Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. Februar 2021

Lesedauer: 7 Minuten

Rote Karte für Synagoge

22. Februar: „Widerstand aus Israel gegen Synagogen-Aufbau. Historiker Moshe Zimmermann fürchtet „Rückfall der Erinnerungskultur“. Auch Ex-Botschafter Avi Primor unterzeichnet Erklärung der 45

Die „Erklärung der 45“ ist hoffentlich die rote Karte für das überdimensionierte Projekt des originalgetreuen Wiederaufbaus der Bornplatz-Synagoge. Die Idee hierzu ist geboren aus einer naiven und willfährigen Political Correctness hierzulande. Wem nützt eine später kaum genutzte riesige Synagoge? Ein Teil der Fördermittel sollte lieber in (kulturelle) Veranstaltungen und Begegnungen mit jüdischen Mitbürgern und Menschen aus Israel investiert werden.

Norbert Schäfer

Ein wichtiges Zeichen

Wieso mischen sich so viele in diese Entscheidung ein? Es gibt viel zu wenige Synagogen in Hamburg. Ich lebe im Grindelviertel und blicke auf die Alte und Neue Klaus, die ehemalige Synagoge, die heute auch keine mehr ist. Wollen wir diese wunderbare Kultur erhalten oder nicht? Warum darf es so viele evangelische und katholische Kirchen geben, aber keine zweite Synagoge in Hamburg? Dabei haben wir der jiddischen Kultur und Religion so viel zu verdanken. Es wäre gerade jetzt ein so wichtiges Zeichen, auch für die zukünftigen Generationen.

Olena Kushpler

Ein Stück jüdisches Leben

Ich hätte mich sehr gefreut, wenn im Grindelviertel wieder ein Stück repräsentatives jüdisches Leben sichtbar geworden wäre. Auf der anderen Seite, sollte man die Pläne nicht weiter verfolgen, wenn dies nicht von der jüdischen Gemeinde gewünscht wird. Ich kann mit beiden Varianten leben und es jedem recht machen, kann man es sowieso nicht.

Christiane Dornecker

Exzellente Analyse

20./21. Februar: „Die übersehenen Folgeschäden von Corona. Was der Lockdown mit der Gesellschaft, der Wirtschaft und den Kindern anrichtet, steht noch dahin. Aber die Folgen werden uns noch beschäftigen, wenn kaum mehr jemand von Corona sprechen wird“

Während unsere Regierungen bei ihren Corona-Entscheidungen nur den Tunnel im Blick haben und schwer nachvollziehbare Entscheidungen treffen, bietet der Autor mit seiner exzellenten Analyse einen Rundumblick und schaut sachlich über den Tellerrand hinaus. Dieser Artikel sollte eine Pflichtlektüre für alle Politiker werden, die unsere Grundrechte missachten, an Parlamenten vorbei agieren und ihre teils nur schwer nachvollziehbaren Lockdown-Entscheidungen an nur einer Kennzahl festmachen. Wer soll die gigantischen Corona-Hilfen des Staates erwirtschaften, wenn fast alle Geschäfte zwangsgeschlossen sind und viele davon in die Insolvenz getrieben werden und nicht mehr öffnen? Mit Sorge blicke ich auf die kommenden Wahlen, wenn der eine oder andere Politiker seine Quittung für seine Konzeptlosigkeit bekommt.­

Michael Frey, Hamburg

Es fehlen Alternativen

Sie haben die Folgeschäden ja richtig dargestellt, aber glauben Sie im Ernst, dass sie von der Politik „übersehen“ worden sind? Diese Folgeschäden liegen doch auf der Hand, so dass selbst die (leider) oft als unfähig dargestellten Politiker das nicht übersehen haben. Im Übrigen vermisse ich in Ihrem Artikel Alternativen. Hätte die Regierung (entgegen der Empfehlungen fast aller führenden Wissenschaftler) auf den Lockdown verzichten sollen mit viel größeren Folgeschäden?

