Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. April 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Patientenverfügung aufsetzen

17./18. April: „Behalten die Schweden am Ende doch recht? Der Sonderweg im Norden wurde gefeiert oder verdammt – bei allen Fehlern stehen die Skandinavier nicht mehr schlecht da

Eine berechtigte Frage. Die schwedische Art, mit der Pandemie umzugehen, gefiel mir von Anfang an besser als unsere, weil man dort in meinen Augen demokratischer, liberaler und respektvoller mit der Bevölkerung umgeht. Und man erwartet Eigenverantwortung. Zurzeit schauen in Deutschland nun viele mit Sorge auf die Intensivstationen. Alle, die bezweifeln, dass sie die Kraft hätten, nach wochenlanger invasiver Beatmung im künstlichen Koma sich ins Leben zurückzukämpfen, ohne zu wissen, ob sie danach wieder ein lebenswertes Leben haben werden, oder sich dieser Anstrengung nicht aussetzen möchten, könnten den Ärzten eine mögliche Triage ersparen. Sie müssten nur eine entsprechende Patientenverfügung aufsetzen oder die vorhandene ergänzen. Das kann unkompliziert handschriftlich mit Unterstützung des Hausarztes erfolgen. Und es hieße, Eigenverantwortung zu übernehmen. Erfordert allerdings etwas Mut, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Aber ist das nicht besser, als passiv in diffusen Ängsten zu verharren?

Regina Heurich

Zu spät eingegriffen

19. April: „150 Obdachlose in Quarantäne gebracht“

Wundert es denn tatsächlich, dass sich dutzende Obdachlose in der Unterkunft in der Friesenstraße mit Corona angesteckt haben? Jetzt betroffen zu reagieren und die Menschen „umzuparken“, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist doch nichts als Augenwischerei. Ich parke jeden Tag morgens mein Auto im Bereich Friesenstraße und gehe dann frühmorgens und nachmittags an der Obdachlosenunterkunft vorbei. Vor der Tür der Unterkunft stehen, sitzen und liegen jeden Tag unzählige Obdachlose. Viele von Ihnen – der Sprache nach zu urteilen – aus Osteuropa, etliche der Gruppe mittel bis stark angetrunken. Und eigentlich trägt auch keiner von ihnen eine Maske. Drumherum einige Herren von der Security, diese jedoch alle mit Maske und mit einem Sicherheitsabstand, der sich teilweise bis auf die Ecke Friesenstraße/Süderstraße erstreckt. Ich frage mich seit Monaten, ob das außer mir niemand wahrnimmt, zum Beispiel jemand von der Sozialbehörde? Aber die residiert ja in einem schicken Neubau in Wilhelmsburg, da sieht man das Elend im schmuddeligen Teil von Hammerbrook nicht. Impfangebote für Obdachlose wurden bereits im Februar großspurig angekündigt. Bis Ende April sollte den Menschen, die der Priogruppe 2 angehören, ein Impfangebot gemacht werden. Bis Ende April sind es ja auch noch elf Tage, da hat die Stadt ja noch richtig viel Zeit…

Bianka Gülck

Die alltägliche Struktur fehlt

14. April: „Der Mut im Norden. Hamburg verharrt im Lockdown – Schleswig-Holstein zeigt, wie man mit dem Virus lebt“

Warum werden die Schuljahrgänge 5, 7 bis 9 und 11 der Gymnasien und 5 bis 8 und 11 bis 12 der Stadtteilschulen so extrem benachteiligt? Unsere Kinder haben jetzt seit vier Monaten keinen Präsenzunterricht mehr, sie lernen isoliert von ihre Mitschülern und vor Bildschirmen vor sich hin. Leistungsabfall, Übergewicht und psychische Schäden nehmen unter diesen Kindern massiv zu! Ihnen fehlt der Austausch mit Lehrern und Schülern und ihre tägliche Struktur. Erschütternde Erfahrungsberichte verschiedener Eltern häufen sich. Auch Lehrer berichten davon, dass viele Schüler gar nicht mehr anwesend sind und nicht mehr erreicht werden. Durch Testpflicht und Einhaltung der Hygienemaßnahmen wird an den Schulen Sicherheit erlangt. Es gibt genaue Vorgaben, wie im Falle eines positiven Testergebnisses mit der betroffenen Person verfahren wird. Somit muss es doch wohl möglich sein, allen Kindern trotz steigender Inzidenzwerte wieder ihre Struktur und ihr Leben zurückzugeben. Denn die Schäden, die die Politik bei der betroffenen Generation zu verantworten hat, kann sie mit Geld nicht reparieren. Auch in der Impfstrategie kann durch einen sofortigen Wechsel der Priorisierung auch für Lehrer weiterführender Schulen ein höherer Schutz erreicht werden.

