Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 29. März 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Meinungsvielfalt aushalten

27./28. März: „Ein Aufruf zur Mäßigung – an alle. Trotz aller Fehler ist manche Kritik an der Regierung wohlfeil. Und auch die Debatte im Land entgleist

Schon früher hätte ich mir eine Querdenker-Bewegung gewünscht. Wenn die Spannung aus unterschiedlichen Meinungen in der Politik fehlt, beginnen die Bürger kritiklos in eine Richtung zu laufen. Mit der Pandemie verstärkt sich diese Tendenz, weil nun vorgeschrieben wird, wie sich jeder zu verhalten hat. Abweichler werden wüst beschimpft und die Eigenverantwortung des Einzelnen verkümmert. Was daraus erwachsen kann, mussten die Deutschen im Dritten Reich erleben. Es wird Zeit, dass wir wieder lernen, die Kraft gegensätzlicher Meinungen und Einstellungen zu schätzen und dadurch den optimalen Weg zu finden. Insofern dürfen wir der Pandemie eigentlich dankbar sein.

Christiane Mielck-Retzdorff

Demo ohne Maske geht nicht

Da reisen mindestens 20.000 Leute aus ganz Deutschland nach Kassel, demonstrieren ohne Abstand und Maske und fahren dann in ihre Heimatorte in ganz Deutschland zurück. Prima Idee! Bei allem Verständnis für jede Art von Querdenkern, das geht gar nicht!

Barbara Nagel

Buchung ist nicht möglich

27./28. März: „Warteschlange per Zufallsgenerator. Die Impfanmeldung in Schleswig-Holstein sorgt oft für Frust“

Mein Mann und ich, Priorisierungsgruppe 2, befinden uns seit über einem Jahr in freiwilliger Quarantäne, da wir keine Impftermine erhalten. Das Sozialministerium Schleswig-Holstein hat die Vergabe der Firma Eventim übertragen. Eine Buchung hierüber ist unmöglich. Weil dies so ist, sollte man es auch so kommunizieren. Stattdessen wird der Eindruck erweckt, man könne Restplätze oder kleine Kontingente buchen. Das ist nicht der Fall. Ich möchte darauf hinweisen, dass es sich bei Impfterminen nicht um den Kauf von Konzertkarten handelt, sondern um Termine, die für Patienten lebensentscheidend sein können. Neben dem Versagen der Bundesregierung im Hinblick auf die Impfstoffbeschaffung und zeitnaher Konzeption einer Impfstoff-Produktion im Inland halte ich die Auftragsvergabe an die Firma Eventim für eine Entscheidung, die für Frust, Unverständnis und Ärger sorgt. Wann bekommen wir Impftermine? Mit einem System, das nachvollziehbar ist? Wie viele Menschen über 60 werden in der dritten Welle der Pandemie noch sterben, weil nicht geimpft wird?

Susanne Wolff

Die Bauflächen sind endlich

26. März: „Was wird aus Hamburg? ,Es gibt kein Projekt mehr, das nicht auf Kritik stößt‘ Ein Gespräch mit Steg-Gesellschafter Hans Joachim Rösner“

Was wird aus Hamburg? Die Frage muss man wirklich stellen, wenn man nur noch auf die Anzahl der Wohneinheiten schaut, die pro Jahr gebaut werden. Wer Wohnungen baut, baut auch Stadt. Dabei kommt es entscheidend darauf an, wie Stadt gebaut wird, damit sie eine lebens- und liebenswerte Stadt ist und bleibt. Dazu gehören viele Aspekte: soziologische, ästhetische, umweltbezogene, etc. Sowohl in dem Interview mit Herrn Rösner als auch in den Äußerungen von Frau Senatorin Stapelfeld spielt die Stadtgestalt – wenn überhaupt – nur eine marginale Rolle. Die Stadt der Zukunft, die wir heute bauen, müsste aber gerade hier Antworten geben. Die simple Antwort „höher bauen“ ist sicher zu kurz gesprungen, genauso wie auch in Zukunft jedes Jahr 10.000 Wohnungen bauen zu wollen, die Flächen sind endlich, die Grundlagen dafür fraglich – gerade wenn man sieht, wie sich durch die Pandemie die Arbeitswelt (Homeoffice) verändert. Die Stadtsoziologie zeigt, dass aus Verdichtung nicht Nähe entsteht, sondern Vereinsamung. Ein zwölfstöckiges Wohnhaus wird genau dazu führen. In dem Artikel drückt sich zudem eine Geringschätzung der Bürgerbeteiligung aus, statt wahrzunehmen, dass dabei die Fehlschläge und Enttäuschungen auf beiden Seiten aus der jetzigen Form von Beteiligung resultieren, statt sich darüber Gedanken zu machen, worin die Grundbedingungen für erfolgreiche Beteiligung liegen.

