Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 26. Januar 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Radtour ohne Angst

25. Januar: „Kreis Pinneberg: Inzidenz steigt auf über 200. Krisenstab beschließt Verschärfung der Schutzmaßnahmen

Ich bin ein braver Bürger und halte mich seit rund einem Jahr an alle Corona-Regeln. Wenn ich jetzt lese, dass aufgrund der hohen Infektionszahlen im Kreis Pinneberg die Naherholungsgebiete Himmelmoor, Holmer Sandberge und Hetlinger Schanze für „touristische Ausflüge“ – also auch für eine „schnelle“ Radtour“ – gesperrt werden, dann stelle ich mir die Frage, wer denn so einen Blödsinn wohl beschließen kann. Natürlich sind dort viele Menschen unterwegs! Aber es sind doch keine solchen Massen, dass wir Angst haben müssten, totgetreten zu werden. Und es steckt sich doch bei so viel frischer Luft auch niemand an. Ich zweifle inzwischen ganz massiv an der Urteilsfähigkeit unserer gewählten Volksvertreter, die offenkundig die Hosen gestrichen voll haben. Armes Deutschland.

Manfred Christen, Tornesch

Glaubwürdigkeit leidet

25. Januar: „Ausgebremst: Reisen wird noch schwieriger“

Dass das RKI ganz Spanien zum Hochrisikogebiet erklärt, weil der 7-Tage-Inzidenzwert aktuell bei über 400 liegt, mag für das Festland verständlich sein. Die Kanarischen Inseln liegen aber weit außerhalb des spanischen Festlandes. Vier der sechs Inseln werden direkt von Deutschland und auch von Hamburg aus angeflogen. Auf La Palma z.B. liegt der Wert aktuell bei unter vier, in den letzten Wochen lag er konstant bei etwa 20. Wenn das RKI einzelne Gebiete von Staaten aus den Risikogebieten herausnimmt, weil die Werte das gestatten, dies bei einer Insel, annähernd in der Größe des Stadtgebiets Hamburg aber unterlässt, drängt sich die Vermutung auf, dass die Unterlassung politisch gewollt ist. Leider wird so die Glaubwürdigkeit des Instituts untergraben.

Axel Ockelmann

Diese Regierung macht Angst

23./24. Januar: Leitartikel: „Schluss mit dem Impf-Ärger. Terminvergabe unter 116 117 entnervt täglich Tausende Hamburger. Das muss sich ändern“

Die zuständige Behörde mag ja dankbar dafür sein, den Ärger über die Impftermine zunächst nur bei der älteren Generation verursacht zu haben, die es aus ihrer Kindheit noch kennt, dass man auf die Zuteilung von Bezugscheinen für Mangelware geduldig warten muss. Die gleiche Behandlung der jetzt berufstätigen Generation hätte mit Sicherheit zu einer heftigeren Empörung geführt. Wie einfältig muss denn eine Senatorin sein, um die vermutlich 100.000 ältesten Menschen der Stadt auf die erstmals wohl nur 500 vorhandenen Impftermine zu verweisen. Das Fehlen von Impfstoff mag ja noch erklärbar sein, das vorsätzlich verursachte Chaos aber nicht. Mir macht eine Regierung richtig Angst, die bei einer so einfachen Organisation versagt. Was dürfen wir erwarten, wenn einmal tiefgreifende spontane Entscheidungen erforderlich werden. Ich gehöre übrigens zu der zum Impfen aufgeforderten Altersgruppe und habe in den letzten zwei Wochen bisher 14 vergebliche Telefonanrufe gemacht, um einen Impftermin getätigt.

Norwid Göttsche

Konservative einbinden

23./24. Januar: „Was wird aus den Konservativen? Die Niederlage von Friedrich Merz zeigt, dass nicht einmal mehr die CDU konservativ sein will. Dabei wird diese Stimme in der Demokratie dringend benötigt“

