Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 24. März 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Erkennbarer Nutzen? Keiner!

23. März: „Kampf gegen die dritte Welle“

Wieder wird eine Entscheidung getroffen, die der Bürger nur schwer nachvollziehen kann. Die Einkaufsmöglichkeiten für Lebensmittel werden verknappt, dass heißt die gleiche Anzahl an Kunden muss in weniger Zeit einkaufen. Es wird also voller in den Läden. Erkennbarer Nutzen: Keiner. In den Augen der Politiker ist die vermeintlich einzige Lösung zur Bekämpfung der Pandemie der Lockdown. Also wird er trotz zweifelhaftem Nutzen immer weiter verlängert. Ich werde das Gefühl nicht los, dass man dies tut, um sich über Alternativen keine Gedanken machen zu müssen. Wer mit zu wenig Benzin im Tank losfährt, erreicht das Ziel auch nicht, wenn er zwischendurch anhält.

Stefan Kruse, Aukrug/Holstein

Schlechter Job!

Alles schön und gut, man kann Nachbarn und Freunden eine Freude machen. Mir wäre es viel wichtiger, wenn unsere Regierung/Senat mal über den Tellerrand hinaus sehen würde. Hat sich niemand die Zahlen von Rostock angesehen und gefragt, wie die das machen? Es geht auch anders wie man sieht. Zum Beispiel eine App für die Nachverfolgung, wäre vielleicht auch in Hamburg sinnvoll? Seit Monaten sind wir eingesperrt und ändern gut sich nichts. Schlechter Job, Herr Tschentscher und Co.

Karin Campbell

Weiter impfen, auch an Ostern

Warum hört man nicht in den Meldungen von unserer Kanzlerin, dass über Ostern weiter geimpft wird? Denn es werden vier Tage verloren gehen, in dieser Zeit könnten bundesweit wohl mehrere Tausend Menschen geimpft werden.

Harald Korschewski

An Zynismus nicht zu toppen

23. März: „Parkverbot für Autos, mehr Platz für Fußgänger“

Wir stecken mitten in der Corona-Pandemie, viele Bürger, bestimmt auch im Stadtteil Hoheluft, müssen im Homeoffice arbeiten. Das heißt, deren Autos parken jetzt ebenfalls am Wohnort. In dieser Situation stellt sich der zuständige grüne Bezirksamtsleiter hin und verkündet, die Anzahl an Parkplätzen weiter drastisch zu reduzieren und erklärt schulterzuckend, es gäbe halt keinen Anspruch auf kostenfreies Parken. Das ist in meinen Augen momentan an Zynismus nicht zu überbieten.

Sven Witt

Schafft Hamburg das?

23. März: Gastbeitrag: „,Der Sprung über die Elbe ist nur ein halbherziger Hüpfer‘. Der Hamburg-Konvent hat die Debatte angestoßen, wie sich die Stadt entwickeln soll“

Volkwin Margs Forderung, dass der Hafenentwicklungsplan 2040 der Entwicklung der Stadt als Ganzes dienen muss, ist zu begrüßen. Ja, es sollte endlich eine integrierte Stadt- und Hafenplanung geben. Dabei sollten wir aber nicht nur auf die citynahen Gebiete und die Norderelbe blicken, sondern auch die Potenziale an der Süderelbe entdecken. Die Hohe Schaar zwischen dem Reiherstieg, der Süderelbe und dem über die Kattwykbrücke nach Moorburg führenden Kattwykdamm ist noch belegt durch Raffinerie und Tanklager von Shell und Nynas. Shell verkauft sein Gelände an die Stadt und räumt es auf. Auf mittlere Sicht erwartet auch die Handelskammer in ihrem Zukunftsplan Hafen 2040, dass die Mineralölindustrie, die im Hafen etwa so viel Gelände nutzt wie die Containerterminals, sich im Zuge der Energiewende auf weniger Flächen reduziert. Die südliche Hohe Schaar hat mit 150 Hektar fast so viel Fläche wie die HafenCity, mit drei Kilometer Länge mehr Elbufer als Blankenese. Die Hafenbahn kann hier erweitert werden um eine S-Bahn. Stationen können an der Hohen Schaar und in Moorburg gebaut werden. Das Elbufer kann renaturiert werden und wieder Strände bekommen. Hier kann ein naturnaher Stadtteil entstehen, der sicherlich einen ganz anderen Charakter hat als die HafenCity. Aber auch er sollte Wohnungen und Arbeitsplätze umfassen, auch für die Menschen, die im entstehenden Wasserstoffzentrum auf der Fläche des jetzigen Kohlekraftwerks Moorburg forschen und arbeiten werden. Es braucht ähnlich viel Mut, die Hohe Schaar an der Süderelbe zu entwickeln, wie Voscherau ihn bei der HafenCity an der Norderelbe hatte. Schafft Hamburg das?

