Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 27. Januar 2021

Lesedauer: 7 Minuten

Und was ist mit China?

26. Januar: „Wird Nord Stream 2 jetzt gestoppt?“

Immer wieder vermischen wir Wirtschaft, Moral und Politik. Waren wir nicht auch schon vor 2018 in gewisser Weise abhängig von russischen Gaslieferungen, die allerdings per Rohrleitung über Land durch Polen und die Ukraine kamen? Und machen wir uns nicht durch die Huawei-Beteiligung an unserem G5-Netzausbau abhängig von China, einem Land in dem Menschenrechte nach unseren Maßstäben permanent verletzt werden? Und bei Fracking-Gas-Lieferverträgen mit den USA weiß man im Zweifel ja auch nicht, wie vertragstreu der nächste Präsident sein wird.

Peter von Elm, Lüdersburg

Strom erzeugen mit Erdgas

Es stimmt, Nord Stream 2 hat mit Nawalny nichts zu tun: Ein Baustopp würde ihn nicht retten. Ein Gesichtspunkt für den Fertigbau wird aber so gut wie gar nicht genannt: Wenn die Kohlekraftwerke mit ihren hohen CO2-Ausstößen in naher Zukunft abgeschaltet werden, wird deren Strom nicht vollständig durch Strom aus erneuerbaren Energien ersetzt werden können. Man wird auf die vorhandenen Erdgaskraftwerke zurückgreifen müssen. Schon um sie als Regelkraftwerke nutzen zu können. Sie stoßen für gleich viel kWh nur rund halb so viel CO2 aus wie Kohlekraftwerke, stellen also für das Klima eine Verbesserung dar, auch was die Versorgungssicherheit betrifft. Im wenig wahrscheinlichen Fall, dass Russland den Gashahn zudreht, kann Deutschland immer noch Flüssiggas aus den USA importieren. In Brunsbüttel wird ja schon mal ein entsprechendes Terminal geplant.

Dr. Friedrich Weinhold, Norderstedt

Einmischung nicht hinnehmbar

Die Energieversorgung unseres Staates liegt einzig und allein in der Hand unserer Regierung, und da hat sich die USA in keiner Weise einzumischen. Dieses sollte unsere Regierung den USA eindeutig klar machen. Deutsche Betriebe, die mit dem Bau beschäftigt sind, mit Sanktionen zu belegen, ist Erpressung und in keiner Weise hinnehmbar.

Bernd Mucksfelde

Zu teuer für eine Familie

26. Januar: „Hamburg zahlt Bedürftigen 20 Euro Zuschuss für Masken

Zum Schutz vor weiteren Viren hat die Bundesregierung das Tragen von medizinischen OP- und FFP2-Masken angeordnet. Der Kauf solcher FFP2-Masken wird teils zu unverschämt überhöhten Preisen angeboten. Da kommt für eine vierköpfige Familie im Monat eine stolze Summe zusammen. Insofern ist es angemessen, wenn Familien und Bedürftige vom Staat bzw. von der Krankenkasse finanziell unterstützt werden. Das Verteilen von medizinischen Masken zum „Nulltarif“, wäre vielleicht auch denkbar. Es kann sein, dass wir noch mehrere Monate die Masken tragen werden, da sind 20 Euro ein Tropfen auf den heißen Stein.

Rita Humpke

Verständnisfragen zum Tatort

26. Januar: „,Tödliche Flut‘ auf Norderney – fast elf Millionen sahen zu“

Der am Sonntag gelaufene Tatort hatte also Top-Einschaltquoten. Ist ja ganz schön, nur sagt das, auch und besonders wieder in diesem Tatort, überhaupt nichts über die Story und Qualität der Folge aus. Für mich war nicht im Geringsten eine plausible Geschichte erkennbar. Was war zum Beispiel mit den Immobiliengeschäften? Und warum war die Hauptdarstellerin tot und wie ist das passiert? Meines Erachtens sind die Zahlen der Einschaltquoten nur für die dazwischen geschalteten Werbeblöcke interessant und sagen nichts über die Qualität des Films aus.

