Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. Mai 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Maske an der frischen Luft?

3. Mai: „Mehr Rechte für Geimpfte in fast allen Ländern – Hamburg wartet ab. Der Norden hat die dritte Welle der Pandemie am besten im Griff. Minister Spahn lobt harten Kurs in der Hansestadt

Die Bundesländer wollten sich auf einheitliche Regeln einigen. Warum muss Hamburg einen Sonderweg gehen? Es erkennt die RKI-Werte des Robert Koch Instituts nicht an und führt eigene Berechnungen durch. Besonders ärgert mich, dass man an Alster und Elbe und anderen Orten an der frischen Luft Masken tragen soll. Ich gehöre nicht zu den Corona-Leugnern oder Querdenkern, aber die einzige Möglichkeit sich an frischer Luft zu bewegen wird einem auch noch verwehrt. Dafür habe ich kein Verständnis!

Bernd Uwe Hoch, Eilbek

Sonderwege bringen nichts

Ich frage mich, wieso Hamburg überall seinen eigenen Weg bei Corona geht? Es gibt eine „Bundesnotbremse“, die eine einheitliche Regelung für Deutschland vorsieht. Aber nein, die Hamburger Politiker wissen es besser und machen statt um 22 Uhr schon um 21 Uhr dicht. Das bringt’s natürlich. Und jetzt auch noch der eigene Weg bei den Rechten für Geimpfte. Auch hier weiß es Hamburg natürlich wieder besser und macht sein eigenes Ding. Was für ein Glück, dass Schleswig-Holstein und Niedersachsen gleich nebenan liegen. Geh ich halt als Geimpfte dort shoppen und sitze dort im Café draußen und unterstütze dort die Wirtschaft mit meinem Geld. Hamburg, denk mal nach, was diese Sonderwege wirklich bringen.

Britta Agostini

Spaltung der Gesellschaft

Ich finde es bedenklich, wenn Geimpfte Grundrechte zurückerhalten sollen, obwohl noch nicht alle ein Impfangebot erhalten haben. Dadurch wird die Gesellschaft doch noch weiter gespalten als sie es ohnehin schon ist. Denn die Nicht-Geimpften würden sicher auch gerne geimpft werden, um Rechte zurück zu erhalten, durch die Priorisierung ist es aber nicht möglich. Ich bin 62 und in ein paar Wochen steht die zweite Impfung an, meine Frau ist einige Jahre jünger und hat im Moment noch keine reelle Chance auf Impfung. In der Praxis würde das bedeuten, wenn ich ein paar Freunde einlade, muss ich vorher meine Frau wegschicken? Hat da eigentlich mal jemand nachgedacht? Steht in unserer Verfassung nicht, alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich? Das scheint in diesem Fall ja dann offensichtlich nicht zu gelten.

Dieter Krüger, Hamburg

Satire muss möglich sein

30. April–1./2. Mai: Hamburger KRITiken: „Dann ist das nicht mehr mein Land. Die Wut, mit der manche auf die Künstler von #allesdichtmachen einprügeln, verstört. Zeit, zur Vernunft zu kommen“

Wir müssen sehr aufpassen, dass unsere Gesellschaft nicht durch die fast schon fanatische Bekämpfung aller abweichenden Positionen oder auch nur Fragen zur Corona-Politik der Bundesregierung in eine verrohte „Diskussionskultur“ abrutscht. In einer Demokratie müssen Satire und kritische Positionen immer möglich und Anlass für eine offene, respektvolle, nachdenkliche und auch selbstkritische, die eigene Position hinterfragende Debatte sein.

Thomas Schönberger

Privilegien für Pflegekräfte

29. April: Kolumne: „Neid, wenn Geimpfte ihre Rechte zurückerhalten?“

Und wir wollen bitte nicht vergessen, dass zu den inzwischen vollständig Geimpften nicht nur Kranke und alte Menschen gehören. Einen großen Anteil nehmen auch die ein, die tagtäglich für unser Gemeinwohl und eben unsere Gesundheit da sind: Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Pflegekräfte, medizinisches Personal in Kliniken und Praxen. Sie konnten und können in Zeiten des Lockdowns nicht einfach aus der Gefahrenzone ins Homeoffice wechseln. Ebenso müssen sie tagtäglich unter den besonderen Schutzmaßnahmen ihren Dienst, ihre Arbeit versehen, keine leichte Aufgabe. Warum dürfen all diese – jetzt auch Geimpften – nicht ein paar Privilegien genießen zum Ausgleich? Um 21 Uhr wird schon lange nicht mehr geklatscht, Solidaritätsbekundungen gibt es kaum noch. Aber für viele hat sich an den Arbeitsbedingungen nichts verändert… Dann lasst sie doch bitte nach getaner Arbeit direkt zum Friseur und nicht erst noch in die Schlange zum zertifizierten Schnelltest. Oder gar mal eine Woche echten Urlaub machen ohne anschließende Quarantäne. Das finde ich nur fair...

