Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 11. März 2021

Lesedauer: 7 Minuten

Lieber noch mal nachzählen

10. März: „Bald sollen auch Hausärzte impfen – der Plan für Hamburg. Kassenärztliche Vereinigung will 2500 Praxen einbinden

Es ist gut, wenn endlich genügend Impfstoff zur Verfügung steht und dieser dann auch flächendeckend von Hausärzten verimpft wird. Denn erst dann können sich auch die schützen lassen, die auf Grund von Pflegebedürftigkeit auf Ortsnähe der Impfmöglichkeiten angewiesen sind – bis hin zur Impfung in der eigenen Häuslichkeit. Allerdings könnten das weitaus mehr Menschen sein als die „schätzungsweise bis zu 20.000 Personen, die zu Hause gepflegt werden“, wie die Gesundheitsbehörde laut ihrem Sprecher Martin Helfrich anzunehmen scheint. Gemäß einer Meldung des Statistikamt Nord vom 22. Mai 2019 waren bereits Ende 2017 insgesamt knapp 47.000 häuslich versorgte Pflegebedürftige in Hamburg zu verzeichnen. Dass die Zahl der Pflegebedürftigen bundesweit seit Jahren zunimmt, und sich diese Entwicklung noch steigern wird, ist bekannt. Wenn die Zahl in Hamburg in den letzten vier Jahren, völlig gegen den Trend, tatsächlich auf weniger als die Hälfte geschrumpft sein sollte, dann kann das eigentlich nur bedeuten, dass seitdem sehr viele Pflegebedürftige entweder verstorben sind oder sie plötzlich und unerwartet von sämtlichen Gebrechen geheilt wurden, und dass außerdem so gut wie niemand Neues pflegebedürftig wurde. Es wäre wirklich gut, wenn die Gesundheitsbehörde hier noch einmal sorgfältig nachzählen würde – nicht, dass unzulängliches Verwaltungshandeln auch hier einen Engpass produziert, ausgerechnet bei der äußerst vulnerablen Gruppe der Pflegebedürftigen.

Carin Schomann, Altengamme

Altenheime digital abgehängt

10. März: „95 Prozent der Hamburger Schulen haben jetzt WLAN“

Ein wichtiger und absolut notwendiger Schritt in einer Welt, die immer digitaler wird. Aber wann lesen wir, dass wenigstens 30 Prozent der Zimmer in Altenheimen/Pflegeheimen mit WLAN ausgestattet sind? Von 95 Prozent sind wir noch sehr weit entfernt. Wie kann es sein, dass diese Bevölkerungsgruppe komplett von der digitalen Welt abgehängt wird? Wie kann es zugelassen werden, dass sich die Bewohner allein oder mit Besuchern nicht digital informieren können, egal ob über die Pandemie, über Wahlversprechen oder sich einfach digital durch kulturelle oder sportliche Teilhabe ablenken lassen können? Für uns alle, die es sich leisten können, eine Selbstverständlichkeit, für Menschen in Alten- und Pflegeheimen oder Menschen, die es sich nicht leisten können, eine 100-prozentige Ausgrenzung. Ich werde nicht müde, diesen Missstand immer wieder anzuprangern

Dagmar Hirche,

Wege aus der Einsamkeit e.V.

Skandalöses Verhalten

9. März: „Union im Strudel der Masken-Affäre“

Die beiden Herren aus den „christlichen“ Parteien haben sich die Not der Regierung zu Nutzen gemacht, um sich auf Kosten der Bevölkerung zu bereichern. Sie haben damit gegen alle Regeln der politischen Fairness verstoßen: Sei ehrlich, diene deinen Wählern, arbeite für dein Land. Es ist für mich äußerst beschämend, dass wir solche Politiker haben, die die Möglichkeit hatten, über unsere Zukunft zu bestimmen. Die Herren sollten sich auch schämen und die Provisionen spenden. Skandalös ist, dass Herr Nüßlein sein Bundestagsmandat nicht ebenfalls niedergelegt hat. Diese Haltung ist völlig unverständlich. Erst die deutsche Bevölkerung hintergehen und dann von derselben noch weiter bezahlt werden wollen? Ganz schlechte Idee, Herr Nüßlein.

