Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. Januar 2021

Lesedauer: 8 Minuten

Zwei wichtige Maßnahmen

19. Januar: „Pro und Kontra: Brauchen wir einen härteren Lockdown?“

Ein Kompliment an das Abendblatt zu seiner Pro-und-Kontra-Diskussion zum Thema Lockdown. Die Entwicklung nach unserem ersten Lockdown hat gezeigt, was ohne flankierende Maßnahmen wie eine Tracking-App oder harte Einreisekontrolle passiert. Alle Länder mit einer erfolgreichen und dauerhaften Begrenzung der Infektionszahlen haben zwei Maßnahmen getroffen, um die Fallzahlen auch konsequent niedrig zu halten: die konsequente Überwachung der Regeln und besonders der Quarantäne-Einhaltung durch gesonderte Unterbringung und/oder Erfassung von Bewegungsprofilen durch eine Tracking-App und die Schließung der Grenzen oder Vollkontrolle aller Einreisenden mit harten, überwachten Quarantäne-Bedingungen. All dies ist in Deutschland nicht machbar, gewollt oder auch nur in der Diskussion. Der Datenschutz wird über mögliche Freiheiten oder Gesundheit gestellt. Ohne diese Maßnahmen jedoch (oder eine zügige Impfung, die nicht absehbar ist) könnten wir gleich einen Lockdown bis Herbst beschließen (wenn nicht bezüglich der Impfrate ein Wunder geschieht), denn mit jeder Lockerung werden die Fallzahlen wieder nach oben schießen. Einen monatelangen Lockdown aber halten die Menschen nicht ein und die Wirtschaft nicht aus. Und egal, was die Regierung an neuen Verschärfungen verabschiedet, ohne eine harte Kontrolle der Einhaltung (wozu eine Tracking-App unerlässlich wäre) bleibt es mehr ein „Löckchen down“.

Astrid Epping, Hamburg

Verantwortungslose Bürger

Zu Recht schreibt Herr Haider, dass es zunächst zu einer eindeutigen Umsetzung der vorhandenen Regeln kommen muss, bevor schärfere Regeln bestimmt werden. An der Umsetzung der vorhandenen Regeln hapert es gewaltig. Nicht die Exekutive schludert, wenn ich mir auch weniger Überforderung in den Gliederungen wünschen würde, sondern zu viele Bürger ziehen sich aus der Verantwortung. Wenn jeder einigermaßen Vernunftbegabte sich fragen würde: Was kann ich tun, um zu verhindern, dass ich und andere angesteckt werden – und das umsetzen würde –, hätten wir ein sehr viel kleineres Problem. Es ist so einfach: Maske tragen, Abstand halten, Kontakte auf das Notwendige reduzieren, Hände von der Maske und vom Gesicht! Dann bleibt übrigens ganz viel Freiheit! Wir brauchen keine Einschränkung des Datenschutzes, sondern die Wiedererweckung der Verantwortung in unserer Gesellschaft. Es wäre eine Diskussion wert, warum wir sie verloren haben.

Dr. Ursula Augener

Zu viel auf Virologen verlassen

Danke für den Pro-und-Kontra-Diskurs zum Lockdown. Die Pro-Argumente , die auch die der Politik sind, vermögen nicht mehr zu überzeugen. Die Politik hat sich viel lange fast nur auf Virologen verlassen und wenig den Sachverstand von Soziologen, Ökonomen und Pädagogen berücksichtigt , die auf die fatalen Auswirkungen eines länger anhaltenden Lockdowns aufmerksam gemacht haben. Auch die vielen alten Menschen in Heimen sind vor allem wegen unzureichender Schutzmaßnahmen in den Heimen gestorben und nicht weil Schulen und Kitas geöffnet hatten oder weil Enkel ihre Großeltern besucht haben. Der Verzicht auf Großveranstaltungen und Treffen ohne AHA-Regeln in geschlossenen Räumen wird auch nach dem 14. Februar fortgesetzt werden müssen. Die Öffnung von Kitas , Schulen, Kultur und Freizeiteinrichtungen, Restaurants und Hotels unter den vorliegenden und geprüften Hygiene- und Abstandsregeln ist dann überfällig, wenn weiterer ökonomischer und gesellschaftlicher Dauerschaden vermieden werden soll.

