Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 3. Februar 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Unzumutbare Belastung

2. Februar: „Abiturienten fühlen sich alleingelassen. Nach langen Wochen ohne Präsenzunterricht wissen Schüler noch immer nicht, wie Prüfungen gestaltet werden“

Vielen Dank den Schülern des Gymnasiums Hoheluft, dass sie die Energie und Zeit aufbringen konnten, den Hamburger Abiturienten aus der Seele zu sprechen, das schaffen zurzeit nur wenige! Es ist nicht nachzuvollziehen, warum den Schülern nicht schon längst ein Fahrplan für diese absehbare Situation gegeben wurde. Die Prüfungstermine so kurzfristig zu verschieben, wie von Herrn Rabe angedacht, würde die psychische Belastung bei manchen allerdings ins Unzumutbare steigern. Die Lernbedingungen werden sich nicht mehr bessern, dieser Zug ist schlichtweg abgefahren. Allerdings kann (und muss) die Prüfung an sich angepasst werden, nicht mehr Prüfungsrelevantes sollte entschlackt werden. Ein inhaltlich vergleichbares Abitur mit den anderen Bundesländern ist bereits unerreichbar, da jedes Land seine Abiturienten unterschiedlich gut vorbereitet, im Gegensatz zu Hamburg zum Beispiel auch mit Präsenzunterricht.

Jane Markwardt, Hamburg

Befremdliche Effekthascherei

1. Februar: „Senat erwartet 100.000 Impfdosen im Februar. Zahl steigt langsam an. Bürgermeister Tschentscher verschärft die Kritik an der Bundesregierung“

Es ist schon sehr befremdlich, dass sich ein Hamburger Senator dazu hinreißen lässt, in den Social Medias so ein albernes Bild von Herrn Altmaier zu verbreiten. Es wäre für ihn eher angemessen, sich konstruktiv mit dem Missstand auseinanderzusetzen und gemeinsam mit Herrn Altmaier eine Lösung zu finden, damit die überfälligen Zahlungen nun endlich erfolgen. Die Lage ist zu Ernst für jedwede Effekthascherei.

Rudi Schrader

ÖPNV attraktiver machen

1. Februar: „Zahl der Autos wächst immer weiter. Anteil der E-Fahrzeuge steigt. BUND fordert Einschränkungen für Pkw, sonst würden Klimaziele nicht erreicht“

Wie will man den Anteil des motorisierten Individualverkehrs (MIV) binnen zehn Jahren halbieren, wenn die Neuzulassungen an Kfz stetig wächst? Indem man den ÖPNV und Radverkehr attraktiver macht und den MIV beschneidet! Leider ist es bislang umgekehrt: Ein Schlaglicht wirft die derzeitige Witterungslage: Die Radwege sind nicht zuverlässig geräumt. Das ist wohl auch kaum möglich, weil diese mal auf der Straße und mal auf dem Hochbord geführt werden. Es müssten unterschiedliche Räumfahrzeuge eingesetzt werden. Die verschneiten Eispisten (Hochbord) sind gemeingefährlich. Die Fahrt mit dem Auto ist dagegen ein Genuss auf den Hauptverkehrsstraßen, die meist in sehr gutem Zustand sind. Vor Corona muss man da auch keine Angst haben. Eine Verkehrswende ist in Hamburg nicht nur aus ökologischen Gründen notwendig, sondern auch aus städteplanerischen: Wie soll zunehmende Mobilität auf begrenztem Verkehrsraum abgewickelt werden? Das geht nur, wenn man diesen effektiver nutzt. Bus, Bahn und Fahrrad benötigen pro Fahrgast weniger Fläche als der Pkw. Deshalb führt kein Weg daran vorbei, den Verkehrsraum entsprechend umzuwidmen. Diejenigen, die an den Magistralen wohnen sollen, werden es danken.

