Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. Februar 2021

Lesedauer: 7 Minuten

Ferien werden zum Albtraum

12. Februar: „Tschentscher appelliert: In den Hamburger Ferien nicht verreisen“ und Pro & Kontra: „Ist die Verlängerung des Lockdowns in Hamburg richtig?“Was meinen Sie?

Andere Bundesländer öffnen die Schulen, Hamburg nicht, und Herr Tschentscher appelliert, wir sollen in den Ferien zu Hause bleiben. Ja gern, aber ohne fehlendes Freizeitangebot werden diese Ferien zum Albtraum! Die Nerven liegen bei meinem Kind (10 Jahre) und mir schon seit Wochen blank. Keine Geschwister oder andere Personen zur Ablenkung, kaum Bewegung, zu viele Süßigkeiten und Medienkonsum und „nebenbei“ noch Homeoffice. Wir sind am Ende mit unseren Kräften und nun kommen auch noch die Ferien. Das Kind hat dann noch nicht mal Schulsachen zu erledigen und hängt den ganzen Tag rum, während ich versuche zu arbeiten. Die gebuchten Sportkurse für die Ferien fallen aus und nun? Noch mehr Süßigkeiten und Medienkonsum? Lasst die Kinder nicht noch weiter verkümmern und öffnet das Freizeitangebot! Was nützt mir ein neuer Haarschnitt, wenn mein Kind lethargisch, unmotiviert und vielleicht depressiv wird?

Tanja Lindenau

Gleicher Maßstab für alle

Natürlich sind Lockerungen zwingend geboten, um die Akzeptanz der Beschränkungen zu erhalten. Mag widersprüchlich klingen – ist es aber nicht. Im Supermarkt darf ich mit den bekannten (und sinnvollen) Auflagen einkaufen. Aber warum ist die Infektionsgefahr größer, wenn in den Regalen Schrauben (Baumarkt) und keine Lebensmittel liegen, obwohl die Hygienemaßnahmen gefordert und eingehalten werden? Warum darf ich mit einer Kundenkarte einkaufen, aber ohne eine solche nicht? Warum darf ich Blumen in den Räumen des Supermarkts kaufen, aber nicht unter freiem Himmel im Gartencenter oder im Blumenladen? Ergo: Lockerungen ja, indem in allen Branchen derselbe (gern auch strenge) Maßstab angelegt wird.

Mathias Pregartbauer

Zu kurz gedacht

Ich vermisse in dem Handeln der Verantwortlichen die zusätzliche Fokussierung auf Digitalisierung (z.B. Tracking), Technik (z.B. mobile Luftreiniger) und intelligente Abwehrprozesse (z.B. testen, testen, testen). Den Kampf nur mit Schließungen und Verboten, statt mit Fördern von Vernunft, Vertrauen und konsequenter Ahndung von Regelbrechern zu führen, ist zu kurz gedacht. Offensichtlich wird uns Covid noch lange begleiten. Die erhoffte Herdenimmunität rückt in die Ferne. Die Ausrottung der Pocken hat auch sehr lange gedauert. Allein deswegen muss es nachhaltige Strategien geben.

Zsolt Engli

Hamburg, geh’ du voran!

Die Frage ist doch, ob die Diskussionen über die Inzidenzen überhaupt sinnvoll sind? Was ist denn, wenn dieser Wert wieder steigt? Sollen dann alle Geschäfte und Schulen immer wieder schließen? Wenn wir nicht öffnen, aber andere Bundesländer, wird ein Gartencenter- oder Baumarkt-Tourismus entstehen. Das kann doch nicht der Weg sein. Es war erklärtes Ziel, dass wir unsere alten und vorerkrankten Bürger vor dem Virus schützen müssen. Das hätte man durch rechtzeitiges und konsequentes Testen erreichen können. Dazu hätten wir nur früh genug unkomplizierte Schnelltests benötigt, auch für den privaten Bedarf. Aber so weit sind wir leider auch heute noch nicht. Wir haben es nicht geschafft, unsere Alten zu schützen, haben aber gleichzeitig einen Großteil der Wirtschaft in den Ruin getrieben. Anstelle des medialen Tunnelblicks auf Corona ist eine Großaufnahme der Kollateralschäden mehr als überfällig. Wo bleibt der Blick auf Krankheiten und Tod durch aufgeschobene OP’s, Vorsorgeuntersuchungen und hinausgezögerte Arztbesuche? Auf Gewalt in der Familie, psychische und physische Schäden bei Kindern und Jugendlichen durch Homeschooling, Kontakt- und Sportverbot? Auf Unternehmens-Insolvenzen, Privat-Insolvenzen, Arbeitslosigkeit, finanzielle Nöte und Zukunftsängste? Auf die emotionale Verarmung und auf schwerst geschädigte Branchen wie Kunst und Kultur, Veranstaltung, Messebau, Touristik, Hotellerie, Sport, Gesundheit und Wellness? Und darauf, wie sich die Einzelhandels- und Gastronomie-Landschaft nach monatelangem Berufsverbot, trotz überzeugender Hygienekonzepte, darstellt und das auch mit Auswirkung auf das Stadtbild durch verringerte Vielfalt und Leerstand? So unendlich viele Themen und so gut wie keine mediale Beachtung. Wenn das – hoffentlich – einmal aufgearbeitet wird, zeigt es sich, ob die Maßnahmen nicht viel schlimmer waren als das Virus! Und jetzt wird es allerhöchste Zeit durch Umdenken weiteren Schaden zu verhindern. Hamburg, geh’ du voran!