Rolf Garber

Über Leerstand nachdenken

20./21. Februar: „Wahrheit, Zuspitzung und Wahlkampf. Die Debatte über Eigenheime bringt die Ökopartei in Bedrängnis“

Was für ein Tohuwabohu um den Neubau von Einfamilien- und Reihenhäusern in Ballungsräumen. Der Grünen-Fraktionschef im Bundestag Anton Hofreiter hat sich mit seiner Äußerung keinen Gefallen getan, auch nicht bei seinen engsten Parteifreunden, denn es stehen einige Wahlen an. Bauherren werden künftig „Zweifamilienhäuser“ in Auftrag geben, um noch mehr Wohnraum zu schaffen. Und wem das nicht reicht, der hat eine Zweitwohnung am Meer oder die Finca in Spanien. Allgemein sollte viel mehr über den jahrelangen großen Leerstand von Immobilien in Metropolen nachgedacht werden. Umgebaute Geschäftsräume sollten wieder in den Urzustand von Wohnungen gesetzt werden. Steuerliche Abschreibungen von Leerständen sowie hohe Mietpreise sind weitere Missstände, die in Großstädten vorhanden sind. Rita Humpke

Das verstehe ich nicht mehr...

20./21. Februar: „Spielzeug und Ranzen aus dem Drogeriemarkt – warum ist das im Lockdown erlaubt?“

Die Corona-Politik unserer Regierung verstehe ich schon lange nicht mehr. Bei Drogerie Müller dürfen sich die Menschen drängeln, in den Supermärkten mit den engen Gängen kann man keinen 1,50-Meter-Abstand halten, egal. In den Bussen des ÖVP darf alles rein was rein geht, Abstand? Egal! Aber die kleinen Händler dürfen nicht öffnen, obwohl in den Läden eine Begrenzung der Kunden sehr gut umzusetzen wäre. Verstehe ich nicht! Da muss sich niemand wundern, wenn die Bürger langsam die Nase voll haben. Dazu kommt dann noch das peinliche Impfdesaster. Jedes Entwicklungsland würde das besser organisieren.

Karin Campbell

Beispiel Athen

Das zeigt doch eindeutig, wie planlos die Politik agiert. Friseure dürfen aufmachen, obwohl sie deutlich dichter an den Kunden sind als etwa Kellner. Bestimmte Läden dürfen alles verkaufen, was andere nicht dürfen. Was für ein Blödsinn! Hier in Athen ist die Regel ganz klar: Das, was andere Läden nicht verkaufen dürfen, dürfen auch Drogerien und Supermärkte nicht verkaufen – die Sortimente sind gesperrt. Das sorgt für zumindest ein bisschen Gerechtigkeit. Was derzeit in Deutschland abgeht, scheint absolutes Chaos zu sein – so wirkt es zumindest hier im Ausland. Die Qualität der Politiker zeigt sich eben in der Krise, nicht bei Schönwetter.

Jörg Ökonomou

Duelle mit Schalke 04?

22. Februar: „Eine Niederlage für die Geschichtsbücher. Ähnlich wie beim letzten Aufeinandertreffen in Würzburg vor 91 Jahren geht der HSV auch bei der Pflichtspielpremiere mit 2:3 unter“

Will der HSV nicht aufsteigen? Anscheinend ist auch Trainer Thioune nicht in der Lage, den schon chronischen Leistungseinbruch in der Rückrunde beim HSV zu verhindern. Nach dieser peinlichen Niederlage gegen den Tabellenletzten und angesichts der nun anstehenden schweren Aufgaben gegen Hannover, St. Pauli, Bochum und Kiel wird die Wahrscheinlichkeit immer größer, dass es die Rothosen auch im dritten Anlauf nicht wieder ins Fußball-Oberhaus schaffen. Dafür dürfen sich alle HSV-Fans damit trösten, dass es künftig auch rassige Duelle mit Schalke 04 geben wird.

Martin Wucherpfennig

Schäbiger Umgang

20./21. Februar: „,Das Einzeltraining war nicht nachvollziehbar‘. Der langjährige Stammtorhüter Robin Himmelmann spricht erstmals ausführlich über seinen unfreiwilligen Abschied vom FC St. Pauli“

Das Interview verdeutlicht nochmals, wie sehr sich die Verantwortlichen des FC St. Pauli im Umgang mit ihrem langjährigen Torhüter disqualifiziert und dem Club damit Sympathien gekostet haben. Die soziale Ausgrenzung Himmelmanns durch das Einzeltraining lässt erkennen, wie schäbig der menschliche Umgang in diesem Fall war. Insofern handelt es sich letztlich um einen banalen inszenierten Mythos, wenn St. Pauli der Öffentlichkeit zu suggerieren versucht, es handele sich um einen „anderen Verein“. Die Wirklichkeit sieht tatsächlich anders aus.

Dr. Felix Haedayet, Hamburg