Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. Januar 2021

Lesedauer: 9 Minuten

Das bringt Erleichterung

22. Januar: "EU: Grenzen sollen möglichst nicht mehr geschlossen werden. Die Staats- und Regierungschefs suchen auf ihrem Gipfel nach einem gemeinsamen Kurs in der Corona-Politik. Kommt der Impfpass?"

Bis zum Erreichen einer Herdenimmunität wird es die Auseinandersetzungen geben, wie mit Geimpften und Nicht-Geimpften umzugehen ist. Als eine erleichternde Lösung bietet sich an, getrennte Angebote für Geimpfte und Nicht-Geimpfte (mit entsprechenden Sicherheitsauflagen) zu machen, z.B.: Veranstaltungstage, wie Kino, Theater, Musik, Sport usw. oder auch Flüge, Reisebus, Zugabteile etc. jeweils für Geimpfte und Nicht-Geimpfte. Da ergeben sich ganz viele Möglichkeiten, die flexibel gehandhabt werden können. Und eine Zuordnung der von Covid-19 Genesenen wird sich auch in absehbarer Zeit herausfinden lassen. Bei dieser Lösung kann sich niemand zurückgesetzt fühlen, und es bringt wieder Leben und Umsätze in die Not leidenden Branchen.
Udo Bauer, Wedel

Keine barmherzige Wohlfühloase

22. Januar: "Alimaus-Team erbost über "schäbigen Umgang" - Kältebus gefährdet? Vertrag von Ex-Leiterin wurde nicht verlängert. Vom katholischen Träger seien sie über den Chefwechsel nicht informiert worden, klagen Mitarbeiter - und melden sich krank"

Es ist das große Pfund kirchlicher Organisationen und eine Lehrstunde in professionellem Marketing, dass selbige im Bewusstsein der Gesellschaft stets als das Gute tuende Organisationen mit selbstlosem Charakter gesehen und empfunden werden. Zieht man diesen Schleier etwas beiseite, erscheint dahinter ein ideologisch ausgerichteter Zusammenschluß von Menschen, die ein Ziel verfolgen. In religiösem Umfeld ist das stets die Missionierung der Ungläubigen oder Andersgläubigen. Das sollte immer mitbedacht werden, wenn das Vorgehen dieser Organisationen bewertet werden soll. Das Thema "Alimaus" erinnert sehr an die Vorgänge hinsichtlich der katholischen Schulen. Auch hier agiert die Kirche nicht wie eine barmherzige Wohlfühloase, sondern wie ein seelenloser Konzern, der nur am Unternehmensziel ausgerichtet ist. Und das ist eben nicht die Barmherzigkeit, die nur ein Nebennutzen ist, sondern der Selbstzweck. Und da ist seit 2000 Jahren kaum eine Organisation so konsequent, wie die katholische Kirche. Koste es, was es wolle.​
Andreas Kaluzny​

Hamburgs Trauerspiel

19. Januar: "Hamburg verliert immer mehr Bäume"

Die ständig voranschreitende Vernichtung von naturnahen Flächen, Bäumen, Wäldern ist ein Trauerspiel für Hamburg und den Klimaschutz und ein Armutszeugnis für den rot-grünen Senat. Wohl jeder Hamburger merkt in seiner Umgebung und bei seinen Spaziergängen, dass gerade in den letzten Jahren immer mehr Natur dem Wohnungsbau weichen musste. Die Studie zeigt meines Erachtens, dass die politischen Schwerpunkte zu eindeutig auf Wohnungsbau und Verkehrskonzepte, wie dem Ausbau von Velo-Routen, ausgerichtet sind. Der Erhalt/Ausbau von Naturflächen rangiert eher unter "nice to have". Da es aber immer wärmer wird, und das in längeren Zeiträumen, werden Nachpflanzungen immer schwieriger. Auch insofern ist das Sparen am Naturschutz in Hamburg für mich eine kurzsichtige Politik mit falscher Prioritätensetzung.Beatrix Schäfer​

Bäume reinigen die Luft

Mit der Duldung des immer stärker voranschreitenden Kahlschlags von Hamburgs Baumbestand schießen sich die Grünen ein Eigentor. Bäume tragen in erheblichem Maße zur Verbesserung des Stadtklimas bei. Sie reinigen die Luft von Schadstoffen, reduzieren den Lärm, spenden in den Sommermonaten Schatten und haben Einfluss auf die Windgeschwindigkeiten in den engen Straßenschluchten. Die Partei und allen voran Verkehrssenator Tjarks muss sich fragen lassen, welcher Radfahrer gerne im Sommer in verpesteter Luft, auf schattenlosen, aufgeheizten und windigen Radwegen fahren möchte.
Martin Wucherpfennig​

Zur körperlichen Ertüchtigung

21. Januar: "Mönckebergstraße ohne Busse - jetzt geht's los.Steinstraße wird Einbahnstraße und erhält zwei Busspuren. Bewährt sich dieser Versuch nach sechs Monaten, könnte er zur Dauerlösung werden​"

Wie schön! Die Busse verschwinden aus der Mönckebergstraße, und wir dürfen dann jung und dynamisch flanieren! Was denken sich eigentlich unsere Politiker? Wer zukünftig vom Einkaufen in den westlichen Bereich unserer Stadt will (Richtung Altona) darf sich mit Einkäufen belastet zur Willy-Brandt-Straße begeben, um dort in den Bus zu steigen. Fast genauso ist es in Richtung Hauptbahnhof. Nicht überall sind die U- und S-Bahnverbindungen so, dass man keine längeren Strecken zur Wohnung zurückzulegen hat. Aber Herr Anjes Tjarks und Mitstreiter für dieses Projekt denken natürlich nur an die körperliche Ertüchtigung der Bürger. Außerdem hat die Mönckebergstraße genügend breite Fußwege, um diese „flaniergerecht“ zu gestalten. Niemand braucht diese Gehübungen mit seinen Einkäufen.
Renate von Appen