Beate Heinemann

Geschäfte schrittweise öffnen

Ich denke, unser Bürgermeister tut das Richtige. Es wäre meiner Meinung nach zu früh, jetzt zu lockern. Das Timing mit den Ferien ist unglücklich, gibt den Schulen aber noch etwas Zeit, die Hygienevorschriften umzusetzen. Mir wäre lieber, wenn der Einzelhandel ab März schrittweise öffnen dürfte. Die kleinen Läden zuerst, danach langsam die großen Flächen. Wie nach dem ersten Lockdown. Häuser, wie Karstadt und Alsterhaus haben nach dem ersten Lockdown kaum Kontrollen gehabt. Die Häuser waren voll. Panikkäufe waren offensichtlich, aber auch sehr willkommen. Wenn die Regeln eingehalten werden, spricht wenig gegen Lockerungen, auch bei der Gastronomie. Ein schrittweises Vorgehen sollte umgesetzt werden und keine Branche ausgenommen sein. Voranmeldungen sind doch so gut wie überall umsetzbar. Ein Blick nach Asien zeigt, dass es funktioniert. Wer sich nicht daran hält, muss wieder schließen. Am Ende liegt es an jedem selbst.

Christian Schierloh

Stolz auf den Senat

Warum haben die Ministerpräsidenten unserer Bundesländer nicht die Fähigkeit, die psychologische Wirkung ihrer abweichenden Meinungen bei der Bevölkerung richtig einzuschätzen? Nach jeder Konferenz mit dem Bundeskanzleramt sind immer einige dabei, die glauben, mit klein karierten Argumenten, die mühevoll gemeinsam gefundenen Lösungen zu unterlaufen. Nach einem Jahr Pandemie sollten die Köpfe, die unsere Republik führen, doch begriffen haben, dass in dieser Misere das bei den meisten allenthalben vorhandene widersprüchliche Verhalten – „eigentlich halte ich mich an die gebotenen Regeln, aber im Alltagsverhalten muss doch die eine oder andere Ausnahme möglich sein“ – noch befeuert wird. Als Hamburger bin ich stolz auf unseren Senat, der die Profilierungsspielchen nicht mitmacht.

Folkert Bildhauer

Lieber Lockdown verlängern

Schade. Ich wohne mit meiner Familie vor den Toren Hamburgs in Schleswig-Holstein und hätte mir gewünscht, dass auch Ministerpräsident Günther, ähnlich wie Bürgermeister Tschentscher, sich mit Öffnungen zurückhält. Bei allem Verständnis für die Lage des Einzelhandels, aber mir persönlich wäre ein längerer Lockdown lieber gewesen, als jetzt Blumenläden, Nagelstudios, Indoorsport und Zoos zu öffnen. Nicht umsonst warnen zahlreiche Epidemiologen, gerade im Hinblick auf die Virusmutationen, vor einer vorschnellen Öffnung.

Karen Stolte, Ellerau

Zermürbender Fernunterricht

Als Vater von zwei schulpflichtigen Kindern frage ich mich, wann der Senat endlich einen Stufenplan hinsichtlich der Schulöffnungen erstellen wird? Wie schon im ersten Lockdown werden die Bedürfnisse der Kinder weit zurückgestellt (der Profisport scheint einen deutlich höheren Stellenwert einzunehmen). Angesichts der erfreulicherweise sinkenden Corona-Fallzahlen ist es unverantwortlich, dass der Hamburger Senat zumindest nicht endlich ein Wechselmodell (Hybridunterricht) einführt und den für Kinder und Eltern gleichermaßen zermürbenden ausschließlichen Fernunterricht beendet. Ein Wechselmodell wäre mit einer konsequenten Hygienestrategie und einer bevorzugten Impfung von Lehrern und Erziehern zu bewerkstelligen.

Dr. Carsten Engler