Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 17. Mai 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Mehr sprachliche Gelassenheit

15./16. Mai: „Sprache im Wandel: Der Kampf um den Genderstern“

Der Essay ist wohltuend differenziert und macht verständlich, worum es in der Diskussion um gendergerechte Sprache geht: Eine geschlechtsbezogene Diskriminierung durch die Sprache zu vermeiden. Sprache, so verstanden, ist eben Abbild einer vollzogenen Emanzipation jedes Menschen. Da Sprache das Bewusstsein prägt, ist es konsequent, die Sprache von diskriminierenden Elementen zu befreien. Dazu passt folgerichtig das Argument, dass sich Sprache als Mittel der Kommunikation im Laufe der Zeiten gewandelt hat. Gleichwohl empfinde ich den derzeitigen Hype um gendergerechte Sprache maßlos übertrieben, von einer kaum nachvollziehbaren Überempfindlichkeit gegenüber einer Sprachkultur, die sich über Jahrhunderte langsam entwickelt hat. Die vielen Genderzeichen sind in meiner Wahrnehmung umständlich, verunzieren zudem das Wortbild. Noch lächerlicher und verkrampfter wirkt der Versuch (auch von mancher Behörde!), Texte geschlechtsneutral zu formulieren. Das Genus eines Nomens ist eine Besonderheit der deutschen Sprache. Niemand fragt danach, warum es „der“ Bach oder „die“ Jacke heißt. Oder „das“ Mädchen und „die“ Weisheit! Vielleicht ist ja schon viel erreicht, sich bewusst zu machen, dass „der“ Kunde eben männlicher, weiblicher oder diverser Natur sein kann. Ebenso wie eine Jacke auch männliche oder weibliche Träger hat oder Weisheit nicht auf das weibliche Geschlecht beschränkt ist. Ich wünschte mir mehr Gelassenheit und souveränen Umgang mit einer Sprache, deren Funktion unersetzbar ist!

Ulrich Kulicke

Auf den Punkt gebracht

Die Autorin bringt es auf den Punkt. Solange der Plural „die Kunden“ allgemein als generisches Maskulinum verstanden wurde, konnten sich alle betroffenen Personen angesprochen fühlen. Hingegen erfasst „die Kund*innen“ explizit nur die männlichen Kunden und die weiblichen Kundinnen, die Personen dritten Geschlechts sind ausgeschlossen. Der Genderstern diskriminiert.

Dr. Jürgen Samtleben

Symbole, aber keine Lösungen

Die deutsche Sprache kann superflexibel sein, was die Gleichstellung von Frauen angeht: Begriffe wie „Kauffrau“ oder „Fachfrau“ gab es früher nicht und heute sind sie selbstverständlich. Allerdings fällt mir z.B. in Talkshows oder Fernsehberichten auf, dass viele Fachfrauen überhaupt kein Problem damit haben, von „Patienten“ oder „Bürgern“ zu reden (ohne *in), weil es ihnen um die Sache geht und nicht um die Erziehung von Andersdenkenden. Es gibt ganz klar den Zielkonflikt Verständliche Sprache gegen sprachliche Gleichstellung. Ich finde, man sollte diesen pragmatisch lösen: Da, wo es um abstrakte Gruppen geht, sollte man die bisherige, männlich wirkende, aber nicht männlich gemeinte Form beibehalten. Dort, wo man konkret die Personen vor Augen hat, sollten beide Geschlechter angesprochen werden. Die Sternchen, Unterstriche und Binnen-I’s blockieren den Sprach- und Schreibfluss und sind in meinen Augen Symbole, aber keine Lösungen.

Hein Diekmann

Gastrecht verwirkt?

