Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 13. Februar 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Wir brauchen Perspektiven!

12. Februar: „Tschentscher appelliert: In den Hamburger Ferien nicht verreisen! Warum Kitas, Schulen und Geschäfte hier noch geschlossen bleiben. Schleswig-Holstein öffnet Zoos und Gartencenter

Das Dramatische an der Corona-Lage in Deutschland ist die Hilflosigkeit der Politiker aller Parteien, die mit immer neuen Beschlüssen für immer mehr Kopfschütteln bei der Bevölkerung sorgen. Es ist doch haarsträubend, wenn Herr Tschentscher erklärt, ab einem Inzidenzwert von 35 könne man über Lockerungen entscheiden. Das ist doch der falsche Weg. Wir Bürger brauchen Perspektiven und nicht irgendwelche an Inzidenz-Werte gekoppelten vagen Versprechungen. Sonst würde dieses ja bedeuten, ab einem Wert von 35 wird gelockert, wenn dieser Wert dann drei Tage später wieder bei 40 ist, wird alles wieder zurückgenommen. Die Geschäftsleute in Hamburg und ganz Deutschland tun mir leid!

Dieter Krüger, Hamburg

Kein Herz für Kinder?

Es ist mir völlig unverständlich, warum Bürgermeister Tschentscher die Corona-Maßnahmen jetzt immer noch nicht lockert, obwohl eine Studie des Eppendorfer Krankenhauses festgestellt hat, dass bereits jedes dritte Kind gesundheitliche Schäden und Auffälligkeiten zeigt, die durch die Corona-Beschränkungen bedingt sind. Tschentscher begründet seine Entscheidung damit, dass ja Anfang März sowieso die Schulferien beginnen, so dass es nicht gut wäre, schon am 15. Februar die Schulen für nur 14 Tage wieder zu öffnen. Hat er denn kein Herz für Kinder? Jeder einzelne Tag ist für die Entwicklung der Kinder wichtig und Kinder sind unsere Zukunft! Warum wird immer nur an das Leben und die Würde der alten Menschen gedacht und nicht an die Gesundheit unserer Kinder?

Ilsemarie Strege

Ein Armutszeugnis

11. Februar: „Gipfel verlängert Lockdown – Hamburg holt beim Impfen auf. Jeder dritte Berechtigte bekam mindestens die erste Dosis. Friseure dürfen am 1. März wieder öffnen“

Die Frisur steht über dem Kindeswohl. Friseurbesuche können zum Infektionsgeschehen genauso beitragen wie Kita- und Grundschulbesuche. Friseure werden geöffnet, Kitas und Grundschulen nicht. Frisuren haben für die politische Führung in Hamburg offensichtlich eine höhere Priorität als das Kindeswohl. In meinen Augen ein Armutszeugnis!

Andreas Johanning

Soll das ewig so weiter gehen?

35 ist das neue 50. Wenn die 35 dann erreicht sind, werden es vielleicht 20 oder 15. Auf Null werden wir nie kommen. Soll das dann mit dem Lockdown ewig so weitergehen, bis alle bankrott sind? Wir müssen mit dem Virus leben, wie auch mit der Grippe. Der Körper muss sich anpassen, auch das wird er lernen. Man muss selbst an seinem Immunsystem arbeiten.

Danica Hubrich

Homeoffice wollen nicht alle

10. Februar: „,In Hamburg habe ich das Gefühl, dass nicht jede alles werden kann‘. ,Entscheider treffen Haider‘ – mit der Unternehmerin und Vordenkerin Verena Pausder“

Frau Pausder sagt im Interview, dass ihre Vorfahren, die Bundespräsidenten Heinemann und Rau, „...ernsthaft daran interessiert waren, was Bürgerinnen und Bürger wollen...“. Ob das bei ihr selbst auch der Fall ist, bezweifle ich. Die von ihr als „romantische Verklärung“ bezeichnete Sehnsucht nach der Arbeitswelt vor der Digitalisierung hat, genauso wie die thematisierte „Angst vor der Digitalisierung“, schon ihre Gründe. Ich habe selbst von 1983-2019 in Büros gearbeitet und mitbekommen, wie die Digitalisierung die Büroarbeitswelt verändert hat. Sicherlich zur Steigerung der Effizienz und zur Freude von Management und Investoren, aber durchaus nicht immer zur Freude der Arbeitnehmer. Und dabei habe ich so etwas wie „Homeoffice“ gar nicht mehr erlebt, weiß aber aus Gesprächen mit Freunden, dass viele die Büroarbeit zu Hause gar nicht schätzen und froh sind, wenn sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können. Das gilt insbesondere für Singles. Der Arbeitsplatz ist für die meisten ja deutlich mehr als nur der Platz, wo sie ihre Funktion ausüben, nämlich Teil des Soziallebens. Das gilt selbstverständlich auch für die Schule, die für die Schüler erheblich mehr ist als ein „Großraumbüro mit 20 bis 30 Leuten“. Dort lernen sie, miteinander auszukommen, schließen Freundschaften etc. Wenn aber die Arbeitswelt der Zukunft so sein soll, dass jeder nur zu Hause vor seinen mobilen Endgeräten sitzt, seine Aufgaben erledigt und mit dazu beiträgt, dass ihm unbekannte Investoren immer reicher werden, dann wäre die Schule in heutiger Form überflüssig und könnte als voll digitalisiertes „Homeschooling“ betrieben werden. Aber will die Mehrheit der Bevölkerung das ernsthaft?

