Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 2. Februar 2021

Lesedauer: 7 Minuten

Schwierigkeiten sind normal

1. Februar: „Die fünf großen Impfprobleme. Zu wenig Serum, stockende Produktion, Ärger um die Impfreihenfolge – Bund und Länder müssen noch viele Fragen klären“

Da entwickeln die Pharmaunternehmen innerhalb eines Jahres – zum Teil sogar neuartige – Impfstoffe, wofür sie sonst ein Jahrzehnt brauchen und bauen innerhalb weniger Monate eine Produktion auf. Sie werden zu Verträgen mit riesigen Liefermengen gedrängt und werden dann massiv mit Vorwürfen überschüttet, warum die versprochenen Mengen nicht produziert werden. Dabei ist es normal, dass es bei industrieller Produktion von neuen Produkten in fast allen Fällen immer Anfangsschwierigkeiten gibt, die nicht vorhersehbar waren. Wahrscheinlich hätte man den Firmen genau so große Vorwürfe gemacht, wenn sie die geforderten Mengen in den Verträgen abgelehnt hätten. Mir scheint, dass die Politiker jetzt einen bösen Buben suchen, um von ihren eigenen Unzulänglichkeiten bei der Verteilung abzulenken. Beim nächsten Mal werden die Firmen möglicherweise gar keine Verträge abschließen, bevor sie mit der Produktion begonnen haben.

Dr. Bernd E. Langner, Winsen (Luhe)

E-Fahrzeug als Zweitwagen

1. Februar: „Zahl der Autos wächst immer weiter. Anteil der E-Fahrzeuge steigt. BUND fordert Einschränkungen für Pkw, sonst würden Klimaziele nicht erreicht“

Es entsteht immer der Eindruck, die E-Autos würden einen Verbrenner von der Straße holen, wenn sie zugelassen werden. Die meisten E-Fahrzeuge dienen den Besitzern jedoch als Zweitfahrzeug, da sie in der Flexibilität stark zu wünschen übrig lassen.

Thomas Hönck

Maß und Mitte fehlen

1. Februar: „Berner Heerweg – Verkehrssenator stoppt Beginn des Umbaus. Zubringer aus Walddörfern soll zwischen Berne und Farmsen von vier auf zwei Spuren zurückgebaut werden. Kritik von SPD, CDU und AfD

Nun trifft es auch den Berner Heerweg, auch diese wichtige Verkehrsader soll also stranguliert werden. Die Grünen wollen die Bürger weiter bekehren. Das goldene Kalb ist das Fahrrad. Auch die favorisierte Elektromobilität führt nachweislich in eine ökologische Sackgasse. Verkehrswende heißt bei den Grünen offenbar Verkehrsende. Kurz gedacht, ist nicht gut gemacht, Maß und Mitte fehlen völlig. Als ehemaliger Sympathisant der Grünen werde ich mich künftig umorientieren.

Jens Dörnbrack

Noch mehr Regulierung

Es ist die peinliche Regel, dass Politiker und Politikerinnen in Sonntagsreden die Klimakrise beschwören, in der realen Welt aber keine entsprechenden Anpassungen vornehmen. Eine löbliche Ausnahme ist Verkehrssenator Tjarks, der exemplarisch aufzeigt, was es heißt, eine echte Verkehrs- und Mobilitätswende zu organisieren. Nicht wachsweich, sondern wirkungsvoll den Raum für motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. Denn das größte Einsparungspotenzial für Klimagase bietet der Verkehrssektor, in dem CO2-Emissionen und Anmeldezahlen für Fahrzeuge in Hamburg steigen und nicht fallen. Auch wenn es uns nicht passt, aber wir brauchen noch viel mehr Regulierung und Eingriff in vermeintliche „Freiheitsrechte“. Denn die ökonomischen, ökologischen und sozialen Kosten einer kurzsichtigen Politik, die vor der automobilen Stadtgesellschaft einknickt, kommen uns dauerhaft durch den Klimawandel deutlich teurer zu stehen. Was fehlt, sind mehr mutige Politikerinnen und Politiker, die in der Gegenwart das Gemurre der Ewiggestrigen aushalten, und das Richtige für zukünftige Generationen tun.

Malte Siegert

Völlig überflüssige Projekte

Wie lange kann sich Hamburg noch einen Verkehrssenator Tjarks leisten, der in diesen finanziell so schwierigen Zeiten mit völlig überflüssigen Projekten ständig Geld zum Fenster rauswirft? Gibt es keine wichtigeren Dinge als einen doppelten Fahrradweg im Berner Heerweg?

