Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 15. April 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Verharren im Lockdown

14. April: „Der Mut im Norden. Hamburg verharrt im Lockdown – Schleswig-Holstein zeigt, wie man mit dem Virus lebt

Nach einem Jahr Pandemie haben leider immer noch nicht alle verstanden, dass der einzige Weg aus der Pandemie strenge Regeln sind, das hat mit autoritären Methoden gar nichts zu tun. Ich habe das Gefühl, dass es nur noch ums Debattieren geht, und wir gar nicht mehr an die vielen Menschen denken, die schwer erkranken und daran, dass die Todeszahlen immer noch sehr hoch sind. Diese Zahlen zu verringern, sollte das oberste Ziel sein und nicht, wie man lockern kann. Das funktioniert nicht. Auch der Wirtschaft hilft man durch diese Versuche nicht, weil doch alles sehr schnell wieder geschlossen werden muss. In Tübingen hat es auch nicht funktioniert und Rostock ist inzwischen auch über 100. Wir verharren nur immer mehr im Lockdown durch diese Versuche. Ich bin sehr froh über die Durchsetzung der Regeln hier in Hamburg, die Herr Tschentscher veranlasst hat, die Zahlen gehen runter (und damit auch die Todeszahlen) und das ist das, was zählt. Danach kommen dann auch wieder Lockerungen. Das ist ein lohnenswertes Ziel!

Margret Sauer

Ungeeignete Maßnahmen

14. April: „Corona-Notbremse – das ändert sich im Alltag. Ausgangssperren, Testpflicht in Betrieben, mehr Kinderkrankentage: Regierung beschließt einheitliche Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung“

Die jetzt vom Bundeskabinett beschlossene Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes kommt nicht nur viel zu spät, sie enthält auch Maßnahmen, die wenig geeignet sind, das Infektionsgeschehen zu begrenzen. Der Knackpunkt ist die ausschließliche Orientierung an der 7-Tages-Inzidenz. Dieser Parameter ist ungenau und wird von einer Reihe von Unwägbarkeiten beeinflusst, wie der Anzahl der Testungen und der Übermittlungsgeschwindigkeit der Gesundheitsämter. Es sollte mindestens ein Bezug zur Häufigkeit von Testungen hergestellt werden, die jetzt deutlich zugenommen haben, und die Fallzahl aktuell wieder erhöhen. Somit entsteht hier ein Zielkonflikt, denn häufiges Testen ist ja durchaus sinnvoll. Die vorgesehenen nächtlichen Ausgangssperren sind ebenso ein unbrauchbares Mittel und wurden zuletzt von Aerosolforschern in Zweifel gezogen. Und wenn Herr Tschentscher vollmundig erklärt, sie hätten eine starke Wirkung entfaltet, so ist dies wohl Wunschdenken, denn es gibt ja ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Jedenfalls hat sich trotz dieser massiven Grundrechtseinschränkung die mittlere Fallzahl in Hamburg seit der Einführung nicht signifikant nach unten entwickelt, wenn man einmal von der durch weniger Testungen verursachten „Osterdelle“ absieht.

Peter Westendorf

Ein unwürdiges Machtspiel

14. April: „Machtkampf um Merkel-Nachfolge eskaliert. Erbittertes Duell zwischen Parteivorsitzenden Laschet und Söder – Friedrich Merz wirft dem CSU-Chef Demontage des CDU-Vorsitzenden vor“

Ein unwürdiges Machtspiel der Protagonisten. Das hätte nicht sein müssen und dürfen. Aber jetzt rächt sich, dass Merkel an ihrem Kanzlerinnensessel klebte, weil sie unbedingt als europäische Ratspräsidentin glänzen wollte. So konnte kein Nachfolger oder keine Nachfolgerin sich zur Hälfte der Legislaturperiode in die Kanzlerschaft einarbeiten, sich profilieren und aus dem Amt heraus Wahlkampf führen. Der Schatten von Merkel wird noch lange auf der CDU lasten.