Dr. Wolfgang Hammer, Norderstedt

Mit gutem Beispiel vorangehen

20. Januar: „Sülfelder Hundehalterin zeigt Jäger an“

Richtig ist , dass Hunde , besonders im Wald, an der Leine zu führen sind. Leider wird das von einigen Hundehaltern nicht verinnerlicht. Mein Hund jagt nicht, der ist ein ganz Lieber, heißt es dann. Leider sehen das manche Hunde aber anders. Selbstverständlich sollte man auf den Wanderwegen bleiben, auch wenn es für einen Ortsunkundigen nicht ersichtlich ist, was ein Wanderweg , was ein Forstweg ist. Leider werden die Wege bzw. der Wald auch gerne von Mountainbikern benutzt, die auch mitten durch den Wald, abseits der Wege fahren und die das Wild dadurch verstärkt aufscheuchen. In der jetzigen Winterzeit braucht das Wild aber Ruhe, da das Äsungsangebot und die Kälte es stark fordern. Auf der anderen Seite lässt sich das Wild durch Spaziergänger, die sich ruhig verhalten, nicht vergrämen, sie haben sich an solche Situationen gewöhnt. Nicht zu akzeptieren ist das Verhalten des Jägers in dieser Situation, wenn es sich so zugetragen haben sollte. In einer Zeit, wo viele von der Natur im Wald kaum noch etwas wissen, sollten gerade Jäger mit gutem Beispiel vorangehen. Das fängt mit einem freundlichen Gruß an. Und wenn man ein etwaiges Fehlverhalten meint bemerkt zu haben, dann kann man mit freundlichen Worten erklären wie man sich im Wald verhalten sollte, ohne einen belehrenden Ton anzuschlagen. Wir beschweren uns über Hassmails im Internet, dann sollten wir Jäger im Wald mit gutem Beispiel vorangehen! Die meisten Besucher werden eher dankbar sein, und die Jägerschaft hat etwas für ein gutes Image getan. Es gibt eben Unverbesserliche auf beiden Seiten.

Friedrich Görtz

Klare Regeln nötig

19. Januar: „,Homeoffice darf nicht zur Pflicht werden.’ Hamburg Ver.di-Chef Berthold Bose über Vor- und Nachteile mobiler Arbeit“

Die angekündigte Freiheit von Homeoffice wird für viele ein Wechsel zwischen Zwang und Diskriminierung werden. Was während Corona sinnvoll und hilfreich ist, wird bei dauerhafter Einführung seine Tücken aufzeigen. Wer sorgt für Regelungen, die Arbeitgebern und Arbeitnehmern die gleichen Rechte gewährt, wenn kein Betriebsrat besteht. Die Zurverfügungstellung von Geräten, die Zahlung für Strom- und Heizkosten und Internet. Ist ein Beschäftigter ohne schnelles Internet noch tragbar? Die Arbeit am Küchentisch mit einem wackeligen Stuhl wird kein Sicherheits- beauftragter zur Kenntnis bekommen. Wie geht eine Familie damit um, wenn ein Elternteil hinter einer verschlossenen Tür arbeitet und das kleine Kind das nicht versteht und nicht einmal mehr mit der lauten Tute vor der Tür Musik machen darf. Damit die Beschäftigten nicht zum Puzzleteil werden, das sich anzupassen hat, bedarf es klarer Regelungen, um die Kreativität und Freude an der Arbeit sicherzustellen.

Hartmut Schach

Ausgleich in weiter Ferne

19. Januar: „Hamburg verliert immer mehr Bäume. Von 1:1-Nachpflanzung weit entfernt“

Schön, dass Sie dieses Thema aufgegriffen haben. Im Hinblick auf die Klimaziele, die sich Hamburg gesetzt hat, ist es unverständlich, wie mit den Bäumen umgegangen wird. Selbst wenn es Ersatzpflanzungen gibt, wird nicht darauf geachtet, dass die Bäume überleben. In den neuen Quartieren bekommen die Straßenbäume viel zu kleine Pflanzlöcher. Sterben sie dann nach ein paar Jahren ab, kräht kein Hahn mehr danach. Aber ein wirklicher Skandal sind die Ausgleichsmaßnahmen. Für die neuen Quartiere und mit dem Rückbau der alten Wilhelmsburger Reichsstraße werden hier auf Wilhelmsburg Tausende Bäume abgeholzt. Eigentlich ist es vorgeschrieben, in der Nähe auszugleichen, aber meist heißt es: Hier gibt es keine Flächen mehr, aber wir haben ein Gebiet in Niedersachsen reservieren können. Davon haben aber die Bewohner*innen hier nichts. Auf Wilhelmsburg gibt es n o c h einen kleinen Urwald am Ernst-August-Kanal, der sich seit der Flutkatastrophe 1962 ohne menschliche Eingriffe entwickelt hat. Er schirmt das dicht besiedelte Reiherstiegviertel vom Lärm und den Abgasen der viel mit Lkw befahrenen Hafenrandstraße und dem Hafen ab. Nun soll er einem neuen Wohnquartier weichen. Und wo erfolgt der Ausgleich? In Hoinkenbostel! Das sind von Wilhelmsburg 42 Kilometer! Ist das ein nahegelegener Ausgleich?

Marianne Groß, Hamburg-Wilhelmsburg