Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. Februar 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Unser Staat hat versagt

3. Februar: „So kann man mit alten Menschen nicht umgehen. Erst bat Hamburg die über 80-Jährigen, sich impfen zu lassen. Jetzt scheitern Tausende von ihnen beim Versuch, einen Termin zu erhalten. Ein Kommentar

Vielen Dank für Ihren Kommentar zum Impfchaos auf der Titelseite. Sie sprechen mir aus der Seele! Unser Staat hat auf der ganzen Linie versagt und anstatt das zuzugeben und Abhilfe zu schaffen, heißt es nur, läuft doch alles toll, nun stellt Euch doch nicht so an. Lockdown ohne Ende, keine Zukunftsperspektiven für viele Menschen und jede Menge frustrierte Bürger. Unsere immer gut frisierten Politikerinnen und Politiker (wo gehen die eigentlich zum Friseur?) geben Durchhalteparolen aus und tun nichts. Vor kurzem hieß es noch „bleibt zu Hause, es sterben Menschen“, jetzt sterben Menschen, weil unsere Politiker weder dazu in der Lage waren, Impfstoff bereit zu stellen, noch ihn zu verteilen. Diese Toten gehen auf das Konto von Frau Merkel in ihrem Elfenbeinturm. Ich bin sehr froh, dass Sie und das Hamburger Abendblatt den Mut haben, diese schlimmen Zustände anzuprangern. Vielen Dank und weiter so!

Andrea Tholl-Lehmbecker

Deutschland kann nichts mehr

Sehr gut! Nur leider interessiert es die führende Elite nicht die Bohne. Die haben nur Sinn für die nächste Talkshow, in der sie gut frisiert die neuesten Versprechungen verkünden können, die nicht einzuhalten sind. Hoffentlich vergisst der Wähler dieses Chaos nicht bis September! Deutschland kann nichts mehr, keine Verkehrswende, keine Energiewende, keine Digitalisierung. Kein Wunder bei den Verantwortlichen...

HaJo Wullschläger, Glinde

Wir teilen Ihren Aufschrei

Danke, lieber Herr Haider, für diesen wunderbaren Kommentar. Endlich sagt es mal jemand so deutlich. Wir teilen Ihren Aufschrei voll und ganz. Dieses Impfchaos ist nicht mehr auszuhalten und bedarf dringend Änderungen. Warum gibt es für eine Zwei-Millionen-Stadt nur ein Impfzentrum? Warum nicht in jedem Bezirk? Schon der weite Weg ist eine Zumutung. Dass wir es in unserem, ach so fortschrittlichem Land in dieser Situation nicht organisiert bekommen, Impftermine zu vergeben, ist eine Katastrophe. Dazu fehlender Impfstoff – das ist dritte Welt! Unsere Kinder in London berichten uns seit Wochen vom unglaublichen Impftempo dort. Bis Mitte Februar sollen dort sogar alle über 70-Jährigen geimpft sein! Wir werden hier vielleicht bis Sommer ausharren und uns weiter brav an AHA- Regeln halten. Unglaublich!

Bärbel und Peter Hamm

Menschen im Mittelpunkt

Die Entscheidung, den Kommentar großformatig auf der ersten Seite der Zeitung zu platzieren, ist mutig, da ungewöhnlich, aber absolut begrüßenswert. Hier wird endlich mal nicht der seit Wochen andauernde Streit und die gegenseitigen Schuldzuweisungen der Politiker darüber, wer, wann, wie viele Impfdosen bestellt oder nicht bestellt hat, in den Mittelpunkt gerückt, sondern die Hilflosigkeit, teilweise Verzweiflung der älteren Menschen, die mit „online“ oder „Hotline“ eben nicht groß geworden sind. Bezeichnend, dass keiner für das Chaos verantwortlich gewesen sein will. Aussitzen ist das Gebot der Stunde...

Wolfgang Fluhr

Notwendiger Artikel

Herzlichen Dank für diesen ausführlichen Kommentar! Das war mehr als notwendig. Wie können Verantwortliche so chaotisch und unwissend agieren und Versprechen machen, die nicht eingehalten werden können? Wenn eine Senatorin, in einem Interview auf das Impftermin-Chaos angesprochen, antwortet, dann solle man eben zwei bis drei Mal versuchen anzurufen, dann packt mich die große Wut. Viele Menschen 80 plus sind seit Monaten zu Hause, um sich zu schützen und vereinsamen immer mehr. Dann wird ihnen Mut gemacht und nun so ein undurchdachtes Konzept. Worüber aber gar nicht berichtet wird, dass die Seniorinnen und Senioren, die verzweifelt vergeblich versuchen einen Termin zu ergattern, bei den ihnen bekannten Vereinen anrufen und um Hilfe bitten. Außer zuhören, Mut machen, positiv erklären, auch wenn wir innerlich toben, können wir alle nicht. Diese oft langen und verzweifelten Gespräche, binden viel Zeit, die wir eigentlich für andere Projekte benötigen, die wir aber alle mit Mitgefühl führen.