Vielen Dank an Matthias Iken für den wirklich fundierten Artikel über die Rolle des Konservativismus. Ich bin sicher, dass er einem großen Teil unserer Bevölkerung, den man so gern als schweigende Mehrheit umschreibt, aus der Seele spricht. Besonders kritisch ist der richtig beschriebene Umstand zu sehen, dass viele sich in Diskussionen kaum noch trauen, im wohlverstandenen Sinne konservative Positionen zu vertreten, weil sie befürchten (müssen), von den Andersdenkenden sofort in die rechte Ecke gestellt zu werden. Und diese rechte Ecke hat nichts mehr mit konservativ zu tun, sondern gemeint ist rechts außen. Die Begrifflichkeit „rechte Politik“ im Sinne von konservativer Politik als Gegenpol zur linken, sozialdemokratischen Ausrichtung, ist praktisch aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Rechte Politik wird gleichgesetzt mit rechts außen, sprich rechtsradikal. Auch das ein Ergebnis der Strategie des linksgrünen, kulturellen Hegemons, konservative Politik zu diskreditieren. Auch wenn eine Umkehr dieser Entwicklung schwer werden dürfte, sollte die neue CDU-Führung den Versuch unternehmen, den Kurs der Mitte durch eine überzeugende Einbindung konservativer Positionen zu ergänzen. Nur so kann die CDU ihr Wählerpotenzial voll ausschöpfen und die Rolle als letzte Volkspartei beibehalten.

Bernd Plath

Verpasste Chance

Der zweite Sieger ist immer auch der Verlierer. Im Fall Laschet sind es eben ein paar Röttgen-Stimmen mehr gewesen, die zum Sieg geführt haben. Aber warum muss der Verlierer sich gleich dem Sieger unterordnen? Die Stärke von Merz ist doch seine Unabhängigkeit und glasklare Einordnung der zukünftig notwendigen, politischen Aktivität, und das hat er als Verlierer vor Ort gleich deutlich gemacht. Dieses Vorgehen ist sicherlich ungewöhnlich und passt nicht in die Vorstellungswelt der heutigen angepassten political correctness. Schon ist also dieser Mann ein schlechter Verlierer. Schade, um die verpasste Chance der Erneuerung. Mit dem „Weiter so“ werden wir noch viel Kraft in falsche Entwicklungen vergeuden und die Bürger unnötig belasten.

Dietrich Teudt

Bewahrer des Status quo

Konservative sind und waren nie die großen Kritiker des Weltgeschehens. Sie sind, wie es schon im Namen steht, Bewahrer des Status quo. Wenn wir allerdings erkennen, dass der Status quo zu ganz vielen Problemen führt – steigende Mietpreise, die sich vertiefende Spaltung von Arm und Reich oder existenzielle Krisen, wie die Klimakrise – dann müssen wir uns die Frage stellen, ob uns die Konservativen aus diesen Problemen führen können. Da sie eben diese Probleme aber eher verstärken als lösen, bleibt die Antwort „nein“.

Tim Linsel

Nur noch radikale Stimmen

Ihr Artikel hat mir aus der Seele gesprochen. Es finden nur noch laute und radikale Stimmen abseits der Mainstream-Meinung ein Gehör. Der wichtige (konservative) Diskurs ist aktuell in unserer Gesellschaft nicht gefragt. So verengen wir die Mitte immer mehr und überlassen den (radikalen) Ränder ihren Spielraum.

Hans-Jürgen Ohlerich

Schuld ist Merkels Politik

Der Niedergang des CDU-Konservativismus ist Merkels Politik geschuldet, als sie seinerzeit mit dem Dogma brach, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei und sich fortan für eine andere Migrationspolitik öffnete. Auch ihre Kurskorrekturen bezüglich der Abschaffung der Wehrpflicht, der übereilte Ausstieg aus der Kernenergie und die Rettung des Euro – unter Einsatz horrender Milliardenbeträge – brachte ihr zwar Kritik aus den eigenen Reihen, aber umso mehr Beifall von Rot/Grün ein. Konservatives Gedankengut wird heute in der Politik und ebenfalls im privaten Bereich übelst diskreditiert.

Jochen Schultz

Spazieren gehen macht Spaß

25. Januar: „So gesund ist der tägliche Spaziergang“

Wir sind schon lange vor Corona regelmäßig spazieren gegangen und haben das nie als spießig empfunden. Ganz im Gegenteil: Das macht Spaß, man entdeckt immer wieder etwas Neues und tut ganz nebenbei auch noch etwas für seine Gesundheit. Wir nehmen uns regelmäßig Stadtteile vor, in denen wir lange nicht waren oder noch nie so richtig. Spazieren gehen ist eine großartige Gelegenheit, die eigene Stadt besser bzw. neu kennenzulernen.

Birgit Peters