Bernt Grabow

Wer möchte so leben?

26. März: „Zehn bis zwölf Stockwerke – Hamburg soll höhere Häuser bauen“

Ja, was wird wohl aus Hamburg, wenn Steg-Gesellschafter Hans Joachim Rösner seine Vorstellungen umsetzt? Die schönste Stadt der Welt jedenfalls nicht. Die Frage ist doch, ob die Zielzahlen der Politik unbedingt umgesetzt werden müssen, und ob wir uns der Politik unbedingt unterordnen müssen? Wohin das führt, erfahren wir ja gerade alle am eigenen Leib. Chaos, wohin das Auge blickt. Wer, wie Herr Rösner, gemütlich in Altona-Altstadt in einer Mischung aus allen Bevölkerungsschichten lebt, hat gut reden. Um seine Vorstellungen in der Praxis zu erleben, würde ich ihm raten, seinen Urlaub einmal in Mümmelmannsberg zu verbringen. Da ist es auch schön bunt und seine echte Mischung aller Bevölkerungsschichten bekommt er gratis. Zehn- bis zwölfstöckige Häuser sind ebenfalls ausreichend vorhanden. Die Frage ist aber doch, wer möchte so leben? Ich jedenfalls nicht. Und wenn ich die Wahl hätte, ghettomäßig untergebracht zu sein oder Grünflächen und Randbezirke nicht weiter „unter Druck zu setzen“, wofür würde ich mich wohl entscheiden?

Peter Alsleben

Naturflächen erhalten

26. März: „A 26-Ost von Moorburg bis Stillhorn soll 2031 fertig sein. Autobahnabschnitt ,6c‘ kommt bis Kirchdorf Süd unter die Erde“

Entlang der Strecke von Moorburg über die Hohe Schaar bis zum Autobahnanschluss in Stillhorn wohnen überall Menschen, deren Leben von den Planungen zur A26-Ost negativ berührt sind. Im westlichen Teil der Streckenführung, an der Kreuzung Kornweide mit der Georg-Wilhelm-Straße Richtung Norden (südliche Georg-Wilhelm-Straße) wohnen ebenfalls Menschen. Das wurde und wird bei den Planungen und den Diskussionen ständig vergessen. Nicht zu vergessen, dass es nach Aufgabe der Tanklager an der Hohen Schaar deutlich bessere Nutzungsmöglichkeiten für das Gebiet gibt als Bauplatz für die A26-Ost zu sein: Sanierung, Naturentwicklung mit Zugang zum Wasser und Stadtentwicklung. Wir brauchen keine antiquierte Autobahn, die Naturflächen im Hamburger Süden zerstört und die Verkehrsprobleme vermehrt statt löst. Wir brauchen intelligente Lösungen für ein langfristig wirksames integriertes Verkehrskonzept und für eine nachhaltige naturgerechte Stadtentwicklung.

Claudia Roszak, HH-Wilhelmsburg

Falscher Eindruck

26. März: „Auschwitz-Überlebende gegen HafenCity-Plan. Unternehmen mit NS-Vergangenheit soll mit Gedenkort für Verschleppung von Juden, Sinti und Roma in Neubau ziehen. Behörde will schlichten“

Im Artikel wird der Bauherr des Bürogebäudes Müller-Spreer in folgender Weise zitiert: „Die HafenCity Hamburg GmbH als unser Vertragspartner war darüber informiert, dass wir mit Wintershall Dea einen Mietvertrag für diese Fläche abschließen.“ Diese Aussage erweckt den Eindruck, die HafenCity Hamburg GmbH sei durch den Bauherrn bereits vor Abschluss des Mietvertrags mit Wintershall Dea über die Vermietung informiert oder eingebunden gewesen. Das entspricht nicht der Wahrheit. Die Entscheidung des Bauherrn, die Wintershall Dea GmbH als Mieter in das Gebäude zu nehmen, wurde ohne vorherige Einbindung der HafenCity Hamburg GmbH getroffen. Als Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH wurde ich am Abend vor der Veröffentlichung einer Presseinformation am 15. Januar 2021 der Wintershall Dea telefonisch über den abgeschlossenen Mietvertrag und den geplanten Umzug des Unternehmens in das Gebäude am Lohsepark informiert. Noch am 15. Januar 2021 wurde die Nachricht auf der Online-Seite des Hamburger Abendblatts veröffentlicht. Damit ist die Vermietung der Flächen ohne vorherige Rückkopplung mit der Stadt vorgenommen worden.

Prof. Jürgen Bruns-Berentelg,

Vorsitzender der Geschäftsführung

der HafenCity Hamburg GmbH