Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. April 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Impfen Sie erst meine Kinder!

22. April: „Was bedeutet die Notbremse für Kinder? In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 100 sollen künftig bundesweit strenge Regeln gelten – mit massiven Folgen für Familien

Mein Mann und ich sind beide über 70. Wir gehen abends nicht mehr joggen, wir können einkaufen gehen zu Zeiten, an denen der Lebensmittelladen relativ leer ist. Wir können unser Leben – auch wenn es nach nun über einem Jahr immer noch schwer fällt – so einrichten, dass wir möglichst wenig Kontakt zu anderen Menschen haben. Und wir sind beide seit ein paar Tagen das erste Mal geimpft. Dies alles trifft auf Eltern, ihre Kinder und alle Personen, die sie betreuen, nicht zu. Wir haben vier verheiratete Kinder und acht Enkel, das sind zwölf Personen, die jeden Tag der Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind. Die jungen Eltern sind am Limit, physisch und psychisch, die Kinder verunsichert und verängstigt. Es fällt schwer, dies als Großeltern, die zu normalen Zeiten ihre Kinder immer unterstützen, mit anzusehen. Warum ändert man nicht schnellstens die Priorisierung bei den Impfungen, warum impft man nicht bevorzugt alle Lehrer und Erzieher, sowie alle Eltern mit schulpflichtigen und eine Kita besuchende Kindern? Damit endlich das Betreuungs- und Unterrichtsdesaster beendet werden kann. Dafür hätte ich sofort auf meine eigene Impfung verzichtet! Und ich glaube, dass es viele Großeltern gibt, die das auch für ihre jungen Familien getan hätten.

Bettina Schaper-Poser

Das ist ein Armutszeugnis

21. April: „,Ich mache mir große Sorgen‘. Senator Ties Rabe (SPD) über Herausforderungen durch Schulschließungen, falsche Schwerpunkte des Bundes und Chancen von Förderprogrammen“ und „Jugend ohne Lobby. Pandemiepolitik auf Kosten der Kinder ist gefährlich“

Die heutigen Beiträge haben mir wieder Hoffnung gegeben – vielen Dank, dass Sie all den Kindern, Jugendlichen und Familien damit eine Stimme gegeben haben! In verschiedenen Studien wurde bestätigt, dass die Schließung von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen nur wenig zur Eindämmung der Pandemie beiträgt. In Hamburg beispielsweise sinkt der Inzidenzwert seit der teilweisen Öffnung von Schulen und Kitas stetig. Warum? Weil das Testkonzept an den Schulen hilft, die Infektionsketten gesamtgesellschaftlich nachzuverfolgen. In keinem Bereich existiert bisher ein vergleichsweise engmaschiges Testkonzept wie an den Schulen. Auch das RKI hat bereits festgestellt, dass die Schulen keine Treiber der Pandemie sind. Es kann und darf also nicht sein, dass der Infektionsschutz zu Lasten der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen geht. Die Lasten und Verantwortung haben zuerst die Erwachsenen zu tragen und erst wenn es nicht mehr anders geht die Schutzbefohlenen, nämlich unsere Kinder und Jugendlichen. Mit dem geplanten Gesetz tun wir genau das Gegenteil: Wir legen die Hauptlast nahezu grundlos auf deren Schultern – das ist ein Armutszeugnis für unser Land.

Christina Fischer

Unverständliche Maßnahmen

Nun hat Herr Rabe sich schon so darum bemüht, dass der Schulbetrieb unter sehr sicheren Bedingungen langfristig und inzidenzunabhängig stattfinden könnte, aber umsonst: Die Schließung der Schulen hängt trotzdem wieder über Hamburg. Der Sinn dieser Maßnahme erschließt sich mir und anderen Eltern nicht. Die Lehrkräfte der Grundschulen sind weitestgehend geimpft. Wir konnten im letzten Monat aufgrund der Selbsttests sehen, in welcher Schule Infektionen auftraten. Es ist sinnvoll, diejenigen Schulen zu schließen, in denen Häufungen auftreten – so wurde es praktiziert. In unserer Grundschule gab es einen einzigen Fall ohne weitere Ansteckung, in unserem Gymnasium gab es gar keinen. Meine Freunde berichten mir Ähnliches. Welche Infektionen sollen durch Schließung aller Schulen denn verhindert werden? Die Infektionen, die gar nicht stattfinden? Das halte ich angesichts der großen Kollateralschäden eindeutig für übertrieben und ungerecht. Diese unverständlichen, sinnfreien Maßnahmen lassen uns Eltern an den politischen Entscheidungen stark zweifeln, wo wir unseren Kindern doch eigentlich Vertrauen in den Staat und die Politik vermitteln sollten.

