Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 13. Januar 2021

Lesedauer: 6 Minuten

Bildungsauftrag erfüllt?

12. Januar: "Priens Schulkurs sorgt im Norden für Ärger. Bildungsministerin hatte sich gegen Öffnung ausgesprochen. Nun lernen Abschlussklassen in voller Präsenz"

Frau Prien lässt die Abschlussklassen in den Präsenzunterricht. Ich finde das absolut richtig! Dann wird wenigstens diesem Jahrgang die Chance auf einen noch annährend als "normal" zu bezeichnenden Schulabschluss gegeben. Was den Kindern und Jugendlichen zurzeit zugemutet wird, ist absurd. Da werden ganze Bildungsgenerationen verheizt, allein 50.000 Prüfungen werden abgesagt. Und bitte bedenken: Diese Generationen sind es, die diesen Ausgabenwahnsinn zu schultern haben werden. Meine Tochter geht in Schleswig-Holstein in die 11. Klasse. Der Online-Unterricht ist eine Katastrophe: Wenn überhaupt mal ein Lehrer mit der Klasse in Kontakt tritt, um eine Videokonferenz durchzuführen, bricht das System zusammen. Zoom o.ä. ist wegen Datenschutz nicht zulässig. Sie hat, wenn es hochkommt, eine Stunde Unterricht am Tag. Damit ist der Bildungsauftrag wohl kaum erfüllt. Wenn das so weitergeht, bleibt nur noch der Weg, das Jahr für alle zu wiederholen.

Stephanie Andresen

Klassen verkleinern

11. Januar: "50.000 Prüfungen werden abgesagt. Abschlussklausuren für ersten Schulabschluss entfallen. Auch Gymnasiasten schreiben keine schriftliche Überprüfung"

Ich war 35 Jahre lang in Hamburg Gymnasiallehrerin und habe sehr deutlich schon nach Einführung des achtjährigen Gymnasiums gesehen, wie abträglich ein Jahr weniger für die Kenntnisse, Arbeitstechniken und persönliche Reife der jungen Leute war und ist. Nun kommen auch noch die Defizite der Corona-Zeit hinzu. Das ließe sich leicht abmildern mit folgenden Maßnahmen: Alle jetzt bestehenden Grundschulklassen ab Sommer deutlich verkleinern (intensiveres Lernen) und für alle, die jetzt die Gymnasialklassen 5 bis 12 besuchen, die neunjährige Variante wieder einführen.

Ruth Wirth

Schulunterricht im Fernsehen

12. Januar: "Wenn Pianisten die Flügel gestutzt werden. Ob Starkünstler oder Indie-Sängerin: Viele Musikschaffende hadern mit den Corona-Hilfen"

Haben sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten schon Gedanken darüber gemacht, wie sie Musiker, Sänger und Bands in diesen Zeiten unterstützen können? Statt die ewig gleichen internationalen Titel zu spielen, könnte der NDR Hamburger und norddeutsche Künstler ins Programm nehmen, wenigstens in einem seiner zahlreichen Kanäle. Mir fehlt hier die Solidarität und Fantasie von den Programmachern, deren Einkommen im Vergleich zu dem freier Künstler sicher ist. Und noch etwas: Die BBC sendet täglich mehrere Stunden Schulunterricht. Britische Show- und Quizformate werden seit Jahren übernommen und eingedeutscht. Der BBC-Schulunterricht hätte es mehr als verdient. In diesen Corona-Zeiten könnten die Rundfunkanstalten zu ganz großer Form auflaufen. Die Diskussion über die Gebührenerhöhung würde dann auch freundlicher sein.
Leider fehlt mir der Glaube, dass diese schwerfälligen Institutionen ihre Routine durchbrechen.

