Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 25. Februar 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Es fehlt eine klare Strategie

24. Februar: „Wer bekommt den übrig gebliebenen Impfstoff?“

Haben wir eigentlich wirklich die Zeit, Millionen Impfstoffe verfallen zu lassen? Begreifen normal gebildete Menschen nicht, dass in dieser Pandemie eine flächendeckende Durchimpfung der Bevölkerung unsere einzige Chance ist, bald wieder in ein halbwegs normales Leben zurückkehren zu können? Warum werden jetzt nicht sofort mobile Impfteams in Schulen, Kindergärten und zu Praxisärzten geschickt, um das dortige Personal zu impfen, dann auch Polizei und Feuerwehr sowie Handwerker, also all jene, die den Laden am Laufen halten und viele Kontakte haben? Stattdessen wird hier in endlosen Talkshows und Politiker-Runden diskutiert, ohne dass diese wichtigen wirksamen Sofortmaßnahmen in Gang gesetzt werden. Es ist ein Skandal, dass Schulen und Kitas bereits jetzt wieder öffnen, ohne dass vorher Lehrer und Erzieher geimpft wurden. Es fehlt eine klare Strategie, in welcher sinnvollen Reihenfolge vorzugehen ist. Der deutsche Bürokratiewahnsinn, ein Ethikrat, der hier auch noch ausbremst, und die vielen Impfverweigerer sind ein großes Hemmnis im Kampf gegen ein schnell mutierendes Virus. So können wir den Kampf nicht gewinnen bzw. werden noch lange von einer Normalisierung träumen müssen.

Annelie Kirchner

Menschen werden bestraft

24. Februar: „Maske tragen auch beim Joggen: Hamburg verschärft Regeln drastisch. Mundschutz wird Pflicht für Spielplätze, Stadtpark, Alster, Elbufer und City. Infektions-Zahlen steigen wieder an“

Die neuste Verschärfung der Maskenpflicht beim Spaziergang und Joggen an der Alster und Elbe kann ich nicht nachvollziehen. Bisher galt die Ansteckungsgefahr draußen, bei Abstand nicht als gegeben und Masken damit als überflüssig. Welche neuen wissenschaftlichen Ergebnisse gibt es, dass Masken nun auch draußen notwendig sein sollen? In Hamburg-Nord, wo ich täglich jogge und spazieren gehe, weil mein Sportverein zu ist, waren viele Menschen bei dem schönen Wetter draußen, aber fast alle hielten den Abstand ein. Warum werden diese Menschen jetzt mit der Ausweitung der Maskenpflicht bestraft? Meines Erachtens wäre es wesentlich sinnvoller dafür zu sorgen, dass auch Kassierer in den Supermärkten und Discountern oder Paketshops Masken tragen. Friseurläden sollten verpflichtet werden, nach jedem Kunden 15 Minuten zu lüften, statt wie im Herbst alles dicht zu machen, weil es zu kalt ist. Hier wird am falschen Ende angesetzt und die Bereitschaft der Menschen mitzumachen, weiter untergraben. Dr. Maren Franz

Rettender Sprung ins Gebüsch

„Maske tragen besonders beim Joggen“ wäre die bessere Überschrift gewesen. Im Eichtalpark und entlang der Wandse sind die etwa zwei Meter breiten Wege von Joggern bevölkert. Prustend und schnaufend von hinten und von vorn auf Tuchfühlung laufen sie an „normalen“ Fußgängern vorbei. Oft sind es Duos. Wenn gerade zwei nebeneinander laufende Jogger sich nur auf ihre laut geführte Unterhaltung beim Überholvorgang konzentrieren, und von vorn ein Pulk dieser menschlichen Lokomotiven angeschnauft kommt, bleibt dem Spaziergänger nur ein rettender Sprung seitlich in die Büsche oder in die Uferböschung der Wandse. AHA-Regeln scheinen diese „Sportler“ nicht zu kennen.

Hans Garbaden, Hamburg

Ich kann es nicht fassen!

Maskenpflicht beim Alsterspaziergang und beim Joggen? Demnächst wird noch das gute Wetter verboten, damit die Menschen nicht mehr auf die Straße gehen. Ich kann es nicht fassen! Was muss eigentlich noch alles passieren, damit vor allem bei unseren Politikern endlich mal ein grundsätzliches Umdenken stattfindet? Dieses ewige, pure Anstarren von Inzidenzzahlen und das ganze Leben davon abhängig zu machen, ist der Wahnsinn! Dieses Virus wird sich verändern bzw. mutieren. Das ist so. Das machen Viren. Immer. Wann begreifen unsere Politiker endlich, dass wir damit leben müssen. Und das wird gehen. Man kann die Manpower darauf ausrichten, Risikogruppen zu schützen. Und die Menschen, die sich selber schützen wollen, können und sollen es selber tun. Man kann uns doch nicht ewig wegsperren und uns fast täglich neue Beschränkungen aufoktroyieren. Die Wirtschaft ist eh schon am Ende. Wie tief in den Orkus soll sie denn noch getreten werden, um noch mehr Existenzen zu vernichten und auszulöschen? Es ist unfassbar, was täglich geschieht und beschieden wird. Ich verliere immer mehr Vertrauen in unsere Politiker!

