Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 12. Januar 2021

Lesedauer: 5 Minuten

Ältere bleiben außen vor

9./10. Januar: "Wie die Stadt der Autos ihr Antlitz wandelt. Die Mobilitätswende wird Hamburg verändern, Radfahrer und Fußgänger sollen verlorene Räume zurückbekommen"

Die alten Bilder sind sicherlich alle sehr schön und zeigen viel freien Platz. Aber man muss auch bedenken, dass es früher auch noch nicht so viele Autos gab bzw. nicht so viele Leute, die sich eines leisten konnten. Das steckte alles erst noch in den Kinderschuhen. So schön es sich auch anhört mit weniger Autoverkehr und mehr Platz für Radfahrer und ÖPNV - die Fußgänger werden wieder mal nur kurz am Rande erwähnt - ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger und Leute mit Mobilitätseinschränkungen finden so gut wie gar keine Erwähnung. Die sollen wohl nicht mehr raus dürfen. Auch wird wieder nur über den Verkehr in der Innenstadt geredet. Es wohnen und arbeiten aber nicht alle in der Innenstadt. Es gibt Zigtausende, die in den Randbezirken wohnen und arbeiten. Anstatt dauernd irgendwelche Mobilitätswendungen für die Innenstadt zu fordern, sollte in erster Linie erst einmal an die Randbezirke gedacht werden. Querverbindungen im ÖPNV sucht man vergeblich, und wenn es eine Verbindung gibt, dann nur mit zigmal umsteigen oder langer Fahrtzeit quer durch Hamburg. Auch hier bleiben vor allem ältere und in der Mobilität eingeschränkte Bürger außen vor.

Martina Poche

Parkplätze zu teuer

Ich gehöre zu den Senioren und bin jede Woche einmal in die Stadt gefahren, um in der Gegend um den Jungfernstieg einzukaufen. Das ist unabhängig von der Corona-Krise gestrichen, seitdem man an der Moorweide wegen des Anwohnerparkprogramms nicht mehr zu zivilen Preisen parken kann. Dafür sind jetzt aber mehrere hundert Parkplätze auch sonntags nicht besetzt. Das halten die Bürger für sinnlose Behördenwillkür. Es gibt viele Senioren, die bereit sind, noch Geld auszugeben, sie führen sich durch die Hamburger Verkehrspolitik gegängelt. Die Einzelhändler am Neuen Wall klagen schon über den Umsatzrückgang. Die Einkaufszentren am Rande der Stadt sind zwar nicht so doll, das ist aber besser, als von Politikern gegängelt zu werden. Seniorinnen kaufen keine Wegwerfkleidung wie die Jungen, sind aber zahlungskräftigere Kunden und lassen sich nicht mehr alles gefallen. Die Ideen von Herrn Kähler finde ich sehr lustig, insbesondere jetzt bei den vielen freien teuren Parkplätzen als Folge des Anwohnerparkprogramms an der Moorweide.

Helga Martens

EU-Kommission hat versagt

9./10. Januar: "EU kauft weitere Biontech-Dosen. Nächste Lieferung des Vakzins in Bundesländern angekommen"

Im Sommer konnte niemand wissen, welche Impfstoffe erfolgreich an den Markt gebracht werden. Entscheidend waren daher frühzeitig bestellte große Mengen, nicht der Preis. Die Kanzlerin hat die dringende Bestellung von Impfstoffen fahrlässig an die EU-Bürokratie unter Frau von der Leyen abgetreten. Die EU hat gerade ein 1,8-Billionen-Hilfspaket in der Corona-Pandemie abgesegnet. Ausgerechnet bei Impfstoffen, die die Pandemie beenden könnten, hat die EU geschlafen und sich von nationalen französischen Interessen bei der Impfstoffbestellung ausbremsen lassen. Bis Ende 2021 sollen nun genügend Impfdosen in der EU verfügbar sein, dabei kostet jeder verlorene Tag Menschenleben. Die Kosten der Pandemie und der Lockdowns gehen in die Billionen. Die Kollateralschäden in der Wirtschaft, im Gesundheitswesen, die Verschuldung der nächsten Generationen sind überhaupt noch nicht absehbar. Per Verordnungen werden die parlamentarische Demokratie und Grundrechte ausgehebelt. Jeder Preis für Impfstoffe wäre gerechtfertigt. Das Versagen Merkels und der EU-Kommission lässt einen fassungslos zurück.

Niko Clauder

Der große "Showdown"

8. Januar: "Trumps Tag der Schande"

Was für ein "Showdown", back to the roots, der Wilde Westen, er lebt. Mit einer volksverhetzenden Rede hinter dem Weißen Haus ermuntert, ja fordert ein abgewählter amerikanischer Präsident seine Gefolgschaft dazu auf, vor das Kapitol zu ziehen, um das Ergebnis einer Präsidentenwahl im letzten Augenblick noch zu seinen Gunsten zu korrigieren. Der Rädelsführer baut im Stil eines Putschisten eine Drohkulisse auf, die sich schließlich in entsprechenden Handlungen verselbstständigt und außer Kontrolle gerät. Der abgewählte Präsident verlässt die Bühne, nicht ohne eine Blutspur ins Zentrum der amerikanischen Demokratie hinein zu legen. Und als der Gewalt-Exzess beendet ist, ruft er den Gewalttätern hinterher: "Wir lieben euch." Wir dürfen gespannt darauf sein, wie nun die amerikanische Politik, wie die Justiz mit diesem Verbrechen umgeht.

Norbert Richter

​An Feiertagen frei?

6. Januar: "Lockdown länger und schärfer - Jeder Haushalt darf nur eine Person treffen"

"Ursache für diesen Schritt ist die unklare Corona-Datenlage nach den Feiertagen", so die Bundeskanzlerin. Was soll das heißen? Dürfen die Gesundheitsämter, darf das Robert-Koch-Institut nicht an Feiertagen arbeiten? Nicht weiter forschen? Haben sie überhaupt geforscht? Dabei hängen existenznotwendige Entscheidungen der Kanzlerin davon ab. Wir Unternehmer – besonders wir Gastronomen und Hoteliers – sind bis zur Existenznot lahmgelegt. Alle verlassen sich auf das RKI, das nicht arbeitet,
nicht forscht. Nein, wir können es nicht mehr hinnehmen!

Eugen Block​