Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. Mai 2021

| Lesedauer: 8 Minuten

Kein schlechtes Gewissen?

20. Mai: „Giffey tritt zurück – will aber in Berlin regieren

Frau Giffey hat – mal freundlich ausgedrückt – bei ihrer Doktorarbeit geschummelt. Das ist öffentlich schon lange bekannt. Darum tritt sie als Ministerin zurück und zieht damit die Konsequenzen für ihren Fehltritt. Aber mitnichten, denn sie will jetzt als Bürgermeisterin von Berlin kandidieren. Ergo ist sie nicht zurückgetreten, weil das der Anstand gefordert hätte, sondern weil sie die Treppe hinauffallen möchte. Keine Spur vom schlechten Gewissen. Man könnte annehmen, dass dies in den heutigen politischen Parteien normal ist, denn zumindest die Berliner SPD scheint damit kein Problem zu haben. Vielleicht habe ich aber eine falsche Wertvorstellung. Oder aber meine Ansprüche an die Politiker sind zu hoch angesetzt. Natürlich hat jeder Mensch eine neue Chance verdient, nach einer Bewährungsfrist zuzüglich einer glaubwürdigen Entschuldigung. Leider Fehlanzeige von Frau Giffey. Die Wähler in Berlin können darauf die richtige Antwort geben, denn diese Frechheit darf nicht belohnt werden.

Fred Bonkowski

Unterschiedliche Maßstäbe

Dass sich Franziska Giffey aufgrund des Plagiatsvorwurfes in ihrer Dissertation zum Rücktritt aus dem Amt der Familienministerin entschieden hat, ist sehr bedauerlich. Dem Vorwurf des Plagiats in ihren Dissertationen mussten sich bereits einige Politiker/innen stellen, so auch im Jahr 2015 die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Die Medizinische Hochschule Hannover stellte zwar Plagiate bei Frau von der Leyen fest, sah aber keine Täuschungsabsicht. Unterstellt man nun der sehr engagierten SPD-Politikerin eine Täuschungsabsicht, falls überhaupt ein Plagiat vorliegen sollte? Woran misst man die Glaubwürdigkeit einer Person, wenn sie trotz Plagiats keine Täuschungsabsicht hatte? Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier unterschiedliche Maßstäbe angelegt werden.

Kriemhild Padberg

Aufhebung erfolgt zu früh

19. Mai: „Impftermin wird ab Juni zugewiesen“

Es ist ein Skandal, dass durch die Zusammenfassung der Prioritätsgruppen 1 bis 4 die Auswahl durch einen Zufallsgenerator zugelassen wird, der bestimmt, wer zuerst geimpft wird und wer eventuell schwer an Corona erkrankt, während andere Geimpfte fröhlich Urlaub buchen können. Wie human sind die Regierenden in Schleswig-Holstein? Die Aufhebung der Priorisierung ist viel zu früh. Es gibt noch viel zu viele in diesen drei Gruppen, die noch nicht geimpft sind. Die Priorisierung muss auch bei einer Auswahl durch Zufallsgenerator beibehalten werden, wenn man Menschenleben retten will!

Jaap de Graaff

In Hamburg geht es schneller

Die Impfterminvergabe in Schleswig-Holstein ist tatsächlich abenteuerlich und ein totales Versagen des wohl überforderten Ministers Heiner Garg. Man sitzt wochenlang ein paar Stunden vor dem PC, bekommt dann, nach Anmeldung, einen Link der nur zwei Stunden gültig ist und muss versuchen in dieser Zeit einen Termin zu ergattern, bei uns ohne Erfolg. Selbst angeblich freie Termine sind dann beim Anklicken schon vergeben. Als dann mal wieder ca. 10.000 Termine freigeschaltet wurden, landete man als Nummer 14.000 in einer Warteschleife. Als ,,nur“ noch 3000 Personen davor waren, lief der Link ab, ganz toll. Dieses Theater haben wir dann nicht mehr mitgemacht und uns bei unserem Internisten und Hausarzt in Hamburg angemeldet, bekamen nach zwei Wochen einen Termin für die erste Impfung mit Biontec und für die zweite am 20. Mai, vollkommen entspannt, besser geht es nicht. Freunde aus Hamburg haben sofort einen Termin beim Impfzentrum bekommen und andere aus Buchholz haben sich dort auf eine Warteliste setzen lassen und sind auch schon geimpft. Warum läuft es in Schleswig-Holstein nicht, liegt es am Verfahren, am fehlenden Impfstoff, oder an Eventim? Man sollte den Minister einen Tag vor den PC setzen, damit er mal sieht, was er angerichtet hat, so kann man nicht mit den Impfwilligen umgehen.

