Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 22. April 2021

Lesedauer: 8 Minuten

CDU-Wähler wollen Merz

21. April: „Sieger über Söder. Es ist das Ende eines beispiellosen Machtkampfs: CDU-Chef Armin Laschet ist doch noch Kanzlerkandidat geworden – aber um welchen Preis?

Nun ist die Entscheidung parteiintern für Armin Laschet gefallen. Markus Söder ist raus. Kein Verlust. Staatsmännisches Format von Armin Laschet für die Position als Bundeskanzler ist nicht zu erkennen. Der mehrheitliche Wunsch der CDU-Wähler, Friedrich Merz als Kanzlerkandidaten zu nominieren, wurde missachtet und parteiintern unter den Teppich gekehrt. Die CDU wird sich am Abend des 26. Septembers aufgrund eines schlechten Wahlergebnisses fragen lassen müssen, warum sie den Willen ihrer Wähler nicht berücksichtigt hat.

Wolfgang Dähne, Hamburg

Lieber Grün als CDU/CSU

Die Führung der CDU schätzt die Stimmung im Lande völlig falsch ein, man könnte auch von Ignoranz sprechen. Bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt im Juni und im September im Bund werden die Wähler ein deutliches Stimmungsbild zeichnen. Laschet steht für „weiter so“. Einen Aufbruch zur Lösung der vielen Probleme wird es mit ihm nicht geben. Umweltschutz, Digitalisierung, Kranken- und Altenpflege sind nur die dringendsten Punkte, die angegangen werden müssen. „Wir sollten, können, wollen und werden“ sind Aussagen, die wir seit Jahren hören, nur es passiert nichts. Ich bin ein konservativer Wähler und konnte mir eine Regierung unter einer grünen Kanzlerin nicht vorstellen. Nach dem Hickhack innerhalb der CDU/CSU und der Entscheidung zu Gunsten von Armin Laschet, habe ich meine Meinung geändert. Warum geben wir nicht den Grünen und Annalena Baerbock als Kanzlerin eine Chance? Die CDU/CSU käme als Juniorpartner in Frage oder könnte sich in der Opposition neu aufstellen. Frischer Wind tut gut und hilft hoffentlich die dringendsten Probleme endlich anzupacken.

Ulrich Gesolowitz

Mutige Parteien

21. April: „CDU-Chef: „Nur im Team erfolgreich gegen die Grünen“. Christoph Ploß über den Streit in der Union um die Kanzlerkandidatur“

Beide Parteien haben sich recht mutig für die Kandidaten mit den schlechteren Umfragewerten entschieden, denn auch Annalena Baerbock findet außerhalb ihrer Partei deutlich weniger Zuspruch als der Politprofi Habeck. Die Nominierung einer Person weiblichen Geschlechts ist in ihrer Partei alternativlos. In der Unionsbasis hingegen sollten sich die Söder-Anhänger lieber freuen, denn ihr Idol hätte ganz im Westen und Norden schlechte Aussichten gehabt. Ihr anhaltender innerparteilicher Zwist wäre für das Kanzlerziel weitaus schädlicher als die vermeintlich fehlende Erfahrung ihrer nun größten politischen Gegnerin und potenziellen Partnerin.

Johannes Zink

Versuchsobjekt Deutschland?

20. April: „Merkels grüne Erbin? So geht’s auch: Verschwiegen und ohne erkennbaren Streit hat sich die Spitze der Ökopartei auf Annalena Baerbock (40) als Kanzlerkandidatin geeinigt“

In einer immer schwierigeren globalen Situation, in der die Corona-Krise ihr übriges dazu beiträgt die Belastungen für die Menschen zu erhöhen, prahlt die Kanzlerkandidatin der Grünen mit Unerfahrenheit. Es bleibt zu hoffen, dass der gemeine Wähler weiß, was er im September tut, wenn es zu entscheiden gilt, ob Deutschland zum Versuchsobjekt mit unklarem Ausgang werden soll.

Rolf Gläßner

Unterstützung der Lehrer fehlt

21. April: „,Ich mache mir große Sorgen‘. Senator Ties Rabe (SPD) über Herausforderungen durch Schulschließungen, falsche Schwerpunkte des Bundes und Chancen von Förderprogrammen“ und „Jugend ohne Lobby. Pandemiepolitik auf Kosten der Kinder ist gefährlich“

