Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 29. Januar 2021

Lesedauer: 7 Minuten

Mehr Angst und Schrecken

28. Januar: Titelseite: „Hamburg trauert um 1003 Corona-Tote“

Ich bin empört über die Aufmachung Ihrer Titelseite. Diese einseitige Todesanzeige versetzt in diesen schwierigen Zeiten der Corona-Pandemie unsere verunsicherte Gesellschaft noch mehr in Angst und Schrecken. Außerdem gibt es seit dem Ausbruch der Pandemie nicht nur Corona-Tote zu beklagen, sondern es sind leider auch viele andere Menschen in Folge von Krankheiten verstorben. Es ist mir schon länger negativ aufgefallen, dass in der allgemeinen Berichterstattung immer wieder von den vielen Corona-Toten gesprochen wird, aber andere, an heimtückischen oder nicht heilbaren Krankheiten Verstorbene, in diesem Zusammenhang kaum noch Erwähnung finden. Auch hinter diesen, im Verhältnis deutlich höheren Zahlen, stehen Leben und geliebte Menschen. Die Angehörigen von jungen und alten Menschen, die beispielsweise unheilbar an Krebs erkrankt und daran verstorben sind, sind doch genauso schmerzlich betroffen wie Angehörige von Corona-Toten.

Marco Lütz

Das macht psychisch krank

Die Titelseite hilft niemandem weiter. Die meisten Menschen wissen bereits, dass täglich viele Menschen sterben, aber eben altersgemäß, eventuell an Schlaganfall, Herzinfarkt, Diabetes, auch am Grippevirus und versuchen sich meistens auch gesundheitlich entsprechend positiv zu verhalten. Anders als bei den vorgenannten Erkrankungen sind in dieser Zeit die täglichen Lebensverhältnisse für die noch nicht Erkrankten aller Altersgruppen negativ eingeschränkt. Und das macht mehr als viele Leute psychisch krank. Versuchen Sie lieber neben den aktiven Informationen zur Corona-Krise über positive Ideen zur Überwindung der Krankheit zu debattieren. Und das nicht nur mit Politikern, Ärzten und Journalisten.

Jürgen Kunze

Der Mensch ist sterblich

Natürlich erschreckt man anfangs aufgrund Ihres Titelbildes. Allerdings leben in Hamburg über 1,8 Millionen Menschen. Daran gemessen ist die Todeszahl gering. Um jeden Corona-Toten ist es traurig, aber man sollte bedenken, dass Menschen eben sterblich sind. Meine Mutter wurde auch nur 80 Jahre alt. Mein Vater 73 und meine Schwiegereltern sind nur 67 und 56 Jahre alt geworden. Was gar nicht bekannt ist: In der Bundesrepublik sterben pro Jahr 260.000 Menschen an Krebs. Dieser Tod ist auch nicht einfacher, nur: Er findet wenig Interesse in der Politik.

Angela Meyer

Wertvolle Gedanken

28. Januar: Leitartikel: „Durchhalten und mitfühlen. Die Marke von 1000 Corona-Toten in Hamburg sollte eine Erinnerung für jeden sein“

Danke, für Ihre wertvollen Gedanken. Sie haben die passenden Worte gefunden, die Lasten der Pandemie-Situation zu beschreiben und die Forderungen nach Haltung und Solidarität der Bevölkerung zu untermauern. Welche Ehre wir dadurch den Verstorbenen, ihren Angehörigen und allen Schwerkranken erweisen, darauf haben Sie angemessen hingewiesen. Ich bin oft erstaunt, wie wenig viele Menschen auf ihre Ansprüche verzichten können. Das ist meines Erachtens der Übung wert, neben allem Genannten.

Dorothee Kortmann

Tolle Organisation!

27. Januar: „Zweite Impfrunde hat begonnen. ,Ein Meilenstein‘: In den Messehallen bekommen Hamburger nächste Dosis“

Es gibt immer wieder negative Kommentare zu der Impfsituation in Hamburg. Wir haben aber nur Positives zu berichten: Der erste Impftermin ist zwar nur mit viel Durchhaltevermögen zustande gekommen, aber die Anfahrt per Pkw zum Parkplatz des Impfzentrums war völlig unkompliziert und sehr gut ausgeschildert. In den Messehallen ist alles großzügig aufgemacht und gut durchdacht. Wir hatten keinerlei Wartezeit und wurden sofort zum Arzt geleitet. Die Organisation im Impfzentrum lässt nichts zu wünschen übrig.

