Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 22. März 2021

Lesedauer: 7 Minuten

Erstickt am Bürokratismus

20./21. März: „Was ist bloß mit Deutschland los? Der Organisationsweltmeister versagt – Deutschland impft derzeit leider nur drittklassig. Mittelmaß darf aber nicht das neue Gardemaß werden

Bravo, der Artikel trifft den Nagel auf dem Kopf! Dieses Zaudern, Zögern, diese Unfähigkeit endlich mal Nägel mit Köpfen zu machen, ungeachtet dessen, ob es strikt nach bürokratischen Regeln geht, ist nicht mehr auszuhalten. Stattdessen versinkt die Exekutive in Vorschriften, lässt sich von Verwaltungsgerichten maßregeln, hat angesichts der bevorstehenden Wahlen nur noch die eigenen potenziellen Wählerstimmen im Hinterkopf, anstatt das eigentliche Ziel: Deutschland so schnell wie möglich in die Normalität zurückzuführen. Hätte, sollte, könnte, müsste, wäre, sind nicht nur die meistgenutzten Vokabeln in den diversen Talkshows, sondern auch bei den Politikern. Pragmatismus und Entscheidungen – auch wenn sie mal unpopulär sind – gehören zu einem erfolgreichen Krisenmanagement. Das machen uns Israel, Großbritannien und die USA vor, aber Deutschland erstickt an seinem Bürokratismus!

Ina-Brigitte Behrens

Zielorientiert handeln

Endlich hat sich mal jemand getraut, die Missstände beim Namen zu nennen. Sie sprechen bestimmt den meisten mündigen Bürgern aus der Seele. Meinen Nerv haben Sie auf jeden Fall getroffen. Der „Datenschutzwahnsinn“ und „Gendersternchenunsinn“ muss aufhören. Es gibt überall nur noch Bedenkenträger und niemand handelt zielorientiert.

Tanja Knuth

Meckern hilft jetzt nicht

Immer wieder verblüfft es mich bei allen Diskussionen darüber, wer was falsch gemacht hat, dass das Einfache und Effektive nicht genannt wird: Das Wichtigste ist, Infektionen zu verhüten! Und wie? Es wird lange dauern, bis genügend Menschen einen ausreichenden Impfschutz haben. Ja, es gibt da ein Politikversagen, doch meckern hilft jetzt nicht. Jetzt kann ich auf einfache und schnelle Weise verhindern, dass ich und andere angesteckt werden: Abstand halten, wenn das nicht möglich ist oder in geschlossenen Räumen: Maske richtig (!) tragen und Hände aus dem Gesicht. Was ist daran so schwierig? Ich muss es nur wollen.

Dr. Ursula Augener

Gefahrloser Kunstgenuss

20./21. März: „Tschentscher stoppt Öffnungen: Hamburg zurück im Lockdown. Inzidenz steigt immer höher. Ab heute kein Terminshopping mehr“

Welcher Hamburger Politiker war in der Zeit der Lockerungen in der Kunsthalle? Dort hätte er gefahrlos mit wenigen Personen in großen Räumen nach Anmeldung die Bilder genießen können. Kitas und Schulen bleiben geöffnet, Museen schließen. Was für ein Unsinn! Ich bin seit Langem geimpft und habe eine Karte für Sonntag im Bucerius Kunstforum. Nach Befolgen aller Vorschriften, Weihnachtsbesuch im Garten etc. reicht es mir jetzt. Gleichzeitig werden Demos angekündigt, Schulter an Schulter. Wieso ist man dann erstaunt über steigende Zahlen?

Regine Vogel

Der Amtsschimmel wiehert

20./21. März: „Hausärzte impfen nach Ostern. Impf-Gipfel: Die Kanzlerin will Tempo machen beim Corona-Schutz“

