Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 13. März 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Das geht noch besser

12. März: „Impfzentrum weist 360 Menschen ab. Warum es trotz Termins kein Vakzin gibt. Kritik an Wartezeit vor Ort“

Meine Schwiegermutter ist 88 Jahre alt. Mit ihr war ich am 11. März für ihre Erstimpfung im Impfzentrum. Die Termine für die Erst- und Zweitimpfung hatte meine Frau online relativ einfach ergattert. Betreuung und Sitzgelegenheiten in der Warteschlange C2 waren gut, nur das Warten war doch mit 40 Minuten sehr lang. Und der Flaschenhals war nicht die Anmeldung. Es gab sechs Anmeldeschalter, die auch besetzt waren, häufig wurden aber nur drei ältere Menschen gleichzeitig bedient. Der Grund war die anschließende Wartezone vor den vier Arztzimmern. Dort ging es nur langsam voran, so dass wir noch mal 15 Minuten auf ein freies Arztzimmer warten mussten. Insgesamt waren wir etwas mehr als eineinhalb Stunden im Impfzentrum. Ich will das nicht als große Kritik sehen. Das Impfzentrum ist schon beeindruckend, aber an einigen organisatorischen Stellschrauben sollte noch gedreht werden, besonders wenn die volle Kapazität erreicht werden soll.

Jürgen Schlenker, Hamburg

Geografische Fehleinschätzung

11. März: „Als die Heimat zur Todeszone wurde. Vor zehn Jahren erschütterte die Explosion des Kernkraftwerks Fukushima die Welt. Deutschland leitete danach den Atomausstieg ein“

Japan liegt, wie uns viele Fernsehsendungen immer wieder zeigen, auf dem pazifischen Feuerring. Erdbeben und Tsunamis sind dort wohlbekannt. Dass die Betreiber von Fukushima nach dem verheerenden Tsunami in Sumatra mit über 200.000 Toten im Jahr 2004 nicht alle Alarmglocken haben schrillen hören und die Notkühlung so eingerichtet, dass sie auf jeden Fall einem Tsunami standhalten konnte, ist unverständlich. Zieht man das in Betracht, dann war Fukushima kein Reaktorunfall im eigentlichen Sinne, sondern eine Fehleinschätzung der geografischen und geologischen Verhältnisse durch Betreiber und zuständige Behörde. Warum dann in Deutschland der plötzliche Atomausstieg beschlossen wurde, wo derartige geologische Gegebenheiten nicht existieren, bleibt weiterhin ein Geheimnis von Bundeskanzlerin Merkel. Wie viel leichter käme Deutschland der Verzicht auf Kohle, wenn die Kernkraft weiterhin wie sonst fast überall in der Welt nicht nur weitergenutzt, sondern vor allem weiterentwickelt worden wäre. Sinnvoll wäre zum Beispiel die Suche nach einem Weg, die Abklingzeit der verbrauchten Brennelemente deutlich zu verkürzen, um die Endlagerung besser beherrschbar zu machen. Fukushima als Beispiel für die Gefahren der Atomenergie ist ungeeignet.

Dr. Gunter Alfke, Hamburg

Nur ein Ablenkungsmanöver

10. März: „Bewährungsprobe für den CDU-Chef. Dubiose Geschäfte zweier Unionspolitiker zwingen Armin Laschet zum Handeln – vor Wahlen steht viel auf dem Spiel“

Der Abschluss eines Kaufvertrages bedarf mindestens zweier Partner, nämlich Verkäufer und Käufer. Vermittler können zu einem Vertragsabschluss beitragen, sind jedoch nicht unbedingt Teil eines Kaufvertrages. Bei aller Verachtung des Verhaltens der betroffenen Bundestagsabgeordneten, vermisse ich Aussagen über die Vertragspartner auf der Käuferseite. Auf der Seite der Käufer, also im Wesentlichen das Bundesministeriums für Gesundheit wäre das aus meiner Sicht die Führung des Ministeriums, also der Minister Jens Spahn. An dieser Stelle wurden die Verträge „abgesegnet“. Das „Getöse“ um das Verhalten der Abgeordneten ist aus dieser Sicht lediglich ein Ablenkungsmanöver für die wirklich Verantwortlichen.

