Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 12. Februar 2021

Lesedauer: 4 Minuten

Die Diäten fließen ungehindert

11. Februar: „Merkels Mini-Lockerung. Bund und Länder einigen sich auf eine Verlängerung des Lockdowns um drei Wochen. Friseure dürfen schon zum 1. März öffnen

Es hat den Anschein, als hätten unsere Politiker ein diabolisches Vergnügen daran, die Schraube immer fester zu drehen, gemäß der Devise „da geht noch was“. Gebetsmühlenartig wurden wir mit der Zahl 50 in Schach gehalten, nun sollen es 35 sein. Sie selbst genehmigen sich gerade wieder einen kräftigen Schluck aus der Pulle, weite Teile der Bevölkerung warten noch auf ihr Septembergeld mit allen Nöten. Die Damen und Herren kennen die Realität nicht – klar, der Fahrer oder die Fahrbereitschaft warten. Die Diäten fließen ebenfalls ungehindert. Da setzen wir doch gerne noch einen drauf und vertrösten um weitere vier Wochen. Wir schaffen es, die Wirtschaft zu zerschlagen.

Christiana Grajecki

Die Jungen zuerst impfen

Machen wir das Land auf Dauer dicht? Das Grippevirus mutiert jedes Jahr, daher braucht es jedes Jahr eine neue Impfung. Das dürfte uns auch bei Covid-19 blühen, schließlich sind die Viren miteinander verwandt. Es wird Zeit, die Hygieneanstrengungen von Geschäften, Gastronomie und Unternehmungen zu honorieren, um weiteren Schaden an der Wirtschaft zu beenden. Meine anfängliche Zustimmung zu den Regierungsmaßnahmen ist dahin. Die Jungen müssen geimpft werden, um uns Alte (ich bin 79) zu schützen. Siehe Beispiel Singapur und Indonesien. Ansonsten müssen wir Alte uns selbst schützen. Punkt.

Herbert Nölting

Erbärmlicher Eiertanz

Das ewig gleiche Ritual von Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten, das abseits von parlamentarischer Kontrolle vorhersehbare Resultate liefert, gerät mittlerweile zu einem großen Ärgernis. Anstatt intelligente Konzepte zu entwickeln, die es erlauben an den Stellen zu öffnen, wo es möglich wäre, beharrt man stur auf der Fortsetzung der Maximallösung. Kreativ sind in dieser Beziehung nur die Betroffenen, aber die werden durch bürokratische Hürden ausgebremst und erhalten statt Hilfen zumeist nur Versprechungen. Aber das wird viele nicht vor dem Ruin bewahren. Und der Eiertanz um Kitas und Schulen ist erbärmlich, angesichts der Probleme, die täglich zunehmen. Als Begründung für die Verlängerung des Lockdowns, trotz deutlich sinkender Fallzahlen, werden die Virusmutationen genannt, von denen man ausgeht, dass sie ansteckender sind. Nur gibt es dafür keine Evidenz aus dem realen Geschehen, sondern lediglich Vermutungen aus Laborversuchen. In den allermeisten Ländern, in denen die Virusmutationen nachgewiesen wurden, sinken die Fallzahlen, anstatt – wie erwartet – anzusteigen. Und die lange als Grenzwert fixierte Inzidenz von 50 wird mal eben auf 35 gesenkt. Es ist also wieder einmal das Schüren von Angst, welches die Bevölkerung bei der Stange halten soll. Fragt sich nur, wie lange dieses recht einfache Konzept noch funktioniert? Selbstkritik, z.B. wegen des Impfdesasters oder der schleppenden Auszahlung von Hilfen, sucht man indes vergebens bei den politischen Entscheidern.

Peter Westendorf

Eltern vor den Kopf gestoßen

11. Februar: „Hamburg prüft Impfung nach Jahrgängen“

Was passiert hier gerade? Wie kann unser Schulsenator Rabe, der sich deutschlandweit mit am stärksten für Präsenzunterricht ausgesprochen hat, nun die Schulen deutschlandweit am längsten geschlossen halten? Was ist mit Herrn Tschentscher passiert? Gerade hat er noch kampfeslustig die Bundesregierung angegriffen („Was ist die wissenschaftliche Grundlage für eine Schulschließung?“) und nun ist er völlig umgekippt und will die Friseure vor den Schulen öffnen? Wir Eltern sind völlig vor den Kopf gestoßen und verstehen gar nichts mehr. Auch bei noch so qualitativ hochwertigem Distanzunterricht bleibt ja die Frage, wen dieser erreicht, welche (berufstätigen) Eltern das unterstützen können, und wie das soziale Lernen der Kinder gewährleistet werden kann.

Martina Schimmer

Anfang der Gleichberechtigung

8. Februar: „Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern zu groß“

Für mich als Frau fängt Gleichberechtigung damit an, dass man für die gleiche Tätigkeit auch gleich bezahlt wird, also sind wir davon noch weit entfernt. Dass nun überall ein „-innen“ bei Berufsbezeichnungen und anderen Titeln angefügt wird, ist mir eigentlich ziemlich egal und für mich nur Beruhigungstaktik.

Angela Selke