Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 26. Mai 2021

| Lesedauer: 7 Minuten

Digitale Werkzeuge nutzen

25. Mai: „,Corona könnte nur ein Vorgeschmack gewesen sein‘. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit über neue Gesundheitsgefahren, Mutanten und Prognosen für den Sommer

Wo und in welchen Situationen stecken sich die Menschen an? Das sind tatsächlich zwei zentrale Fragen, deren Antworten auf wissenschaftlicher Grundlage dabei helfen könnten, das Virus auch langfristig deutlich besser einzuhegen. Unbegreiflich, dass die dafür vorhandenen digitalen Werkzeuge nicht genutzt werden dürfen. Stattdessen opfern wir Lebensqualität, Existenzgrundlagen und Menschenleben auf dem Altar einer irrational überhöhten Angst vor Transparenz, auf die viele Menschen ansonsten in vielfältigen Zusammenhängen täglich millionenfach freiwillig oder ohne darüber nachzudenken verzichten. Vielleicht sind das Grundrecht auf Gesundheit und Unversehrtheit und das mit der Pandemie verbundene Leid nun doch endlich Anstoß genug, die aktuelle Einstellung dazu zu überdenken.

Uwe-Carsten Edeler

Ein Bärendienst für die Frauen

25. Mai: „CDU-Chef Ploß will dem Staat das Gendern verbieten“

Ein großes Dankeschön an den Hamburger CDU-Landesvorsitzenden Christoph Ploß, der sich gegen die politisch verordnete Meinungsmache der Grünen und (Teilen?) der SPD stellt und einer aufgezwungenen Gendersprache Einhalt gebieten will. Bekanntermaßen lehnen mindestens zwei Drittel der Bevölkerung eine vorgeschriebene Gendersprache ab, was diese Parteien und eine gewisse Klientel (darunter leider auch einige Medien) aber nicht daran hindert, die Gendersprache in Wort und Schrift zu forcieren. Die sprachlichen Verrenkungen und Wortungetüme inklusive Leseunfreundlichkeit führen aber nur zu Unmut, Unverständnis und Verärgerung. Aus meiner Sicht wird den berechtigten Forderungen nach Gleichberechtigung der Frauen mit dem Genderoktroy ein wahrer Bärendienst erwiesen.

Franz-Christian Semrau

„Verbotspartei“ CDU

Herr Ploß scheint die Keule des Kulturkampfes rauszuholen, um die CDU als „Verbotspartei“ zu etablieren. Soll nun künftig eine „Genderpolizei“ Beamten und Lehrkräften auf die Finger schauen? Wie sollen „Verstöße“ hier geahndet werden – und wer wäre der oder die Geschädigte? Mit diesem Vorstoß würden lediglich die extremen Positionen in dieser Debatte gestärkt – eine unaufgeregte Betrachtung würde erschwert.

Till Stenzel

Eine passende Lösung?

25. Mai: „Das Wagnis Walter. Nach dem dritten Nichtaufstieg in Folge geht der HSV nun einen Weg mit einem Trainer, der polarisiert. Sein Vorgänger rechnet mit den Spielern ab“

„Der VfB hat unter Walter stark angefangen und dann stark nachgelassen“. So wird von Walters Zeit beim VfB Stuttgart berichtet. Da scheint der HSV ja endlich den idealen Trainer gefunden zu haben. Passt!

Thorsten Thiel, Ahrensburg

Wasser predigen, Wein trinken

Pfingsten, 22./23./24. Mai: „Baerbocks Ansehen sinkt. Die Grünen-Kanzlerkandidatin ist glanzvoll gestartet, doch jetzt gerät sie in die Defensive – auch wegen ihrer Nebeneinkünfte“

Es scheint mir, als ob die Spitzengrünen rechtzeitig vor der Bundestagswahl die „Keller aufräumen (lassen)“, um vor der „heißen“ Wahlkampfphase ihre „Leichen“ zu entsorgen. Schließlich vergisst das Wahlvolk schnell. In diesem Zusammenhang möchte ich in Erinnerung rufen, dass der ach so integere Herr Özdemir auch bereits in der Vergangenheit eine ähnliche Teil-Amnesie hatte. Damals in Verbindung mit der privaten Nutzung von Vielfliegermeilen, die er mit Steuergeldern „erflogen“ hatte. Und diesmal – wieder nur bedauerliche Einzelfälle? Honi soit qui mal y pense! Auch wenn die Kommunikationsstrategie der Grünen aktuell sehr viel geschickter ist als in der Vergangenheit: Es wird Wasser gepredigt, aber Wein getrunken. Vor diesem Hintergrund empfehle ich, die von den Grünen postulierte Transparenz kritisch zu hinterfragen und auch bei ihnen genau hinzuschauen, wenn im Wahlkampf die „Moralkeule“ herausgeholt wird.

