Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 5. Mai 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Ein kleines Stück Normalität

4. Mai: „Mehr Rechte für Geimpfte … aber es gibt noch viele offene Fragen – zum Ansteckungsrisiko, zum Impfnachweis und zum Ende der Testpflicht für Immunisierte

Das sind ja gute Neuigkeiten, dass einige Beschränkungen für Geimpfte und Genesene aufgehoben werden sollen. Ich bin schon dabei, im Freundeskreis geplante Impftermine abzufragen. Warum? Nun, die von Hajo Schumacher wunderbar beschriebene (deutsche?) Impfscham führt womöglich dazu, dass Geimpfte sich nicht zu erkennen geben und Wochen oder Monate vergehen, bevor sie sich „outen“. Ich erhoffe mir, dass ich ab Ende Juni erste Treffen im Kalender eintragen kann! Nicht um ausgelassene Partys zu feiern, sondern für den einen oder anderen gemeinsamen Grillabend. Ich würde mich auch sehr freuen, wenn meine 81-jährige Mutter sich schon bald wieder mit ihren Freunden treffen kann, aber da muss wohl erst eine seit Monaten bei allen entstandene Hemmschwelle abgebaut werden. Und nein, ich vergesse weder die Ungeimpften und ganz sicher nicht die schlimme Situation in vielen Ländern... ich möchte nur ein kleines Stück „alte Normalität“ zurück.

Imke Eggers, Schenefeld

Hämischer Unterton

4. Mai: „Ausgangssperre vor dem Aus: Immer weniger Corona-Fälle in Hamburg“

Die Schlagzeile von heute „Ausgangssperre vor dem Aus“ hat für mich einen völlig unberechtigten hämischen Unterton, so als wäre Ausgangssperre ein pleite gegangenes Großunternehmen. Dabei ist es anscheinend ein erfolgreiches Instrument zur Pandemiebekämpfung. Wenn man dieser Meinung wäre, könnte man es auch positiv ausdrücken und schreiben „Hurra – bald können wir abends wieder nach draußen!“

Christiane Röhling, Hamburg

Pfleger auf der Überholspur

4. Mai: „Spahn und Heil streiten über Reform der Pflegetarife“

Ich finde es ja gut, dass man nun endlich über eine anständige Bezahlung der Pflegeberufe spricht. Dabei wird aber vergessen, dass es den Pflegenden nicht nur um eine anständige Bezahlung und Wertschätzung ihrer Arbeit geht, sondern auch um die Stellenanzahl. Wenn man sich den Schwestern-/Patientenschlüssel anschaut und dann z.B. mit Skandinavien vergleicht, sieht man riesige Unterschiede. Das ist aber Grund für die permanente Überlastung und den vorzeitigen Ausstieg aus dem Beruf. Man kann seinen Beruf nicht im „Hundertmeter-Tempo“ bis zur Rente ausüben, daran geht man kaputt. Pflegende haben eine besondere Einstellung zu ihrer Arbeit, die sie so nicht erfüllen können. Es geht aber den privaten Betreibern von Pflegeheimen und Krankenhäusern ausschließlich um hohe Gewinne für die Eigentümer und Renditen für Anleger. Warum sparen wir nicht die Gewinne und stecken sie in die Häuser und das Humankapital? Warum müssen Krankenhäuser und Altenheime privatisiert sein? Nur weil der Staat sich aus der Pflege zurückgezogen hat, haben wir die jetzigen Zustände. Wenn jetzt die Löhne für Pflegeheime erhöht werden, zahlen das die zu Pflegenden.

Sonja Starke

Ein sozialpolitischer Skandal

3. Mai: „,Schlimm, wie man mit uns umgesprungen ist‘. 34 Menschen müssen aus einer Seniorenresidenz im Eiltempo ausziehen – mitten in der Corona-Zeit“

Auch wenn der Artikel es nicht explizit ausspricht, darf man davon ausgehen, dass es bei dem Konflikt zwischen dem Träger der Seniorenresidenz und deren Eigentümerin um nichts anderes geht als größtmöglichen finanziellen Gewinn. Es ist ein sozialpolitischer Skandal, dass die Betreuung und Pflege der Alten und der Kranken in unserem Land zunehmend privatwirtschaftlich organisiert wird. Ausgetragen wird die Raffgier der Investoren auf dem Rücken der Schwächsten und Wehrlosesten und zum Nachteil derer, die sie betreuen und pflegen. Etwas weiter westlich der Seniorenresidenz lässt sich im Müllenhoffweg ein weiterer unappetitlicher Auswuchs der Macht des Geldes beobachten. Nach dem Motto „Ist Ihr Grundstück wertvoller als Ihr Haus?“ werden dort zunehmend nette 50er-Jahre-Häuser aufgekauft und plattgemacht, zugunsten von überdimensionierten „Rendite-Klötzen“ mit bis zu sechs Luxus-Eigentumswohnungen. Wem, außer den Grundstücksspekulanten und Investoren, ist mit derartigen Entwicklungen gedient?