Peter Böttcher

Ein Impfzentrum reicht nicht

8. März: „Corona: 60 Prozent aller Toten kommen aus Altenheimen. Hohe Letalität bei den über 70-Jährigen. Zahl der Infizierten geht jetzt zurück“

Die Behördenstatistik zur prozentualen Verteilung der Todesfälle zeigt sehr deutlich die Notwendigkeit auf, so schnell wie möglich sämtliche Personen über 60 Jahren zu impfen. Dies entspricht dem gesellschaftlichen Konsens von Beginn der Pandemie, diejenigen Personen mit hohem Sterberisiko vordringlich zu schützen. Doch wie soll dies in einer Stadt gelingen, die meint, mit einem einzigen Impfzentrum und einer maximalen Kapazität von 7000 Impfungen pro Tag, ihre Bewohner ausreichend schnell schützen zu können? Nehmen wir an, in Hamburg gibt es 1,4 Millionen Impfwillige. Dann dauert es ca. 200 Tage, also fast bis zum Jahresende, bevor diesen Menschen eine Erstimpfung zu Teil werden kann (vorausgesetzt es gibt ab April dauerhaft ausreichend Impfstoff). Aber auch dieses Ziel ist mit nur einem Impfzentrum nicht zu erreichen, denn es kommen noch minimal 100 Tage für Zweitimpfungen hinzu. Da stellt sich die Frage, warum die ersten Wochen des Jahres nicht genutzt wurden, mindestens zwei weitere Impfzentren aufzubauen, die es bei gleicher Kapazität ermöglichen würden, 1,4 Millionen Menschen in weniger als drei Monaten zu impfen. Ist es tatsächlich zu viel verlangt, von den Regierenden eine solche Strategie zu verlangen?

Dr. Holger Neumeyer

Eigentlich ist das Betrug

9. März: „Arm trotz jahrzehntelanger Arbeit. Das Rentenniveau liegt auch nach 45 Jahren Vollzeitjob oft nur leicht über der Grundsicherung. Vor allem Pflege, Einzelhandel und Logistik betroffen“

Man liest immer wieder zu Recht über die geringe Rente, die viele später bekommen. Mich wundert, dass nie erwähnt wird, dass die Rente, die man im Laufe von 45 Arbeitsjahren zusammengetragen hat am Schluss noch einmal besteuert wird. Man hat seinerzeit doch Steuern bezahlt! Kann man nicht mal dagegen vorgehen? Ist das rechtens? Die Rente, die man als Witwe oder Witwer bekommt, beträgt nur 60 Prozent der erlangten Rente des verstorbenen Partners und wird noch zusätzlich besteuert. Wo bleiben die restlichen 40 Prozent und warum noch Steuern bezahlen, obwohl der Partner während seiner Arbeitsjahre Steuern bezahlt hat? Eigentlich ist das doch Betrug und wir Älteren, die die Rente bekommen, haben nicht mehr genug Energie, um zu protestieren und statt „Fridays for future“ meinetwegen einen „Saturday for correctly paid pension“ zu machen. Dazu kommt noch, dass man in Deutschland immer länger arbeitet im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Wenn man vorsorgen wollte und in eine Altersvorsorge investiert hat, erhält man weniger als man eingezahlt hat, denn die Krankenkasse und auch die Kirche bekommen bei einer empfohlenen Direktversicherung ihren Teil davon. Das ist alles ungerecht und eigentlich sollte man dort ansetzen!

Angela Selke

Hamburg ist nicht Dubai

11. März: „Neuer Wohnpark mitten im Hafen. Pläne für Kleinen Grasbrook mit 3000 Wohnungen werden konkreter. Bau des Überseequartiers geht voran. Aushub für Elbtower wird vorgezogen“

Wo ist die Instanz im Senat, die für das Stadtbild der Hansestadt verantwortlich ist? Ein Wahrzeichen von Hamburg, die einmaligen Elbbrücken, werden wie winzige Nussschalen neben dem monströsen, 245 Meter hohen Elbtower wirken. Hamburg ist nicht Dubai. Warum wird mit Nachdruck ein privates Bauprojektdurchgewunken? Die Baumaßnahmen für diesen Wolkenkratzer sogar vorgezogen? Büro- und Hotelflächen gibt es bereits im Überfluss. Sie schreiben über den Elbtower von einem ,,Prestigeprojekt“. Ja, Prestige und Reichtum für eine Handvoll Investoren, keinesfalls für die Hamburger Mitbürger!

Annabelle Stephan

Einfallslose Klötze

Warum um alles in der Welt werden an diesem „Park“ bloß wieder derart gleichförmige und einfallslose Klötze hingestellt? Es gibt so gute Entwürfe, auch für das Bewohnen durch viele Menschen – Häuser mit fantasievollen Anbauten, Dachgärten, unterschiedlich gestalteten Etagen, Farbigkeit und vieles mehr. Einförmigkeit der Architektur fördert gleichförmiges Denken und verhindert Eigeninitiative und Kreativität. Eine lebendige Stadt benötigt lebendige Architektur.

Peter Wigandt