Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. Februar 2021

Lesedauer: 7 Minuten

Und die älteren Kinder?

19. Februar: „Senator Rabes Pläne für die Schulöffnung. Eine zentrale Rolle spielen Schnelltests. Zwei Varianten werden vorbereitet. Wechselunterricht oder volle Präsenz?“

In dem Artikel werden mit keinem Wort die Pläne für die weiterführenden Schulen erwähnt. Was ist denn mit den älteren Kindern? Ist diese Gruppe jetzt gänzlich aus dem Fokus gerückt? Warum wird kein Plan vorgelegt, wie es mit allen Schülern nach den Märzferien weitergehen soll? Unsere Familie gehört nicht zu den „sozial schwachen Familien“ und dennoch habe ich das Gefühl, dass unsere Kinder abgehängt werden. Da nützt auch keine gute Hard- oder Softwareausstattung etwas!

Anja Wischnewski, Hamburg

Immer wieder vertröstet

18. Februar: „Jetzt werden 200.000 weitere Hamburger geimpft. Senatorin kündigt Einladungen an Menschen der ,Prioritätsgruppe II‘ an: etwa Polizisten, Soldaten und wohl auch Lehrer und Erzieher“

Voller Stolz erklärt die zuständige Senatorin, dass jetzt weitere 200.000 Hamburger aus der Prioritätsgruppe II zur Impfung eingeladen werden. Meine Eltern sind 83 Jahre alt und gehören zur Prioritätsgruppe I. Seit Wochen versuche ich vergeblich online und telefonisch einen Impftermin zu erhalten und werde immer wieder auf die nächste Woche vertröstet. Die Senatorin schafft es noch nicht einmal die erste Gruppe ausreichend zu versorgen und lädt jetzt weitere Personen zum Impfen ein. Der Kampf um die wenigen Impftermine vergrößert sich dadurch. Die Senatorin Leonhard hat keine Impftermine, erweitert jetzt auch noch das Chaos durch zusätzliche Einladungen und will uns das als Erfolg verkaufen.

Carsten L. Lüdemann

Nicht der richtige Weg

16. Februar: Gastbeitrag: „Denken und gemeinsames Handeln ist besser als ,Querdenken‘“

Wilfried Maier hat recht, wenn er diagnostiziert, dass nichts so sehr gegen Populisten und Verschwörungstheoretiker hilft wie die praktische Wahrnehmung von Verantwortung für unser Gemeinwesen. Er irrt jedoch, wenn er dafür den Bürgern die Beteiligung an Stadtteil- und Bürgerräten empfiehlt. Das Erbe der republikanischen Selbstregierung unserer Stadt ist nicht eine Rätedemokratie, sondern die Parteiendemokratie. In ihr ist jeder Bürger aufgerufen, in den politischen Parteien an der demokratischen Willensbildung mitzuwirken. Dies ist der Königsweg. Die Teilnahme an den heute so viel gepriesenen Beratungsgremien sind allenfalls Zubringerstraßen, oft auch Irrwege. Denn da nun einmal nicht alle Wahlberechtigten an den Bürgerräten teilnehmen können, müssen die von den Parteien aufgestellten und durch die allgemeine Wahl legitimierten Abgeordneten die notwendigen Entscheidungen treffen. Ich wundere mich, dass ein so prominenter und erfahrener Politiker wie Wilfried Maier, der doch weiß, dass Demokratie in einem Massenstaat nur mit Hilfe der Parteien realisiert werden kann und dass diese auch dringend auf aktive, fantasievolle und tatkräftige Mitglieder angewiesen sind, nicht den Mut hat, den interessierten Bürgern den richtigen Weg aufzuzeigen.

Dr. Wolf-Dieter Hauenschild

Scheinheilig und unwürdig

18. Februar: „Namibiaholz für Wärme in Hamburg? Robin Wood kritisiert Pläne der Umweltbehörde. Offener Brief an Bundesminister“

Diese Diskussion um vermeintlich klimaneutrales Buschholz aus Namibia ist sowas von scheinheilig und eines grünen Umweltsenators unwürdig. Wenn uns Deutschen wirklich etwas am Klima gelegen ist, sollten wir Namibia in die Lage versetzen, ein eigenes Kraftwerk zur Verstromung bzw. Energieerzeugung aus ihrem Buschholz zu errichten. Ich hoffe auf eine Intervention des Entwicklungshilfeministers.

