Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 8. Februar 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Leben in der Informationsblase

6./7. Februar: „Gefangen in Angst. Seit einem Jahr dominiert das Thema Corona die Berichterstattung im Fernsehen, Radio und den Zeitungen. Zeit für eine Selbstkritik. Ein Essay von Matthias Iken“

Warum schaffen wir es in Deutschland nicht, mit solchen Herausforderungen wie Covid-19 rational und im Sinne einer weiter funktionierenden Gesellschaft fair umzugehen? Zu viel Egoismus, Interessenkonflikte etc. auf allen Ebenen. Dazu kommt die Macht der Meinungsbildung durch moderne Medien, die das Scheuklappendenken forcieren. Niemand ist davor gefeit, (fast) jeder lebt in seiner Informationsblase, die er sich selbst geschaffen hat. Leider sind sich dessen nur die wenigsten bewusst.

Stefan Grote

Angst essen Seele auf

Dank an Matthias Iken für den ausgewogenen und selbstkritischen Bericht. Wir alle wissen: „Angst essen Seele auf!“ Es ist sicher kein Aufrechnen möglich, aber zurzeit gibt es doppelt so viele Suizide wie Corona-Tote in Hamburg. Auch bundesweit wählen viele den Freitod. Es gibt allerdings sicher keine Statistik, die belegt, wie viele davon aus Angst vor der Corona-Berichterstattung bzw. -Statistik den Weg gewählt haben. Erschreckend ist auch die genannte Zahl der Gewalttaten von Jugendlichen, die mit den Folgen des Lockdowns wie Schulschließungen nicht umgehen können. Hoffentlich wird bald ein Weg gefunden, die notwendigen Konsequenzen der Pandemie mit weniger „Panikmache“ zu transportieren.

Dietmar Koop

Elbspaziergang fällt aus

6./7. Februar: „Fast ganz Ottensen wird Bewohnerparkgebiet“

Mir fällt auf, dass auf der einen Seite immer mehr Tourismus gewünscht wird (wachsende Stadt) und es auf der anderen Seite immer mehr Beschränkungen gibt! Früher habe ich immer, wenn ich aus Hamburg rausfuhr, in der Osterstraße gestoppt und noch meine Besorgungen gemacht. Das ist schon lange nicht mehr entspannt möglich. Dann in Pöseldorf/Mittelweg... Dort darf man ebenfalls sozusagen nirgendwo mehr parken und wenn, dann zu horrenden Parkgebühren. Nun der Stadtteil Ottensen: Dort fahre ich eigentlich gerne mal mit meinen betreuten Senioren, die einen Gehwagen benötigen hin, um etwas an der Elbe spazieren zu gehen. Das scheint man sich in Zukunft auch nicht mehr leisten zu können. Echt traurig!

Beate Elert-Homfeldt

So viele Erinnerungen...

6./7. Februar: „Arne braucht wie alle Kinder täglich Bewegung. Der Fünfjährige ist schwer behindert. Weil seine Krankenkasse seit Jahren den motorisierten Bewegungstrainer Innowalk für ihn ablehnt, hat der Abendblatt-Verein die Kosten übernommen“

Danke für den bewegenden Bericht über den kleinen Arne und seine Eltern. Ich habe Rotz und Wasser geheult. Da kamen so viele Erinnerungen an meinen Bruder hoch, der bedingt durch einen Verkehrsunfall im Alter von sechs Jahren schwerbehindert war und von meiner Mutter elf Jahre lang gepflegt wurde, bevor er mit 17 an den Spätfolgen des Unfalls gestorben ist. Es freut mich sehr, dass die Redaktion „Von Mensch zu Mensch“ der Familie helfen konnte. Auf dem Foto zu sehen, wie der kleine Junge die Bewegung in dem Innowalk sichtbar genießt und Spaß hat, hat mich tief berührt. Hoffentlich wird das nächste Gerät unbürokratisch von der Krankenkasse bewilligt, wenn Arne größer wird!

Birgit Peters

Wer soll das bezahlen?

5. Februar: Leitartikel: „Ein Laptop für jedes Kind. PC sollte Selbstverständlichkeit in der Schule sein, unabhängig von der sozialen Lage“