Mö: Chance zum Prachtboulevard

Die Verlagerung des Verkehrs aus der Mönckebergstraße in die Steinstraße ist eine Chance, der City an dieser Stelle neuen Glanz zu verleihen. Noch ist davon nichts zu spüren. Die für die Planungen verantwortlichen Senatoren Dorothee Stapelfeld und Anjes Tjarks konzentrieren sich aktuell allein auf die Gestaltung der Steinstraße, die für ihre neuen Aufgaben „hergerichtet“ werden muss. Neben dem Busverkehr spielt dabei der Radverkehr eine gewichtige Rolle. Längst wäre es allerdings an der Zeit, dass sich die Politik Gedanken macht, wie die „Mö“ der Zukunft aussehen soll. Das Aufstellen von Blumenkübeln wird für mehr Attraktivität sicherlich nicht reichen. Ihrer Bedeutung angemessen wäre deshalb die Auslobung eines Architektenwettbewerbs, der entsprechende Gestaltungsvorschläge liefert, wie die Mönckebergstraße zukunftsfähig gemacht wird. Die Mönckebergstraße hat das Potenzial zu einem Prachtboulevard. Jetzt ist die Chance da, dieses Ziel zu erreichen.​
Günter Dorigoni, Hamburg

Deutsches Versagen

21. Januar: Gastbeitrag: "Wiederaufbau der Synagoge "mehr als überfällig". Die Politik darf das Projekt nicht als Feigenblatt missbrauchen, meint der Hamburger Staranwalt Gerhard Strate"

Der Gastbeitrag des Hamburger Staranwalts Gerhard Strate zum Thema des Wiederaufbaus der Bornplatz-Synagoge legt gleichzeitig den Finger in die Wunde deutschen Versagens gegenüber dem Staat Israel. Schon sehr lange sehen deutsche Politiker dem Überlebenskampf des jüdischen Staates seelenruhig zu. Dazu spricht auch das fragwürdige deutsche Abstimmungsverhalten bei den Vereinten Nationen. In meinen Augen eine schändliche Politik gegenüber Israel. Insgesamt acht Resolutionen ergingen allein im November gegen Israel von denen sieben von Deutschland unterstützt wurden.Helmut Schwarz, Hamburg​ Ich wünsche mir mehr Respekt

"Antisemitismus kommt nicht nur in vielen Gewändern daher, er geht auch mit der Mode." Selten gelang es, die unterschiedlichen Formen des alltäglichen Antisemitismus in dieser Kurzform so präzise zu benennen, wie im Gastbeitrag von Gerhard Strate. Sie nennen sich Antizionisten und betreiben mit Hilfe der BDS-Bewegung den Boykott der israelischen Wirtschaft, leider mit fatalen Auswirkungen gerade für palästinensische Arbeitnehmer. Auch der alljährliche Al-Quds-Tag in Berlin mit den obszönen Hasstiraden gegen Israel hätte längst verboten werden müssen, immer wieder gefordert, aber ohne Erfolg. Und das Abstimmungsverhalten bundesdeutscher Vertreter bei UN-Resolutionen gegen Israel ist nur noch peinlich, auch angesichts dessen, was da „verurteilt“ wird. Herr Strate weist zu Recht darauf hin, dass wirklich strafwürdige grausame Sachverhalte anderer Länder kaum in Anträgen oder zur Abstimmung stattfinden (statistisch belegt und nachzulesen). Die Bundesregierung steht mit dieser Haltung im Widerspruch zu ihrem behaupteten Anspruch, und das Auswärtige Amt scheint dabei eine unrühmliche Rolle zu spielen. Mit Erstaunen lese ich zur Zeit auch die vielen Kommentare zur Gestaltung und Nutzung der künftigen Synagoge. Aber es ist die Jüdische Gemeinde Hamburg, der ihre einst zerstörte Synagoge endlich wiedergegeben werden soll, da wünschte ich mir sehr viel mehr Respekt!
Ute Schupeta

Treffpunkt verschiedener Denkrichtungen

Seit Jahrzehnten bemühen sich Politiker und verantwortungsbewusste Bürger darum, jegliche Kritik am Staate Israel mit seinen ständigen Verletzungen von UN-Resolutionen keinesfalls auf die mit uns lebenden jüdischen Mitbürger/innen zu übertragen. Dies ist seit der starken Einwanderung von Menschen aus Nachbarstaaten Israels, die von Kindheit an in einer - mal mehr und mal weniger berechtigten - Antihaltung zum Staat Israel aufgewachsen sind, umso wichtiger. Das Pamphlet des sogenannten Star-Anwaltes Gerhard Strate ist dazu geeignet, bisherige Erfolge auf diesem so wichtigen Weg der Trennung zwischen Israel-Kritik und Antisemitismus kaputt zu machen. Unsere jüdischen Mitbürger/innen hatten in den Diskussionen um den Wiederaufbau bzw. Neubau der Bornplatz-Synagoge dankenswerterweise Überlegungen angestellt, ob und wie man ein solches Haus auch zu einem Treffpunkt für Menschen verschiedener Denkrichtungen machen könnte.
Bernd Wenzel, Buchholz​