Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. Januar 2021

Lesedauer: 10 Minuten

Regionales Versagen

19. Januar: "Gipfel mit Merkel: Tschentscher fordert härteren Lockdown"

Womit bitte will Bürgermeister Teschentscher das begründen? Bei uns sinken die Zahlen kontinuierlich. Ich befinde mich schon seit April 2020 im Homeoffice und halte mich auch sonst an die gebotenen Regeln. Ich finde es richtig, dass jetzt konsequent gegen solche Partys und Bars vorgegangen wird, die sich nicht an die Regeln halten. Mich würde interessieren, welche Bevölkerungsgruppen sich dort wider besseren Wissens treffen. Und wenn in Grenzregionen jetzt erst kontrolliert wird, wer dort den kleinen Grenzverkehr praktiziert und warum, ist das regionales Versagen. Das berechtigt aber nicht, über das ganze Land weitere Einschränkungen zu verhängen. Unsere Behörden müssen sich ja auch Versagen bei der Nachverfolgung, dem Schutz der Alten und Pflegebedürftigen und nicht zuletzt bei Vorbereitung und der Beschaffung des Impfstoffs und der Impfkampange vorwerfen lassen. Also bitte nicht alle über einen Kamm scheren.
Thomas Schendel

Angst ist ein schlechter Berater

19. Januar: "Eine Stadt am Abgrund. Die Pandemie hat Bautzen voll getroffen, Kliniken und Krematorien arbeiten am Limit"

Nach den Bildern aus Bergamo und Brasilien jetzt auch noch Bautzen. Ich frage mich, warum mit Verstorbenen, Bestattern und Krematorien sowie einer imaginären "Infektionsgefahr" (von Leichen) infolge "Co" oder "Cov" so negativ Stimmung gemacht wird? Angeblich zwei Drittel mehr Bestattungen als in anderen Jahren. Und die benutzten Handschuhe im Sarg entsorgt (das geht gar nicht!) Die Erfahrungen eines Bestatters in Bautzen können sicher nicht verallgemeinert werden. Die Hamburger Rechtsmediziner (Institutsdirektor Professor Benjamin Ondruschka) haben gerade Ihren Erfahrungsbericht für 2020 referiert: Nach der intensiven Untersuchung von über 600 Todesfällen im Zusammenhang mit Corona-Infektionen im Institut und vielen weiteren in den Krematorien in der Umgebung von Hamburg gibt es keine Infektion unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Rechtsmedizin. Auch bei den Bestattungsunternehmen und in den Krematorien hat sich niemand infiziert. Der Umgang mit Verstorbenen, die eine Infektion hatten, ist Routine. Ein mit Corona infizierter Verstorbener stellt keine besondere Infektionsgefahr dar. Das gilt auch für das persönliche Abschied nehmen. Und es gibt (zumindest im Raum Hamburg) keinerlei Kapazitätsprobleme bezüglich der Versorgung von Toten. Deren Gesamtzahl hat sich im Vergleich zu den letzten Jahren nur marginal verändert. Angst ist ein schlechter Berater...
Klaus Püschel​