Michael Rothschuh

Armes Deutschland

23. März: „Joe Bidens Impf-Turbo wirkt. Der US-Präsident hat geklotzt: Mehr als 80 Millionen Amerikaner haben bereits eine erste Vakzin-Dosis erhalten – erste Beschränkungen fallen“

Unsere Bundesregierung sollte sich den Artikel von Herrn Dirk Hautkapp einmal durchlesen und danach darüber nachdenken, was in unserem Staat falsch läuft. Statt wie in Amerika konsequent zu handeln und sich über eventuellen Bürokratismus hinweg zu setzen, ersticken wir in unserem Bürokratiesumpf und kommen nicht voran. Wie kann es sein, dass uns suggeriert wird, die drei Impfkonzerne Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson könnten nicht genug Impfdosen liefern, gleichzeitig aber soll Amerika bis Ende März von diesen Konzernen bis zu 240 Millionen und bis Ende Juli bis zu 800 Millionen geliefert bekommen. Was läuft falsch, wir Bürger müssen uns doch langsam veralbert vorkommen. Armes Deutschland, wo bleibt ein zweiter Helmut Schmidt.

Fred Mordhorst

Es geht um die Chancen

22. März: Leitartikel: „Nur Jammern hilft nicht“

Der Leitartikel ist wohltuend, weil er nicht das Lied des ständigen Jammerns und Wehklagens anstimmt angesichts einer nicht enden wollenden Pandemie, sondern die richtigen Fragen stellt und den Blick konstruktiv in die Zukunft richtet. Es geht um die Chancen, die in jeder Krise bestehen und die es gilt, zu erkennen und zielgerichtet umzusetzen. Ralph Brinkhaus hat vor kurzem die Aufsplitterung der Verantwortlichkeiten in der öffentlichen Verwaltung beklagt und einen kritischen Blick auf den föderalen Aufbau der Bundesrepublik in Krisenzeiten geworfen. Insofern gilt es, sachlich aufzuklären, wie in einer Krise wirkungsvoll, zügig, verbindlich und transparent agiert werden kann, welche gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden müssen und wie klare Verantwortlichkeiten installiert werden können. Was überhaupt nicht hilft, ist aus verdeckter Stellung heraus besserwisserisch zu lamentieren und Politiker-Bashing zu betreiben. Das ist billige, unwürdige Parteipolitik, die auf den zurückfällt, der sie betreibt.

Ulrich Kulicke

Prioritäten falsch gesetzt

22. März: „Trainer beleidigt Linienrichterin. Zur ,Strafe‘ zum Frauenfußball“

Natürlich war das Verhalten von Mönchengladbachs U-23-Trainer Heiko Vogel völlig daneben. Aber warum wird über dieses „Ereignis“ aus dem Regionalliga-Fußball gleich an drei Stellen Ihrer Ausgabe berichtet? Die im Rahmen der Ahndung des Verstoßes durch den Verband verhängte Auflage eines Trainings einer Frauenmannschaft bedeutet überhaupt nicht, dass derartiges als „Strafe“ empfunden wird. Solche Maßnahmen, juristisch so spröde wie zutreffend „Maßnahmen der Besserung und Sicherung“ genannt, sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil des staatlichen deutschen Strafrechtes, etwa in Form der allseits bekannten „Sozialstunden“ als Sanktion bei Jugendstraftaten. Will irgendjemand ernsthaft die These vertreten, die deutschen Jugendstrafrichter würden beispielsweise eine Tätigkeit in einer Senioreneinrichtung als „Strafe“ empfinden und Altersdiskriminierung betreiben? Vor diesem Hintergrund ist die Prioritätensetzung des Abendblattes und erst recht in der öffentlichen Diskussion in den sozialen Medien unverständlich. Warum nutzen Sie den raren Platz nicht für bedeutende Diskussionen, etwa über auch nur ein einziges von Jörg Quoos in seinem Leitartikel angesprochenen Problemen? Zum Beispiel die künftige Aufstellung der Verwaltung zur Steigerung ihrer Effektivität und damit meine ich nicht das bloße nebulöse Benennen von Problemen, sondern konkrete Lösungsvorschläge.

Jan Ehrig, Hamburg