Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. Mai 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Hochschuldozenten impfen!

19. Mai: „Tschentscher überrascht mit starken Lockerungen

In einem nächsten Öffnungsschritt sollen dann also auch Hochschulen wieder öffnen. Es wäre schön, wenn die neue Öffnungsstrategie mit der Impfreihenpriorisierung in Einklang stehen würde. Nachdem tausende Hochschuldozenten bisher nicht zur Impfung zugelassen wurden, soll aber genau diese Gruppe sehr bald wieder in geschlossenen Räumen unterrichten. Von einer durchdachten Strategie kann mal wieder keine Rede sein. Bevor Hochschulen wieder öffnen dürfen, ist zunächst das Personal zu schützen. Zumal unsere grüne Wissenschaftssenatorin und Zweite Bürgermeisterin genau dies noch vor wenigen Wochen mit größter Vehemenz von privaten Unternehmen eingefordert hat. Stattdessen muss man den Eindruck haben, dass nach politischem Gutdünken zur Impfung aufgerufen wird. Schließlich wurden vor zwei Wochen sogar schon HVV-Mitarbeiter zur Impfung zugelassen, deren Arbeitsplatz so ungefährlich ist, dass noch nicht einmal eine Maskenpflicht für Busfahrer oder U-Bahn-Fahrpersonal besteht.

Martin Weinmann

Unsolidarisches Verhalten

19. Mai: „Lange Wartezeit, weil Impfzentrum überbucht war“

Ich bin fassungslos, dass dieser enorme Andrang nicht am Missmanagement des Impfzentrums lag, sondern an den Menschen, die am Wochenende was besseres vorhatten als ihren Impftermin wahrzunehmen, sodass am Montag ältere Menschen, die einen regulären Termin hatten, lange Wartezeit in kauf nehmen mussten. Das Verhalten ist unsolidarisch und egozentrisch. Während es am Wochenende sehr überschaubar zuging, mussten die Mitarbeiter des Impfzentrums am Montag einen großen Andrang bewältigen. Ihnen gilt mein Lob und Dank dafür, dass sie das trotzdem so freundlich und professionell geleistet haben. Denjenigen, die unentschuldigt nicht zu ihrem Termin erschienen sind, möchte ich in Erinnerung rufen, wie privilegiert wir sind, dass uns eine Impfung gegeben wird, während woanders auf der Welt, wo es nicht ausreichend Impfstoff und Beatmungsgeräte gibt, Millionen von Menschen qualvoll sterben.

Ingrid Jänner

Hoffen auf eine faire Lösung

19. Mai: „Impftermin wird ab Juni zugewiesen“

Seit Wochen sitzen frustrierte Bürger vor dem Computer und versuchen einen Impftermin zu ergattern. Für diejenigen, die kein Glück hatten, gibt es die Möglichkeit, zurückgegebene Termine zu bekommen. Da werden zweimal täglich mehr als 50.000 Impfwillige morgens um sieben Uhr und abends um 17.00 Uhr an den Computer gezwungen, um einige wenige Termine zu ergattern. Mal werden Termine vor der Zeit vergeben, mal später, mal nur die Hälfte. Meine Vermutung ist, dass sich der FDP-Minister Garg niemals dieses Prozedere angetan hat, Herr Kubicki bestimmt auch nicht. Schleswig-Holstein wird bewundert wegen der niedrigen Inzidenzen, nicht aber wegen der Impfterminvergabe. Wir hoffen auf eine einfache, faire Lösung für alle Prioritätsgruppen.

Jürgen Czischke, Norderstedt

Problem zu lange verdrängt

19. Mai: Kommentar: „Der mitgereiste Antisemitismus. Islamischer Judenhass – der Rechtsstaat muss reagieren“

Da werden teure Studien erstellt, aus denen dann hervorgeht, dass der Antisemitismus teilweise die Folge der Einwanderung von muslimisch geprägten Migranten ist. Welche Überraschung! Haben unsere verantwortlichen Politiker wirklich geglaubt, dass Menschen aus diesen Kulturkreisen, in denen der Hass auf Juden und Intoleranz im weitesten Sinne zumindest bei einem Teil dieser Religionsgruppe über Generationen verankert ist, diese Einstellung beim Grenzübertritt ablegen? Jahrelang hat man dieses Problem „unter der Decke“ gehalten, aus Angst, in die populistische Ecke gestellt zu werden. Gebetsmühlenartig wiederholen die Politiker bei jeder Gelegenheit, Migranten, die unsere Werte missachten und ihr Gastrecht missbrauchen, müsse die „volle Härte“ unseres Gesetzes treffen – und das war’s dann! Wie häufig haben wir es hier mit Migranten zu tun, die über Jahre eine kriminelle Karriere hinter sich haben und nach deutscher Rechtsprechung nicht ausgewiesen werden können, weil sie in ihrem Herkunftsland verfolgt würden oder weil sie inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Diese Rechtslage ist sicher vielen deutschen Bürgern nicht mehr vermittelbar, und es sei die Frage erlaubt, wem die gewählten Politiker verpflichtet sind, den Bürgern, die sie gewählt haben oder den Menschen, die sich ganz bewusst unseren Werten widersetzen? Wenn entsprechende Maßnahmen unserer oder der europäischen Rechtsprechung widersprechen, ist es an der Zeit, Gesetze zu ändern, so mühsam das im Einzelfall auch ist.

