Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 1. März 2021

Lesedauer: 7 Minuten

Das macht niemand aus Spaß

26. Februar: „Trotz Lockdown: So viele Strafzettel für Hamburgs Falschparker wie noch nie“

In dem Artikel wird davon gesprochen, dass immer mehr Hamburger die Falschparker anschwärzen. Anschwärzen ist der falsche Begriff, denn was sollen die Bürger machen, wenn Polizei oder LBV (Landesbetrieb Verkehr) nicht tätig werden. Sich mit dem Auto auf den Fuß- oder Radweg zu stellen und diesen dadurch unpassierbar zu machen, ist asozial und es ist daher gerechtfertigt eine Anzeige zu schreiben. Den Aufwand nimmt sicherlich niemand aus Spaß auf sich.

Matthias Christen

Unbefriedigende Regelung

Das Problem mit der im Artikel beschriebenen Parkraumbewirtschaftung ist, dass sie sich nur um reguläre Parkflächen kümmert. Also nur um Fahrzeuge die zwar örtlich richtig stehen, aber nicht oder nicht genug bezahlt haben. Zum Beispiel werden an der Hammerbrookstraße häufig die Bürgersteige mit Autos zugeparkt. Da diese Flächen jedoch nicht zum regulären „Parkraum“ gehören, muss extra die Polizei kommen. Diese Regelung ist nicht befriedigend, weil keiner das Fehlverhalten maßregelt, obwohl Fußgänger leiden.

Martin Bauer

Das ist keine Gängelei

26. Februar: Leserbrief: „Bürger werden gegängelt“

Ich finde es nicht in Ordnung einfach zu sagen, der Bürger wird gegängelt. Hier werden doch einfach die Tatsachen verwischt. Vielleicht sollten sich die Bürger mal fragen, warum die Regeln immer weiter verschärft werden (vor allem diejenigen, die sich nicht daran halten). Muss man eigentlich in Corona-Zeiten in Massen um die Alster spazieren gehen? Muss man immer da joggen, wo viele joggen? Hamburg ist so groß, hat so viele Grünflächen, aber viele müssen sich unbedingt immer auf einem Haufen treffen. Was bleibt dem Senat denn anderes übrig, wenn die Zahlen steigen und viele sich einfach nicht an die Regeln halten. Das ist in meinen Augen kein gängeln, das ist für mich eine logische Folge. Ernst Martinek

Ein Rufer in der Wüste

25. Februar: Gastbeitrag: „Wiesendangers Wuhan-Studie ein wichtiger Anstoß?“

Respekt! Welch ein unerwarteter Lichtblick in dieser Zeit, liest man eine solch fundierte Kritik und Mahnung! Die man eigentlich selber hätte schreiben mögen, wenn nicht eine innere Stimme zu Skepsis, vielleicht schon zu Resignation mahnte: Ist doch zwecklos, gegen den Mainstream anzuschreiben... Aber zum Lichtblick will doch keine große Freude aufkommen, denn gehört der scharfsinnige Herr Strate nicht zu den wenigen „Rufern in der Wüste“? Also wüssten wir sehr gern, wie viele Menschen, wie viele Hamburger, wie viele Leser ähnlich wissenschaftlich und kritisch denken.

Dr. Horst Kreussler

Wo bleibt Glaubwürdigkeit?

Der Autor Gerhard Strate mag ein exzellenter Strafverteidiger sein, dass das Abendblatt aber einen langen Gastbeitrag von ihm zur Studie von Professor Wiesendanger veröffentlicht, ärgert mich. Gerhard Strate hat nicht verstanden, dass es einen Unterschied gibt zwischen freier Meinungsäußerung und wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit. Universitäten sind nach meinem Verständnis der Wissenschaft verpflichtet und diese unterliegt strengen Regeln, wie z.B. einem „Peer Review“ Prozess. Die Studie von Professor Wiesendanger hätte wegen mangelnder wissenschaftlicher Qualität nie eine Chance gehabt, in einer wissenschaftlichen Zeitschrift veröffentlicht zu werden. Daher ist es meiner Ansicht nach falsch gewesen, dass sie über die Pressestelle einer wissenschaftlich orientierten Hochschule unters Volk gebracht wurde. Das Hamburger Abendblatt gibt viel Raum für einen Gastbeitrag eines Autors, der zwar in der Öffentlichkeit bekannt ist, aber den Unterschied zwischen Wissenschaft und Meinungsäußerung nicht verstanden hat. Ich bin kein Leserbriefschreiber, aber als ich die Studie von Prof. Wiesendanger gelesen habe, war ich wie die meisten meiner wissenschaftlich arbeitenden Kollegen, die lange Zeit mit Viren gearbeitet habe, erbost.