Birgit und Jürgen Stürzebecher

Schöne Idee, aber zu viel Müll

25. Januar: „Sticker sammeln – gegen Corona für die Kultur. Das Panini-Album ,TeamHamburg‘ soll Not leidender Szene helfen“

Es ist sicher eine schöne Idee, die Kulturschaffenden in der Corona-Krise mithilfe einer besonderen Aktion unterstützen zu wollen. Muss es denn aber ausgerechnet eine Panini-Album-Aktion sein, die wertvolle Rohstoffe verschwendet und jede Menge Müll produzieren wird?

Anja Gerstberger

Deutschland braucht „Mumm“

27. Januar: „Seehofer will Flugverkehr auf ,nahezu null‘ senken. Bundesregierung prüft drastische Maßnahmen aus Sorge vor einer Verbreitung der britischen Mutante“

Es ist schwer nachzuvollziehen, dass es einen 15-Kilometer-Radius gibt, ich meine Eltern nur alleine besuchen und nicht zum Friseur darf, jedoch jeden Tag Flugzeuge mit 200-300 Reisenden aus Hochrisikogebieten einreisen dürfen und den Virus hier frei verteilen dürfen. Private Reisen müssen nicht sein, geschäftliche Sachen lassen sich online regeln. Nur noch Fracht und medizinisch notwendige Flüge sollten durchgeführt werden beziehungsweise erlaubt sein. Das Israel den Flugverkehr eingestellt hat, ist meines Erachtens nach vorbildlich. Endlich ein Land, was den Mumm hat, diesen Schritt durchzuziehen.

Axel Salomon, Hamburg

Überfälliger Schritt

Dieser Schritt ist schon seit langem überfällig. Einen Großteil der Infektionen mit dem Virus haben wir den zahlreichen Reiserückkehrern zu verdanken, die trotz Kontrollen zum großen Teil ungehindert wieder einreisen und für die Verbreitung sorgen. Auch die Landesgrenzen müssen für den Individual- bzw. Reiseverkehr geschlossen werden, zumindest solange, bis das Schlimmste überstanden ist. Man kann nur hoffen, dass Herr Seehofer den starken Worten nun auch schnell Taten folgen lässt und dass das nicht so ein Debakel wird wie die Beschaffung der Impfdosen. Hier hat sowohl die Bundesregierung als auch die in Bürokratie fast erstickende EU jämmerlich versagt und damit dafür gesorgt, dass wir noch sehr lange etwas von Corona haben. Das Versprechen der Kanzlerin, dass alle ein Impfangebot bis zum 21. September erhalten, ist vor diesem Hintergrund auch kaum glaubwürdig.

Helmut Jung

Moralische Verpflichtung

28. Januar: „Synagogen-Pläne bewegen Hamburg. 107.000 Unterstützer sprechen sich für den Wiederaufbau aus

Hamburg ist der jüdischen Gemeinde einen Wiederaufbau der Synagoge moralisch schuldig und sollte ihn unterstützen. Ein historisierender Wiederaufbau (Rekonstruktion) sollte dabei im Ermessen der jüdischen Gemeinde liegen. Ein architektonisch und städtebaulich verändertes Konzept bedarf eines breiteren Diskurses. Mich wundert, dass sich kaum jemand am Kampagnentitel „Nein zu Antisemitismus - Ja zur Bornplatzsynagoge“ stört. Kritiker eines Wiederaufbaus an diesem Ort werden damit von vornherein als antisemitisch diffamiert.

Andreas Gustafsson

Unbedingt lesenswert

25. Januar: Post aus Washington: „Joe Biden und die Gefahr aus den eigenen Reihen“

Die kompetenten und aufschlussreichen Berichte, Kommentare und Analysen zu den turbulenten und für uns oft unverständlichen Vorkommnissen der letzten Monate der Trump-Regierung waren für mich fast täglich der interessanteste außenpolitische Beitrag Ihrer Zeitung. Ich hoffe sehr, dass Herr Hautkapp den vermutlich schwierigen Start der neuen Biden-Regierung in gleicher Weise begleiten und kommunizieren wird. Und seine detailreiche – oftmals auch unterhaltsame – „Post aus Washington“ ist jederzeit aufschlussreich und unbedingt lesenswert.

Hans H. Diercks, Norderstedt