Mein Assistent Simon hatte schon vor 20 Jahren einen Laptop und beherrschte die Materie. Ich, als Chef, wurde nie an die neue Technik herangeführt. Erst mit einer Digitalkamera vor 15 Jahren wurde ich gezwungen, einen Laptop anzuschaffen, um die Bilder auch abspeichern zu können. An das Chaos mit der Einrichtung eines Routers denke ich nur mit Schrecken zurück, weil nichts funktionierte. Und heute beherrsche ich das Metier als wäre ich in der IT-Branche großgeworden, weil alles so einfach und logisch geworden ist. Deshalb ist es enorm wichtig, dass die Schulen schon früh den Einstieg in diese technische und digitale Welt ermöglichen und fördern. Wer den beruflichen Aufstieg mit Erfolg schaffen will, muss sich mit PC und Laptop vertraut machen. Aber da fangen die Probleme an, weil die Voraussetzungen Geld kosten, die nicht jede Familie wuppen kann. Was nutzt ein Laptop, wenn keine Internetverbindung zu Hause vorhanden ist? Die Forderung nach einem Laptop oder ein Tablet für jeden Schüler – nicht für jedes Kind – ist verständlich und wahrscheinlich richtig, aber wer soll das alles bezahlen? Fordern und den Staat in die Pflicht nehmen, ist ja so einfach. Der Internetzugang darf kein Privileg sein und das Bremer Beispiel sollte wirklich ein Vorbild für alle Schulen sein, Tablet-PCs leihweise allen Schülern zur Verfügung zu stellen. Das ist der richtige Weg, diese Investition zahlt sich aus.

Dietmar Johnen-Kluge

Grundrecht nicht vorenthalten

5. Februar: „Ethikrat lehnt Sonderregeln für Geimpfte ab. Die Begründung des Gremiums: Nach derzeitigem Erkenntnisstand schützt die Impfung nicht davor, andere zu infizieren“

Für die Auslegung von Gesetzen (hier: des Grundgesetzes) sind die Juristen zuständig, nicht der Ethikrat oder gar das sich in einer Mehrheit widerspiegelnde gesunde Volksempfinden. Unsere Bundesjustizministerin, Frau Lambrecht, hat – leider erst nach Redaktionsschluss – bei Anne Will in aller Deutlichkeit ausgeführt, dass die Grundrechte jedem einzelnen von uns vollumfänglich zustehen und nicht vom Staat bei Wohlverhalten huldreich verliehen werden. Vielmehr dürfen sie nur bei Vorliegen besonderer Umstände und nur, wenn es im Grundgesetz selbst vorgesehen ist, eingeschränkt werden. Der besondere Umstand, der zur Beschränkung persönlicher Freiheitsrechte geführt hat, ist die vom Einzelnen ausgehende Ansteckungs- und damit Verbreitungsgefahr. Wenn diese von einem Geimpften nicht mehr ausgeht, darf ihm das Grundrecht nicht mehr vorenthalten werden. Der vielzitierte Gleichheitsgrundsatz gebietet nicht nur, Gleiches gleich, sondern auch, Ungleiches ungleich zu behandeln. Geimpft ist nicht gleich ungeimpft.

Hans-Otto Schulze, Buchholz

Jansen: Ein guter Präsident

4. Februar: „Köttgen, Hoffmann und der erneute Griff nach der Macht“

Ich finde es schlimm, dass die Egos der Herren Schulz und Schäfer ihre Selbstüberschätzung so weit treiben, dass sie in Kauf nehmen, den sportlichen Erfolg zu gefährden. Noch schlimmer ist, dass nun auch wieder Bernd Hoffmann ins Spiel gebracht wird. Wieso der Herr glaubt, er wäre gut für unseren Verein, wird sein Geheimnis bleiben. Derzeit hat der HSV mit Marcell Jansen einen gewählten Präsidenten, der in meinen Augen einen guten Job macht und hinter dem, wie man hört, alle Gremien stehen. Selbst von Herrn Kühne hört man nichts. Mit den Herren Boldt, Mutzel, Hrubesch und Thioune hat der Verein eine sportliche Leitung, die erfolgreich arbeitet, die auch junge und günstige Spieler formt und verbessert. Und wir sehen eine echte Möglichkeit des Aufstiegs. Das alles könnte durch Teile des früheren Teams Hoffmann gefährdet werden. Das sogenannte aktive Fanlager wird völlig überschätzt. Zum einen handelt es sich um wenige Hundert, zum anderen hat genau diese Szene den Rausschmiss von Bernd Hoffmann in 2011 massiv vorangetrieben, in dem man auf der Hauptversammlung einen hohen Mobilisierungsgrad erreichte und Hoffmanns Gegner in den Aufsichtsrat wählte. Und das ist vielleicht der wichtigste Punkt: Bei einer ausschließlich online stattfindenden Hauptversammlung zählen die abgegebenen Stimmen aller Mitglieder. Das ist völliges Neuland. Wenn also jetzt die Mitglieder verstehen, dass einige wenige einen Putsch versuchen, können sie diesen Putsch durch Stimmenabgabe pro Janssen verhindern. Ich finde, Marcell Janssen muss sich öffentlich entsprechend erklären. Auf geht’s HSV!

Gerd Jobmann