Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 5. Januar 2021

Lesedauer: 6 Minuten

Mehr Impfzentren

4. Januar: "Große Impfaktion - wie geht es jetzt weiter?"

Es ist schon beschämend, dass man es versäumt hat, die ausreichende Menge an Impfstoff zu bestellen, um möglichst viele Menschen so schnell wie möglich zu impfen. Noch viel schlimmer ist es, dass man jetzt keine weiteren Maßnahmen ergreift, den schlechten und langsamen Start mittelfristig wieder einzuholen. Mit einfachster Mathematik, einer Dreisatzrechnung, kann jeder sofort berechnen, dass bis zum Sommer oder auch Ende Sommer 2021 mit nur einem Impfzentrum nicht genügend geimpft werden kann. Selbst bei optimaler Ausnutzung landen wir weit in 2022. Das muss unbedingt verhindert werden, jede Verzögerung kostet Menschenleben. Mein Vorschlag: Mindestens drei, besser fünf Impfzentren gleicher Kapazität eröffnen. Da wir heute noch nicht wissen, wie lange der Impfstoff wirkt, müssen wir unbedingt vor dem nächsten Herbst mit der ersten Impfung durch sein. Falls wir das nicht schaffen, und falls der Impfstoff nur für eine Saison wirkt, werden wir es nie schaffen, da die schon Geimpften dann auch wieder erneut geimpft werden müssen.

Gerhard Kühl

Mehr Qualität und Ruhe

4. Januar: "Tui rechnet mit Tourismus-Boom im Sommer. Der Chef des Reisekonzerns will alle 16 Kreuzfahrtschiffe in diesem Jahr wieder einsetzen"

So sehr ich auch verstehen kann, dass Firmen möglichst schnell wieder zur Normalität übergehen wollen, so sehr hadere ich damit, dass es so wirkt als hätten wir aus der Pandemie nichts gelernt. Es kann doch wirklich nicht das Ziel sein, das wir schnellstmöglich wieder auf dem Trip höher, weiter, schneller reiten? Es muss doch ein Umdenken stattfinden zu Gunsten von mehr Qualität und mehr Ruhe. Es wäre an der Zeit, dass die Firmen sich da neu sortieren, hin zu mehr Menschlichkeit, Respekt und Würde, sowohl den Menschen als auch allen Ressourcen gegenüber. Wir haben doch schon alle so viel, es muss doch nicht immer wieder etwas Neues sein. Wir haben doch herausgefunden, welch schöne Ecken unser Land hat, warum jetzt also wieder alle rauf auf die Kreuzfahrtschiffe und die Häfen und die Umwelt verschmutzen?

Elvira Kleinschmidt

Plädoyer für die Zukunft

2./3. Januar: "Knallerfrei, das ist der Knaller! Silvester ohne Böller ist ein Modell für die Zukunft"

Ein gelungenes Plädoyer für das Beibehalten positiver Nebeneffekte aus der Corona-Krisenzeit. Endlich mussten zu Silvester mal nicht die Wohnungen schon vor Mitternacht zwangsgelüftet oder Lüftungsanlagen ausgestellt werden, um sich vor dem dann folgenden Gestank zu schützen. Nicht wenige vertragen ihn gesundheitlich nicht. Frauchen und Herrchen brauchten ihre Vierbeiner zuhause nicht trösten und Pferdefreunde mussten nicht um Mitternacht zur Beruhigung der Tiere im Stall sein. Auch die Wildtiere hatten ihre Ruhe und am Neujahrsmorgen gab es keinen hässlichen Müll auf Straßen und Plätzen - welche Ersparnis für Städte und Gemeinden. Weil angetrunkene Menschen mit Pyrotechnik hantieren dürfen, geraten sonst bundesweit Gebäude in Brand und in Kliniken sind die Notaufnahmen in Alarmbereitschaft. Sogar die Feinstaubemissionen aus einem ganzen Monat Straßenverkehr wurden jetzt vermieden! Ob Politik und Gesellschaft willens und in der Lage sind, auch in Zukunft von diesen Vorteilen zu profitieren?

Johannes Zink, Norderstedt

Grüne Verbotspolitik?

Wahrscheinlich hat der Autor nie eine rauschende Silvesternacht gefeiert... Während ab Mitternacht trotz Verbot noch ein ansehnliches Feuerwerk in den Himmel gezaubert wurde, empfand ich die traurige Stille am Nachmittag fast beängstigend. Der Trend geht doch seit Jahren zu prachtvollen und in ihrer Handhabe sicheren Feuerwerksbatterien. Deshalb braucht es auch einmal im Jahr keine kontrollierten Zentralfeuerwerke von einem Komitee für Unterhaltungskunst! Zu diskutierten wäre ein Verbot von Böllern, die zu viel Schwarzpulver enthalten und leicht Knalltraumen auslösen. In Zeiten von Internet und offener Grenzverkehre dürfte ein Verbot aber schwer zu realisieren sein. Nach einem abwechslungslosen Jahr mit vielen Entbehrungen, die letzte traditionelle Freude des Jahres an frischer Luft generell zu verbieten und die Pandemie als Vorwand für ein Verkaufsverbot zu nehmen, war nicht in Ordnung. Hier wurde die Gunst der Stunde genutzt, um grüne Verbotspolitik zu verwirklichen!

​Jan Kröger

Überfällige Betrachtung

29. Dezember 2020: "Corona - eine Lehre in Demut"

Herzlichen Dank für Ihr Essay, eine derartige Betrachtung war schon längst überfällig. Es ist einfach zu kurz gegriffen, die Corona-Pandemie auf Zahlen von Infizierten und Verstorbenen zu reduzieren. Sicherlich, jeder Verstorbene ist einer zu viel. Aber die Sichtweise der Virologen und Ökonomen ist eine – aber halt nur eine, nebenbei gibt es aber sehr viele andere Sichtweisen der Menschen, die in dieser Pandemie leben und überleben müssen. Leider stimmt es, dass Menschen über den Tellerrand gestoßen werden, die sich für ein Leben ohne Geld-zurück-Garantie entschieden haben und damit unsere Gesellschaft nicht nur bunter und lebenswerter gestaltet haben, sondern auch für neue Ideen und neue Impulse gesorgt haben. Wo soll die Reise hinführen? Schon lange vermisse ich eine gesellschaftspolitische Diskussion, die doch so dringend notwendig wäre. Die Krise ist weit größer und vielschichtiger als uns die Politiker weismachen wollen, die Reduktion auf Zahlen des RKI reicht eben nicht aus.

Dietrich Cunow

Pflegepersonal vergessen

Matthias Iken hat sehr ausführlich eine Rundumschau gemacht und doch etwas sehr wichtiges ausgelassen: Das Pflegepersonal und die Ärzte. Mit Beifall bedacht in den ersten Monaten der Pandemie, mit einer Extrazahlung versehen, die doch bei so vielen nicht angekommen ist und inzwischen vielfach unter Dauerbelastung und ständig einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Wir brauchen uns nicht zu wundern, wenn sich viele Pflegerinnen und Pfleger nach einer hoffentlich überstandenen Pandemie eine andere Arbeit suchen. Denn es sind nirgends Ansätze erkennbar, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die waren in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nämlich schon vor der Pandemie vielfach eine Zumutung.

Christoph Godo​