Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 18. Februar 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Bürgerschaft soll entscheiden

17. Februar: „Wann ist der Corona-Lockdown zu Ende, Herr Bürgermeister?“

Hier dürfte es doch nur eine Antwort geben, und diese habe ich vermisst: Wenn die Bürgerschaft, ohne Fraktionszwang es entscheidet, dann ist der Lockdown zu Ende. Wozu haben wir denn eine Bürgerschaft, wenn diese bei dieser für alle Bürgerinnen und Bürger so wichtigen Entscheidung nicht die Richtlinien setzt? Warum sollen wir dann noch zur Wahl gehen? Wir müssen endlich wieder die politischen Entscheidungsprozesse vom Kopf auf die Füße stellen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Johann-Matthias Andreae

Ich habe es satt!

17. Februar: „Zweifel an Astrazeneca wachsen. Hohe Personalausfälle wegen heftiger und häufiger Nebenwirkungen der Covid-19-Vakzine“

Ich bin Pflegekraft und ich habe es satt, dass ein Teil der Corona-Diskussionen auf unserem Rücken ausgetragen werden. Unser Beruf ist schwer, wir arbeiten zu jeder Tages- und Nachtzeit, an Wochenenden und Feiertagen. Wenn Kollegen krank sind, springen wir (oft unentgeltlich) ein, die Patienten müssen ja versorgt werden. Die Bezahlung ist mittelmäßig bis schlecht. Unser Berufsstand wurde jahrelang mit der Forderung nach Laienpflege und der Behauptung, dass ja wohl jeder pflegen könne, kleingeredet. Patienten und Angehörige begegnen uns mit einer Bandbreite von Dankbarkeit, über Unverschämtheit bis hin zu Aggressivität und Gewalt. Wegen dieser Situation fehlt der Nachwuchs, der Beruf ist nicht attraktiv. Seit Corona hat sich die Situation noch deutlich verschlechtert. Wir haben viele direkte Kontakte, sind gefährdet uns und andere anzustecken. Die Forderung einer Zwangsimpfung für Pflegepersonal empfand ich als Eingriff in meine Persönlichkeitsrechte, jeder andere soll wählen dürfen, aber ich nicht? Jetzt gibt es einen Impfstoff mit eingeschränkter Zulassung (18-65 Jahre), der wahrscheinlich gegen die Mutationen nur eingeschränkt wirkt und insgesamt weniger wirksam ist. Macht nix, den verimpfen wir einfach ans Pflegepersonal, die sind ja unter 65. Nein, es gibt kaum Impfreaktionen, der Arm tut etwas weh, und man ist etwas müde.... Oh? Ein Viertel der Geimpften meldete sich hinterher krank? Kein Problem, dann impfen wir eben in Schichten, so dass immer jemand zur Arbeit kommen kann...“ Wenn man sich unter diesen Umständen gegen eine Impfung zu diesem Zeitpunkt entscheidet und dies offen kundtut, muss man mit Anfeindungen rechnen. Die Bevölkerung erwartet von der Pflege Dankbarkeit. Wir werden ja bevorzugt! Ich arbeite gerne in der Pflege, der Job ist meine Berufung, aber so, wie derzeit mit uns umgegangen und über unsere Köpfe und Persönlichkeitsrechte hinweggegangen wird, frage ich mich, wie es weiter gehen soll. Gut qualifizieren Nachwuchs bekommen wir so jedenfalls nicht.

Kerstin Metzler

Informationsreise nach Asien

16. Februar: „Elbchaussee wird jahrelang zur Einbahnstraße. Wegen Dauerbaustelle gibt es eine Regelung wie in der Sierichstraße: Morgens stadteinwärts, ab mittags stadtauswärts“

Es ist kaum zu glauben: Für die Sanierung von vier Kilometern, das ist noch nicht einmal die halbe Länge der Elbchaussee, plant man eine Bauzeit von vier Jahren, also ein volles Jahr pro Kilometer. Mit „massiven Beeinträchtigungen“ sei zu rechnen. Im Klartext: Der Hamburger Westen wird über Jahre weitgehend von der Innenstadt abgeschnitten, zumal auch auf den nördlichen Ausweichtrassen wegen der beginnenden A-7-Deckelung Staus zum alltäglichen Bild gehören werden. Die Schäden für Hamburgs Wirtschaft werden bei einem solchen Zeit- und Aktionsplan die veranschlagten Baukosten von 34 Millionen Euro mehrfach übersteigen, von der Umweltbelastung durch zusätzliche Emissionen ganz zu schweigen. Es klingt wie Hohn, wenn die Verkehrsbehörde sich dann noch selbst für das „erste kooperative Straßenbauprojekt“ dank der engen Zusammenarbeit der Bauträger lobt. Das sollte bei einer professionellen Organisation längst eine Selbstverständlichkeit sein. Wie eine solche Organisation aussieht, kann man am Beispiel asiatischer Metropolen leicht herausfinden. In Singapur z.B. würde ein vergleichbares Projekt nach Auskunft von Insidern in höchstens vier Monaten durchgezogen werden, vom ersten bis zum letzten Spatenstich. Herrn Senator Tjarks und seinem Team wäre eine Informationsreise dringend zu empfehlen, zumindest aber, so lange dies Corona-bedingt nicht möglich ist, eine intensive Beschäftigung mit den zugänglichen medialen Quellen und ein Telefonat mit den asiatischen Kolleginnen und Kollegen. Hamburg würde es ihm danken.

