Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. April 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Hamburg kann keine Plätze!

15. April: „Hamburg fehlt eine Vision für seine Innenstadt. Die Direktorin des Museums für Kunst & Gewerbe, Tulga Beyerle, fordert mehr Anreize zum Flanieren und Verweilen im öffentlichen Raum

Ich habe eine Zeit lang in Wien gelebt und immer gerne München besucht und weiß genau, was die Autorin meint. Seit Jahrzehnten sage ich: „Hamburg kann keine Plätze!“ Alle zugig, zu wenig Grün, zu wenig Blumen und ohne Anreiz sich hinzusetzen und den Flaneuren zuzusehen. Wie schade! Selbst auf dem Jungfernstieg, der ja einst eine Flaniermeile war, kommt man sich vor wie das Huhn auf der Stange, wenn man an der Binnenalster sitzt. Mögen Herr Höing und alle Entscheider für Stadtgestaltung oder die Stiftung Baukultur der Architektenkammer hier mal einen Vorschlag machen, ach wäre das schön. Gerade jetzt, wo die Innenstadt zu veröden droht, sollten diese Gedanken aufgegriffen werden.

Jacqueline Sturm

Ein neues Image für Hamburg

Tulga Beyerle vergleicht uns Hamburger schmeichelhaft mit Wien. Sie fordert unsere Marketing-Strategen auf, sie mögen mehr Anreize zum Flanieren und Verweilen geben und diese auch herausstellen. Die Idee, gerade jetzt, ohne den vertrauten Glanz des Konsums auf die wahren Schönheiten einer Stadt aufmerksam zu machen, fasziniert mich. Geben wir Hamburg ein neues Image, nicht mehr Handelsplatz, sondern Kulturmetropole, an den zwei Strömen Alster und Elbe. Vergleicht man den öffentlichen Raum an der Alster mit seinen an Venedig erinnernden, verschränkten Räumen zwischen Binnenalster und Rathausmarkt, so fehlt mir eine solche Attraktion bei der Zentrumsplanung der HafenCity direkt an der Elbe. Sobald ein öffentlicher Raum so zügig für den Konsum und nicht auch für den Müßiggang und die Schönheit des Ortes verplant wird, ist das Flair des Ortes dahin. Hamburgs Innenstadt ist dagegen in einem langen Prozess mit seinen Plätzen, fußläufig erreichbaren Museen, Theatern und Konzertsälen gewachsen und sollte diesen Vorzug auch mehr herausstellen.

Bruno Brandi

Paradoxes Bürokratie-Fiasko

14. April: „Die Hamburger Limonade, die keine sein darf“

Diese Limonaden-Verordnung knüpft nahtlos an das Bürokratie-Desaster in der Corona-Pandemie an. Es ist an Ironie nicht zu überbieten, dass einerseits alle mit Gesundheit befassten Experten vor überhöhtem Zuckergehalt in Getränken und Nahrungsmitteln warnen. Und andererseits eine Hamburger Behörde diesen Begriff „Limonade“ verweigert, weil zu wenig Zucker enthalten ist. Was wären wir froh, wenn alle Hersteller ihren Zuckerverbrauch so reduzieren würden. Gerade die „Grünen“ in Hamburg hätten nicht nur aufgrund ihrer so zukunftsgerichteten Politik schwergewichtige Gründe, die Reduzierung von Zucker zu fördern. Ist das vielleicht ein Zeichen für den Unterschied von realer Politik und schönen Sonntagsreden? Ich hatte da mehr Hoffnung.

Gregor Rosenbauer

Typisch für grüne Politik

14. April: „Viele Unfälle wegen Dauerbaustelle an der Alster“

Diese Ideologie ist typisch für die grüne Verkehrspolitik in Hamburg. Es gibt auch keinen Anspruch auf eine ausreichend große Wohnung, keinen Anspruch auf einen Arbeitsplatz oder auf eine ausreichende ärztliche Versorgung. Es ist schlicht Aufgabe der Politik, für die Sicherstellung von ausreichendem Wohnraum, Arbeitsplätzen, medizinischer Versorgung und einer lebenswerten Stadtgestaltung zu sorgen. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Mobilität aller Jahrgänge und aller Bevölkerungsgruppen. Dazu gehören auch öffentliche Stellplätze für motorisierte privat genutzte Fahrzeuge. Die gegenwärtige Politik des Senats begünstigt Menschen mit privaten Hausgrundstücken und benachteiligt Bewohner von Mehrfamilienhäusern in verdichteten Stadtteilen. Sozial ausgerichtete Politik sieht anders aus. Menschen bewegen sich zu Fuß, per Rad, per Pkw oder im ÖPNV. Die Menschen werden nicht ihre Pkw verkaufen, nur weil der Senat öffentliche Stellplätze zielgerichtet reduziert.

