss, einschließlich Wall-Box, reichlich naiv. Wir benötigen vom Hausanschluss bis zur Garage ein Kabel von 58 Metern. Der vom örtlichen Stromversorger erstellte Kostenvoranschlag „all in“ beläuft sich auf ca. 10.500 Euro. Selbst bei Abzug der staatlichen Förderung von 900 Euro kommen immerhin noch ca. 9600 Euro nur für die erforderliche Installation eines E-Anschlusses auf uns zu. Alternativ wurde ein Angebot vom Stromverteiler an der Straße zu unserer Garage erstellt, ca. vier Meter Strecke: Kostenpunkt ca. 6500 Euro. Abzüglich der 900 Euro staatlicher Förderung immerhin noch ca. stolze 5600 Euro. Hätten wir uns vor der Bestellung unseres E-Autos die Kostenvoranschläge eingeholt, wäre das neue Auto wieder ein Benziner geworden. So schade dies grundsätzlich ist. Wer ist denn in der Lage, die nicht unerheblichen „Kaufnebenkosten“ für ein E-Auto zu tragen? Insbesondere wenn es sich um einen Kleinwagen aus dem Sortiment der E-Autos handelt. Dann kostet die Installation einer „Steckdose“ fast die Hälfte des neuwertigen E-Kleinwagens. Es sind somit nicht nur die höheren Anschaffungskosten für das E-Auto, und die immer wieder bemängelte Infrastruktur der Ladestationen in die Kaufbetrachtung einzubeziehen. Auch die Kosten für eine häusliche Ladestation sind kritisch zu betrachten. Zumindest uns stellt sich die Frage, ob auf kommunaler Ebene E-Mobilität überhaupt gewünscht wird. Tatsache ist, dass die städtischen Stromnetze nicht auf „flächendeckende“ E-Mobilität ausgelegt sind. Sollen die Preise für die Installationskosten etc. potenziell Kaufwillige abschrecken?

Susanne Kaufmann, Buchholz

Widersprüche der Hafenpolitik

5./6. Juni: „Chinesen sollen in Hamburgs Hafen einsteigen“

Dass Großkunden sich nun auch im Hamburger Hafen endlich an einzelnen Terminals beteiligen dürfen, ist zu begrüßen. Dass das „Staatsunternehmen“ Hamburger Hafen und Logistik AG damit ausgerechnet dem chinesischen Staatsunternehmen COSCO, das auch als Werkzeug chinesischer Hegemonialbestrebungen fungiert, bessere Abfertigungsmöglichkeiten verschafft als dem heimischen Carrier Hapag-Lloyd, der ebenfalls eine Staatsbeteiligung aufweist und in Altenwerder unter den infrastrukturellen Defiziten seiner Terminalbeteiligung leidet, gehört zu den unerklärlichen Widersprüchen der Hamburger Hafenpolitik.

Dr.-Ing. Ulrich Malchow

Eine überzeugende Sichtweise

4. Juni: Dohnanyi am Freitag: „Schulen sanieren, nicht die Sprache. Hamburgs Altbürgermeister im Gespräch mit Matthias Iken. Heute über das Gendern“

Was für eine klare und überzeugende Sichtweise unseres Altbürgermeisters, der ich mich vollen Herzens anschließe! Ich empfehle unserem jetzigen Bürgermeister und dem Senatskollegium dringend, diese Gedanken vorbehaltlos aufzugreifen und sich um Wichtigeres zu kümmern, als solchen Ideologen und Ideologinnen zu folgen.

Reimer H. Lindemann

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Leserbriefe