Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 15. März 2021

Lesedauer: 5 Minuten

Ein herzliches Dankeschön

13./14. März: „Schade, eigentlich. Ein behindertes Kind zu haben kann sich anfühlen wie das ganz große Glück. Wäre da nicht der tägliche Kampf gegen die Mühlen der Bürokratie. Es ist Zeit, dass sich das ändert. Ein Essay

Ganz großen Respekt und ein herzliches Dankeschön an Iris Mydlach für ihr interessantes und sehr bewegendes Essay über ihren behinderten Sohn Tim. Die Probleme mit der unverständlichen Bürokratie der Behörden und der Krankenkasse sind deprimierend. Vielen Dank an das Hamburger Abendblatt für diese und ähnliche Veröffentlichungen von Themen, über die man meistens viel zu wenig weiß...

Marianne Braasch

Inklusion ist Menschenrecht!

Danke, für diesen gut verständlichen und offenen Beitrag, der uns allen mal wieder so deutlich aufzeigt, welche Defizite unsere Gesellschaft immer noch hat! Es ist beschämend, dass Eltern, die unverschuldet so viel mehr leisten müssen, nicht endende und zermürbende Kämpfe mit Versicherungen etc. auszufechten haben, um ihren Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen. Warum müssen überhaupt Anträge gestellt werden? Wenn ein Kind behindert ist, müsste es selbstverständlich alles bekommen, was an Unterstützung und Hilfsmitteln zur Verfügung steht. So muss es sein! Weg mit dem bürokratischen Unsinn der Versicherungen und Behörden! Inklusion ist Menschenrecht!

Angela Hopmann

Es hat sich nicht viel geändert

Ein wunderbar bedrückender Artikel! Als ein Kind mit Kinderlähmung musste meine Mutter mit mir in den frühen 50er-Jahren zur Krüppelfürsorge ins Bieberhaus (man achte auf die Wortwahl!), um Hilfen für meine Behandlung zu erbitten. Ja, so war es – man war Bittsteller, und ich habe den Eindruck, dass sich seit dieser Zeit nur sehr wenig geändert hat. Wir reden zwar über Inklusion, haben die Paralympics und wunderbare Prothesen und Hilfsgeräte, perfekt ausgebildete Physio- und Ergotherapeuten, aber die betroffenen Familien müssen immer noch um die Unterstützung für medizinisch dringend angesagte Behandlungen kämpfen. Sollten wir nicht annehmen, dass die Gemeinschaft der Versicherten diesen Behinderten selbstverständlich jede Hilfe zukommen lassen sollte und könnte? Im Gegenteil, jetzt werden unter der Überschrift der Inklusion behinderte Kinder inkludiert unterrichtet – unterrichtet von Lehrkräften, die für diese Aufgabe überhaupt nicht ausgebildet sind, in Schulen, die therapeutisch keinerlei Voraussetzungen bieten. Schließen wir dadurch die Behinderten wirklich in unsere Gesellschaft ein oder bewahren wir sie nur auf, um sie nach der Schulzeit umso schlechter vorbereitet auf die Erwachsenenwelt loszulassen? Armes Deutschland!

Wolfgang Deppe-Schwittay

Einbußen durch Kurzarbeit

11. März: „200.000 Hamburger Kurzarbeitern drohen Steuernachzahlungen. Es kann dabei um Beträge von mehr als 700 Euro gehen. IG Metall fordert wegen Corona eine Sonderregelung“

Endlich wird auf diese Ungerechtigkeit in der Corona-Krise aufmerksam gemacht. Auch ich bin in Kurzarbeit bei einem großen deutschen Unternehmen. Ich und viele meiner Kollegen haben durch die Kurzarbeit erhebliche Einbußen, bei mir sind es um die 800 Euro monatlich. Kurzarbeit bedeutet: weniger Einnahmen, Nachzahlung von Sozialabgaben, erhöhte Progression und zuletzt noch Rentenverlust durch fehlende Rentenpunkte. Ein Homeoffice-Arbeiter verdient das gleiche Geld, hat keine Spritkosten, keinen Rentenverlust durch fehlende Punkte, kann sich die Zeit auch noch flexibler einteilen und bekommt – weil ja alle jammern – von der Regierung das Geschenk, beim Finanzamt das sogenannte Homeoffice-Geld bis zu einer Höhe von 600 Euro absetzen zu können. Wie verlogen ist doch Herr Scholz, wenn er auf der Titelseite noch erklärt: Sein Ministerium will Kurzarbeitergeld nicht begünstigen, aus Steuergerechtigkeit. Bei Homeoffice aber schon oder wieso bekommt diese Gruppe Vorteile bei der Steuererklärung? Wie ungerecht und verlogen unsere Regierung ist, wird mir bei diesem Statement mal wieder deutlich.

Astrid Lübke

Ohne Regeln geht es nicht

6./7. März: Gastbeitrag: „Die CDU braucht eine Klimaschutz-Vision. Die große Aufgabe nach der Pandemie lautet, Arbeitsplätze zu schaffen und die Schöpfung zu bewahren. Beide Ziele gehören zusammen“

In erster Linie hat die CDU ein Vollzugsdefizit beim Thema Klimaschutz. Es sei kurz daran erinnert, dass sie seit 16 Jahren im Bund regiert. Es ist also nicht Zeit für ein neues Narrativ, sondern für Action. Wer z.B. Wasserstoff propagiert, muss alternative Energieträger fördern und nicht behindern. Fahrverbote in zwei Straßen wurden von Rot-Grün in Hamburg angeordnet, weil die Grenzwerte nicht eingehalten werden und die Gerichte die Städte dazu „verdonnern“. Einfamilienhäuser werden nicht nur in Hamburg-Nord nicht mehr in neuen Bebauungsplänen ausgewiesen, sondern auch im Bezirk Eimsbüttel, wo es bekanntlich eine Koalition aus Grünen und CDU gibt. Wer glaubt, dass effektiver Klimaschutz nur mit technischen Lösungen und ohne Verhaltensänderung möglich ist, verkauft den Wählern eine Lebenslüge. Das Zusammenleben von Menschen in einem dichtbesiedelten Land erfordert viele Regelungen, Vorschriften und Bestimmungen. Sie dem politischen Gegner immer wieder als Bevormundung auszulegen ist politischer Klamauk.

Matthias Christen, Hamburg