Martina Schimmer

Ihnen fehlt die Lobby!

Ich gebe Herrn Rabe Recht, dass wir auf die jüngeren Kinder achten müssen. Allerdings möchte ich dringend darum bitten, dass sich der Senat endlich auch um die Gruppe der 14- bis 17-jährigen Schülerinnen und Schüler kümmert. Sie scheinen von der Politik vergessen worden zu sein. Die 14- bis 17-Jährigen haben ebenso wie die Kinder unter 14 Jahren ein Recht auf Bildung, Entwicklung, Freizeit, Spiel und aktive Erholung. So steht es in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen. Die Jugendlichen erkranken nicht häufiger an Corona als die Kinder unter 14 Jahren. Dennoch werden den Jugendlichen nicht wie den jüngeren Kindern mehrere Kontakte und mehr Sportmöglichkeiten als uns Erwachsenen gewährt. Sie müssen sich in allen Belangen an die gleichen strengen Regeln halten wie wir Erwachsene. Das ist falsch, denn für die Jugendlichen ist ihre Peergroup wie eine Familie, die sie aber seit vielen Monaten nicht sehen dürfen, und gemeinsamer Sport ist auch für diese Altersgruppe immens wichtig. Dass das neue Bundesgesetz erneut nur Kindern unter 14 erlaubt, Sport zu mehreren zu treiben, ist ungerecht und falsch. Ich möchte die Politikerinnen und Politiker bitten, sich vehement für die Jugendlichen ab 14 Jahren einzusetzen. Ihnen fehlt die Lobby. Ihnen fehlt unser Respekt. Ihnen fehlt ihr Leben. Etwas mehr davon ist auch in Corona-Zeiten möglich. Wenn wir ihnen gar nichts erlauben, werden die Treffen heimlich und drinnen stattfinden, statt offen und draußen. In der Schule müssen diese Jugendlichen ihre Peergroup endlich wieder treffen können. Mit Testpflicht, Maskenpflicht, Abstand, kleinen Lerngruppen und Lüften steht dem nichts im Wege. Die Schulen müssen jetzt nur noch öffnen.

Andrea Schönberg

Lieber ein Jugendspiel schauen

22. April: „Pläne für die Super League gescheitert. Vereine ziehen ihre Beteiligung am neuen milliardenschweren Wettbewerb zurück – Fanvertreter fordern weitere Veränderungen“

Die Gedankenspiele der vermeintlichen, europäischen Großvereine bestätigen eindrucksvoll alles, was wir ja eigentlich schon wissen. Im Fußball geht es schon lange nicht mehr um den Sport, sondern nur noch um Kohle! Auf dem Platz laufen lediglich Marionetten herum, die nur dort kicken, wo das Geld stimmt. Und wenn diese Pandemie irgendwann mal vorbei ist, werde ich nicht sofort wieder ins Stadion rennen. Nein, ich schaue mit lieber ein Jugendspiel auf dem Bolzplatz an. Dort wird nämlich noch mit Herz gespielt!

Achim Bothmann

Stört die Skyline nicht

17./18. April: „Hamburg kratzt an den Wolken. Der 245 Meter hohe Elbtower soll das neue Tor zur Stadt werden“ und diverse Leserbriefe

Ich habe die Hamburger Höhenangst noch nie verstanden. Hamburg ist eine durch zwei Katastrophen in den letzten 200 Jahren schwer gezeichnete Stadt, die ihre historische Innenstadt bis auf ein paar versprengte Reste fast komplett verloren hat. Und selbst von dem, was den zweiten Weltkrieg überstanden hat, wurde noch viel Erhaltenswertes abgerissen. Der Elbtower wird am Rand der HafenCity entstehen und die Kirchturmsilhouette nicht stören, die Skyline aber bereichern, so wie der Heinrich-Herz-Turm es auch getan hat. Letzterer hat es sogar bis zum Wahrzeichen geschafft. Ich kann es andersherum nicht nachvollziehen, dass immer noch große Bürogebäude gebaut werden, die nur fünfgeschossig sind, aber viel Platz benötigen. Dort geht wertvoller Raum für Wohnungsbau verloren.

Frank Wrobinski

Wo ist das Tor?

Die Aussage, den Elbtower als Tor zur Stadt zu betrachten, kann wohl nur jemand treffen der Dinge nicht mehr richtig erkennt oder nur die Werbeaussagen kopiert. Auf den Bildern kann ich kein Tor erkennen.

Dieter Fries, Hamburg