Herb Gerner

Leichtmatrose Laschet

Söder wäre in allen Belangen der stärkere Kandidat für die Aufgabe. Die Union beginge einen Kardinalfehler, zöge sie auf hegemoniales CDU-Drängen mit Armin Laschet als Kanzlerkandidat in den Bundestagswahlkampf. Insbesondere die Grünen schnupperten Morgenluft, böte der „Leichtmatrose“ aus NRW nicht zuletzt wegen seiner diffusen Umweltpolitik in seinem Bundesland der Ökopartei hinreichend Angriffsfläche. Laschet wäre ihnen ein erklärter Wunschgegner. Hier ein paar Prozentpunkte mehr, dort ein paar weniger, würde man ein historisches Ergebnis einfahren, und die erfolgsverwöhnte Union erstmals hinter sich lassen können. Was das konkret bedeuten würde? Das Laschet als Totengräber von der traurigen Gestalt in die Annalen des einstigen Kanzlerwahlvereins einginge. Mit dem bundesweit ungleich erfolgversprechenderen Zugpferd Söder ersparte man sich diese Zäsur. Es stellt sich allerdings die Frage, ob die bornierte CDU den mit der Zeit eingerosteten Hebel noch rechtzeitig umlegen kann, um, wohlgemerkt in ihrem ureigensten Interesse, den Weg für Söder ins Kanzleramt freizumachen?

Thomas Prohn

Söder: Unseriöses Vorgehen

Wie ist es möglich, dass Politiker aus der CDU ernsthaft erwägen, als Kanzlerkandidaten Markus Söder aus der CSU zu bevorzugen, zugunsten ihres eigenen Kandidaten Armin Laschet. Noch am vergangenen Wochenende war zu hören, wie Söder kundtat, dass selbstverständlich die „große Schwester“, nämlich die CDU, sagen sollte, wen sie als Kanzlerkandidaten aufstellen möchte. Daraufhin bekam Armin Laschet am Montag von seiner Partei CDU die volle Unterstützung für seine Kanzlerkandidatur zugesagt. Das hätte Söder akzeptieren müssen, das wäre anständig und fair gewesen! Aber leider siegte bei Söder offensichtlich die persönliche Machtgier, so dass er weiterhin auf seinem Willen, Kanzler zu werden, beharrte. Das nenne ich absolut unseriös! So einen Kanzler wünsche ich mir nicht!

Ilsemarie Strege

Begabung als Kriterium

14. April: „Gebühren beschleunigen das Studium. DIW-Studie zeigt Vor- und Nachteile. Viele Abiturienten werden von Kosten abgeschreckt“

Studiengebühren halten möglicherweise geeignete Studierende vom Studium ab und ungeeignete mit wohlhabenden Eltern nicht. Studiengebühren sind demnach kein Kriterium, um erfolgreiche und im Wirtschaftsleben benötigte Absolventen zu erzielen. Viel besser ist das Kriterium der Begabung. Bei Musik- und Kunststudiengängen muss diese schon immer vorab nachgewiesen werden. Das halten wir für richtig. Auch bei anderen Studiengängen wäre das machbar. Bestimmt ließen sich anforderungsgerechte Kriterien entwickeln. Begabungen zeigen sich schon zur Schulzeit. Wer solche Eingangstests besteht, kann dann mit dem Studium beginnen und gegebenenfalls mit verminderten Studiengebühren rechnen. Auf diese Weise würde die Anzahl der Studienabbrecher deutlich verringert. Beim Ingenieurstudium brechen ca. 30 Prozent wieder ab, meist wegen Mathematik und Physik. Das muss nicht sein, wenn vorab getestet würde.

Dr. Ing. Friedrich Weinhold

Lokale Inzidenzwerte prüfen

10./11. April: „Fegebank für schnellen, harten Lockdown. Zweite Bürgermeisterin fordert mehr Kompetenzen für den Bund. ,Die MPK hat fertig.‘“

Der erste Bürgermeister und seine Stellvertreterin fordern unisono den schnellen, harten Lockdown. Für ganz Hamburg. Das ist wenig sinnvoll, denn die Stadtteile sind unterschiedlich stark von der Pandemie betroffen. Da die Hamburger Bezirke in etwa so viele Einwohner haben wie die umliegenden Landkreise, wäre es besser, die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wie in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein an den lokalen Inzidenzwerten auszurichten. Wenn sich auf der Veddel pro tausend Einwohner fünf Mal so viele Menschen angesteckt haben wie in Blankenese oder Sasel, müssen die Übertragungswege vor Ort bekämpft werden. Das Infektionsrisiko der Hamburger, die südlich der Elbe wohnen, ist jedoch unabhängig davon, ob z.B. in den Walddörfern Fachgeschäfte und Restaurants geschlossen bleiben. Ein Übergreifen der Pandemie aufgrund von Lockerungen ist auch nicht zu befürchten, weil die Dinge des täglichen Bedarfs in allen Stadtteilen verfügbar sind. Wer den landesweiten Lockdown aus Gründen der Solidarität fordert verkennt, dass finanzielle Unterstützung nur dann gewährt werden kann, wenn das umzuverteilende Geld zuvor in der Kasse geklingelt hat.

Edgar Timm