Jürgen Dithmar

Familien stehen Kopf

19. Mai: „Hamburgs Sommer. Peter Tschentschers Konsequenz in der Corona-Bekämpfung zahlt sich jetzt aus“

Dem Lob für Herrn Tschentscher kann ich mich leider nicht anschließen, sind wir in Hamburg doch das Bundesland mit dem höchsten Schulstundenausfall. Von der versprochenen Priorisierung von Kindern und Jugendlichen sind wir noch meilenweit entfernt. Im momentanen Wechselunterricht gehen die Kinder nur jeden zweiten Tag bzw. jede zweite Woche zur Schule und lernen deshalb immer noch sehr wenig. Es findet in den Grundschulen hauptsächlich Vor- und Nachbereitung des Homeschoolingtages statt, außerdem schulische Testungen und kaum Unterricht. Viel Zeit geht mit den Selbsttests, mehrmaligem Händewaschen und Lüften verloren. Die Kinder sitzen alleine mit Maske am Tisch und dürfen diese selbst beim Sport nicht abnehmen. Sie müssen immer Abstand halten und dürfen sich nicht an die Hände fassen. Ihre Freunde vermissen sie sehr. Den bald abgehenden Viertklässlern wird die Chance genommen, ihre Klassenkameraden noch einmal im Klassenverband zu sehen. Die Belastung zu Hause ist für die Familien immer noch sehr groß und die Stimmung ist schlecht. Immer noch vernachlässigen hauptsächlich die Mütter ihre Arbeit oder kündigen, weil sie jeden zweiten Tag ihr Kind bei den vielen zu bearbeitenden Arbeitsblättern unterstützen müssen. Alleine sind die Kinder damit überfordert. Die Notbetreuung ist für viele Kinder eine schlimme Zeit, weil die notbetreuten Kinder von ihren Klassenkameraden manchmal sogar ganz alleine isoliert werden. Es ist für uns Eltern auch sehr schwierig, einen der raren Notbetreuungsplätze zu ergattern. Für uns Familien ist das Leben in Hamburg immer noch komplett auf den Kopf gestellt und von den Lockerungen profitieren wir kaum. Wann, wenn nicht jetzt, kann zumindest die Grundschule wieder im Normalbetrieb laufen? Jeder Tag geöffneter Schulen zählt!

Martina Schimmer

Die eigenen Beine benutzen

19. Mai: „Holländer bringen 800 E-Mopeds auf Hamburgs Straßen“

Nachdem schon die Autos die Fußwege mehr oder weniger als Parkfläche missbrauchen, E-Scooter oft rücksichtslos im Wege oder sogar auf Blindenleitstreifen stehen, sollen jetzt immer mehr E-Mopeds die Stadt „überschwemmen“, die leider nicht immer wie vorgesehen auf Sonderabstellflächen stehen, sondern sogar mitten im Wartebereich der Bushaltestellen. Herr Krämer irrt, wenn er die subjektiv wahrgenommene Beschwerdelage als Maßstab dafür nimmt, wie viele Menschen – insbesondere Blinde, Sehbehinderte oder Mobilitätseingeschränkte – sich über den Wildwuchs dieser im öffentlichen Raum abgestellten Vehikel ärgern. Viele haben nur bereits resigniert aufgegeben, sich zu beschweren. Es nützt nichts. Von der Politik kommt leider kaum Unterstützung, solange dieser Mobilitätstrend seine eigenen Beine nicht zu benutzen als Fortschritt oder Beitrag zur Verkehrswende und zum Klimaschutz angesehen wird.

Christoph Beilfuß

Ein empfehlenswerter Job

18. Mai: „Traumjob bei Rosamunde Pilcher zu vergeben. Sie wollten schon immer nach Cornwall? Bitte schön! Das Schloss von St. Michael’s Mount sucht dringend eine/n Verwalter/in“

Wir waren vor ein paar Jahren an unserem Hochzeitstag zu Besuch auf dem St. Michael’s Mount und kamen dort mit dem Castle Officer ins Gespräch. Als wir den besonderen Tag erwähnten, bot er uns sofort an, in der guten Stube des Castles auf dem Sofa Platz zu nehmen, auf dem bereits Queen Victoria saß. Eine nette Geste und große Ehre für uns, da das ansonsten verboten ist. Wir können den Job des Castle Officers nur empfehlen, da der Gentleman trotz Hochsaison einen entspannten Eindruck machte. Weiter ist die Insellage fantastisch und ein traumhafter, subtropischer Garten gehört zur Burg auch dazu. Dafür sind dann aber die Gärtner zuständig.

Wolfgang Scheuring, Buxtehude

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