Svenja Lötz

Impfung für Lehrer freigeben

Seit mittlerweile vier Monaten sind in Hamburg – im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern – ganze Jahrgänge vom Schulbesuch ausgeschlossen. Die Aussage „die Schulen bleiben offen“ ist für 40 Prozent der Hamburger Schüler einfach nicht zutreffend. Die Folgen – Motivationsverlust und Bildungsrückstände bei allen Schülern, zunehmende psychische Probleme in dieser Altersgruppe – sind allgemein bekannt. Wir Eltern und auch die Lehrer, die überwiegend einen guten Job machen, schaffen es einfach nicht mehr, die Kinder zu motivieren. Es liegt auf der Hand, dass der Fernunterricht nicht im Ansatz den Schulbesuch ersetzen kann – weder, was die Vermittlung des Lehrstoffs anbelangt und erst recht nicht, was die sozialen und psychischen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen betrifft. Dabei hat sich in den letzten Wochen gezeigt, dass Wechselunterricht mit mindestens zwei wöchentlichen Tests, Masken, Lüften und Abständen gut funktioniert, und das Infektionsgeschehen hierdurch nicht zusätzlich angetrieben wird. Im Gegenteil, durch das regelmäßige Testen der Schüler werden Infektionsketten erkannt, die sonst unerkannt blieben. Es ist ja nicht so, dass die Kinder ohne Schule keine Kontakte hätten. Zudem sollte auch Hamburg endlich die Impfungen für alle Lehrer freigeben, wie dies in anderen Ländern (z.B. Niedersachsen, Thüringen, Sachsen) bereits der Fall ist. Wenn Schulen und Bildung für den Hamburger Senat tatsächlich Priorität haben, dann wäre dieser Schritt überfällig.

Barbara Engler

Dem Gezänk Einhalt gebieten

17./18. April: „Laschet oder Söder? Die Union sitzt in der K-Falle fest“

Wie lange soll dieses tragikomische Politschauspiel noch andauern, bis die CDU/CSU endlich merkt, dass das Kanzlerkandidatenduell Laschet/Söder nicht nur die Partei, sondern auch zunehmend die bundesdeutsche Bevölkerung in zwei Lager zerlegt? Diese zwei Männer kommen mir vor wie zwei Kutscher auf einem Bock, die beide verbissen um die Zügel kämpfen und nicht merken, dass sie immer mehr die Pferde scheu machen, aber nicht vorwärts kommen. Hier fehlt der „dritte Mann“, der mit Ruhe, Gelassenheit und Sachverstand die Zügel übernimmt und den beiden Dilettanten einmal zeigt, wie man fährt. Und überhaupt: Es ist ja nicht in Stein gemeißelt, dass der Parteivorsitz zur Kanzlerschaft führt. Im Übrigen sind etliche Menschen in meinem Umfeld auch der Meinung des CDU-Fraktionschefs Ralph Brinkhaus, dass es in der CDU mehrere Führungspersönlichkeiten gibt, die dem Amt eines Bundeskanzlers durchaus gewachsen sind. Was wir in diesen krisengeschüttelten Zeiten brauchen, sind weder Parteiengezänk noch populistische Umfragewerte, sondern ein „Fels in der Brandung“, der unser Land mit natürlicher Autorität und vertrauenswürdiger Führungsstärke in die Zukunft führt.

Margret Paech, Ammersbek

Selbstdarsteller ohne Format

Auch wenn beide Parteien ihre Kandidaten hochjubeln, so sind sie letztendlich vom Format und Charisma nur Selbstdarsteller und kein kommender Bundeskanzler. Beide sind Landesfürsten und geben doch keinen Staatsmann ab. Die CDU/CSU wäre gut beraten, einen Friedrich Merz als Kanzler zu nominieren, um aus ihren selbst verursachten Schlamassel herauszukommen.

Bernd Mucksfelde

Die Kosten sind zu hoch

17./18. April: „So sieht die Zukunft der fahrerlosen U-Bahn aus. Ein Jahrhundertprojekt: Die neue U 5 verläuft quer durch die Stadt“

Allein die enormen Kosten laut Behördenangaben von 300 Millionen Euro pro Kilometer (Bramfeld bis City Nord), die extrem CO2-intensive Zementherstellung und der Verbrauch an Stahl und Beton sollten ausreichen, die geplante U5 sofort zu stoppen und die planfestellungsreife Stadtbahn endlich in Hamburg einzuführen.

Eva-Sabine Bliesmer