15./16. Mai: „Wer steckt hinter den Hass-Demos gegen Juden?“

Wer initiiert solche Taten, solche sogenannten Demos? Sind dies religiös Verblendete, gesellschaftlich und politisch Unaufgeklärte oder einfach nur Idioten? Werden die in Art. 3 Abs. 3 des GG garantierten Freiheiten nicht genug geschützt und reichen die in §130 StGB beim Tatbestand der Volksverhetzung angedrohten Bestrafungen nicht aus oder werden nur unzureichend ein- und umgesetzt? Die staatlichen Symbole anderer Länder können beliebig geschändet werden, ohne dass der Rechtsstaat durchgreift. Wenn es deutsche Staatsbürger sind, die an solchen Taten teilnehmen, so muss sie die ganze Härte des Gesetzes treffen. Wer hier als „Gast des Staates“ an solchen rassistischen Veranstaltungen teilnimmt, hat sein Gastrecht verwirkt! Der Staat darf hier nicht tatenlos zusehen und zum zahnlosen Tiger werden. Wie vergesslich kann eine Gesellschaft sein! Es ist gerade einmal etwas mehr als 80 Jahre her, dass hier Synagogen brannten, der geschürte Hass gegen Juden, Sinti und Roma und Minderheiten zur Verblendung eines Großteils der hier lebenden Menschen führte. Was der israelische Staat mit der Minderheit der Palästinenser auf seinem Staatsgebiet macht, kann ebenso wenig unsere Zustimmung finden wie die ständigen Gewalttaten der Hamas vom Gazastreifen aus. Dies rechtfertigt aber in keiner Weise die Taten dieses Mobs gegen staatliche Symbole Israels und erst recht nicht gegen jüdische Bürger, die mit dem Staat Israel meist nur die religiöse Ausrichtung gemeinsam haben.

Lothar Gramer

Schlechte Zeiten für Vermieter

14. Mai: „Ist das jetzt genug Klimaschutz? Das Kabinett hat deutlich höhere Klimaziele für Deutschland beschlossen“

Am Schluss des Artikels wird erwähnt, dass die CO2-Steuer künftig von Mietern und Vermietern zu gleichen Teilen getragen werden soll, Kosten, die bislang der Vermieter auf die Mieter habe „abwälzen“ können. Das Wort „abwälzen“ halte ich in diesem Kontext für fehl am Platz, es ist nicht meinungsneutral. Damit wird indirekt ausgedrückt, dass eigentlich die Vermieter diesen Preis zu zahlen haben und nun aufgrund der beschlossenen Neu-Regelung die Mieter gottlob etwas entlastet werden. Dass Vermieter überhaupt an diesen Kosten beteiligt werden sollen, ist für mich nicht nachvollziehbar. Schließlich haben sie keinen Einfluss auf das Verbrauchsverhalten der Mieter, würden verschwenderische Verbräuche quasi subventionieren. Zudem haben Wohnungen mit älterer Ausstattung ausgleichend einen geringeren Mietwert. Aufwendige Modernisierungsmaßnahmen rechneten sich nur in wenigen Fällen bzw. wären unsinnig oder gar nicht realisierbar. Und: Anschließend müssten die Vermieter weiterhin die Hälfte der (weiter steigenden) CO2-Kosten tragen. Super Logik! Kleinvermietern wird allmählich die Luft abgedreht.

Uta Vosteen-Johannes

Fußball ist die Nummer eins

14. Mai: Sportplatz: „Hamburg ist auf dem Weg zur Basketball-Stadt. Die Hamburg-Towers stehen erstmals in den Play-Offs“

Die Behauptung, dass Hamburg auf dem Weg zur Basketball-Stadt ist, kann so nicht stehenbleiben. Hamburg ist zunächst einmal eine Stadt, in der viele Sportarten beheimatet sind. Und in der Rangfolge der beliebtesten Sportarten hat sich auch nach dem Abstieg des HSV nichts geändert und wird sich auch nach weiteren Erfolgen der Towers nichts ändern. Fußball ist und bleibt die Nummer eins. Um den zweiten Platz werden sich bald auch die Handballer des HSVH mit den Basketballern streiten, wenn der Aufstieg in die erste Liga geschafft ist. Und wenn eines Tages auch das Eishockey-Team der Crocodiles eine angemessene Sportstätte erhält, wird sich die Gunst des Publikums noch weiter verteilen. Berlin und München sind auch keine Basketball-Städte, nur weil dort Spitzenteams dieser Sportart beheimatet sind.

Martin Wucherpfennig

Treffsichere Karikaturen

14. Mai: Karikatur, Seite 2

Ich freue mich jeden Tag auf und über die Karikaturen von Mario Lars! Treffsicher bringt er aktuelle Themen auf den Punkt. Und obwohl die Sinnesorgane der Figuren völlig falsch platziert sind, sieht man ihnen an, was sie denken. Genial!

Gabriele König

Männer sind keine Trottel

Die Karikatur ist witzig und lädt zum Schmunzeln ein. Doch wie alljährlich zum Vatertag ist es ein despektierlicher und diskriminierend Beitrag. Dass man über Frauen oder Migranten keine Witze macht, hat sich wenigstens schon herumgesprochen. Selbst bei geringsten Anlässen folgen aufgeregte Diskussionen über Rassismus oder Antifeminismus. Doch Männer darf man folgenlos als Trottel vorführen. Stellen Sie sich vor, es gäbe vergleichbare Zuspitzungen über den Muttertag.

Johannes Zink