Marianne Nissen

Einseitiges Bild

11. Januar: Kommentar: "Das doppelte Desaster. Großbritannien zeigt der EU beim Impfen, wie es besser geht"

Der Kommentar entwirft ein recht einseitiges Bild über die Corona-Situation in Großbritannien. Zwar trifft es zu, dass man dort mit dem Impfen schon weiter ist als in den meisten Ländern der EU. In anderen Bereichen liegt das Land jedoch deutlich zurück: So hat es derzeit mit 81.000 die höchste Todesrate und mit rund 640 die mit Abstand höchste Inzidenzrate zu beklagen. Der frühe Start der Impfkampagne zahlte sich deshalb bisher nicht aus. Er dürfte angesichts der sonstigen Negativbilanz für die meisten Briten deshalb auch kaum einen Anlass für irgendwelche Überlegenheitsgefühle gegenüber der EU bieten.

Jürgen Raecke

Selten so gelacht

11. Januar: "Was können die CDU-Kandidaten? Der große Check"

In dieser jetzt doch so trostlosen Zeit ein Artikel im Abendblatt, bei dem ich selten so gelacht habe. Der Kandidaten-Check der drei Bewerber für das Amt des CDU-Vorsitzenden hätte treffender nicht sein können. Ob Armin Laschet - politischer Duracell-Hase (köstlich), Friedrich Merz - neigt in Interviews zum Tritt ins Fettnäpfchen oder Norbert Röttgen - macht in jeder Talkshow "bella figura". Wirklich gut, penibel recherchiert und humorvoll formuliert.

Ulrich Nasgowitz, Ahrensburg

Strafbare Handlung

12. Januar: "Merkel findet Twitter-Sperre für US-Präsident problematisch"

Diese Äußerung der Bundeskanzlerin finde ich auch problematisch. Wenn ein Herr Trump seine Bürger zum Aufruhr anstiftet, hat das mit einer Meinungsäußerung nichts mehr zu tun. Das ist eine strafbare Handlung und für einen Präsidenten in keiner Weise als politische Äußerung zu werten. Der Mann gehört ins Gefängnis. Wenn die Politiker keinen gesetzlichen Rahmen für die öffentlichen Netzwerke wie "Twitter" und andere schaffen, dann sollten sie sich einmal selbst hinterfragen, warum das noch nicht geschehen ist. Ich bin jedenfalls sehr verwundert über diese Aussage der Bundeskanzlerin und auch der anderen Beteiligten.

Dieter Craasmann

Chapeau!

9./10. Januar: "Tag der Blöckflöte. Instrument mit Imageschaden"

Das "Contra" gegen die Blockflöte scheint mir zwar inhaltlich nicht vollumfänglich überzeugend zu sein, aber formal ist es herausragend, sprich in der Kreativität der Diktion, im Duktus der fantasievollen, sich hineinsteigernden Ablehnung! Die Formulierer, die um des Effektes willen in intelligenter Weise Scheinargumente erfinden, brillieren mit ihrem zweifellos vorhandenen Ideenreichtum und ihrer schöpferischen Sprachgewalt. In dieser Rubrik wird den talentierten, renommierten und erfahrenen Autoren ein zeilenträchtiges Feld mit einer Spielwiese der Fabulierkunst und ihres Einfallsreichtums eingeräumt. Chapeau! Ein so pfiffig formuliertes unsachgemäßes Contra machte uns Lesenden Spaß. Die Blockflöte war das geeignete Objekt, und es kam in dieser oft mehr als bierernsten Zeit gerade recht. Ein äußerst gelungenes Stück Dialog-Journalismus vom Feinsten!

Gerd Hullmann

Dünne Luft für HSV

11. Januar: "HSV: Ein Schritt zurück nach vorne? Trotz mäßigen Spiels sind die Hamburger mit dem 1:1 in Nürnberg zufrieden"

Die Luft an der Tabellenspitze wird immer dünner für den HSV. Und das aus gutem Grund: Die Abwehr ist nach wie vor sehr anfällig und wäre im Falle eines Aufstiegs nicht erstligareif. Und im Angriff ist die Mannschaft vollkommen auf die Treffsicherheit von Stürmer Terodde angewiesen, der über 50 Prozent der Tore erzielt hat. Man mag sich kaum vorstellen, was passiert, wenn dieser Torgarant sich verletzt! Mit dieser Abhängigkeit wird der HSV sein hochgestecktes Ziel - den Wiederaufstieg - nicht erreichen.

Martin Wucherpfennig