Axel Pabst

Die Wähler schauen genau hin

Schon im eigenen Interesse sollten CDU und CSU diese unsägliche Angelegenheit mit Stumpf und Stil ausrotten, den Raffkes ihr „sauer verdientes“ Geld abknöpfen und augenblicklich unterbinden, dass ein Herr Nüßlein die Gelegenheit hat, bis zur Aufgabe seines Mandats noch zusätzliches Geld zu scheffeln. Und da so etwas offensichtlich nicht das erste Mal ist, sollte über die Einrichtung eines entsprechenden Fonds nachgedacht werden, in den solche unrechtmäßigen Beträge einfließen können, das Pflegepersonal wird es danken. Und allen Unwilligen sei gesagt: Die Wahlen stehen vor der Tür, und die Wähler werden ganz genau darauf achten, wie die Politiker mit solchen Leuten umgehen.

Hannelore Bredenow

Schwarze Schafe rauswerfen

Wäre es nicht sinnvoll, angesichts der Masken-Affäre, eine Regelung für das Parlament zu finden, die schwarzen Schafe aus dem Parlament zu werfen und die Provisionen einzukassieren? Es ist doch unverständlich, dass diese Herrschaften mit weiteren Tricksereien aus Steuergeldern alimentiert werden. Wer will sich denn von solchen Parlamentariern noch bis Oktober vertreten lassen? Und es täte den Parteien und den vielen ehrlichen Abgeordneten gut, sich nicht nur mit Worten von solchen Herren zu distanzieren.

Karen Weidmann-Henkel

Arbeitsbedingungen ändern

9. März: „Deutschland verliert in der Pandemie tausende Pflegekräfte“

Und wieder sind wir erstaunt, dass Pflegekräfte in der Pandemie ihren Beruf aufgeben. Die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung sind „unterirdisch“, auch ohne Pandemie. Nun kommt noch die Belastung durch die Pandemie mit Schutzkleidung, FFP-2-Masken und die Gefahr, sich und die eigene Familie anzustecken dazu. Die Pflegekräfte gelten als systemrelevant und können im Alter kaum von ihrer Rente leben. Wenn nicht schnell etwas, speziell an den Arbeitsbedingungen, geändert wird, wird sich der Zustand noch verschärfen. Ich komme selber aus der Pflege, meine Tochter ist Physiotherapeutin, aber ich würde heute keinem jungen Menschen dazu raten, in die Pflege zu gehen. Es war mein Traumberuf und ich habe meine Arbeit mit den Patienten geliebt, aber er hat mich krank gemacht und von der Rente könnte ich alleine nicht leben. Unsere Gesellschaft altert, aber wer soll die alten Menschen pflegen und betreuen? Was sind der Gesellschaft systemrelevante Berufe wert?

Sonja Starke

Wir werden abgehängt

6./7. März: „Die schmerzhaften Lehren aus der Pandemie. Corona zeigt brutal die verdrängten Schwächen Deutschlands auf“

Unsere Bundeskanzlerin hat in ihren 16 Jahren Kanzlerschaft sicherlich ihre Verdienste gehabt und nicht wenige Krisen gemeistert. Zu nennen wären 2007 die weltweite Bankenkrise, 2008 die Lehmann-Pleite, 2010 Griechenland und die Euro-Schuldenkrise. Aber, ihre Aufmerksamkeit war immer Europa gewidmet. Die Erneuerung der Infrastruktur, wie Deutschlands Bundesbahn, Straßenbau, Digitalisierung, Glasfasernetz, Modernisierung der Schulen und Universitäten, um nur einiges zu benennen, wurde dabei sträflich vernachlässigt. Die dort dringend notwendigen Reformen bleiben seit Jahren auf der Strecke. Ein ausgeglichener Bundeshaushalt hätte in der Vergangenheit Modernisierungsinvestitionen ermöglicht. Die Corona-Pandemie hat nun die Versäumnisse brutal offenbart. Die Welt um uns herum, wie die sich wieder erholende USA, China, Indien und Japan zeigen uns, wo es lang geht. Deutschland wird beim rasanten Erneuerungstempo der führenden Wirtschaftsländer nur schwer mithalten können. Wir drohen abgehängt zu werden.

Ulrich Nasgowitz, Ahrensburg

Ein überzeugender Entwurf

6./7. März: „So schön wird Blankeneses neues Entree“ und Leserbriefe

Die von den Lesern geäußerte Kritik kann ich nicht nachvollziehen. Meiner Auffassung nach überzeugt der Entwurf von Jahnke/Hidde gerade durch seine behutsame Weiterentwicklung einer traditionellen Formensprache. Weitere Standard-Stadtrandsiedlungsbauten oder eher belanglose Neobauhauskopien, die überall stehen könnten, befördern die Qualität der Baukultur in Blankenese sicher nicht.

Markus Erich-Delattre