Prof. Dr. Dr. Hans Steinhart

Ausweichen, aber wohin?

25. Februar: „Joggen mit Maske – ein Selbstversuch“

Danke an das Hamburger Abendblatt für diesen Selbstversuch. Allerdings wurde dieser von einem gesunden jungen Mann und Sportler durchgeführt. Joggen tun aber auch durchaus ältere und nicht ganz so gesunde Menschen. Für diejenigen ist die Maske eine Zumutung beim Sport und auch beim Spazierengehen an der frischen Luft. Wirklich sehr gut finde ich den Vergleich zur medizinischen Maske, da es sehr unangenehm ist, irgendwelche Stoffe „gefühlt“ im Mund zu haben. Das Fazit woanders auszuweichen, ist nur eine Möglichkeit. Diese geht allerdings an der Sache vorbei, denn die Maskenpflicht gilt auch für Spaziergänger. Wohin wollen die alle ausweichen? Wenn alle ausweichen auf andere Strecken, wird es dort genauso voll. Fakt ist, dass es nicht gesund sein kann, mit Maske an der frischen Luft Sport zu machen. Fakt ist auch, dass aufgrund der genannten einen Sekunde Kontaktzeit bei einem Abstand von bis zu 1,50 Meter kein nennenswertes Risiko einer Infektion besteht. Das ist in jedem Supermarkt größer. Wir dürfen uns die wenigen gebliebenen sportlichen Freiheiten vor dem Hintergrund der weiter (wenn auch nur langsam) laufenden Impfungen nicht mehr erschweren lassen. Insofern bin ich ganz klar dafür, ohne Maske an den genannten Orten spazieren zu gehen und auch zu joggen.

Stefan Halstenbach

Inakzeptable Nachlässigkeit

26. Februar: „Steinmeier: Vorbehalte gegen AstraZeneca ,Luxusproblem‘“

Hier gibt es nicht nur ein Luxusproblem, sondern auch völlig inakzeptable Nachlässigkeit bei verantwortlichen Politikern und nationalen Prüfbehörden. Es ist ohnehin nicht zu verstehen, dass in Deutschland die über 65-Jährigen von der Impfung mit AstraZeneca ausgeschlossen sind. Hochangesehene Experten halten das für eine Fehlentscheidung. Dieses Vakzin ist nicht nur in Großbritannien bei Älteren inzwischen millionenfach geimpft und hat sich als hochwirksam bewährt. Bei uns lagern mindestens Hunderttausende verschmähte Dosen. Ich halte es für fahrlässig, wenn verantwortliche Entscheider AstraZeneca nicht unverzüglich auch über 70-jährigen Risikopatienten mit Vorerkrankungen in der Risikogruppe 2 auf freiwilliger Basis anbieten.

Volker Deising

Für mich eine fatale Situation

Ist dem Präsidenten bekannt, dass zu dem schlechten Ruf die „eigene“ Impfkommission beigetragen hat? Diese hat nämlich auf einem deutschen Sonderweg bestanden und im Gegensatz zur europäischen Impfkommission (EMA) die Zulassung mit schwacher Begründung auf bis 65-Jährige beschränkt. Das führt übrigens für mich mit meinen 80 Jahren zu einer fatalen Situation: AstraZeneca zur Verfügung, nicht erlaubt. Biontec und Moderna erlaubt, aber nicht zur Verfügung.

Jochim Trede

Plausible Maßnahmen

26. Februar: Leitartikel: „Es geht um Gerechtigkeit“

Natürlich ist das Absenken der Kontakte wichtig, allerdings müssen dann auch die Maßnahmen plausibel sein. Vor dem Hintergrund des Staatsversagens – Masken nein, weil man keine hatte, dann ja, weil sie da waren, fehlende Digitalisierung der Gesundheitsämter und der Schulen, unbrauchbare Corona-App, viel zu späte Bestellung des Impfstoffs, viel zu langsame Testungen, viel zu späte Auszahlungen der Hilfen – fiel den Regierenden nur der Lockdown ein. Es ist ja einfacher, auf die Bevölkerung zu zeigen, die Regeln nicht einhält, als selber seinen Aufgaben nachzukommen.

Hans-Volker Domjahn