Frank Hiemer

Leben statt Lockerungen

14. April: „Der Mut im Norden. Hamburg verharrt im Lockdown – Schleswig-Holstein zeigt, wie man mit dem Virus lebt“

Es ist mir unbegreiflich, wie man angesichts der bedrohlichen Lage auf den Intensivstationen Deutschlands Leitartikel verfasst, die sich fast ausschließlich um Lockerungsmöglichkeiten und angeblich übertriebene Coronaregeln drehen. Während Intensivmediziner immer eindringlicher warnen, dass es ohne Notbremse oder andere einschneidende Maßnahmen auch in Deutschland zu Triage-Situationen kommen wird, stellt der Autor Maskenpflicht, nächtliche Ausgangsbeschränkungen und somit den vorsichtigen, besonnenen Kurs des Ersten Bürgermeisters insgesamt in Frage. Viele Menschen in Hamburg sind jedoch erfreulicherweise der Auffassung, dass das Recht auf Leben über persönlichen Freiheiten steht und unser Gemeinwesen in diesen Tagen vor allem die Überlastung des Gesundheitssystems verhindern muss.

Ralf Brandhorst

Mehr Impfen wie in Bremen

Es gibt einen großen Unterschied zu unseren Nachbarn im Norden: Während man in Hamburg überlegt, in welchen Straßen und Parks man die Maskenpflicht durchsetzt, impfen unsere Nachbarn: Laut NDR liegt die Impfquote in Bremen bei 20,1 Prozent, in Schleswig-Holstein bei 18,5 und in Hamburg bei kümmerlichen 16,8 Prozent. Wären wir so schnell wie die Bremer, wären in Hamburg 60.000 Menschen mehr geimpft und geschützt. Was macht die Gesundheitsbehörde? Sie schreibt Briefe, so auch an meinen Nachbarn, zehn Tage nach der bereits erfolgten Impfung. Wird solange der für ihn eingeplante Impfstoff eingelagert? Überhaupt: Wieso wird das Impfzentrum bei der Verteilung der Impfstoffe bevorzugt, obwohl dort die Kosten das Zehnfache der hausärztlichen Vergütung sein sollen? Das Impfen sollte im Vordergrund stehen, und nicht die eigene zentralistische Bürokratie.

Harald Lübkert

Prüfung ohne Maske?

13. April: „Abiturienten stehen vor ihren großen Prüfungen. Am Margaretha-Rothe-Gymnasium und an vielen anderen Schulen laufen die Vorbereitungen auf Klausuren unter erschwerten Bedingungen“

Zu beunruhigenden Meldungen über steigende Corona-Fallzahlen mit besonders ansteckenden Mutanten gesellen sich aktuell insbesondere Berichte über das besonders hohe Infektionsrisiko in Innenräumen aufgrund von Aerosolen sowie über die in vielen Fällen nur begrenzte Aussagekraft von Schnelltestergebnissen. Konsequenterweise mahnt der Bürgermeister in seiner umsichtigen Art bei jeder Gelegenheit zur Vorsicht, in der wir nicht nachlassen dürfen. Mir erschließt sich nicht, wie all dies zur Regelung im aktuellen Hygieneplan der Schulbehörde passt, dass Schülerinnen und Schüler bei jeder Prüfung, also auch bei den bevorstehenden Abiturprüfungen, die Maske am Platz abnehmen dürfen, wenn ein Mindestabstand von 1,50 m eingehalten werden kann. Die Abiturprüfungen dauern bis zu sechs Stunden und finden selbstverständlich in geschlossenen Räumen statt. Selbsttests, Mindestabstand und regelmäßiges Lüften sind dabei fraglos sinnvolle begleitende Maßnahmen, aber können doch das elementar wichtige Masketragen bei solchen Zusammenkünften niemals ersetzen. Natürlich stellt die Maske für Prüflinge eine nicht geringe Belastung dar, aber im Vordergrund muss doch das Grundrecht aller Prüfungsbeteiligten und ihrer Angehörigen auf Leben und körperliche Unversehrtheit stehen. Die Schulbehörde hat eine Fürsorgepflicht für ihre meist immer noch ungeimpften Beschäftigten sowie für die Schülerinnen und Schüler. Auf keinen Fall dürfen die Abiturprüfungen zu einer Superspreader-Veranstaltung werden! Ich bin fassungslos darüber, wie wenig all diese Überlegungen in die Ausgestaltung der Maskenregelung eingeflossen sind. Es passt in keiner Weise zur aktuellen Situation, die von Einschränkungen und strengen Vorgaben in allen möglichen Lebensbereichen gekennzeichnet ist.

Sven Kanter