Hans-Jörg Bieger, Groß Flottbek

Hochgelobte Kandidatin

4. Mai: „Griechen hoffen auf eine Kanzlerin Baerbock. Die grüne Kanzlerkandidatin gilt in Athen als Anti-Merkel“

Es ist schon erstaunlich, wie Annalena Baerbock von den Medien hochgelobt wird und als ernsthafte Kandidatin und neue Kanzlerin gehandelt wird. Dabei werden auch viele Ziele der Grünen deutlicher, die kaum einer auf dem Schirm hat: Die Griechen jubeln, weil die Grünen die heikle Reparationsfrage neu bewerten wollen und die Forderung von 289 Milliarden Euro nicht grundsätzlich ablehnen. Auch in der Flüchtlingsfrage wollen die Grünen mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen lassen, ohne dass eine gerechtere Verteilung in Europa geklärt ist. Die Co2-Bepreisung soll vorfristig weiter erhöht werden, und damit das tägliche Leben aller Menschen erheblich verteuert: Hauptsache Deutschland wird klimaneutraler, der Rest der Welt kann die Umwelt weiterhin verschmutzen. Die Verteufelung des Autoverkehrs und Idealisierung des Fahrrades nimmt Formen an, die sprachlos machen. Die Gewinnung von Rohstoffen für die E-Auto-Batterien zerstören viele Länder in Südamerika – wo bleibt da der Aufschrei der Grünen nach Umweltschutz? Die Doppelmoral wird auch bei der Türkei deutlich: Erdogan beschimpfen und verurteilen, aber seine Hilfe bei der Flüchtlingsfrage annehmen und bezahlen. Und wer soll das alles bezahlen? Höhere Steuern für Reiche stehen im Raum, aber keine genauen Zahlen. Mich wundert, dass alle anderen Parteien das Parteiprogramm der Grünen noch nicht ins Visier genommen haben.

Dietmar Johnen-Kluge

Einfluss der sozialen Medien

3. Mai: „Der Preis der Information. Wer Meinungsvielfalt fordert, muss sie auch aushalten – zum Tag der Pressefreiheit“

Ein hervorragender Artikel, der die Meinungsvielfalt der Deutschen Medien in aller Deutlichkeit beschreibt und klarmacht, was die Schauspieler in ihrer Aktion #allesdichtmachen trotz ihres Bildungshorizontes offensichtlich in ihrer Überheblichkeit nicht erkennen wollen. Was der Artikel allerdings unerwähnt lässt, ist die Problematik der sogenannten sozialen Medien, die mittlerweile einen erschreckenden Einfluss haben. Geradezu exponentiell werden Aussagen voll Hass und Häme anonym in die Gesellschaft exportiert. Beiträge nur mit Klarnamen zu posten, würde sicherlich dazu beitragen, die Mobilisierung von Angst, Wut und Hass einzudämmen.

Folkert Bildhauer

Hut ab, Horst Hrubesch

4. Mai: „All over. In der vergangenen Woche wollte Daniel Thioune beim HSV ,all in‘ gehen. Das Ergebnis ist bekannt. Jonas Boldt hat ihn 300 Tage nach seinem Antritt entlassen und will bis zum Saisonende auf Horst Hrubesch setzen“

Da spielt der HSV in der Hinrunde wie ein Weltmeister und vergurkt die Rückserie komplett und das nicht zum ersten Mal. Das ist einfach nicht nachzuvollziehen! Tja, da greifen dann, selbst drei Spieltage vor Schluss, die einschlägigen Regeln: Der Trainer ist Schuld und muss gehen. Aus eigener Kraft kann der HSV, selbst wenn er alle drei „Restspiele“ gewinnt, nicht mehr aufsteigen. Da müssen die Konkurrenten selbst einige Punkte liegen lassen. Die Wahrscheinlichkeit eines Aufstiegs ist unterirdisch schlecht. Und jetzt kommt Horst Hrubesch, mein Held der vergangenen, glorreichen HSV-Ära. Gut, er hat ja nichts zu verlieren, kann nur noch den Schaden begrenzen. Trotzdem: Hut ab. Dieser Schritt, den HSV in dieser aussichtslosen Situation zu übernehmen, verlangt allen Respekt. Freuen wir uns auf ein weiteres Jahr in der 2. Liga mit Gegnern wie Schalke 04, Dresden (eventuell) und vielen anderen, namhaften Clubs.

Reiner Harbrucker