Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 15. Dezember 2020

| Lesedauer: 8 Minuten

Statt Böller ein stilles Licht

14. Dezember: „,Wir sind zum Handeln gezwungen‘. Bund und Länder haben sich auf einen harten Lockdown geeinigt

Nun haben wir erneut einen „harten Lockdown“, und das ist gut so in dieser Situation, denn nicht nur die Politik ist schuld, sondern besonders wir Bürger, da wir uns nicht genügend an die Regeln gehalten haben. Für viele war Corona doch im Sommer schon Vergangenheit. Aber das Virus war nie weg und hat jetzt wieder brutal zugeschlagen. Täglich über 20. 000 neu Infizierte und ca. 500 Tote – Tendenz steigend – lassen der Regierung keine andere Wahl. Ich werde, wie in den 60- und 70-Jahren Heilig Abend eine Kerze ins Fenster stellen. Damals symbolisierte die Kerze die Hoffnung auf Verbundenheit und Wiedervereinigung mit den Menschen in der DDR. Heute drückt die Kerze mein Mitgefühl für alle Corona-Opfer und meinen Dank an alle medizinischen Helfer aus, die Tag und Nacht im Einsatz sind. Es würde mich freuen, wenn sich viele Menschen dem anschließen würden. Statt Böller ein stilles Licht in der Nacht als Hoffnung auf Besserung in 2021.

Thomas Schwieger

Karikaturen zum Schmunzeln

14. Dezember: Karikatur auf Seite zwei

Eine treffende Karikatur von Mario Lars. Herzlichen Dank dafür, dass Sie mich jeden Morgen auf Seite zwei zum Schmunzeln und Nachdenken bringen. Ich frage mich bereits seit geraumer Zeit, warum Fußballprofis ausgenommen sind von den Maßnahmen. Auf dem Platz wird abgeklatscht, umarmt und geherzt. Wieso? Sicher werden die Spieler vor den Spielen getestet, trotzdem suggeriert es der Bevölkerung, es ist doch alles gar nicht so schlimm. Und dies spiegelt sich leider immer noch bei einigen Menschen im täglichen Leben wieder, ungeachtet der hohen Zahl an Neuinfektionen und steigenden Todeszahlen.

Marc Wessels

Die Grünen sind nicht „heilig“

12./13. Dezember: „Hummer bringt Kummer“

Vielen Dank für die kritischen Worte. Endlich, denn ich habe manchmal das Gefühl, dass es sich bei den Grünen um etwas „Heiliges“ handelt, das man am besten nicht anfasst, weder in der Presse noch im TV. Es ist mir unbegreiflich, warum die Grünen von den Medien derartig hofiert werden, vielleicht weil sie selbst zu ihren Wählern gehören? Wie sieht es mit der Unabhängigkeit der Presse aus? Es ist für mich völlig unverständlich, wie man Frau Gallina zur Justizsenatorin wählen konnte. Erstens stand vor ihrer Wahl noch ein laufendes Verfahren im Raum, zweitens verfügt sie für dieses Amt über keine entsprechenden Kenntnisse. Und jetzt noch die „Hummer-Affäre“, bei der sie Erinnerungslücken hat. Es ist nur noch peinlich, und Die Grünen täten gut daran, sich von Frau Gallina zu trennen.

Ingrid Kallbach

Der letzte kritische Geist?

11. Dezember: „,Uns droht dramatischer Wohlstandsverlust‘. Fritz Vahrenholt war Vordenker der Ökobewegung – heute zweifelt er an der deutschen Klimaschutzpolitik“