Dirk Köppel, Hamburg

Globale Bilanzen beachten

Wieder einmal zeigen die Grünen in Hamburg, dass bei Umweltschutz und Nachhaltigkeit im ersten Ansatz eine gewaltige Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft. Wie kann es angehen, dass die Umweltbehörde unter ihrem Grünen-Senator auch nur einen Gedanken darauf verschwendet, ein Holz-Heizkraftwerk zu bauen und den Brennstoff dafür aus Namibia im Süden Afrikas zu importieren. Gibt es keine Holzreste in Deutschland? Damit wird in einem Land, das in weiten Teilen aride Gebiete aufweist und damit Bewuchs und insbesondere Baumbewuchs eher Mangelware ist, gegebenenfalls Raubbau an der grünen Lunge des Landes befördert wird. Es ist klar, dass sich für Hamburg mit seinem sehr, sehr geringen Anteil an der globalen Landfläche noch eine positive CO2-Bilanz rechnen lässt. Doch Hamburg ist nicht isoliert zu betrachten. Es ist auch immer von Nöten, die globalen Bilanzen im Auge zu behalten und nicht in anderen Gegenden der Welt höhere CO2-Emissionen zu generieren und damit eine weltweit eine negative CO2-Bilanz zu befördern.

Heinz-Dieter Detzner

Entscheidung ohne Vernunft

15. Februar: „CDU-Chef Ploß für bundesweite Öffnung von Baumärkten“

Nach den Supermärkten sollen nun auch die Baumärkte wieder öffnen dürfen. Klingt gar nicht unvernünftig, wenn die Zahl der Käufer durch einen strikt einzuhaltenden Flächenindex begrenzt wird. Doch warum nur der großflächige Einzelhandel? Nach der gleichen Regel liesse sich auch die Zahl der Käufer in kleineren Läden begrenzen. Ach ja: Die Pleite einer Supermarkt-Kette bringt viele Arbeitsplätze in Gefahr. Doch die Arbeitsplätze vieler kleiner Einzelhandelsläden addieren sich auch zu einer großen Zahl. Einer Zahl, die größer ist als bei Supermärkten oder Baumärkten. Hat die Vernunft bei den gewählten Politikern keine Chance?

Hans Lafrenz

Keine böse Absicht

18. Februar: „Untreue-Vorwurf gegen Schulleiter. 20.000 Euro für Bücher gezahlt. Ermittlung gegen Chef des Gymnasiums Blankenese“

Dem Schulleiter des Gymnasiums Blankenese ist bestimmt keine böse Absicht, aber große Blauäugigkeit vorzuwerfen. Hätte er sich vorher bei einschlägigen Plattformen wie z.B. eBay-Kleinanzeigen bzw. eBay-Auktion und ähnlichen informiert, dann hätte er festgestellt, dass DVDs mit zeitgenössischen Filmen für ein bis zwei Euro und Bücher – auch hochwertige Primär- und Sekundärliteratur – sehr preiswert, d. h. deutlich unter dem halben Neupreis, gehandelt werden. Um nur ein Beispiel zu nennen: „Lola rennt“ versuche ich originalverpackt seit geraumer Zeit für einen Euro zu verkaufen. Den halben Neupreis für gebrauchte DVDs und Bücher zu zahlen, ist daher abwegig und ein sehr guter Deal für den ehemaligen Kollegen gewesen. Zieht man allerdings Plattformen von professionellen Händlern zur Preisgestaltung heran, dann zeigt sich, dass diese die gleichen Bücher, die u. a. bei eBay zu den oben genannten Preisen angeboten werden, für völlig überhöhte „Mondpreise“ offerieren.

Renate Mutz, Hamburg

Eisbaden macht süchtig

18. Februar: „Eisbaden – der Winterspaß für die ganz Harten. Bei nur zwei Grad in der Elbe schwimmen? Das kann gesund sein. Ärzte raten dennoch zur Vorsicht. Was Anfänger beachten sollten“

Vorsicht ist geboten beim Eisbaden, denn es macht süchtig. Ich habe in diesem Winter diese Erfahrung machen müssen. Nachdem ich zuvor nur im Sommer im Anschluss an einen halbstündigen Lauf an der Elbe den Sprung ins Wasser gewagt hatte, erzählten mir zwei nette Damen am Elbstrand, dass sie dies auch im Winter fortsetzen werden. Ich fühlte mich in meiner Ehre als Mann gepackt und bin nun seit Anfang November jedes Wochenende unter den Augen meiner zwei Damen im Wasser gewesen. Anfangs unter Druck der Männerehre, aber inzwischen freiwillig mit Vorfreude, wenn nicht sogar mit Suchterscheinung. Dank an die Damen an dieser Stelle.

Dietrich Moehle von Hoffmannswaldau