Matthias Bornemann

Gesichtsloser Klotz

11. Februar: „Bezirksamt Nord zieht von Eppendorf nach Barmbek. Verwaltung von Hamburg-Nord erhält 2025 einen Neubau am Wiesendamm. Geplant sind ein Hochhaus, Gastronomie und ein öffentlicher Platz am Wasser“

Es graust mich, wie in dieser einst so schönen Stadt von den Verantwortlichen mit unserer Vergangenheit umgegangen wird. Der ansehnliche Klinkerbau aus den Zeiten der Industrialisierung Hamburgs prägt diesen Stadtteil, der geplante gesichtslose Klotz zerstört hier das Stadtbild im Übergang zum Stadtpark. Vielleicht könnte man ja noch den Stichkanal zuschütten und eine Skaterbahn für die Angestellten der Stadt bauen. Eine noch tollere Alternative für die Stadtentwicklung wäre aber auch, das Chilehaus abzureißen und an dieser Stelle den Elbtower zu bauen. Manche ehemaligen Politiker der Stadt wären auch darauf stolz.

Peter Knappe

Ein Lichtblick am Flughafen

10. Februar: „Abschied vom Museumsflugzeug. Airport will die historische Boeing 707 verschrotten lassen. Fans sind enttäuscht“

Es ist schon sehr traurig, dass der Flughafen die gealterte Boeing 707 verschrotten will. Gewiss, in der heutigen Lage, muss sehr auf die Kosten geachtet werden, aber können sich denn nicht hier die Stadt Hamburg und Lufthansa verständigen? Es handelt sich schließlich um einen Flugzeug-Typ, der die Welt der Fliegerei für alle öffnete und andere Länder dichter an uns heranrücken ließ. Und nicht zu vergessen ist, dass die erste Boeing 707 der Lufthansa hier in Hamburg landete und von hier den Betrieb aufnahm, die Stationierung erfolgte zwar in Frankfurt, aber Hamburg hatte seinen täglichen Flug via Frankfurt nach New York. Und es ist ein Lichtblick in der heutigen Zeit, so ein schönes Flug auf dem Flughafen zu parken.

Axel R. Herzog

Ein Thema für die Grünen

10. Februar: „Elon Musks Angriff auf die Finanzwelt. Der Technikguru steckt Milliardensumme in Bitcoins. Das treibt die Cyberwährung zu neuen Rekorden“

Gut, dass Sie vor dem Investment in Bitcoins und anderen Kryptowährungen warnen. Ein Kursverfallsrisiko besteht aber nicht nur darin, dass der Kurs von Bitcoins allein auf spekulativen Effekten beruht, und die Bitcoins keinen Wert an sich haben. Vielmehr wird den Kryptowährungen ihr unfassbar hoher Energieverbrauch früher oder später zum Verhängnis werden. Allein mit dem Stromverbrauch, den Bitcoins heute weltweit ausmachen, kann man den gesamten Energiebedarf von Chile decken. Und eine einzige Transaktion, z.B. die Überweisung des Kaufpreises eines Tesla, aber auch die Bezahlung einer Jeans, benötigt heute schon die selbe Strommenge wie ein Singlehaushalt in sechs Monaten. Dies wird technologiebedingt immer weiter steigen – bis ins Unendliche. Wenn man den Klimaschutz ernst nimmt, muss es eine der ersten Handlungen sein, blockchainbasierte Kryptowährungen zu verbieten. Schade, dass nicht einmal die Grünen dieses Thema ernsthaft adressieren – wohl in Sorge um ihre technologieaffine Zielgruppe.

Tim van Goos