Dieter Ringsdorf

Hanseatische Botschafter

18. Mai: „Keine Panik: Udo soll Ehrenbürger werden“

Die Ehrenbürgerschaft der Hansestadt und auch das Lob des Bürgermeisters sei Udo Lindenberg ja wirklich gegönnt. Doch dass Lindenberg sogar die ganze Stadt musikalisch geprägt hätte, dürfte zumindest zu bezweifeln sein. Denn vor nun über 70 Jahren, Anfang bis Mitte der 1950er-Jahre, waren es – um nur drei Namen zu nennen – Abbi Hübner, Peter „Banjo“ Meyer, Gerhard Vohwinkel, die ohne Streben nach kommerziellem Erfolg und Ruhm die Bühnen der von ihnen mit geschaffenen Clubs betraten und damit nachhaltig und bis heute eine eigene, sich rasant entwickelnde hanseatische Szene des klassischen Jazz begründeten. Diese war und ist die Basis für viele große Karrieren, so auch die von Lindenberg. Über 70 Formationen mit einer Vielzahl hervorragender Musiker prägen aktuell diesen musikalischen Bereich, viele Formationen und Musiker hieraus sind als musikalische Botschafter der Stadt weltweit gefragt, wurden und werden auf Festivals geehrt. Doch Anerkennung, gar Förderung von Projekten oder mediale Aufmerksamkeit kommt ihnen hier unbegreiflicherweise nicht zugute, mehr so etwas wie Missachtung.

Gerhard Klußmeier

Neubauten ganz vermeiden

17. Mai: „Baerbock will Billigflüge stoppen“

Wenn Frau Baerbock als Maßnahme für ihr „Klimaschutzsofortprogramm“ ankündigt, dass „in der Regel in Deutschland nur noch mit Solardach neu gebaut wird“, so ist das doch etwas zu kurz gesprungen. Fakt ist, dass zunächst angestrebt werden muss, Neubauten insgesamt zu vermeiden. Dazu muss man sich deutschlandweit Gedanken machen, wie der Zuzug in die Metropolregionen gebremst und die strukturschwachen Gebiete gestärkt werden können. Dort ist Wohnraum ein knappes Gut – hier herrschen Leerstand und Verfall. Dann sollte Sanierung und Umnutzung bestehender Gebäude Priorität eingeräumt werden. Sanierungsmaßnahmen scheitern heute aber häufig am Fachkräftemangel – also brauchen wir auch eine Ausbildungsoffensive für den Umweltschutz! Jeder Neubau ist verbunden mit einem hohen Energieeinsatz und Flächenverbrauch für das Gebäude und die notwendigen Erschließungsmaßnahmen. Je mehr Wohnraum ein Mensch für sich beansprucht, desto größer sein ökologischer Fußabdruck. Zu guter Letzt, wenn die Entscheidung für einen Neubau gefallen ist, muss man die Gesamtbilanz des Gebäudes betrachten: Ist die Größe angemessen, wie viel Graue Energie wird aufgewendet, gibt es einen Materialkreislauf? Entscheidend ist die Effizienzklasse, die erreicht werden kann, und das sollte in jedem Fall technologieoffen geplant werden können. Eine Festschreibung von Solardächern würde jede neue Entwicklung auf dem Gebäude-Energiesektor verhindern und Natur-Basierte Lösungen außer Acht lassen. Wer also meint, mit Solardächern das Klima zu retten, verkennt die Zusammenhänge oder will sie dem Wahlvolk ersparen. Ich wünsche mir von Frau Baerbock, dass das Thema Klimaschutz nicht auf Schlagworte reduziert, sondern in seiner ganzen Komplexität und Ressort-übergreifend betrachtet und transparent diskutiert wird. Unsere Klimaschutzziele erreichen wir nur, wenn ein Großteil der Bürger informiert ist und mitzieht.

Michaela Lorscheider