Horst Schäfer

Sittenwidriges Glücksspiel

30./31. Januar: „Zockerkrieg an den Börsen. Junge Anleger nehmen den Kampf mit Hedgefonds auf“

Vorweg gesagt: Ich gehöre zur älteren Generation und bin Aktienbesitzer. Aber ich empfinde mehr als eine „klammheimliche Freude“, wenn hier den Hedgefonds einmal „eins ausgewischt wird“. Nach meiner Auffassung sind diese es nämlich, die ihre Marktmacht missbrauchen. „Short Selling“ ist eine Wette, also Glücksspiel, und es ist damit zu rechnen, dass man verliert. Untragbar ist deshalb, dass möglicherweise die Solidargemeinschaft der Steuerzahler den Spieler bei Verlusten mit Milliardenbeträgen unterstützen muss. Nach meinem Moral- und Rechtsverständnis ist es unfassbar, wie es überhaupt zulässig sein kann, etwas Geliehenes zu verkaufen und damit spekulativ zu handeln. Ich halte diese Art des Aktienhandels für grob sittenwidrig und wünsche mir sehr, dass solche „Geschäfte“ zukünftig weltweit (zumindest aber in der EU) geächtet und verboten werden.

Thomas Meier

Recht auf Selbstbestimmung

30./31. Januar: „Erste Vorschläge zur Neuregelung der Sterbehilfe“

Man mag darüber streiten und rechten, wenn es um die Frage der Abtreibung geht. Es ist nicht das eigene Leben, über das entschieden werden soll. Aber welcher Mensch, welches Gremium hat das Recht, über meine Entscheidung für oder gegen meinen Tod zu urteilen? Niemand. Ich hoffe sehr, dass die Gesellschaft und die Rechtsetzung mein Recht auf Selbstbestimmung respektiert.

Volker Nicolai

Für Segler eine Inspiration

30./31. Januar: „Der neue Boris. Deutschland hat einen neuen Sportstar. Es ist ein Segler aus Hamburg, der eigentlich allein die Welt umrunden wollte. Doch am Ende sind ihm dabei Hunderttausende gefolgt“

Boris Herrmann hat als erster deutscher Regattasegler nonstop und single-handed in 80 Tagen die Welt umsegelt und trotz einer Kollision mit einem spanischen Fischkutter kurz vor dem Ziel das Rennen als Fünfter beendet. Es ist eine absolut grandiose Leistung, die Herrmann bei der diesjährigen Vendée Globe erreicht hat. Sein Engagement für dieses Abenteuer hat viele Menschen in allen Altersgruppen mitgerissen – auch solche, die sich sonst wenig für Sport oder Segeln interessieren. Für Segler in und um Hamburg, bzw. an der Nord- und Ostsee, ist er eine tolle Inspiration. In seinen Interviews und Videonachrichten während der Reise hat er auch seine menschliche Seite gezeigt. Dadurch konnten viele Menschen sein spannendes Rennen verfolgen und ein realistisches Bild seiner Leistung bekommen. Dass er zusätzlich Material für wissenschaftliche Experimente in den Weltmeeren gesammelt hat, ist besonders hervorzuheben. Bereits 2019 brachte Herrmann außerdem Greta Thunberg emmissionsfrei über den Atlantik, damit sie an der UN Climate Action Conference in New York teilnehmen konnte. Wir freuen uns mit ihm, dass er diese für uns unermessliche Herausforderung gemeistert hat und wünschen ihm entsprechende Ehrungen und Würdigungen, z.B. die Nominierung als Sportler des Jahres 2021 oder auch die Ehrenbürgerschaft Hamburgs.

Peter Huggett

Demut bei 20 Knoten?

Auch ich habe die Regatta von Boris mit Spannung und Vergnügen verfolgt und habe großen Respekt vor der Leistung aller Beteiligten. Aber als alter und begeisterter Segler habe ich eine Anmerkung zu machen: 80 Tage medialer Rummel auf einer Hightech-Yacht mit 20 Knoten! Hat das was mit der unermesslichen Weite, der Größe der Meere zu tun? Wenn Boris von Demut spricht, hat er sie hoffentlich erfahren, aber was haben wir – digital anwesend – davon erlebt? „In 80 Tagen um die Welt“, lässt sie in unseren Köpfen wieder mal schrumpfen, als ließe sie sich von uns beherrschen. Wir sollten dankbar sein, dass sie uns noch (er)trägt.

Oluf Redlefsen