Jan Hensmann, Hamburg-Blankenese

Das ist politischer Rassismus

17. Februar: „Die Nazis sind überall. Hengameh Yaghoobifarahs Roman ,Ministerium der Träume‘ ist das Buch, über das derzeit am meisten gesprochen wird“

Bei der Fülle täglicher Neuerscheinungen ist eine Buchbesprechung ein unbezahlbares Privileg. Die Entscheidung für Yaghoobifarah wirft die Frage nach den Auswahlkriterien des Abendblatts auf. Bekannt geworden ist die Autorin u.a. 2017 durch die Gleichsetzung deutscher Kultur mit der „Dreckskultur von Kartoffeln“ und 2020 durch die Gleichsetzung von Polizisten mit Abfall auf der Müllhalde: „Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt (...) am wohlsten“. Das ist politischer Rassismus und es bedrückt, dass das Abendblatt mit fast ganzseitiger Besprechung und Riesenfoto solche Profilierung durch Verstöße gegen die Menschenwürde unterstützt. Bei Rechtsextremisten geschieht das wohl nicht. Auch mit linkem Rassismus sollte es weder Sympathie geben noch klammheimliche Freude.

Dirk Reimers, Staatsrat a.D.

Die Situation ist beschämend

16. Februar: „Wie junge Juden in Hamburg leben. Zwei Studenten erzählen von der Neugier ihres Umfelds, von Anfeindungen und wie sie sich selbst verstehen“

Danke schön, für den ausführlichen Bericht. Es ist doch beschämend, dass es in Hamburg, Deutschland und Europa, 76 Jahre nach Ende des grausamen 2. Weltkrieges, immer noch als mutig gilt, wenn junge Jüdinnen und Juden erzählen, dass sie Juden sind. Haben wir nicht eine wertvolle Kultur, an der auch die jüdischen Mitbürger maßgeblich beteiligt waren und wieder sind? Es ist wirklich notwendig, dass die Medien sich der Sache häufiger annehmen und deutlich machen, dass ein junger Jude jedes Recht hat, in der Öffentlichkeit eine Kippa zu tragen. Sicher ist es schwierig, den tief verwurzelten, unsäglichen Antisemitismus aus den Köpfen der Leute zu bekommen, aber es muss doch möglich sein, gerade den jungen Leuten, egal welchen Glaubens, verständlich zu machen, dass Jüdinnen und Juden Mitglieder unserer Gesellschaft waren und sind, und niemand das Recht hat, ihnen das Recht zu verwehren, hier in Frieden zu leben.

Christa Riemann

Hohe Kosten für Anwohner

16. Februar: „Neue Namen im Generalsviertel? Linke will Debatte anstoßen und als Erstes Moltkestraße umbenennen. Quartier könnte zum ,Frauenviertel‘ werden“

Hat Frau Merkel in ihrer langen Kanzlerschaft den Linken alle politischen Themen genommen, so dass ihnen nichts anderes mehr einfällt, als sich des Generalsviertels anzunehmen, um diese angeblich „verwerflichen Generalsnamen“ in politisch genehme Frauennamen umzubenennen? Von den verbundenen immensen Kosten für die Stadt und die Anwohner ganz zu schweigen. Die hervorragende Eigenschaft der Linken war schon immer, den Menschen für ihre Ideen in die Tasche zu greifen.

Klaus Brandes

Geschichte nicht verdrängen

Das Verdrängen der eigenen Geschichte gehört wohl zum Lieblingsthema der Deutschen! Welche Ignoranz und Unkenntnis legen die Linken mal wieder an den Tag, indem historische Persönlichkeiten mit heutigen Moralvorstellungen verglichen werden. Diskussion ja, leugnen nein! Erzählen Sie mal einem Franzosen, dass Napoleon vom Sockel gestoßen werden soll.

Jens Noritz