Stephanie Klinger

Freiheit bedarf Menschlichkeit

3. Mai: „Der Preis der Information. Wer Meinungsvielfalt fordert, muss sie auch aushalten – zum Tag der Pressefreiheit“

Freiheit ist ein sehr hohes, aber leider auch oft missbrauchtes Gut. Wenn sich jemand die Freiheit nimmt, einen anderen Menschen zu töten, ist das ein Straftatbestand. Wenn die Presse sich die Freiheit nimmt, jemanden vor zu verurteilen und dadurch dessen Leben bis zur Unerträglichkeit negativ zu beeinflussen, schützt die Pressefreiheit. Auch werden Menschen, die an Querdenker-Demonstrationen teilnehmen, von den Medien oft Corona-Leugner genannt oder in die nationalsozialistische Ecke gestellt. Nach ihren wahren Motiven fragt niemand. Freiheit hat nur einen Wert, wenn sie mit Verantwortung und Menschlichkeit Hand in Hand geht. Diesen Grundsatz beherzigen leider etliche Medien nicht, weil die Steigerung der Auflagen oder der Einschaltquoten wichtige ist. Viele Prominente wie Jörg Kachelmann oder Christian Wulff wurden auf diesem Altar schon geopfert.

Christiane Mielck-Retzdorff

Wer bestellt, sollte auch zahlen

3. Mai: „Handelskammer will angeschlagene Wirtschaftsuni HSBA retten. Einst hatten sie die „Rebellen“ abgestoßen. Nun soll die Hochschule wieder zurückgeholt werden“

Grundsätzlich stellt sich die Frage, was die Aufgabe der Handelskammer ist? Mit Mitgliederbeiträgen ein Prestigeobjekt zu finanzieren wohl eher nicht. Nichts gegen die HSBA, wir hatten in meinem ehemaligen Unternehmen auch einen Studenten dort. Aber es sollte doch gelten: Wer bestellt, der bezahlt auch – und isst nicht auf Kosten anderer. Das war ja weiland auch die Kritik der Kammerrebellen: Alle zahlen für die Vorteile weniger anderer. Man bedenke: Jeder Euro Kammerbeitrag, ob von Großkonzernen oder Kleinunternehmen, muss zuerst erwirtschaftet werden. Die Kammer selbst erwirtschaftet hingegen so gut wie nichts.

Jörg Ökonomou

Das ist keine grüne Politik!

30. April–1./2. Mai: „Kampf um Hamburgs Grün. Bisher prägen Bäume und Parks das Bild der Stadt. Aber wird das trotz massiven Wohnungsbaus so bleiben? In diesen Wochen fallen dazu wesentliche Entscheidungen“

Nicht nur durch den Wohnungsbau gehen Bäume und grüne Flächen in unserer schönen Stadt verloren. Auch durch Bauvorhaben im Zusammenhang mit der vom Senat propagierten Verkehrswende. Das hat Herr Kappe offensichtlich erkannt und stellt dem Rot-grünen Senat „unangenehme“ Fragen. Richtig so! Einige Beispiele aus dem Osten der Stadt zeigen, wo der Kampf um Hamburgs Grün bereits verloren ist: Für eine Veloroute wurden in der Kühnstraße in Jenfeld Dutzende Straßenbäume gefällt, dem Bau einer U-Bahn in Horn werden rund 700 Bäume zum Opfer fallen und für den Ausbau der Bahnstrecke wurden in Wandsbek Dutzende Bäume gefällt und Gehölze entfernt, um dort eine Baustraße einzurichten. Alle diese Bäume und Gehölze waren Jahrzehnte alt und entsprechend wichtig für das Stadtklima und die urbane Tier- und Umwelt. Die Erfahrung aus anderen Bauprojekten zeigt, dass Nachpflanzungen überwiegend mit sehr kleinen Bäumchen vorgenommen werden und häufig nicht an gleicher Stelle oder in örtlicher Nähe geschehen. Und diese Nachpflanzungen können die Rolle der alten Bäume auf Jahrzehnte nicht ausfüllen. Das ist nicht die grüne Politik, die Hamburg dringend braucht, um eine lebenswerte naturgrüne Stadt zu bleiben!

Susanne Grabler, Hamburg