Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. April 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Glückwunsch, Frau Baerbock

20. April: „Merkels grüne Erbin? So geht’s auch: Verschwiegen und ohne erkennbaren Streit hat sich die Spitze der Ökopartei auf Annalena Baerbock (40) als Kanzlerkandidatin geeinigt

Annalena Baerbock ist keine Erbin von Angela Merkel, sondern eine eigenständige Politikerin mit eigenen Ansichten und Schwerpunkten. Beglückwünschen wir doch einfach Bündnis 90/Die Grünen zum Ablauf und der Präsentation ihrer Kanzlerkandidatin. Abgestimmt wird dann am 26. September und bis dahin wird sie hoffentlich noch viele von ihrem Weg und ihren Ideen überzeugen.

Peter Stüve-Bernklau

Kann man die wählen?

Jetzt stehen die Grünen dicht vor dem Ziel, auf das sie seit ihrem Erscheinen als Chaotenpartei im Deutschen Bundestag mehr oder weniger zielstrebig hingearbeitet haben. Ihr Mittel war und ist die „German Angst“, die sie immer wieder punktgenau einzusetzen wussten. Die Kraftwerksunfälle in Tschernobyl und in Fukushima waren Wasser auf ihre Mühlen, obwohl es in Wirklichkeit keine „Atomunfälle“ waren, sondern aus politischer Uneinsichtigkeit oder fahrlässiger Missachtung der geologischen Lage herbeigerufene Katastrophen. Nun haben sie wieder ein Ziel, das Frau Baerbock als Primäraufgabe einer grün dominierten Politik hervorgehoben hat: den Klimaschutz. Natürlich muss Deutschland seinen Beitrag leisten, natürlich ist noch vieles offen. Doch mit der Reduzierung der zwei Prozent, die die Bundesrepublik zum globalen CO2-Ausstoß beiträgt, ist die Welt nicht zu retten. Hier zeigt sich wieder der Populismus, der die Grünen groß gemacht hat. Kann man die wählen?

Dr. Gunter Alfke, Hamburg

Zeit für Generationenwechsel

Alle, die jetzt vorbringen, Frau Baerbock sei zu jung fürs Kanzleramt und hätte bisher noch keine politischen Ämter inne gehabt, kann man nur antworten, das ist Quatsch. In Österreich ist der Kanzler weit unter 40 Jahre alt und hat für frischen Wind in der Politik gesorgt. Und es darf daran erinnert werden, dass man in Deutschland mit 40 Jahren auch schon Bundespräsident werden kann. Es wird Zeit für einen Generationswechsel, auch in der künftigen Bundesregierung.

Uwe Pankel

Wechselunterricht für alle

20. April: „Schulsenator Rabe kritisiert Bundes-Notbremse scharf“

Mit großer Verwunderung habe ich den Artikel gelesen. Denn die Bundes-Notbremse ermöglicht endlich wieder den Wechselunterricht für viele Klassen in Hamburg. Meine Tochter geht in die 5. Klasse. Sie ist frisch von der Grundschule auf das Gymnasium gewechselt. Sie ist seit Mitte Dezember im Distanzunterricht (vier Stunden online die Woche!). Sie ist jetzt länger im Distanzunterricht als sie je an der neuen Schule war. Ich arbeite. Sie ist allein. Es schadet ihr. In vielen Bundesländern sind die Klassen 1 bis 6 im Wechselunterricht. In Hamburg nicht. Hier nur Klasse 1 bis 4 und Klasse 6 plus Abschlussklassen. Die Bundes-Notbremse ermöglicht den Wechselunterricht für alle Klassen bei einer Inzidenz zwischen 100-165. Unsere Schule war auf Wechselunterricht vorbereitet. Den Unterstufenlehrern einen stetigen Wechsel zwischen Präsenz, Distanz und Notbetreuung aufzuerlegen, ist fast nicht umsetzbar. Sollen die Lehrer Distanz-Unterricht vom Pausenhof geben, wenn sie zwischen zwei Präsenzstunden eine Distanzstunde haben und nicht direkt in Schulnähe wohnen? Ich frage mich langsam, ob Herr Rabe sein eigenes Konzept kennt und sich der praktischer Bedeutung bewusst ist. Auch sehe ich kein Problem mit einer Ausgangssperre ab 22 Uhr. Wir sehen uns sehr gern in der Natur den Sonnenuntergang an, derzeit um halb neun, am 15. Mai schon um viertel nach neun...

