Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 9. März 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Wo bleibt der Anstand?

8. März: „Maskenaffäre setzt Union unter Druck. CDU-Abgeordneter Löbel zieht sich aus Politik zurück. Parteichef Laschet reicht das nicht

Anstand – sofern vorhanden – gebietet es, unrechtmäßig erhaltene Zuwendungen umgehend dem Geschädigten zurückzuzahlen oder gegebenenfalls zu spenden – selbstverständlich ohne Spendenbescheinigung. Es ist an der Zeit, sich von „solchen Volksvertretern“ umgehend und auf Dauer zu verabschieden. Besonders im Vorfeld der bevorstehenden Wahlen und im Zusammenhang mit den ungelösten Cum-Ex-Geschäften eine großartige Gelegenheit.

Peter Reuter

Konsequenzen tragen

Es betrübt mich zu sehen, wie eigensinnig einige Politiker während der Pandemie agieren. Ich frage mich, für welche Werte die beiden Unionspolitiker stehen und wie sie mit der jetzigen Situation umgehen. Selbst unseren Kindern wird beigebracht, zu Fehlern zu stehen und die Konsequenzen dafür zu tragen. Nicht mal dazu sind die beiden Herren in der Lage.

Thomas Köpke, Itzstedt

Fassaden moderner gestalten

6./7. März: „So schön wird Blankeneses neues Entree“

Das Positive zuerst: Gut, dass die Bebauung des Geländes der ehemaligen Esso- Tankstelle in Dockenhuden nun endlich in Angriff genommen werden soll. Der Plan für eine kleinteilige Bebauung ist eine gute Entscheidung der Architekten und steht in Gegensatz zu den unmaßstäblichen Blockbebauungen, die man überall in ihrer Uniformität antrifft. Gleichwohl empfinden wir die Pläne für rückwärts gewandt. Eine atmosphärisch passende, kleinteilige Bebauung mit geneigtem Dach geht auch moderner. Wir wünschten uns mehr Selbstvertrauen der Planer beim Entwurf. Könnten die Fassaden nicht unsere Zeit widerspiegeln, statt sich der abgegriffenen Formensprache einer postmodernen Vergangenheit zu bedienen? Da ist noch Luft nach oben.

Regine und Dirk Alberts,

Hamburg, Nienstedten

Architektur soll ehrlich sein

Würfelarchitektur war gestern, jetzt machen sich Schinkelverschnitt und verordnete Kuschel-Retroarchitektur breit – und das soll Tausende Autofahrer zum Architekturgenuss – besser: überzuckertem Seelenfastfood – animieren und das Tempo drosseln lassen? Wohl kaum. Die im Abendblatt vorgestellte Architektur ist eine peinliche Irreführung: So beschaulich wie sich die Animation darbietet, so wird sie in der Praxis nie aussehen: Fröhliche Menschen auf dem Vorplatz, Mutter mit Kind und auf der Elbchaussee oder die Ruhe genießenden Passanten! Und davon hat sich Oberbaudirektor Höing blenden lassen, ja, er goutiert den Entwurf sogar! Der Paradigmenwechsel ist eindeutig, aber so einfach ist die Öffentlichkeit nicht hinters Licht zu führen. Architektur soll ehrlich sein, so heißt es im Umgang mit den Traditionen. Hier aber wird das Auge vorsätzlich betrogen – und nicht nur das. Architektur ist keine Modeerscheinung, sie bildet bei Neubauten auch den Zustand unserer Welt/Stadt Hamburg ab. Und wollen wir uns wirklich so repräsentiert sehen, in dem an vielen Stellen so malerisch schönen Blankenese? Wir brauchen gerade an dieser Stelle, dem Entree, eine Architektur mit einem ehrlichen Gesicht, und keine peinliche Maskenverkleidung.

Holger Reiners, Stiftung für Architektur und Wissenschaft

Entwicklungsland Deutschland

6./7. März: „Die schmerzhaften Lehren aus der Pandemie. Corona zeigt brutal die verdrängten Schwächen Deutschlands auf“

Corona lehrt uns: Politik kündigt an, macht Vorschriften und überlässt das Machen und die Verantwortung fürs Gelingen anderen! Das nennt man dezentralisierte Verantwortungslosigkeit. Vorneweg Herr Spahn mit großen Sprüchen, Frau Merkel hintendrein immer mit Angst. Wir haben derzeit eine Ankündigungs- und Verbotsregierung. Schaden vom Volke abzuwenden, verkehrt sich teils ins Gegenteil. Der Bürokratie-Oskar den wir uns um den Hals hängen können zeigt: AstraZeneca-Impfstoff wird öffentlich für Ü 65 jetzt empfohlen, bis aber die Älteren damit geschützt werden dürfen, muss noch ein amtliches Eröterungsverfahren durchgeführt werden, so Gesundheitsminister Garg. Armes Deutschland, wir sind doch noch in Teilen ein Entwicklungsland und hilfebedürftig.