Um jeden Baum kämpfen

19. Januar: "Hamburg verliert immer mehr Bäume. Von 1:1-Nachpflanzung weit entfernt"

Der faktenreiche Artikel zeigt auf, wie es mit der Umweltpolitik des rot-grünen Senats bestellt ist. Die Anzahl der nachgepflanzten Bäume liegt bei weniger als 50 Prozent der gefällten Bäume. Allein diese Zahl ist schon erschreckend genug. Noch schlimmer: Viele Nachpflanzungen erfolgen nicht standortnah, also in räumlicher Nähe der gefällten Bäume, sondern weitab, häufig auch außerhalb der Stadtgrenzen von Hamburg, wo die nachgepflanzten Bäume überhaupt keinen Einfluss mehr auf das Stadtklima in Hamburg haben. Ferner sind die Nachpflanzverpflichtungen nach der Hamburger Baumschutzverordnung aus den früher 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als Klimaschutz noch ein Fremdwort war, völlig unzureichend. Danach müssen nur wertvolle Bäume im Verhältnis 1:2 oder 1:3 ersetzt werden. In den meisten Fällen reicht eine Nachpflanzung von 1:1, und die findet noch nicht einmal im vollen Umfang statt. Aber bis zwei nachgepflanzte dünne Bäumchen die CO2-Bindungskapazität und damit die gleiche positive Wirkung für das Stadtklima eines gefällten hundert Jahre alten Baumes erreichen, vergehen mehr als 40 Jahre. Daher muss um jeden Baum, der gefällt werden soll, gekämpft werden, insbesondere wenn er für überflüssige Bauprojekte, wie den Neubau des Diebsteich-Bahnhofs, dran glauben muss. Und was die amtliche Statistik verschweigt: Es werden nur die zu fällenden genehmigungspflichtige Bäume erfasst, d.h. das Abholzen eines Knicks mit den entsprechenden Verlusten für die Umwelt, ist in den genannten Zahlen überhaupt nicht enthalten. Wenn wir den Klimawandel einbremsen wollen, müssen wir mit dem Kulturgut „Stadtbaum“ viel sorgfältiger umgehen als bisher.
Michael Jung

Homeoffice: Ein Glück?

19. Januar: "Homeoffice darf nicht zur Pflicht werden'. Hamburgs Verdi-Chef Berthold Bose über Vor- und Nachteile mobiler Arbeit"

Büro 4.0: Vati oder Mutti sitzt am Küchentisch mit kleinem Notebook und strahlendem Handy am Ohr. Gegenüber ggf. die Partnerin oder der Partner mit gleichem Schicksal. An der Stirnseite derzeit gern noch ein "Homeschooler" oder "Kita-Verstoßener". Wer braucht da noch Arbeitsplatz-Schutzverordnungen? Schon jetzt klagen viele nicht nur über Rückenschmerzen. Vernünftiges Internet und WLAN hat doch heute jeder?! Genau wie Strom, Wasser, Heizung. Und dann, ganz dreist will sich doch tatsächlich ein weiterer Mitbewohner Essen machen, Musik hören oder Fernsehen – mitten in der Zoom-Konferenz! Der wird erstmal mit der in Aussicht gestellten üppigen Steuervergünstigung ruhiggestellt. Das gesparte Fahrgeld kann gleich für Psychiater, Reha oder Scheidungsanwalt genommen werden. Und: Dass sich in dieser Komfort-Zone die Arbeitsleistung sogar noch steigert, bedarf wohl keiner Erwähnung. Dafür eine Pflicht? Mancher muss zu seinem Glück eben gezwungen werden!
Holger Schütz​

Besonderer Stadtteil

18. Januar: "Handelskammer: Moorburg soll dem Hafen weichen"

Das Damoklesschwert, das seit langem über Moorburg hängt, muss nun endlich beseitigt werden. Der Senat sollte Moorburg deshalb aus dem kommenden Hafenentwicklungsplan herausnehmen und dem Dorf damit eine Zukunftsperspektive eröffnen. Der Ort ist ein ganz besonderer Hamburger Stadtteil, der zudem mitten in Naturschutzgebieten liegt! Niemand käme auf die Idee z.B. die Walddörfer den Zukunftsträumen der Handelskammer zu opfern. Wenn der Kammer so an Umwelt- und Klimaschutz gelegen ist wie sie vorgibt, dann sollte sie sich besser gegen den Bau der Stadtautobahn A26-Ost einsetzen, die Moorburg ebenfalls bedroht.
Dirk Holm, Hamburg-Wilhelmsburg

"Nein" sagen ist einfach

16./17. Januar: "Das Impftermin-Desaster. Wochenlang warten auf die rettende Spritze - Hamburg lässt seine Senioren alleine"