Claudia Kahle

Ein Auto kostet Geld

20. April: „Parkgebühren: CDU warnt vor ,Gebührenhammer‘“

Wer weiß, wie die Gebührenstaffel z.B. in Großbritannien aufgebaut ist, der fragt sich schon lange, warum in Deutschland die Gemeinschaft für das Privileg von einzelnen bezahlen soll. Allerdings ist die Stadt auch in der Pflicht, einerseits wieder darauf zu bestehen, dass bei Neubauten Parkplätze ausgewiesen werden und andererseits, dass Quartiersgaragen entstehen. Und ja, die kosten die Autobesitzer Geld. Aber der Treibstoff und die Versicherungsprämien auch. Es sind eben Kosten, die der Besitz eines Autos mit sich bringt. Mein Auto steht seit fünf Jahren in einer einen Kilometer entfernten Tiefgarage, und ich habe es überlebt. Wer sein Auto im öffentlichen Raum abstellt, muss zahlen. Das halte ich im Sinne der Gemeinschaft für selbstverständlich. Ich kann ja auch nicht einfach meine Gartenstühle auf die Straße stellen und dort dauerhaft eine Grillparty feiern.

Andreas Kaluzny

U 5: Keine gute Idee

17./18. April: „So sieht die Zukunft der fahrerlosen U-Bahn aus. Ein Jahrhundertprojekt: Die neue U 5 verläuft quer durch die Stadt“

Es ist ein Projekt aus den 60er-Jahren des letzten Jahrhundert. Inzwischen hat sich die Welt weiter gedreht und was früher gut war, ist es heute nicht mehr. Nicht gut ist die Idee, für ca. acht Milliarden Euro eine U–Bahn zu bauen. Auch wenn die Kosten teilweise vom Bund bezahlt werden sollten, macht die U-Bahn keinen Sinn. Die zu Grunde liegenden Zahlen sind nicht validiert. So ist ein zehnfaches der Kosten nicht ausgeschlossen. Noch schlechter sind die Prognosen, was die Klimaneutralität des Gesamtprojektes betrifft. Optimistische Schätzungen sprechen von mindestens 300 Jahren, bis diese erreicht sein könnte. Was für ein Wahnsinn! So frage ich mich, was dagegen spricht, ein schienengebundenes Verkehrsmittel wie die Stadtbahn zu errichten. Ich habe lange darüber nachgedacht, welchen Vorteil eine U-Bahn gegenüber einer Stadtbahn hat. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass es so gut wie keinen Vorteil gibt. Eine Stadtbahn ist günstiger, die Bauzeit ist geringer, sie bietet höheren Fahrkomfort und nimmt deutlich weniger Raum ein. Also, was spricht dagegen?

Harald Treffenfeldt

Die Silhouette wird zerstört

17./18. April: „Hamburg kratzt an den Wolken. Der 245 Meter hohe Elbtower soll das neue Tor zur Stadt werden“

Mit dem Elbtower wird Hamburgs Stadtbild keineswegs bereichert. Im Gegenteil: Hamburgs einzigartige Silhouette würde damit auf Dauer zerstört. Bis heute haben Hamburgs Verantwortliche allen Versuchungen widerstanden, derartige Trends aus aller Welt nachzuahmen. So ist es heute Hamburgs Alleinstellungsmerkmal, eben keinen Wolkenkratzer zu haben. Dieses Erbe zu bewahren, erfordert Wachsamkeit und Verantwortungsgefühl. Es zu verspielen, ist leider allzu einfach. Beim Elbtower müssen jetzt alle Alarmglocken läuten. Dieses Großprojekt lief bislang offenbar überwiegend unter dem Radar der Öffentlichkeit, jedes kleinere Projekt in der Stadt wird von der Öffentlichkeit kritischer begleitet, zu Recht. Spätestens jetzt müssen sich alle Hamburgerinnen und Hamburger die Fragen stellen: Braucht Hamburg dieses weitere Hotel? Und weiteren Büroraum? Gab es Kritik an Hamburgs Skyline? Die Antworten kennt man in Hamburg eigentlich. Andere Interessen jedoch haben auswärtige Investoren und Großarchitekten. Auch der Betreiber des Elbtowers wird seine Steuern nicht in Hamburg, sondern in Luxemburg zahlen. Selbst der neue Oberbaudirektor nimmt keine Rücksicht auf hanseatischen Geist und Understatement. Es deutet wenig auf einen Sinn für Ästhetik oder Proportionen hin, wenn Herr Höing davon schwärmt, wie schön der Wolkenkratzer aus jeder Himmelsrichtung aussähe. Keineswegs. Jede und jeder kann sich diese Ansicht einmal vor Augen führen: Von der Elbe aus Westen kommend, vor sich die Landungsbrücken, das Rathaus, den Michel, alle Hauptkirchen, die Elbphilharmonie und dahinter ein doppelt so hoher und breiter Wolkenkratzer! Hamburg braucht diesen Elbtower nicht. Wir sollten die riesigen Mengen an ökologisch kostspieligen Baustoffen stattdessen lieber in Wohnraum für ganz Hamburg investieren.

Michael Groth