Jürgen Beeck

Unentbehrliches Hilfsmittel

Für sehr viele Menschen ist das Auto ein unentbehrliches Hilfsmittel, um den Alltag zu schaffen und den Anforderungen der modernen Arbeitswelt zu entsprechen. Denn gerade in Hamburg sind viele Wohngebiete außerhalb der Innenstadt und so manches Gewerbegebiet nur unzureichend an den ÖPNV angeschlossen. Als ich noch in Duvenstedt wohnte, war die nächste Bushaltestelle 1,3 Kilometer entfernt, und solche Wohnlagen gibt es in Hamburger Vororten mehr, da reicht ein Blick in den Verkehrsnetzplan des HVV. Was dort nicht steht, ist wie selten manche der eingezeichneten Buslinien bedient werden. Ob ich von einem Gewerbegebiet in Glashütte nach Hause nach Rahlstedt wollte oder dienstlich nach Nienstedten, es war immer eine „Weltreise“. Daneben scheint dem BUND entgangen zu sein, dass nicht nur Tante Emma, sondern auch der Supermarkt um die Ecke längst ausgestorben ist. Supermärkte und Discounter befinden sich bei ihrer heutigen Größe meistens an Hauptstraßen oder gleich im Gewerbegebiet, denn nur dort sind sie zulässig. Daher benötigen auch Innenstadtbewohner ein Auto, denn in vielen Innenstadtvierteln gibt es praktisch keine Läden mehr. Wenn man also die Autoflut eindämmen will, dann nicht mit Tempo 30 überall und knappen Parkplätzen, das ist reine Ideologie und hilft niemandem. So lange der HVV in der Fläche so teuer und so unattraktiv ist wie jetzt, werden nur wenige ihr Auto abschaffen. Übrigens, ich fahre seit vielen Jahren gerne mit der U-Bahn zur Arbeit und bin dadurch auch als Fußgängerin unterwegs, was in Hamburg häufig keine Freude macht. Da vermisse ich dann manchmal meine Heimatstadt Wiesbaden, wo bis heute Asphalt und festliche Straßenbeleuchtung vorherrschen. Trotzdem würde ich nie mehr zurück wollen, auch wenn hier Selbstdarsteller wie Herr Braasch eine Bühne finden. Der sollte sich als studierter Ökotrophologe freuen, eine so gute Stelle gefunden zu haben, und den Ball etwas flacher halten.

Ute Hinz

Eine neue U-Bahn hilft da nicht

Was für eine Feststellung. Einzige Antwort der rot-grünen Politik sind Verbote, Einschränkungen, lebensgefährliche Fahrradwege, Rückbau von Parkplätzen und unkoordinierte, kaum verständliche Baustellen. Die Herren Tjarks und Kerstan sollen den Umstieg forcieren. Auf was denn bitteschön? Auf den ÖPNV? Dieser ÖPNV ist völlig veraltet und nicht im Ansatz in der Lage, die angeblich künftigen Mobilitätsbedürfnisse zu befriedigen. Da hilft auch keine neue U-Bahn, die völliger ökologischer Unsinn ist. Hamburg wird die Welt nicht retten. Richtig wäre es erst einmal den Rest der Welt auf unseren heutigen technischen Stand zu bringen.

Dietmar Lehmann

Ideologische Verkehrspolitik

1. Februar: „Berner Heerweg – Verkehrs­senator stoppt Beginn des Umbaus. Zubringer aus Walddörfern soll zwischen Berne und Farmsen von vier auf zwei Spuren zurückgebaut werden“

Ein besseres Beispiel für die ausschließlich ideologisch ausgerichtete Verkehrspolitik in Hamburg kann es nicht geben. Den links-grünen Besserwissern fehlt jedes Gefühl dafür, dass der Wohlstand Hamburgs auch auf freien Handel und funktionierendem Wirtschaftsverkehr in der Vergangenheit fußt. Schon vor der Corona-Krise bröckelte das Gewerbesteueraufkommen, dieser Trend wird sich fortsetzen. Gleichzeitig sollen immer neue soziale Geschenke finanziert werden, und daneben wird das Geld mit vollen Händen für gigantische Bauprojekte mit noch breiteren Radstreifen, Pop-up-Radwegen und ähnlichem Unsinn hinausgeworfen. Noch einige Legislaturperioden mit den Klimahysterikern in der Regierung, und Hamburg wird den Status von Bremen oder Berlin erreichen, permanent pleite.

Klaus D. Köncke

Bitte schnell ein neues Gesetz

30./31. Januar: „Erste Vorschläge zur Neuregelung der Sterbehilfe“

Endlich denken einige Leute im Bundestag auch einmal an Alte, an chronisch oder austherapierte Kranke, denen es sehr schlecht geht, die Schmerzen haben, die auf Schmerzmittel nicht ansprechen, die sich einen würdigen Tod wünschen. Was ist mit den Menschen, die Angst vor dem Ersticken haben (Corona)? Man gendert auf allen Ebenen, man kümmert sich um Straßennamen, kritisiert Bismarck und Hagenbeck und will Kinderrechte ins Grundgesetz schreiben. Aber Themen, die für viele Menschen wirklich wichtig sind, bringen nur Ärger, aber kein Beifallklatschen. 1965 kam meine 91-jährige Großmutter mit Schlaganfall ins Krankenhaus. Nach einigen Tagen sagte mir die behandelnde Ärztin: „Wir müssen ihre Großmutter entlassen und sie wird demnächst an ihrem Schleim ersticken“. So kam es dann auch. Nun, 2021, lebt man immer noch mit dieser Angst trotz allen Fortschritts. Bitte beeilen Sie sich mit dem Gesetz!

Rita Schemion