Fritz Vahrenholt beansprucht für sich, die Wissenschaft infrage zu stellen, was sonst „wegen der Verquickung von Wissenschaft und Politik“ nicht mehr gelingen würde. Hat er damit recht und geht er dabei mit einer wissenschaftlichen Methode vor, dann hätten wir in ihm den letzten verbliebenen kritischen Geist zu bewundern. Sind seine Methoden jedoch unwissenschaftlich, so rückt sein Alleinvertretungsanspruch der Kritik in die Nähe der Scharlatanerie. Schauen wir uns seine Kritiken an: Den Referenzzeitraum in der Klimadebatte um das Jahr 1850 als dem Beginn des Industriezeitalters kritisiert er, weil dies auch das Ende der kleinen Eiszeit sei. Deshalb seien 0,4 Grad der globalen Erwärmung ganz ohne Treibhauseffekt zustande gekommen. Nun ist jedoch die kleine Eiszeit hauptsächlich ein regionales Phänomen verschiedener Regionen auf der Nordhalbkugel. In globalen Rekonstruktionen der Erdoberflächentemperatur ist die kleine Eiszeit nach dem 17. Jahrhundert nicht mehr nachweisbar. Vahrenholt vergleicht hier also Äpfel mit Birnen. Dann preist Vahrenholt den Kohlendioxid-Anstieg als Ursache der Verbesserung der Ernährungslage. Kohlendioxid hat einen Düngeeffekt auf Pflanzen, aber nur dort, wo nicht andere Faktoren wie die Verfügbarkeit von Nährstoffen oder Wasser das Pflanzenwachstum begrenzen. Weniger „kritische“ Wissenschaftler als Herr Vahrenholt sehen deshalb die Züchtung verbesserter Sorten unserer Nutzpflanzen, den großtechnischen Einsatz von Düngemitteln und andere Agrartechniken als die Hauptursache der Verbesserung der Ernährungslage an. Der Hitzewelle in Sibirien in diesem Sommer stellt Vahrenholt gegenüber, dass es in Brasilien so kalt wie seit 50 Jahren nicht mehr gewesen sei. Das steht auf dem Niveau Donald Trumps, der anlässlich der Kältewelle im mittleren Westen der USA Anfang 2019 äußerte „Was zur Hölle geht mit der globalen Erwärmung vor sich. Bitte komme schnell zurück, wir brauchen dich!“ Tatsächlich verändert die globale Erwärmung die Wettersysteme und kann so auch zu regionalen Kältewellen führen. In den mittleren globalen Temperaturanstieg sind diese Kältewellen sogar schon mit eingerechnet. Wenn Vahrenholt dann andere Hochrisikotechnologien wie die Abscheidung von Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken und die Kernenergie fordert, dann blenden die Scheuklappen, die er anderen vorwirft, doch wohl in seinem Gesichtsfeld nicht mindergefährliche Seiten der Umweltkrise aus. Zum Schluss verunglimpft Vahrenholt Greta Thunberg als „Untergangsprophetin“. Das Gegenteil ist der Fall: Greta Thunberg kämpft gegen den Untergang in einer globalen Umweltkatastrophe.

Dr. Hans-Ulrich Jüttner

Gegen Hysterie, für Vernunft

Das Interview macht deutlich, worum es geht: In der Klimafrage um die nachhaltige Bewältigung der Herausforderungen ohne Zerstörung unserer Handlungsmöglichkeiten und der Grundlagen unseres Zusammenlebens. Und bei dieser und anderen Grundsatzfragen um den Kampf gegen Hysterie und für die Bewahrung der Vernunft und des Erbes der Aufklärung.

Dirk Reimers, Staatsrat a.D.

Gefährliche Solidarität

10. Dezember: „Worauf warten wir noch? Die Impfstoff-Zulassung dauert zu lange – ein Notfall verlangt rascheres Handeln“

Frau Merkels emotionaler Appell im Bundestag war richtig und der Situation angemessen, und es ist unverständlich, warum man in der EU für die Zulassung des Impfstoffes der Firma Biontech so lange braucht – voraussichtlich vier bis fünf Wochen länger als Großbritannien. Vor dem Hintergrund, dass die Langsamkeit der EU-Administration bekannt ist, und die Zulassung von neuen Medikamenten und Impfstoffen in die Kompetenz der Nationalstaaten fällt, ist die Entscheidung der Administration Merkel, den europäischen Weg zu gehen, unverständlich. Sie hat mit europäischer Solidarität nichts zu tun, sondern wird Menschenleben kosten. Andere im Bundestag aufzufordern, alles zu tun, was notwendig ist, um diese Pandemie in den Griff zu kriegen, es selbst aber zu unterlassen, das ist unehrliche Politik.

Heiko Ahrendts

Kulturinseln im Reklamemeer

11. Dezember: „Überfällige Reform des Rundfunks“

Natürlich darf man über unseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk diskutieren – gerne auch darüber, was er besser machen kann. Aber die Argumente des Autoren haben eine Schwäche: Er verzichtet auf den umfassenden Blick in die Medienlandschaft und vergisst so in seinem Eifer, darauf hinzuweisen, dass ARD, ZDF, Arte, Dlf, 3sat geradezu Leuchttürme der Seriosität, guten Information und vielfältigen Kultur sind in einem Meer aus Gaudi, Reklame, Stimmungsmache, Halb- und Unwissen, das sich rund um die Uhr aus sozialen Netzwerken und grellen Formaten des Privatfernsehens speist. Wer nun mit dem Einfrieren des Rundfunkbeitrages auch noch das Licht dieser Leuchttürme herunterdimmen möchte, erschwert uns allen in schwierigen Zeiten das Navigieren.

Günter Beling

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