Curt Dabbert

Die Politik muss eingreifen

25. Januar: „Verliert die Lottestraße ihr Gesicht?

Sie werden sicher noch viele Artikel dieser Art schreiben, denn in Lokstedt herrscht, wie in ganz Hamburg, der Gründerzeit-Ausverkauf. Noch nie konnte man mit Grundstücksverkäufen mehr Gewinn erzielen als heute. Das ist reizvoll. Ob Sanierung oder Abriss lässt sich schnell entscheiden, wenn man einen kurzen Blick auf den Bebauungsplan wirft. Überall in der Stadt sehen wir, wie Investoren Hand in Hand mit den Behörden das Baurecht maximal ausnutzen. Was wir nicht mehr sehen, sind die vielen Gründerzeitbauten, die wir uns im Vorbeifahren traurig noch ein letztes Mal angeguckt haben und jetzt kaum noch erinnern. Die Zahl der denkmalgeschützten Wohnhäuser in Lokstedt lässt sich übrigens an einer Hand abzählen. Wer Lokstedt kennt, der weiß, dass es noch einen großen Bestand an schützenswerten historischen Bauten gibt, der sich aber von Jahr zu Jahr weiter ausdünnt. Es wäre Aufgabe der Politik, hier einzugreifen. Aber die Politik spricht eine deutliche Sprache: Je dichter und höher, desto besser! So haben wir uns bei der letzten Bürgerschaftswahl letztlich selbst entschieden, in gewinnoptimierten, gesichtslosen Wohnsiedlungen zu leben. Es wird Zeit, das zumindest mal breiter zu diskutieren.

Susanne Ahrens

Gemüse aus der Region essen

26. Januar: „Gemüse ist jetzt knapp – und deshalb teuer“

Warum sich über solche Preise aufregen? Kein Mensch wird gezwungen, jetzt Gurken zu essen. Schon in meiner Kindheit habe ich gelernt, Obst und Gemüse aus der heimischen Region zu essen und vor allem der Jahreszeit entsprechend. Und im Winter gehören Gurken nicht dazu.

Gitta Uther, Seevetal

Auch Frauen gegen Gendern

23./24. Januar: „Was wird aus den Konservativen? Die Niederlage von Friedrich Merz auf dem Parteitag zeigt, dass nicht einmal mehr die CDU konservativ sein will. Dabei wird diese Stimme in der Demokratie dringend benötigt“

Im Grundsatz lässt sich zu dieser umfassenden Bestandsaufnahme nur wenig hinzufügen. Was mich allerdings massiv stört, ist beim Thema „Gendern“, dass ständig von Seiten der missionarischen Befürworter so getan wird, als sei dies ein Problem „alter weißer Männer“, zu denen ich auch gehöre. Das ist eine wohlfeile Deformation der Darstellung. Viele Frauen in meinem Bekannten- und Freundeskreis haben ebenfalls studiert, waren mindestens genauso politisch interessiert wie die heutige Generation. Durch die Bank lehnen alle Gendern ab, aus den unterschiedlichsten Gründen: verkopfter Pseudo-Feminismus, Nebenkriegsschauplatz, verhunzte Grammatik, gestörte Sprach-Ästethik etc. Wenn Petra Gerster berichtet, die kritischen Kommentierungen ihres Genderns haben abgenommen, werden die Ursachen womöglich falsch interpretiert. Sie bedeuten eher nicht eine gesteigerte Akzeptanz, sondern stehen für Resignation. Was soll man gegen die Medien-Präsenz von Gerster und anderen tun, sofern man eben nicht den Weg eines „Shitstorms“ wählen möchte?

Dr. Eckhard Gabersek, Reinbek

Absurde Polarisierung

Ich möchte Ihnen widersprechen. Ich bezweifle, dass konservatives Denken in Deutschland so weit verbreitet ist, wie Sie es gern hätten: also inhaltlich begründetes konservatives Denken. Was könnte das sein: mehr Braunkohleverbrennung, Deregulierung der Wirtschaft, noch mehr Subventionen für die konventionelle Landwirtschaft, Zurückdrängung der gut ausgebildeten Frauen, Missachtung der Flüchtlingsrechte? Was Sie als „links-grüne kulturelle Hegemonie“ beschreiben, ist schon seit langem Mainstream und auch in der CDU angekommen. Die Polarisierung, die Sie aufmachen – hier die „Linken“ und da die “mahnenden Konservativen“ – und dazwischen der hart arbeitende Deutsche, den Politik nicht interessiert, ist absurd. Die Mehrheit der Deutschen ist heute an einem guten, gerechten, gesunden Leben für alle Bevölkerungsgruppen interessiert, das schließt Klima-, Verkehrs-, Sozialpolitik ein. Die „alten weißen Männer“, die nichts von Frauenrechten halten, werden langsam weniger – und das finde ich gut.

Barbara Schrader