Jochen Brachmann

Keine Gefahr an frischer Luft

Noch in Ihrer Ausgabe vom Dienstag stand auf Seite 17, dass „Joggen, Laufen, Wandern und Spazierengehen laut der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAef) in Köln absolut ungefährlich sei“. Nur einen Tag später will der Hamburger Senat eine Maskenpflicht überall dort einführen, wo der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Und das soll auch für Jogger gelten? Man hat inzwischen das Gefühl, dass die Politik alles daran setzt, dass die Menschen zu Hause bleiben sollen. Unabhängig davon, was die Wissenschaft sagt. Dabei ist doch immer wieder zu lesen, dass es an der frischen Luft auch ohne Maske am ungefährlichsten ist. Es ist zu befürchten, dass durch diese Maßnahmen übergewichtige und unbewegliche Stubenhocker herangezogen werden.

Malte Gumpricht, Hamburg

Ist das Satire?

23. Februar: „Langenhorn: Streit um Wohnungsbau. Grüner Bezirksamtsleiter bittet Senat um Weisung. CDU: ,Bürgerrechte ausgehebelt‘“

Na toll, nun sollen also nach der Feldmark in Hummelsbüttel auch in Langenhorn in einem Landschaftsschutzgebiet Wohnungen gebaut werden. 700 Wohneinheiten im Diekmoor, dicht an der alten Wohnstätte von Loki und Helmut Schmidt, forciert durch einen Bezirksamtsleiter von den Grünen und, wie man liest, unter Aushebelung der Bürgerrechte. Hört sich etwas nach Satire an – „Der König von Köln“ lässt grüßen. 700 Wohnungen ballen vielleicht 700 Familien mit Autos auf dem Areal zusammen, aber das Bauprojekt verdrängt nicht nur die Kleingartenparzellen, sondern sicher auch die an den angrenzenden Bachläufen noch zu beobachtenden Eisvögel. Von der CO2-Bilanz des Projektes ganz zu schweigen. Passt zu der Idee des Bezirksamtes Nord, an der Tangstedter Landstraße für einen breiten Radweg alte Straßenbäume gegen Parkplätze aufzurechnen. Dabei verläuft 100 Meter parallel ein altes Gleisbett neben der U1 und drängt sich als ampelloser Radweg in die Innenstadt geradezu auf. So vergraulen die Grünen ihre Stammwählerschaft in Langenhorn und wären die Schmidts noch am Leben, würde es die Bebauung in ihrer Nachbarschaft in dieser Weise sicher nicht geben.

Susanne und Michael Hahn,

Langenhorn

Blick über Nierenschale hinaus

23. Februar: „Leben ist mehr als Corona.Wir haben ein hartes Jahr hinter uns, weil ein Virus zeigte, wie verletzlich wir sind – sagt Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer in einem Gastbeitrag“

Herr Dietrich Grönemeyer, nicht Herbert, schreibt einen Grundsatzartikel, der es in sich hat und weit über Bochum und Medizin hinaus dem Virus den Kampf ansagt – kenntnisreich, ideenreich, reich an Optimismus. Aufklärend auf den unterschiedlichsten Ebenen, setzt er als oberste Zielsetzung „die Wissenden“ voraus, die mit gesundheitlichen Gefahren und Risiken richtig umzugehen lernten und zwar am besten schon vorab in der Schule im „regulären Gesundheitsunterricht“. Dabei konfrontiert er uns mit unserem Nichtwissen, z.B. wie es uns ergehe, haben wir uns erst einmal angesteckt, oder „dass sich ein Geimpfter noch Tage nach der Impfung anstecken und vielleicht selbst Überträger sein kann.“ Grönemeyer ermuntert zu „Freude trotz allem“, was aber nicht mit Sorglosigkeit zu verwechseln sei. Er sieht zukünftige Stärke in einer über Disziplingrenzen hinweg tabulos vernetzten „ganzheitlichen Weltsicht“. Dieser Arzt blickt weit über die Nierenschale der Medizin hinaus.

Norbert Richter, Henstedt-Ulzburg