Dagmar Hirche,

Wege aus der Einsamkeit e.V.

Meckern ist nicht förderlich

Es leiden nicht nur die Alten. Alle Generationen, ob jung, mittelalt oder alt sind aktuell eingeschränkt. Ja, es fehlt aktuell eine verlässliche Perspektive, aber die ständige Meckerei und Polemik im Abendblatt an sämtlichen Corona-Maßnahmen sind unserem gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht förderlich. In Zukunft bitte mehr konstruktives und generationsübergreifendes Miteinander und nicht Gegeneinander.

Peter Stüve-Bernklau

Warum ändert sich nichts?

Mir ist unbegreiflich, wieso nun schon wochenlang über diese unhaltbaren Zustände berichtet wird, ohne dass sich etwas ändert. Jeder erfolgreiche Unternehmer hätte es besser gemacht, denn ohne Kreativität und ohne gute Organisation des eigenen Betriebes kann man auf Dauer nicht erfolgreich sein. Es hätte doch so einfach sein können: Erstens durch gestaffelte Anschreiben, zuerst an alle über 95, dann über 90 bis 94, dann über 87 bis 89 etc. Zur telefonischen Anmeldung hätte man zusätzlich nach Wochentagen und Alphabet vorgehen können, z.B. ABCD montags, EFGH dienstags etc. Wenn erfahrungsgemäß schon bis mittags alle Termine vergeben sind, hätte man die Anrufzeiten auf diese Zeit beschränken können, damit sich niemand nachmittags unnötig die Finger wund wählt. Wer an dem ihm zugedachten Tag keinen Termin bekommt, sollte es dann eine Woche später wieder probieren. Dass man unter Umständen eine Woche warten muss, ist zwar enttäuschend, aber immer noch besser, als tagelang erfolglos die wertvolle Lebenszeit am Telefon zu verbringen.

Manfred Schröder, Henstedt-Ulzburg

Beispiel Krebsvorsorge

Ich verstehe nicht, weshalb die Vergabe der Impftermine nicht genauso organisiert wird, wie die Termine für die Brustkrebs-Vorsorge im Mammazentrum: Jede Frau, deren Vorsorgetermin ansteht, erhält ein Schreiben mit einem Terminvorschlag und nur, wer diesen Termin nicht wahrnehmen kann, muss sich um einen alternativen Termin kümmern. Damit wären vermutlich 90 Prozent der Impftermine organisiert, ohne dass Tausende fast verzweifeln und die Hotline überlastet ist. Warum sind die Politiker immer so wenig pragmatisch?

Karin Heilmann

Thema verfehlt, setzen, sechs

2. Februar: „Verwalter des Mangels. Der Berliner Impfgipfel kommt mindestens ein halbes Jahr zu spät“

Ja, der Impfgipfel kommt tatsächlich deutlich zu spät. Es war von vornherein klar, dass es hier keine Verbesserung der Situation geben konnte, wie auch? Nur weil ein paar Politiker sich aufregen, wird es nicht Impfstoff vom Himmel regnen. Es ging lediglich um ein weißwaschen der Weste. Immer nach dem Motto, wir haben keine Schuld an dem Desaster, die Industrie trägt die Verantwortung. Das scheint wohl der Zeitgeist zu sein, das beobachte ich schon länger. Die Verantwortlichen reden alles schön, weisen jede Verantwortung von sich und sind bei offensichtlichem Versagen nicht bereit, die Konsequenz zu ziehen und vom Amt zurückzutreten. Dies nährt den Verdacht, es käme „denen da oben“ eben doch nur auf ihr persönliches Wohl an. Und das ist das eigentliche Problem an allen Fehlern, die während der Corona-Krise gemacht wurden. Wir verlieren das Vertrauen in unser Top-Personal und einige treibt es dann zu extremen Parteien. In diesem Zusammenhang dann von uns zu fordern, das „Dauerklagen“ endlich einzustellen, geht einfach am Problem vorbei. Man könnte auch sagen: Thema verfehlt, setzen, sechs.

Tanja Shakiba