Impfen, impfen, impfen! Aber im Dezember mussten erstmal Weihnachten und Silvester gefeiert werden, und jetzt sollen die Hausärzte erstmal Ostern abwarten… Ursula von der Leyen erwägt eine härtere Gangart gegenüber den Impfstoffherstellern, während der Bundespräsident Bundesverdienstkreuze an ein Forscherehepaar verteilt, das in Deutschland zugegebenermaßen äußerst effektiv einen Impfstoff entwickelt, diesen dann aber nicht aus lauter nationaler Verantwortung der EU oder Deutschland zum Vorzugspreis angeboten, sondern sehr marktwirtschaftlich den schnellsten und meistbietenden Nationen verkauft hat. Will Steinmeier mit dem Orden vielleicht die Versäumnisse der Vergangenheit vergessen lassen und Biontech motivieren, aus lauter Dankbarkeit nun doch vorzugsweise den deutschen Markt zu versorgen? Orden gegen treue Leistungserbringung – ehrlich, das ist wie im Mittelalter. Derweil verdienen sich Kriegsgewinnler wie Maskenhersteller und Testzentren eine goldene Nase, und man geht erstmal wieder in einen Lockdown, riskiert wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und leider nicht wenige individuelle Suizide. In unserem angeblich so hoch entwickelten und wohlhabenden Land wird erstmal wieder vorrangig der billigste (schlechteste?) aller Impfstoffe verabreicht, damit man überhaupt irgendwie vorankommt. Um die seit fast einem Jahr für viel Geld vorgehaltenen gigantischen Impfzentren jedenfalls halbwegs zu nutzen, werden alle effektiveren dezentralen Möglichkeiten (mobile Impfteams in Stadtteilen) gar nicht erst diskutiert. Hauptsache nach Vorschrift – immer schön der Reihe nach, mit 17-seitigem ausgedrucktem und unterschriebenem Belehrungsformular, nach tagelanger Anmeldeprozedur und kilometerlanger Anfahrt. Der Impftermin wird zum Großereignis und der Amtsschimmel wiehert! Deutschland ist, mit der ganzen Rest-EU, zur Bananenrepublik verkommen. Wir sollten uns daran erinnern, wenn wir mal wieder eine Führungsrolle in der Welt beanspruchen.

Doris Konkart

Zulassung nicht hinauszögern

18. März: „Warum jetzt viele auf Sputnik V hoffen. Kann das russische Vakzin die Impfkampagne retten?“

Was ist nur los mit unseren politischen Entscheidern? Da ist im Falle Sputnik V erst einmal der politisch genährte Vorbehalt gegenüber allem, was aus Russland kommt. Da ist ein Impfstoff, bereits millionenfach verimpft, also ist auch bekannt, wie er wirkt. Aber nein, das zählt alles nicht. Man will bei uns erst wieder monatelange eigene „wissenschaftliche“ Studien über die Wirksamkeit und Verträglichkeit erstellen. Da erwächst der Verdacht, dass sich einige Akteure dabei profilieren und nebenbei auch noch etwas verdienen wollen. Danach mag ja der Sputnik-Impfstoff entbehrlich sein, wahrscheinlich auch vergriffen, aber nur, weil man seine Beschaffung und Zulassung unnötig hinauszögert, und weil man ihn politisch nicht haben will. Hat die Bundesregierung aus ihrer zögerlichen Bestellpraxis von Impfstoffen und Masken immer noch nichts gelernt? Wieder erst abwarten, prüfen, und dabei wertvolle Zeit verstreichen lassen. Dadurch sterben Hunderte, vielleicht Tausende von Menschen. Da möchte ich unseren Politikern an den alten Wissenschaftler Georg Christoph Lichtenberg erinnern, der einmal gesagt haben soll: „Ein gerüttelt Maß an gesundem Menschenverstand ist allemal besser als falsche Gelehrsamkeit“. Also sollten unsere Politiker einfach machen, wie uns das Israel und die USA vorgemacht haben. Den Luxus, auf politische Animositäten zu achten, können wir uns einfach nicht leisten.

Helfried Dietrich, Norderstedt

Es zählt jede Stunde

19. März: „,AstraZeneca sicher und wirksam‘“

Nachdem nun die Europäische Arzneimittel-Agentur Zweifel am Impfstoff von AstraZeneca ausgeräumt hat, der Bundesgesundheitsminister angekündigt hat, weiter impfen zu können, und auch die einschlägigen Talkrunden mit den üblichen Beteiligten in den Medien grünes Licht gegeben haben, wollen die Gesundheitsminister und -senatoren nun noch die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) abwarten. Hoffentlich empfiehlt die Stiko nicht, nur noch alte weiße Männer in Gummistiefeln in klarer Vollmondnacht mit AstraZeneca zu impfen. Wer hat eigentlich immer noch nicht verstanden, dass keine Zeit zum Abwarten da ist? Es zählt jede Stunde. Wir erreichen keinen Zeitvorsprung, sondern bauen allenfalls schon aufgetretene Zeitverluste ab. Ich biete Frau Leonhard gerne an, mich mit AstraZeneca impfen zu lassen. Ich bin allerdings mit meinen bald 68 Jahren noch lange nicht dran. Ich fürchte, ich werde auch nie drankommen, denn es wird ja weltweit – unabhängig vom eingesetzten Impfstoff – immer wieder zu ernsthaften Nebenwirkungen kommen.

Uwe Rehders, Glinde