Hat überhaupt einer der Handelnden mal versucht, sich in die Lage eines alten Menschen mit seinen persönlichen Umständen hineinzuversetzen? Das Vorgehen in Mecklenburg-Vorpommern ist schon mal ein Anfang. Man kann aber auch gleichzeitig die Adressierung der zu Impfenden vom Beginn und vom Ende des Alphabets beginnen, dann wären die Namen mit A und Z die ersten. Man kann aber auch gut das Alphabet in mehrere Gruppen unterteilen und diese jeweils vom Anfang und vom Ende her starten lassen. Der administrative Aufwand dürfte nicht merklich größer sein. Und wer mit rechtlichen Einwänden um die Ecke kommt, der möge sich erst einmal Gedanken über eine bessere Lösung machen. Nein zu sagen, ist einfach, Lösungen aufzuzeigen schon schwieriger. Der gleiche Zeitaufwand, der benötigt wird, um zu begründen, weshalb etwas nicht geht, sollte investiert werden um zu überlegen, wie es gehen könnte!
Rainer Emde (68)​

Besinnliche Ostern

16./17. Januar: "Schumachers Woche: Alles wird gut. Hilft ja nichts. Oder etwa doch? Um ehrlich zu sein: Ich leide an anschwellender Floskel-Allergie"

Wie gut ich die allergischen Erscheinungen von Herrn Schuhmacher nachempfinden kann! Jedes Jahr aufs Neue, sobald die Weihnachtszeit naht: Mit jedem Weihnachtsgruß, mit dem mir "besinnliche Weihnachten" gewünscht werden, verstärken sich die allergischen Symptome. Ob Freunde, Bekannte, Vereine oder Geschäftspartner - mögen mir doch bitte alle stets dazu schreiben, welche Bedeutung sie mit dieser Floskel verbinden. Sicherlich kann sich hier auch ein wohlmeinender Wunsch verbergen. Aber ansonsten möchte ich gern auf Allgemeinplätze und "achtlos hingeworfenen Wortmüll", wie es Herr Schumacher formuliert, verzichten. Aber vielleicht sollte ich mich revanchieren: Da die Künstler unter den Osterhasen bekanntlich mit Beginn des neuen Jahres anfangen, ihre Malutensilien herzurichten, wünsche ich vorsorglich schon jetzt allseits "Besinnliche Ostern!".
Inga-Lore Schütt, Hamburg​

Fragt doch mal den Bürger!

16./17. Januar: "Mittelmaß ist nicht genug. Hamburgs Zukunftsfähigkeit steht auf dem Spiel"

Es gibt einzigartige Ideen, die verborgen bleiben, weil keiner sie entdeckt! Es scheitert nicht am Geld. Jeder Verein, der pekuniär unterwegs ist, denkt sich ein Projekt aus und nach Beantragung von finanziellen Zuschüssen fließen flugs die Gelder aus staatlichen Töpfen genau so wie aus wirtschaftlichen Sozialfonds. Egal, ob das Projekt Zukunft hat oder als Flop endet. Hingegen wird kein Grübler, kluger Kopf, Tüftler, innovativ denkender Mensch seine lohnenswerten Ideen los – es gibt keine Anlaufstelle! Das bedarf der Abhilfe. Vorschlag: Jeder kann Ideen einreichen, die der Stadt Hamburg und seinen Bürgern zum Wohle gereichen. Diese werden gesammelt und vierteljährlich durch ein aus Wirtschaft, Finanzen, Politik und Wissenschaft bestehendem Gremium sondiert auf Zukunftsfähigkeit. Brauchbare Ideen werden unbürokratisch mit einem zeitlich begrenzten finanziellen Anschub gefördert, andere abgelehnt, weitere bearbeitet. Ein vielversprechendes Wirtschaftswachstum sowie die Ausdehnung des Arbeitsmarktes durch neue Produktsegmente kann sich entwickeln aus dem Vergleich weltweit produzierter Produkte, die jedoch derzeit nur länderbezogen hergestellt werden. Ein Beispiel: Das Fertighaus aus gepresstem Altpapier. Erfunden in Kanada und in deutschen Landen noch nicht auf dem Markt. Wer sucht, der findet – unsere Devise! Warum unterstützt man nur Vereine, Zusammenschlüsse, Interessenverbände mit finanziellen Mitteln? "Wie und wovon wollen wir leben?" Fragt doch mal die Bürger – den Souverän!
Maren Gebhardt​