Endlich wird das Thema angesprochen! Danke dafür! Ich konnte es heute früh kaum glauben, dass genau die Aussage, die mich seit Wochen beschäftigt, endlich auf Papier zu lesen ist. Die Jugend hat keine Lobby! Je länger diese Pandemie dauert, desto offenkundiger wird klar, dass diese Bevölkerungsgruppe irgendwie zwar dazugehört, aber eher widerwillig bis gar nicht berücksichtigt wird. Sie sind einfach nicht laut genug, sie tragen nicht zur Wirtschaft bei und sind nicht mehr so betreuungsintensiv wie Kinder in Kitas und Grundschulen. Als Mutter eines elfjährigen Jungen in der 5. Klasse eines großen Gymnasiums im Hamburger Norden habe ich mittlerweile erkennen müssen, dass ich alleine auf weiter Flur stehe mit meiner Meinung und meinem Empfinden gegenüber der Situation. Im Austausch mit einigen Eltern gleichermaßen betroffener Kinder hält sich mittlerweile eine „irgendwie- läuft-es-doch“-Haltung, die mich etwas sprachlos zurücklässt. Ist es Resignation? Ist es eine „neue Routine“, die nach vier Monaten jetzt der Alltag geworden ist? Diese Kinder verbringen den größten Teil des Tages alleine am Schreibtisch und vor dem Computer. Ihnen wird der normale Alltag genommen. Gerade Fünftklässler, die schon das zweite Halbjahr der 4. Klasse kaum unterrichtet wurden und somit keine richtige Vorbereitung auf die weiterführende Schule gehabt haben, gehen im Online-Unterricht der Gymnasien „unter“ oder sind mit den Anforderungen überfordert (nicht fachlich, sondern eher bezogen auf Selbstorganisation, Umgang mit Office-Programmen, etc.). Unterstützungsangebote? Fehlanzeige! Motivation durch die Lehrer? Fehlanzeige! Die Lehrer jammern lieber über ihre eigene Mehrarbeit und ziehen ihr Programm durch. Es ist schön, dass Herr Rabe die Not der jüngeren Kinder in den 5. und 6. Klassen erkennt. Aber wäre es nicht noch schöner gewesen, auch bei den letzten Pressekonferenzen des Senats den Eltern mitzuteilen „Wir haben die Kinder nicht vergessen“? Das hätte so gut getan! Aber schön, dass wir alle bis Mitternacht joggen gehen dürfen. Dafür lasse ich meinen Sohn gerne noch weitere zwei Monate bis zu den Sommerferien zu Hause.

Cristina Rambau

Impfen nach „Schema F“

20. April: „Obdachlose in Niendorf isoliert. Nach 42 Corona-Fällen in Notunterkunft leben 120 Bedürftige jetzt an der Schmiedekoppel. Quarantäne ist heikel“

Unsere Behörden kennen nur das „Schema F“. Warum kommt nicht irgendeiner mal auf die Idee, dass man doch 3000 oder 4000 Dosen abzweigen könnte, um den armen Menschen unter Brücken, in Hauseingängen und beengten Massenunterkünften eine Impfung anzubieten? Dann würde es solche Corona-Ausbrüche mit 42 Infizierten in einer Unterkunft nicht geben. Ich glaube, dass solche Maßnahmen sehr viel zu einem Rückgang der Pandemie beitragen könnten. Aber es ist ja so schwer einmal die ausgelatschten Pfade zu verlassen.

Uwe Klünder

Glücksspiel mit viel Frust

20. April: „Extra-Impfaktion: Jetzt Astrazeneca für alle Hamburger über 60. Ab morgen gibt es im Impfzentrum 24.000 Termine außer der Reihe. Arztpraxen erhalten mehr Biontech-Dosen“

Jetzt bin ich auch als „Priorisierungs-Altersgrenzfall“ – im August werde ich 70 Jahre – in die inkonsequente, unlogische und unlogistische Corona-Impfmühle geraten. Wie kann es sein, dass nach dem Desaster mit über 80-Jährigen zu Beginn der Impfkampagne, überraschend am Montag die komplette Altersstufe der über 60-69-Jährigen – eine Gruppe der Bevölkerung, die altersbedingt im Vergleich zu den vorherigen Impfgruppen ja immer größer wird – zur Vereinbarung eines Impftermins aufgerufen wird. Hotline und online, alles war belegt oder funktionierte nicht: Ein Zeit fressendes Glücksspiel mit Gewinnern, aber auch sehr vielen Verlierern mit Frust und Aufregung. Wenn gilt, dass das Erkrankungs- und Krankheitsverlaufsrisiko mit zunehmendem Alter steigt, dann ist nur eine Senkung der Altersstufe für Impftermine in kleinteiligeren Altersjahrgängen sachgerecht und fair, wie ja auch bei den 70er-Jahrgängen geschehen. Ein Massenaufruf jedenfalls, der viel Unzufriedenheit auslöst, trägt nicht zur Vertrauensbildung in gute Steuerung des Impfgeschehens bei.

Elisabeth Lerch-Palme