Stefan Zolling

Erfolgreicher Rollenwechsel

Pfingsten, 22./23./24. Mai: „Manfred Braasch und der rot-grüne Klimazoff. Wechsel des streitlustigen BUND-Chefs in die Umweltbehörde empört die SPD und erfreut die Grünen. Das Ganze offenbart einen Grundkonflikt“

Es mutet schon etwas obskur an, wenn jetzt einem der Protagonisten der grün-affinen außerparlamentarischen Opposition, der mit seinem obstruktiven Verhalten während seiner Jahre als Vertreter des BUND, die Stadt und ihre Steuerzahler sehr viel Geld gekostet hat, von einem grünen Senator ein Amt in der Umweltbehörde übertragen wird. Wünschen wir der Stadt, dass sich die Hoffnungen des Präses der Handelskammer („Man kann nur hoffen, dass Herr Braasch seine Rolle annimmt und den Rollenwechsel hinbekommt“) erfüllen.

Karl H. Lützen

Die Natur braucht Dunkelheit

20. Mai: „Es werde Licht: Hamburgs Beleuchtungsplan. Senat will mehr Lampen an Straßen, Wegen und Plätzen installieren“

Was hier schmeichelhaft sachlich und wegweisend begründet wird, lässt bei genauer Betrachtung nicht nur Fragen aufkommen, sondern ruft ungläubiges Staunen hervor. Was soll das? Wo soll das hinführen? Grün, Umwelt und Weltklima und dann, ganz der Natur zugewandt, ein Weg in eine lichtene Zukunft. Von Zurückhaltung und Rücksichtnahme keine Spur. Wer sich anhand vergleichender Luftbilder über die künstliche Lichtentwicklung nicht nur in Deutschland informiert, um zu begreifen, wo das alles hinführt, der wird über diese Neuigkeit nur noch den Kopf schütteln. Selbst in Entenwerder muss nun aus „Sicherheits- gründen“ zusätzliches Licht her. Wo kommt denn das zusätzlich „gewonnene“ Sicherheitsdefizit her? Wir greifen mit zerstörerischer Konsequenz, wie selbstverständlich, über uns hinaus in genau die Bereiche ein, die für andere Lebensräume sind. Wir entwöhnen uns von der Selbstverständlichkeit, dass es nach dem Tag durchaus dunkler werden kann, solange es in Hamburg noch möglich sein wird. Noch weniger wird wohl verstanden, dass es enorm wichtig für unser gesamtes Dasein ist, dass wir dunkle Erfahrungen machen.

Andras Scholz

Fahrerlos durch die Stadt

Pfingsten, 22./23./24. Mai: „Moia fährt ab 2025 in Hamburg autonom. Am 1. Juni geht der Sammeltaxi-Dienst nach fünf Monaten Corona-Pause wieder an den Start“

Nicht nur Moia, sondern auch die Hamburger Hochbahn arbeitet an einem derartigen Arbeitsplatz-Vernichtungsprogramm. Beide Unternehmen investieren Unsummen in technische Einrichtungen, um das Ganze möglich zu machen. Natürlich, da müssen weder Löhne gezahlt noch Pensionen sichergestellt werden, es gibt keinen lästigen Betriebsrat und keine Streiks. So formuliert es ja auch der Autor: „Denn hinter all der faszinierenden Technik steckt langfristig (?) das harte wirtschaftliche Ziel der Kostenreduzierung durch Personaleinsparung“. Man fragt sich, ob das wirklich erstrebenswert ist, fahrerlos durch zahllose Sensoren am Fahrzeug und an den Straßen gelenkt durch die Stadt kutschiert zu werden, nicht, weil es nötig wäre, sondern weil es technisch machbar scheint. Die letzten beiden Sätze legen dann auch das Problem offen: Wer haftet, wenn die Technik versagt? Viel sinnvoller wäre ein dichtes Netz von Stadtbahnen, um nicht erst unsere Enkel mit einer U5 unter Alster und Hauptbahnhof zu beglücken, sondern die heutige Generation mit leicht erreichbaren ÖPNV-Anschlüssen zu versorgen. Das wäre auch ein Weg, den Klimaschutz in der Hansestadt durch Verzicht auf Unmengen grauer Energie bei der U5-Buddelei wirksam voranzubringen: Eine Aufgabe für den neuen Klimabeirat des Senats.

Dr. Gunter Alfke, Hamburg

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