Beat J. T. Sanne

Sitzen auf dem hohen Ross

6./7. März: „,Im Sommer zurück zur Normalität‘. Kanzleramtsminister Helge Braun über das Impftempo und das Ende der Corona-Beschränkungen“

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kanzleramtsminister Braun recht behält, und wir schon im Sommer zur Normalität zurückkehren. Bei dem gegenwärtigen Impftempo dürften wir frühestens im nächsten Frühjahr mit den Impfungen durch sein. Anfangs wurden wir von den anderen Staaten noch für den Umgang mit dem Virus gelobt, das hat sich jetzt gründlich geändert: Jetzt werden wir von den anderen nur noch mitleidig belächelt. Staaten wie Dänemark, Großbritannien, Israel, Österreich und die USA machen es wesentlich besser und effektiver, hier können wir noch etwas lernen, aber das will ja keiner, wir sitzen ja auf einem hohen Ross und sind die Besten. Herrn Tschentscher ist mit Recht der Kragen geplatzt, als er sagte, der Bund kriege es einfach nicht hin – der Bund und die hauptverantwortliche CDU, allen voran die Kanzlerin und ihr Gesundheitsminister Spahn. Schon die Bestellung des Impfstoffs ist gründlich in die Hose gegangen und das gleiche wiederholt sich jetzt bei den Schnelltests. Wir verharren im Klein-Klein, den Vorschriften und versäumen dabei das Wesentliche. Nicht umsonst ist die CDU inzwischen mit Recht in den Umfragen unter 30 Prozent gefallen und die linken und rechten Ränder erstarken. Das Schlimmste an dieser Posse ist, dass hier unnötig Menschenleben geopfert wurden und natürlich niemand dafür verantwortlich ist. Schließlich wurden die Vorschriften eingehalten.

Helmut Jung

Was hätte Schmidt getan?

5. März: Leitartikel: „Zeit für echte Profis. Im Kampf gegen Corona braucht es mehr Macher und weniger Bürokratie“

Helmut Schmidt hätte schon im letzten Jahr damit begonnen, Nägel mit Köpfen zu machen, ohne die ganze Bürokratie. Er hätte für genügend Impfstoff gesorgt und dass schon längst viel mehr Menschen geimpft wären. Alleine die Schul-, Betriebs- und Hausärzte hätte er von Anfang an mit eingebunden, davon bin ich fest von überzeugt. Dann wäre schon viel mehr geschafft und weniger Leid im Land.

Frank Schlichting

Ewiger Lockdown

5. März: Grafik: „Die fünf Stufen des Öffnungsplans“

Ich bin 14 Jahre alt und gehe auf ein Gymnasium in Hamburg. Ich bin seit Mitte Dezember im Homeschooling und ich vermisse die Schule immer mehr. Mir fehlt die Gemeinsamkeit in der Klasse, das gemeinsame Lernen in Gruppenarbeiten, der Austausch über neue Themen und die generelle Atmosphäre. Zudem kann ich im Homeschooling auch einfach deutlich schlechter lernen. Die meisten Lehrer sind zwar engagiert, aber dennoch fällt es mir deutlich schwerer, neue Dinge zu verstehen. Als ich vor einigen Tagen erfahren habe, dass für mich (8. Klasse) der Präsenzunterricht nach den Märzferien nicht mal im Wechselunterricht anfängt, war ich sehr enttäuscht. Schon letztes Jahr war ich fast ein halbes Schuljahr im Homeschooling (von Ende Februar bis zu den Sommerferien hatte ich ganze drei Schultage) und jetzt ist es fast ein viertel Jahr bereits wieder nur Fernunterricht. Zudem dürfen jetzt sogar einige Jahrgänge wieder in den Wechselunterricht und da frage ich mich, wieso nicht alle? Zurzeit habe ich wieder das Gefühl, wir wurden vergessen bzw. unsere Bedürfnisse werden nicht für wichtig gehalten.

Maike Engler, 14 Jahre